Monate: Januar 2014

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Der große Flieger aus Deutschland. Meine ersten Stunden in Kuba

Die Hälfte unseres Fliegers steht bereits ungeduldig in den Gängen, als der Kapitän ansagt, wir müssten unsere Position noch einmal wechseln. Das heißt zurück auf die Plätze oder eben à la Reise nach Jerusalem den leeren Platz schnappen, an dem man sich gerade befindet. Die italienischen Passagiere scheinen das Spiel nicht zu kennen. Immer wieder folgen Ansagen, denn auch die Rolltreppe ist nicht gleich zur Stelle. Scherzhaft kommentiert dies der Flugkapitän – „So oft landet hier kein großer Flieger aus Deutschland.“ Und damit sollte er wohl irgendwie auch recht behalten, denn als wir später in Santa Clara unseren Gastgebern im Casa Particular mitteilen, dass wir gerade frisch aus Deutschland eigenflogen seien, schütteln die ungläubig den Kopf und wiederholen ihre Frage in einem noch langsameren und verständlicherem Spanisch. Auch der Herr in der Mietwagenfirma fragt am nächsten Tag zweimal nach, als wir mitteilen, dass wir in Santa Clara gelandet sind. „Es gibt Flieger von Deutschland nach Santa Clara?“ „Ja, seit letztem Herbst fliegt Condor.“ Es öffnen sich beide Male vor dem geistigen Auge dieser Einwohner Santa …

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Mein erstes Mal…

Ich weiß nicht warum ich Dich erst jetzt gefunden habe. Wir hatten doch schon öfter einmal kurzen Blickkontakt. Aber irgendwie passte es nie, auf Dich zuzugehen. Vielleicht erschienst Du mir auch einfach etwas zu langweilig und ich hatte den Eindruck, dass wir unterschiedliche Interessen haben. Ich suchte das Abenteuer, das Individuelle, Du warst eher für die big Love mit ganz viel Herz, für das Fertige und für eine lange Beziehung. Ich wollte hingegen noch so viel ausprobieren. Schnell widmete ich mich anderen, die mich mit auf wunderbare Reisen nahmen und mir die Welt zeigten. Doch immer passte es nicht für eine längere Bindung. Immer störte irgendetwas. Der eine ließ mich mal sitzen, damals in Madrid. Der andere war ein absoluter Fleischnarr und servierte mir immer das falsche Essen. Ein anderer trieb es zu wild und war mir zu heftig unterwegs. Es wollte nie so recht passen. Weißt Du noch, als es damals nach Gomera gehen sollte und Du mich bis Teneriffa mitnehmen wolltest, da flirteten wir mal kurz. Doch dann kam ein Attraktiver daher, der …

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Kubanischer Gedankensalat

Ich habe keine Erfahrungen mit Inseln, so quasi. Vielleicht fehlt mir auch nur die Erfahrung mit Inselstaaten. Jedenfalls hatte ich da so eine Idee, nämlich dass jede Insel klein sein muss. Mit diesem Ansatz hatte ich mich recht kurzfristig im Dezember für zwei Wochen Kuba entschieden. Nicht so meine gewöhnliche Reiselänge, aber ich dachte, zwei Wochen würden für Kuba völlig ausreichen. Doch je näher der Flug im Januar rückte, desto größer schien Kuba vor meinen Augen zu werden. Insel Enlargement, sozusagen. In den Osten will ich auch noch, unbedingt! Santiago, das ist Son! Und dann, das höchste Gebirge der Insel – da will ich wandern. Ach im Norden, da sind so schöne Inselwelten vor der eigentlichen Insel. Und plötzlich sah ich, dass mich meine mangelnde Inselerfahrung einen große Fehler von Anfang an begehen ließ. Für Kuba braucht man mindestens drei, wenn möglich vier Wochen. Nun war es jedoch zu spät. Eine Woche vor Abflug kam die Erleuchtung, Backpacking mit Lokalbussen ist dieses Mal auch nicht richtig drin. Wir wollen etwas sehen, viel sehen. Den Osten …

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Amazonasgrün. Meine Reise in die grüne Lunge der Erde

ENGLISH VERSION HERE Nach Tagen in der monotonen ockerfarbigen Landschaft, in die sich auch die rotbraunen Häuser so einfügen als wollten sie sich hinter dem steinigen Boden verstecken, verlasse ich das Altiplano. Vor uns windet sich im Nieselregen die schmale, unbefestigte Andenstraße von über 3000 Metern hinab in das grüne Tal – Amazonien! Nie zuvor erlebte mein Auge den Kontrast zwischen Höhe und Tiefe, Stadt und Land, braun und grün so intensiv wie auf dieser Fahrt. Wäre da nicht der erschreckend geringe Abstand zwischen Jeep und Abgrund, der maximal 30 cm maß, hätte ich mich diesem Ergrünen der Natur bereits auf meiner 12stündigen Fahrt von La Paz nach Rurrenabaque völlig hingeben können. Denn das steinige Ocker wird zunehmend von der erfrischenden Flora der Yungas-Region überdeckt, die mit einem leichten strauchigen Grün der Obstbäume, Kaffeepflanzen und Cocasträucher aufwartet. Die Strecke führt uns von der Hochebene hinab – die Straße schmiegt sich an die Berge, ist teilweise fast reingehauen. Kurven, Kurven, Kurven und steiler Abgrund. Die Straße nur so eng, dass gerade ein Auto Platz hat und …

Ciudad Perdida Kogi-Kids

Lost in the City

Kulturschock. Ich quetsche mich durch eingeengte Gehwege zu meinem Hostel. Zahlreiche Straßenstände preisen Karnevalutensilien an. Was war geschehen in den vergangenen fünf Tagen? Ich erkenne die Küstenstadt Santa Marta nicht wieder. Alles ist in heller Aufregung und Begeisterung für den Karneval. Knallbunte T-Shirts, Masken, Pelucas werden angeboten. Diese kommerzielle Welt scheint nicht im Einklang mit der nur ca. 50 km östlich gelegenen Welt in der Sierra Nevada zu sein. Noch immer will mein Körper nicht zum Stehen kommen. Mein Kopf hingegen schon. Ich bin müde, fühle mich lost in the City. Irgendwie habe ich mich immer um diese eine Sache herumgedrückt. Dieses Mal musste ich es aber einfach tun. Jeder tut es, der im Norden Kolumbien ernsthaft reist und noch ernsthafter etwas als Traveller auf sich hält. Also bin ich dieses Mal das kleine Projekt angegangen, das da heißt Ciudad Perdida, auch verlorene Stadt oder Lost City genannt. Die Indios hingegen nennen es Teyuna. Und in diese magische Welt begaben wir uns nun vor genau fünf Tagen, die Welt der Vorfahren der Kogis – der …

Hirschweg

Auf den Spuren des Hirschs – Havelquellwanderung

Ist sie es oder ist sie es nicht? Obwohl die Havel von der Gegend unserer zweiten Wahlheimat bis in unsere erste Heimat fließt, wissen wir so erstaunlich wenig über diesen Fluss. Wir wissen zwar schon, dass wir, wenn wir wollten, unser kleines Kajak in Blankenförde ins Wasser lassen könnten und wir irgendwann auch im Wannsee rauskommen würden. Doch wo die Havel entspringt, wusste ich bis letztes Jahr gar nicht und bis heute hatte ich nur eine leichte Ahnung. Es ist auch nicht so einfach mit der Havel, denn sie hat eine echte und eine falsche Quelle. So hat sie eine Quelle, wie wir uns alle Quellen eben vorstellen. So eine kleine Pfütze mit Loch, aus dem es sprudelt. Uns sie hat eine Quelle, die sich nicht als solche zu erkennen geben möchte – so ein bisschen wie in Uganda die Nilquelle. Die Quelle ist nämlich ein See, der Bornsee. Wir nehmen uns also vor, beides einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und wer könnte uns dafür besser den Weg weisen als der Hirsch. Die …

Lissabon Reisetipps

Lissabon Reisetipps – vier Tage Lissabon und Umgebung

Vier Tage Lissabon und Umgebung in der Adventszeit – nichts für Weihnachtsromantiker. Weihnachtsmärkte findet man auch in Lissabon, wo eine festliche Beleuchtung nicht fehlen darf, aber ansonsten ist Lissabon einfach nur Lissabon. Eine historische Stadt, in deren engen Gassen man sich verliert, in der man durch ihre hügelige Lage auf und ab geht und abends seine Beine spürt, eine Stadt, über der ein herrlicher Glanz liegt, aber in der es auch hier und da bröckelt. Ich war tatsächlich total überrascht und fasziniert, eine so ungemachte „Hauptstadt“ innerhalb Europas vorzufinden. Vieles ist authentisch. Was den Touristen reizen mag, mag sicherlich auch manch Einwohner stören. Südeuropäische Städte leben normalerweise, sind laut, trubelig und hektisch. Lissabon jedoch ist eine Stadt, die lebt und zugleich in sich ruht. Von Anfang an fühle ich mich hier nicht gestresst, sondern spüre eine gewisse Langsamkeit. Die Hügel schlucken, der Tejo schluckt und und auch wir schlucken, als wir Lissabon wieder verlassen. Stationen: Lissabon – Sintra – Cascais (Dieser Beitrag wird noch erweitert.) Gereist im Dezember 2013. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte?  Wenn ich …

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Auf dem Victoriasee

Eigentlich wollten wir die 8 Uhr-Fähre von Bukakata nach Luku schaffen. Als wir eine Stunde zuvor unser Guest House in Nyendo verließen, versuchte uns der Hausherr von den Vorzügen eines Taxis zu überzeugen. Denn als Muzungu fährt man kein Matatu. Wir lehnten ab und begaben uns in die Hand der Boda Boda Fahrer, die uns zum Matatuplatz brachten. Als wir dort ankamen, schaute ich erstaunt. Hier gab es keine Kleinbusse, sondern nur PKWs. Schnell begriffen wir, hier fallen die Matatus eben eine Nummer kleiner als gewöhnlich aus. In normale PKWs bekommt man ja schließlich auch zehn Personen unter. Zu acht fuhren wir zum Glück los. Wären wir nur sieben geblieben, hätten wir von Glück reden können. Doch der achte Fahrgast war eine Frau. Und an diesem wunderbaren Morgen des Heiligabend fiel ihr unterwegs ein, noch Hennafarbe für ihre Haare kaufen zu müssen. Der Zeiger meiner Uhr nahm Fahrt auf, während wir eingequetscht im Matatu-PKW mit Warten verbrachten. Nach 20 Minuten hatte die Dame endlich ihren Einkauf und Plausch beendet. Nun konnte es wirklich losgehen. Unser …

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In der Spur, neben der Spur – Aktiv im Tannheimer Tal

„Jetzt seid Ihr fit für Olympia.“ Dieses Urteil hört man gern vom Olympia-Zweiten. Und zugleich weiß ich, dass Papa vor 33 Jahren nicht ganz so viel falsch gemacht hat, als er mich auf meine kleinen orangen Plastikski mit Federzugbindung stellte, in der Hoffnung, damit eine Wintersportleidenschaft zu entfachen. Und tatsächlich kann man mich auch heute noch immer wieder mit schönen Winterlandschaften entzücken, die ich mit Langlaufski erobern kann. Was im Sommer das Kajak – wenn ich nur das Plätschern der Paddel höre und auf Augenhöhe mit dem Wasser bin, wo ich die Natur umso intensiver wahrnehme, ist im Winter der Skilanglauf durch verschneite Wälder, wo man nur das Knirschen der Ski hört und die eisige Luft spürt. Und genau solch eine Winterlandschaft haben wir in Tannheim entdeckt – so quasi, im kleinen Mekka für Skilangläufer. Es ist mein erstes Mal in den Alpen und auch mein erstes Mal, das ich eine Skistunde nehme – und das bei einem, der meisterlich Ski fährt – Peter Schlickenrieder. In Vorbereitung auf den Ski-Trail Tannheimer Tal, der wieder vom …

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Hotel Schwarzer Adler – Schlafen ihm schönsten Hochtal Europas

Als wir am Schwarzen Adler nach knapp zweistündiger Fahrt vom Innsbrucker Flughafen mit kurzem Stopp in Seefeld ankamen und das Hotel betraten, saßen schon einige Gäste in der Lobby und genossen die Atmosphäre am offenen Kaminfeuer. Der Schwarze Adler beschreibt sich selbst als „ein 4-Sterne Hotel für Leib und Seele – Lust & Laune das für alle Generationen ob Jung und Alt, für Singles und Familien“. Der Schwarze Adler zählt bestimmt nicht zu den kleineren Hotels in Tannheim, aber durch das Personal und der detailverliebten antiken Inneneinrichtung versprüht das Haus einen familiären Charme. Unser erster Eindruck wird prompt auch bestätigt, alle Generationen sind in der Lobby und im Restaurant vertreten und der familiäre und bodenständige Umgangston des Personals passt zu dem, was wir von echten Tirolern erwarten. Das Zimmer: Unser Zimmer lag im dritten Stock, Nummer 303. Von unserem großen Fenster hatten wir einen schönen Blick direkt auf die Kirche St. Nikolaus und das Zentrum des kleinen Ortes. Das Schlagen der Glocken war am Morgen ein treuer Begleiter. Unser Zimmer war  liebevoll mit Holzmobiliar und …