Jahr: 2017

Mexiko, Tulum

The Feeling of Tulum

„Spürst Du etwas?“ „Nein, und Du?“ Während meine Schwester etwas belustigt aus dem Lonely Planet zitiert, lass ich die Maya-Ruinen von Tulum auf mich wirken. Durch ihre 784 m lange dreiseitige Ummauerung, die nur zum Meer geöffnet ist und bei Sonnenaufgang das Licht in sich auffängt, ist Tulum durchaus etwas Besonderes. Und das Setting auch: Eine historische Stätte auf Klippen küsst die weißen, palmengesäumten Sandstrände und die türkisblaue Karibik. Das ist Postkartenidylle pur und schreit nach Besuchern. Ein Besuch der Mayastätte in Tulum – Zwischen Vorstellung und Wirklichkeit Alles ist herausgeputzt, Wege gesäubert, Rasen gemäht, auf dem die rund 700-1000 Jahre alten Ruinen herausragen, als seien sie erst frisch erbaut. Zu wenige Ecken und Kanten, zu wenig wilde Natur. Kaum zu glauben, dass sie bei ihrer Wiederentdeckung 1842 vom Dschungel überwuchert waren. Nur wenige Bäume spenden Schatten. Von Tulum wurde im 13. und 14. Jahrhundert der Sternenhimmel beobachtet, besonders Venus war im Visier. Fenster sind so ausgerichtet gewesen, das sie die Sonnenstrahlen zur Wintersonnenwende auffangen. Eine leichte Meeresbrise zerzaust meine Haare, als ich in der brütenden Hitze durch die …

Palast La Moneda

Santiago de Chile unter einer Dunsthaube

Die Gipfel der Anden, die Santiago de Chile einrahmen, verlieren sich im Dunst der Stadt. Immer wieder fallen meine Lider zu, während sich spanische Fetzen durch meine Gehörgänge bohren. Ich fühle mich irgendwie wieder zuhause, obwohl ich noch nie in Chile war. Aber die Füße auf den südamerikanischen Kontinent zu setzen, ist immer wieder wie ein „Zurückkommen“ – egal in welches Land. Dass ich 2016 hier landen würde, war nicht vorhersehbar und auch nicht geplant. Eigentlich wollte ich ein Jahr pausieren, einen Bogen aus persönlichen Gründen darum machen, und dann kam alles anders. Weil eine Reise, die ich mir nicht erträumte, genau hier ihren Anfang finden sollte. Weil ich in Kürze schon Südamerika wieder verlasse, um zu den Ufern eines anderen Kontinents aufzubrechen: der Antarktis. Santiago de Chile vom Gipfel des Cerro San Cristóbal Nur wenige Stunden bleiben, bis ich wieder am Flughafen sein werde. Eine Stadttour wurde für uns gebucht. Völlig übernächtigt nehme ich auf, was mein Gehirn nicht weiter zu verarbeiten fähig ist. Ich bin überfordert – mit mir, dem Programm und der …

Chobe NP, Botswana

Chobe Nationalpark – Zwei Tage im Elefantenparadies in Kasane

Immer wieder fällt mein Blick auf den verwaisten Kondomautomaten, der neben dem Zoll-Schalter am Grenzübergang bei der Ngoma Bridge hängt. Es ist das erste Bild, das sich mir von Botswana bietet. Ich frage mich, ob der Automat noch funktionieren würde, wäre er denn gefüllt. An den Wänden hängen Aidsaufklärungsplakate – die Problematik der hohen HIV-Ansteckungsrate, die in mehreren Ländern des südlichen Afrikas einen Anteil von weit über 10 % an der Gesamtbevölkerung aufweist, bekommt sofort ein Gesicht. Aber auch die enorme Anstrengung, die die Regierung Botswanas vorbildhaft seit vielen Jahren in dieser Hinsicht unternommen hat – beispielsweise mit dem erfolgreichen staatlichen Therapieprogramm MASA für HIV/AIDS- Patienten. Im Immigration-Häuschen herrscht eine ausgelassene Stimmung, die vielleicht auf den morgigen Feiertag zurückzuführen ist. Nach der gedämpften Atmosphäre in Namibia hallt das Lachen der tiefen Frauenstimmen noch stärker durch den Raum und gibt mir sofort das warme Gefühl Afrikas zurück. In akribischer Schönschrift notiert sich die Frau auf der anderen Seite der Scheibe unser Autokennzeichen und kassiert die Straßennutzungsgebühr. Gut gelaunt werden wir zurück auf die Straße entlassen. Niemand, der den obligatorischen Fleisch-, …

Der Nabel der Welt

Sie sind in Rapa Nui, der Osterinsel oder dem Nabel der Welt, wie die Einwohner ihre Insel nennen. Und sie tanzen! Smutje und Capitana tanzen vor Freude auf diesem einzigartigen Flecken Erde, meilenweit entfernt vom Festland. Sie tanzen auf dem grossen Tapatifest, sie tanzen in ihrem Boot vor Anker und sie tanzen vor Freude, als endlich alle Hürden genommen sind, um INTI an Land zu bringen.

Halifax

Der Geschmack von Halifax

„Es gibt nur eine Straße, die nach Halifax führt.“ Der junge Mitarbeiter der Mietwagenfirma lacht herzhaft, als er meine Frage nach dem schnellsten Weg hört. Natürlich hatte ich beim Landeanflug auf den Flughafen der Provinzhauptstadt von Nova Scotia bereits gemerkt, dass sich unter mir ein breites Meer an sattem Grün ausbreitet, das nur von kleinen Wasserflächen durchbrochen wird. Von Halifax war weit und breit keine Spur. 400.000 Einwohner der Metropolregion müssen doch irgendwie sichtbar sein. 45 Minuten später befinde ich mich Downtown Halifax, checke ich im The Halliburton in der Morris Street ein. Hier wartet ein Drei-Gänge-Menü auf mich, doch zuvor drängt es mich hinunter zum Hafen. Flanieren in der Hafengegend von Halifax Ich bin noch keine zwei Stunden in der Stadt, als ich mich auf dem 3,8 km langen Harbour Walk von Halifax wiederfinde. Tief liegen die Wolken über dem Wasser und verschlucken fast die gegenüberliegende Georges Island mit ihrem Leuchtturm im endlosen Grau. Zwischen Pier 21 und Casino Nova Scotia zieht es Einheimische und Touristen gleichermaßen auf die Holzplanken der Uferpromenade. Jugendliche halten ihre Angelschnüre …

Haina Kalahari Lodge, Botswana

Rufe in der Kalahari und die Suche nach Löwen

Der Busch brennt – geht es mir durch den Kopf. Ein gelb-roter Farbschimmer legt sich über die Äste des Buschwerks, als uns Jimmy zum abendlichen Sundowner auf den Airstrip der Haina Kalahari Lodge fährt. Wieder liegt ein Game Drive im privaten Kalahari Reserve hinter uns, bei dem wir Impalas, Kudus, Elands, Zebras und natürlich viele Vögel gesehen haben. Giraffen streckten ihre Hälse zwischen den Bäumen empor, um das wenige Grün an den dörren Ästen zu erreichen. Die heiße Wüstensonne im botswanischen Winter hat an der Natur gezehrt, ihr die Farbe entzogen. 42 Grad zeigte das Thermometer am Nachmittag, und auch jetzt sind es noch stolze 33 Grad, die die Tiere und Menschen in der Kalahari ächzen lassen. Wasser ist in der Umgebung zu dieser Jahreszeit rar. Die Kalahari und der Zaun Es sind unsere letzten Tage in Botswana, die wir hier verbringen – am Rande der Central Kalahari. Sie ist von einem Zaun umgeben. Ein Zaun, der die Tierwelt innerhalb des Nationalparks von der außerhalb trennt. Genau genommen sind es zwei Zäune, die sich schnurstracks …

Naankuse Lodge Windhoek

N/a’an ku sê Lodge – Das Idyll vor den Toren Windhoeks

Wir sind zurück in Windhoek und doch auch noch weit weg im Busch. Warum soll man auch die Nähe zur Stadt suchen, wenn man 3,5 Wochen in der afrikanischen Savanne und auf den sandigen Straßen Namibias und Botswanas verbracht hat? Und so suchten wir uns eine Unterkunft, die Nähe zum Flughafen bietet, aber doch das Gefühl vermittelt, noch weit draußen in der einsamen Landschaft zu sein. Mit unserem Domizil – dessen Name N/a’an ku sê  (was soviel heißt wie „Gott beschützt uns“) ein wahrer Zungenbrecher ist, haben wir ein Idyll gefunden, das uns die beste Voraussetzung bietet, die Reise ruhig und entspannt zu beenden. Die N/a’an kuse Lodge liegt ca. 45 km vom Stadtzentrum Windhoeks bzw. ungefähr 30 min Fahrtzeit vom Flughafen entfernt. Es handelt sich bei der  N/a’an kuse Lodge and Wildlife Sanctuary nicht nur um eine Herberge, sondern auch um ein Rehabilitationszentrum für verletzte und verwaiste Tiere. So kann der Hotelgast und auch Tagesbesucher im Game Reserve Buschwanderungen, Game Drives, Gepardenfütterung und ähnliches gegen einen Aufpreis buchen. Da wir nur eine Nacht hier verbringen, machen …

Orne Harbour, Antarktis

Spuren im Schnee und die Magie des Lichts – von Orne Harbour in die Gerlache-Strasse

Es ist gegen 23 Uhr, als ich noch einmal über das Außendeck streife. Die Vorhänge vieler Kabinen auf Deck 6 sind bereits zugezogen, als sich vor uns das schönste Naturkino auftut. Die Landschaft der Antarktis ist dafür gemacht, sie als Gast zu besuchen, um dann wieder behutsam aus jener Traumwelt zu verschwinden. Für diesen Ort, der komplett den Naturgesetzen folgt und kein Besitztum kennt, kann man keine Dauerkarte erwerben. Nachdem der späte Sonnenuntergang um 22 Uhr die vergletscherten Berge des Neumayer-Kanals mit einem intensiven Orange beschenkt hat, verliert sich dieses am Horizont, um für ein tiefes Rosarot Platz zum machen. Vor mir breitet sich eine Zuckerwattenlandschaft aus, eine Farbwelt wie im Lillifee-Land. Kitschig schöne babyblaue Eisberge, durch die unser Schiff gleitet, verschmelzen mit dem pinken Himmel. Nie sah ich bisher eine Landschaft in solchen surrealen Farbkompositionen, nie sah ich die Welt so pur und rein, so glatt, so traumhaft schön. Und das an einem der unwirtlichsten Orte, an dem es kaum Leben gibt. Auf Breitengrad 64,47 sind wir dem Südpol am Nächsten und kehren um. Wenn …