Autor: Mad B

Martinique

Martinique – ein Stück Frankreich in der Karibik

Rhythmisch legen sich die Stimmen von Fröschen, Grillen und Vögeln über das Rauschen des Meeres, als wollten sie ein Bad im Atlantik nehmen. Ich sitze seit einer Stunde auf der kleinen Terrasse meines Strandhauses. Alles, was ich tue, ist dieser Melodie zu lauschen, die mir der Wind in der versiegenden Nacht in meine Strandliege fegt. Die Mondsichel liegt noch nordöstlich im Morgenhimmel von Martinique. Sterne verzieren das Schwarz, das die  eindringliche Geräuschkulisse der nachtaktiven Tiere mit einem geheimnisvollen Schleier versieht. Diese läutet die Nacht ein und beendet sie auf ebenso wunderschöne Art und Weise. Zwischen Karibik und Frankreich Es sind keine zwölf Stunden vergangen, als unser Flieger auf der Landebahn stand und wir auf unsere Abfertigung warteten. Kondenswasser floß über die kleine Scheibe der Condor-Maschine. Was sich dahinter verbarg, waren satte grüne Hügel mit kleinen Siedlungen. Grashalme tanzten neben der Landebahn. Palmen schaukelten sanft im Wind. Über uns lagen dicke Wolken. Die Schwüle war bereits sichtbar, ohne sie im klimatisierten Raum des Flugzeugs zu spüren. An der Passkontrolle wurden wir gleichgültig vorbeigewunken. Schließlich reisen wir ja innerhalb der EU. Erst im unübersichtlichen Gewusel …

Madlen-4

2018 – von Reisen und Zielen

Was ist Dein Ziel? Überrascht schaute ich Mo, den Tätowierer, an, als er sich noch bevor wir über Motive sprachen über meinen Lebenssinn austauschen wollte. Es fiel mir schwer, auf diese Frage eine Antwort zu finden. Denn sie traf mich so komplett unvorbereitet, erwartete ich diese Fragen doch eher auf einer Psychologen-Couch. Jeden Tag so zu leben, dass ich mit mir im Reinen, weitestgehend glücklich und zufrieden bin. Dass es da nichts Großes gab, auf das ich hinsteuere, schien den Mittdreißiger doch zu verunsichern. Yoga, Meditation… alles Mögliche probiert er aus, um diesen Sinn hinterher zu jagen. Was, wenn’s den aber gar nicht gibt? Meine Antworten scheinen zu einfach in einer kompliziert werdenden Welt, in der man seinem Sein eine Bedeutung zuweisen möchte. Schamanische Reisen, energetische Raumausräucherung, Tantrische Körper- und Ritualarbeit… die Spielwiesen derer, auf die ich immer wieder treffe, sind groß. Was probiert man nicht alles, um zu suchen, zu finden. Dass ich einen Tag nach meinem Radunfall ihm nur sagen konnte, hier zu sein, uneingeschränkt und gesund die Welt zu erleben und jeden Tag so zu behandeln, …

Shikoku, Japan

Shikoku – Japan mal anders

Zaghaft arbeitet sich die aufgehende Sonne durch die dichte Wolkendecke. Hinter dem Flughafengebäude Tokios zeichnet eine feine Linie den Dreitausender Fuji in den Himmel. Dann rollt unsere Maschine auf die Startbahn des Haneda Airport Domestic Terminals. Drei Flughafenmitarbeiter winken unserer Maschine emsig hinterher. Kleine Gärten auf dem Gelände verlieren sich durch die zerkratzte Scheibe am Horizont. Eine Stunde trennt uns noch von Japans kleinster Hauptinsel Shikoku. Unter mir faltet sich die Landschaft auf und verliert sich im Dunst, der sich über Berge und Ozean zieht. Tokio verschwindet wie ein kurzer Traum. „Arigato Gozaimashita!“ tönt es fünfzigmal durch die Tonanlage des Busses, als wir den Busbahnhof von Tokushima erreichen. Der Busfahrer lässt es sich nicht nehmen, jeden einzelnen Fahrgast beim Aussteigen persönlich zu Verabschieden. Es ist Freitagmittag, als wir durch das Stadtzentrum der Präfekturhauptstadt streifen. Es ist auffällig ruhig. Nur die Ampel hinterlässt ein monotones nerviges Piepsen. Autos und Menschen bewegen sich geräuschlos durch die Stadt. Awa Odori – der japanische Narrentanz Einmal im Jahr, im August, füllen sich zum Obon-Fest die Straßen. 100.000 Tänzer ziehen …

Header-Japan

Linien – Ein Sprung in der Zeit

10,5 Stunden gefangen über den Wolken, an einem Ort, an dem Zeit keine Rolle spielt. Himmlisch schön der Gedanke. Ich sitze in der abgedunkelten Kabine, habe den Sitz zum Schlafen eingestellt. Business Class Feeling à la ANA. Durch die zerkratzte Scheibe sehe ich unter mir die Seen Russlands gefroren. Eisflächen lugen zwischen der Wolkendecke hindurch, Kälte lässt sich nur erahnen. Mein Uhrzeiger zeigt auf 3 – es ist nachmittags, es ist der 29.11., als sich die Landschaft in der Dunkelheit verliert. Ich schließe die Fensterklappe, schließe die Augen, rolle mich auf den Sitz und ziehe mir die Decke über das Gesicht. Lost in translation. Vor mir Japan, unter mir Russland, hinter mir Deutschland. Irgendwie bin ich verloren zwischen den Zeitzonen – der Jetlag der Karibik hängt mir noch nach, voraus eilt mir die Zeit. Im Kopf liegt das Gewesene. Was ist, legt sich bald schon als Vergangenheit ab, wird gespeichert, wird nie wieder sein. Allenfalls ein Gedanke, eine Erinnerung. Doch wann ist meine Festplatte voll? Meine Gedanken sind klar und verlieren sich doch im Nebel. Wo bin ich? Und in welcher …

Saint Lucia

Ach Saint Lucia, Insel die aus Träumen geboren

„WELCOME“ steht in großen Lettern auf dem Fußabtreter der kleinen Kneipe Hardest Hard, die schräg gegenüber vom Fährhafen in Castries liegt. Evelyn, die Wirtin, nimmt das wörtlich und bietet uns mit ihrer überschwänglichen Begrüßung gleich ein Piton-Bier an. Von der kleinen überdachten Terrasse schaue ich auf die Straße und die dahinter liegenden Wellblechhütten. Dreadlocks schmücken die Köpfe vieler Passanten. Saint Lucia wirkt auf dem ersten Blick wie ein kleines Jamaika. In bester Reggae-Laune begeben wir uns dann auch kurz darauf auf die kurvenreiche Küstenstraße. Zu unserer rechten Seite liegt das smaragdgrüne Meer, links drängt sich das satte Grün herab von den Hängen. Farbenfrohe Häuserfassaden zieren die Straßenzüge der kleinen Ortschaften, die wir passieren, bis wir in der Dunkelheit der Nacht das Wahrzeichen der Insel erreichen. Die Silhouette der Berge ist nur schemenhaft in den Himmel skizziert. Nachtschnorcheln zwischen den Pitons Zwischen den zwei eindrucksvollen Zacken, die die bewaldeten Pitons in den Himmel zeichnen, füllt sich die Lücke mit einem roten Farbton. Wie Blutstreifen ziehen sich die angestrahlten Wolken vor der untergehenden Sonne über das Meer, als ich mit meiner …

Ipsarion, Thassos

Thassos – Wanderungen zu verlassenen Orten und auf den höchsten Gipfel

Der Wind pfeift über die hügelige Landschaft, als wir den Kleinbus im zweitältesten Dorf von Thassos, Theodologos, verlassen. Es soll noch eine halbe Stunde dauern bis wir unser Ziel auf einem 500 m hohen Hochplateau erspähen. Ein paar Behausungen aus Stein fügen sich dezent in die Umgebung ein. Das abgelegene Kastro ist das älteste Dorf der Insel und größtenteils unbewohnt. Der mittelalterliche Ort auf der Anhöhe wurde während der Jahrhunderte andauernden Pirateneinfälle für die Bevölkerung aus den küstennahen Ansiedlungen zu einem Zufluchtsort im Inselinneren. Der Witterung war man hier oben dennoch gnadenlos ausgeliefert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts kehrten die Bewohner an die südliche Küste der Insel zurück und gründeten die Ortschaften Kalyvia und Limenaria. Von Theologos in das unbewohnte Dorf Kastro In der ersten halben Stunde sind wir dem tobenden Sturm gnadenlos ausgesetzt. Nur wenige Bäume bieten auf diesem Erdweg Schutz. Nach einer kurzen Pause führt uns der Weg bergab durch Wälder, die die kräftige Brise bremsen. Nach einer halben Stunde erreichen wir ein ausgetrocknetes Flussbett. An diesem wandern wir im Schutz der riesigen, knorrigen Platanen …

Griechenland, Thassos

Wandern auf Thassos – auf Maultierpfaden und Küstenwegen um Panagia

Weiße Flecken lugen aus dem dichten Grün hervor, als sich unsere Fähre auf die nördlichste Insel Griechenlands, Thassos, zubewegt. 21 Marmorsteinbrüche gibt es auf der Insel, 14 davon sind noch in Betrieb. In die Vereinigte Arabische Emirate, die USA oder nach Dubai wird der strahlend weiße Marmor exportiert – der Weißeste weltweit soll er sein. Erzmetalle und Silbervorkommen liegen wohl ebenso unter den bewaldeten Bergen. Reich ist die Insel, so reich, dass ihr die Wirtschaftskrise nichts antun konnte und auch der Tourismus nur ein Wirtschaftszweig unter anderen ist. Auf eine lange Tradition blickt auch die Olivengewinnung zurück, die ins 19. Jahrhundert hineinreicht, als  einige Klöster vom Berg Athos bedeutende Grundstücke auf Thassos erwarben und Klostergüter gründeten. Nur hier auf dem kalksteinhaltigen Boden wächst und gedeiht die Throumba-Sorte. Fallen andere Oliven nach der Reifung in ihrer dunklen Farbe schließlich ab, vertrocknen die Oliven dieser Sorte am Baum. In der Sotirelis Olive Oil Factory von Panagia kann man die über 100 Jahre alte Ölmühle der Familie Sotirelli besichtigen und mehr über die Produktion erfahren. Olivenhaine, Wälder, Berge und das türkisfarbene Meer – der mitteleuropäische Tourist …

Swasiland

Swasiland oder es kommt meist anders als man denkt

Der Grenzposten von Swasiland verschwindet im Rückspiegel. Die gut geteerte Straße, die uns in das kleine Königreich führt, das von Südafrika und Mosambik eingeschlossen ist, hat die löchrige und holprige Straße der südafrikanischen Seite abgelöst. Vor uns tut sich eine satte grüne Berglandschaft auf. Tiefliegende Wolken legen sich sanft auf die Kuppen. Hütten mit rundem und rechteckigem Grundriss finden sich am Wegesrand. Fleischereien und Autoreparatur Services ebenso. Worldvision unterhält hier laut ihrer zig Schilder Projekte. Fast immer hat es etwas mit Wasser oder Infrastruktur zu tun. Auf den Straßen von Swasiland Swasiland kommt ziemlich geordnet daher und doch sind es kleine Bretterbuden, die als Verkaufsstände dienen und die Menschen, die an der Straße stehen, die uns verraten, noch in Afrika zu sein. Ziel ist das Shewula Mountain Camp, das uns einmal durch die Hügellandschaft des Königreichs führt. Schneller als gedacht erreichen wir Simunye. Die letzten Kilometer führen uns durch den Hlane Royal National Park. Warnschilder zeigen hier die Gefahren, die uns zur Vorsicht raten. Elefanten und Löwen sollen die Straße passieren. Doch in der Mittagszeit …

Kesch-Trek, Graubünden

Meine Höhenwanderung auf dem Kesch-Trek

Volksmusik ertönt aus dem Radio des Postbusses auf unserer Fahrt von Davos über den 2383 m hohen Flüelapass. Spätestens jetzt bin ich da – in der Schweiz. Der Körper sackt in den Sitz, sucht sich ein letztes Stück Kraft und Ruhe, nachdem sich die Anreise durch eine Flugstornierung weniger entspannt gestaltete. Die nächsten Tage werden die Energiebatterien geladen und die Gedanken neu justiert. Mehr als 50 km zu Fuß warten auf mich – mit Höhen und Tiefen. Es ist der Beginn meiner viertägigen Höhenwanderung durch die Bündner Berglandschaft. Es ist die Rückkehr zum Minimalismus, alles was ich brauche, befindet sich in meinem kleinen 30 Liter Rucksack. Vor dem Flüela-Hospiz auf dem Flüelapass halten wir. „Vier Minuten“, ruft uns der Fahrer noch zu, bevor er in der Gastwirtschaft verschwindet. Die Zeit nutze ich, um Seen und imposante Bergkulisse zu fotografieren. Als wir kurz hinter dem Pass erneut zum Halten kommen und auf Empfehlung des Postautofahrers den inoffiziellen Einstieg auf dem Kesch-Trek nehmen, werden wir von unserem Bergführer Andy zur Disziplin ermahnt. Gleichmäßige Schritte sind das Erfolgsrezept einer solchen Wanderung, jeder Halt stört …

Karpathos, Griechenland

Karpathos – zwischen Badebuchten, schroffen Felsen und Bergdörfern

„6/8 voll ist der Tank“, schmunzelt mich der junge Mann von der Autovermietung Euromoto an. „3/4.“ entgegne ich. Er wiederholt 6/8 so vehement, dass ich dies nicht mehr infrage stelle. Ich frage ihn nach dem Schlüssel, den er unter der Fußmatte hervorzaubert. Eine Vertretung hat diese Autovermietung am Flughafen nicht, also macht man das eben auf diese Art. Karpathos ist eine Insel, von der kann ein Auto ohnehin nicht unbemerkt verschwinden. Mit der Übergabe lässt sich der Mann genauso viel Zeit wie bereits mit dem Treffen, zu dem er merklich zu spät kam. Ankommen ist auch immer einen Gang runterschalten, und genau das fällt mir im Leben doch oft schwer. Umso besser, wenn ich dazu gezwungen werde. Holprig bewege ich das Fahrzeug auf die Straße, die in die Hauptstadt der Insel, Pigádia, führt. Gleich hinter dem Flughafen liegen Strände. Auch wenn ich weiß, dass es sicherlich noch schöner kommt, fahre ich den Nissan an die Seite, steige einen kleinen Hügel hinauf und genieße den Panoramablick. Der Wind bläst kräftig und bringt die bunten Segel der Surfer …