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Auf Ches Spuren

Vallegrande, Che

Dass Che drei Jahre in diesem Ort verweilte, wussten nur zwei Handvoll Leute. Der Ort, der heute bei keiner Che-Tour fehlt und dadurch wohl dem Tourismus einiges verdankt, war bis vor einigen Jahren ein verschlafenes Nest. In der Mittagszeit wirkt er noch immer verschlafen. Besonders bizarr ist aber die Tatsache, dass der Ort, der sich heute gut mit Che promotet, von Che nie lebend „erlebt“ wurde.

Vallegrande liegt 2,5 Autostunden von Samaipata entfernt und verweist seit 1,5 Jahren nunmehr sogar auf eine neue, asphaltierte Straße. Während Che 1967 in El Higuera (noch weitere 60 km südlich von Vallegrande) ermordet wurde, verkündete man seinen Tod aus Vallegrande. Hier entstanden die Fotos, die um die Welt gingen. Der Beweis, dass el comandante tot sei, wurde erst hier glaubhaft erbracht. Von El Higuera per Hubschrauber nach Vallegrande gebracht, lag sein Leichnam zwei Tage in der Wäscherei des Krankenhauses Señor de Malta. Die Weltpresse stürzte sich hier auf ihn. In einer Nacht und Nebel Aktion wurde er dann zwei Tage später weggebracht. Während alle glaubten, er läge in Kuba, blieb seine Grabstätte 30 Jahre lang ein Geheimnis. Nur ein paar Militärs und der CIA wussten, wo Che begraben lag. Nämlich nicht weit vom Krankenhaus Vallegrandes entfernt – zwischen der Landebahn des kleinen Flughafens und dem örtlichen Friedhof. Nach 30 Jahren ging einer der Mitwisser an die Öffentlichkeit und verriet den ungefähren Ort. Zwei lange Jahre suchten dort Forscher aus Argentinien und Kuba.

Vallegrande, Che

Erst 1997 fanden sie Ches Leichnam und die seiner Compañeros. Heute erinnert an dieser Stelle ein Mausoleum. Doch die Leichname wurden an die Geburtsstätten der Revolutionäre zurückgeführt. Che aber liegt nicht in Argentinien, sondern nun in Kuba begraben. Ein weiteres Jahr später fand man auf dem ehemaligen Militärgelände und heutigen Grundstück des Rotary Clubs die Leichname seiner Wegbegleiter wie auch der deutsch-argentinischen Kämpferin Tanja. Auch hier erinnern kleine Steine und Bäume an deren Kampf. Und an jeder Erinnerungsstätte finden sich Zeichnungen und Sprüche der jugendlichen Fangemeinde – vornehmlich aus Argentinien.

Den Kult um Che mag man nicht verstehen. Um so weniger verstehe ich, wie ein Volk, das zum Verrat mit beigetragen hat, Che heute kommerzialisiert. Ches Kampf in Bolivien bestand aus einer reinen Niederlage. So kann kein Held aussehen. Vielleicht hätte er einfach nur den Charakter des Volkes erkennen müssen. Denn allein heute noch hat man das Gefühl, hier kann keine Revolution fruchten. Den Kampfgeist, den ich in meiner Heimat vermisse, findet man hier schon gar nicht. Vielleicht ist das Volk aber auch einfach des Kämpfens müde, denn in keinem Land Südamerikas gab es so viele Umstürze wie in Bolivien. Kein Land hat vielleicht so viele Niederlagen und Demütigungen erleiden müssen. Vielleicht ermattet dieser Aspekt einfach die Bevölkerung. Denn hat sich je etwas wirklich verändert? Evo Morales ist Revolution genug. Er verkörpert Ideen, die die Bevölkerung versteht. Ches Ideen waren vielleicht einfach zu abstrakt. Vielleicht war er aber auch einfach nur ein Fremder, keiner von ihnen.

Vallegrande, Che

Unser Guide Javier war ausgezeichnet. Er sprach über Fakten und auch seine Weltsicht und dies mit voller Leidenschaft. Vor allem aber sprach er, und das ist schon einmal ein großes Plus nach meinen Guide-Erfahrungen in Bolivien. Auf dem Rückweg gab Javier zu erkennen, dass er eigentlich ein anderes Steckenpferd hat als dröge historische Touren. So brachte er uns seine Begeisterung für die Natur nah, indem er uns stolz jeden einzelnen Vogel zeigte und benannte, der über uns hinweg flog. Und auch die Kakteen am Straßenrand schienen ihn sehr zu begeistern. Vallegrande ist eben nicht nur Che.

 

Ich besuchte Vallegrande im Februar 2010 von Samaipata aus. Aufgrund der Karnevalszeit gab es nicht viele Touranbieter, die überhaupt „Touren anboten“ und das öffentliche Verkehrsnetz lag auch fast brach. Freundlicherweise fanden wir Ben Verhoef  der uns mit seinem ausgezeichneten Guide Javier auf eine eintägige Tour nach Vallegrande schickte.

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