Monate: November 2016

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Wir lagen vor Kap Hoorn

Es ist Sonntagmorgen, der erste Advent, als ich den Vorhang noch ein Stück weiter beiseite schiebe, um nicht den Moment zu verpassen, in dem eine Landmasse hinter der doppelten Scheibe auftaucht. Noch blicke ich auf das offene Meer. Seit knapp 3 Tagen sind wir nun am Bord der MS Midnatsol von Hurtigruten. Ein gutes Stück mit chilenischen Fjorden, Gletschern und Bergen liegt hinter uns. Immer war irgendwo eine Bergkette oder Insel in Sichtweite, als wir die Magellanstraße und später den Beagle Kanal passierten.   Doch seit wir gestern Abend von Puerto Williams ablegten, um den südlichsten Punkt Südamerikas (naja, genau genommen sind das die 100 km entfernten Diego-Ramirez-Inseln, aber die sind schließlich nicht bewohnt) anzusteuern, gibt es nichts, was den Horizont von seiner Monotonie ablöst. Mein Magen kämpft langsam gegen den Rhythmus der Wellen an. Ich schwanke ein wenig durch die Kabine und fische mein Notfallkit gegen Seegang aus dem Schrank. Nicht, dass ich es schon bräuchte. Aber sicher ist sicher. Punkt 7 Uhr wird der Anker gesetzt. Wir haben Kap Hoorn erreicht. Rund 10.000 Menschen wurde dieses Stück …

Antarctica / Tholl Jean Pierre

Ins ewige Eis oder ans Ende der Welt – meine Reise in die Antarktis mit der MS Midnatsol

Seit Tagen sitze ich zwischen aufgestapelten Umzugskartons, pendle zwischen Wohnungen. Man könnte sagen, ich stecke in einer recht chaotischen Woche, wäre mein Jahr nicht ohnehin schon ein pures Durcheinander gewesen. Wann, wenn nicht jetzt, ist mal Zeit für eine Luftveränderung, für ein bisschen frischen Wind um die Nase? Aus den chaotischen Haufen versuche ich die Dinge zu fischen und in den Rucksack zu stopfen, die man für „so eine Reise“, die ich vor mir habe, eben braucht. Ich muss zugeben, so ganz weiß ich ohnehin nicht, was wirklich ins Gepäck muss. Denn diese Reise ist mit nichts Bisherigem zu vergleichen. Es geht in die… Antarktis Hätte ich eine Bucket Liste, die da hieße „Orte, die ich vor meinem 40. Geburtstag gesehen haben möchte“, dann wäre sie schon ziemlich abgearbeitet, denn viele Reiseträume habe ich mir bereits erfüllt. Aber da gibt es ein Ziel, das mich schon lange reizt, aber von dem ich nicht dachte, es je einmal zu erreichen. So weit weg ist dieser Ort, von dem ich spreche und für den ich genau jetzt all das Chaos …

Finnlines, Finnstar

Entspannt nach Finnland reisen – Mit Finnlines einmal über die Ostsee

Seit einer halben Stunde sitze ich im Schneidersitz im Fenster meiner Kajüte. Der Regen peitscht auf die Scheibe während wir uns im Rhythmus der Wellen auf und ab bewegen. Am Horizont schaukeln sich zwei weitere Schiffe in die Nacht. Im Westen tüncht die Sonne die dunkelgraue Wolkendecke in ein zartes Gelb. Der Streifen, der die dunkle, aufgewühlte Ostsee vom Himmel trennt, gerät ins Schwanken. Nach jedem härteren Aufprall schäumt die Gischt über den Bug zu meinem Fenster hinauf. Was für den Kapitän, der vier Etagen über mir sitzt, wahrscheinlich eine ganz normale Fährfahrt auf der Ostsee ist, zeigt mir von dem Meer, das mir jeden Sommer viel Badevergnügen bereitet, eine ganz neue Seite. Meditativ und völlig entspannt wiegt mich die Finnstar in die Nacht. 29,5 Stunden trennen Helsinki von Travemünde. Zeit, in der eine relaxte Kurzreise nach Finnland nachwirkt. Überfahrt von Travemünde nach Helsinki Die Überfahrt von Lübeck vier Tage zuvor verlief wesentlich ruhiger als diese Nacht. Fast wähnte ich mich gar nicht auf einem Schiff, als wir die Lübecker Bucht verließen und an der …

Ntwetwe Pan

Der Himmel über der Salzwüste – Ladies Night in der Ntwetwe Pan

„Don’t move for the next minute.“ Bokamoso startet seine Stoppuhr, während zehn Frauen mucksmäuschenstill auf den Campingstühlen im Halbkreis sitzen. Plötzlich ist Stille – komplette Stille. Das Tierkonzert der letzten drei Wochen erstickt auf dem salzigen Boden der Ntwetwe Pan, die zum größten Salzpfannensystem der Welt, der Makgadikgadi Pan, gehört. Über uns schmückt der Himmel sein dunkelblaues Kleid und heftet Sterne an. Sie entfalten nur wenig Strahlkraft an diesem Abend, da der Halbmond zu intensiv scheint. Doch über uns wacht Venus im leuchtenden Gelb. Unter meinen Füßen knirscht die grau-weiße Salzkruste. Ich versuche, jeden Muskel still zu halten. Eine Minute lang lausche ich meinem eigenen Atem. Ansonsten spüre ich nichts. Ein intensives Nichts. Ein Nichts, das durch die Ohren fließt und schmerzt, weil es den Sinn anregt, ohne einen Reiz zu erhalten. Der Reiz gelangt über die Augen in mein Hirn. Das Nichts ist die totale Stille, die vom zaghaften Knistern des Lagerfeuers begleitet wird. Nach einer Minute durchbricht Bokamosos Stimme die Stille. „Was habt Ihr gespürt?“ Ich habe das Nichts gefühlt – Leere, Weite, …