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11 Tage Première Brasil

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11 Tage Première Brasil gehen heute zu Ende. Um es vorweg zu nehmen, auch dieses Jahr begeisterte uns die Filmauswahl der Kuratorin Ilda Santiago. Mit einer bunten Mischung an Spiel- und Dokumentarfilmen erhielten wir einen guten Einblick in die besten filmischen Neuproduktionen Brasiliens und somit auch die spannendsten Sektionen des Internationalen Filmfestivals von Rio. Der diesjährige Fokus lag auf Literaturverfilmungen, was als gezielter Ausblick auf die Frankfurter Buchmesse 2013 mit Ehrengast Brasilien zu verstehen ist. Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Wiederentdeckung des Landesinneren: Der heiße, trockene – und seltsam schöne – Nordosten Brasiliens wird filmisch neu entdeckt. Und genau dahin führten uns Filme wie Os últimos Cangaceiros (The Last Cangaceiros), Capitães de areia (Captains of the Sands), Cabra marcado para morrer (Twenty Years Later) und Xingu.

Captains of the Sands ist eine bildgewaltige Adaption des Romans von Cecília Amados Großvater über das Leben und die Abenteuer einer Bande von Straßenkindern, die als Sandkapitäne bekannt sind. Diese leben in einer heruntergekommenen Lagerhalle am Hafen während sie auf den Straßen der Stadt stehlen, zocken, tanzen – und von Liebe und einem besseren Leben träumen. So gerät schnell das kriminelle Tun der sympathischen Jungs in den Hintergrund. Gang klingt gleich weniger drastisch, wenn sie rechtfertigt, Teil einer Gemeinschaft zu sein, Liebe und Nähe in einer sonst so ungerechten Gesellschaft zu finden. Doch der Code dieser Jungs-Gang wird auf die Probe gestellt als das Waisenmädchen Dora auftaucht und das Gefüge fast zerstört…

Um Gangs anderer Art ging es auch im Film The Last Cangaceiros. In den 30er und 40er Jahren trieb eine Gruppe von Landbanditen, die „Cangaceiros“, unter der Führung des legendären Lampião im Nordosten Brasiliens ihr Unwesen. Schrill und bunt kommt hier ein fast 100 Jahre altes Rentnerpärchen daher und erzählt über seine Geschichte, die es selbst vor der eigenen Familie ein halbes Jahrhundert geheim gehalten hatte. Erstaunliche Filmaufnahmen der Cangaceiros vor 70 Jahren bereichern diesen Film, der wie eine unglaubliche Bonnie-und-Clyde-Geschichte anmutet und streckenweise sehr obskur wirkt.

Der Film „Xingu“ zeigt die Geschichte dreier Brüder aus São Paulo, die die Besiedlung an einem Teil des Xingu-Flusses in Brasilien vorbereiten wollen. Als sie auf die Ureinwohner treffen und mit ihnen gemeinsam leben, verändert sich ihre Einstellung. Sie beginnen sich für den Schutz des Gebietes einzusetzen, so dass schließlich nach einigen Hürden der Xingu- Nationalpark, Brasiliens berühmtestes Indígenagebiet, entsteht. Besonders der aktuelle Bezug zum hochbrisanten Staudammprojekt Belo Monte macht diesen Film sehens- und empfehlenswert und zu unserem Highlight dieses Filmfestivals.

Leider fehlten uns bei unserer diesjährigen Filmauswahl die sonst so bereichernden Diskussionen mit den Regisseuren. Dennoch macht es viel Freude zu sehen, wie die Première Brasil Jahr für Jahr auf größere Zustimmung stößt. Und so sind wir schon darauf gespannt, welche filmische Überraschungsbox uns Ilda Santiago im kommenden November nach Berlin bringen wird. Mit Sicherheit werden wir 2013 noch viel mehr von Brasilien hören, lesen und erleben.

Unsere Filmauswahl:

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