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Big Party tonight or Salsa is in the air

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Huhn oder Ei – ist hier manchmal die Frage. Wo Touristen sind, ist die Salsa- oder Son-Combo nicht weit. Kaum ein Restaurant, in dem das Essen oder der Drink nicht von einer Band begleitet wird. Kuba ist Musik – definitiv. Aber auch der Show.

Im Kulturzentrum Viñales spielt Show eine gehörige Rolle. Jeden Abend gegen 21 Uhr treffen sich hier die Reisenden und Einheimischen, um Schritte zu lernen oder auch Schritte aufeinander zuzugehen. Mich erinnert es ein bisschen an ein Zusammentreffen zur Völkerverständigung. Von Anfang an ist klar, hier ist man nicht lang allein. Unauffällig pirscht sich die kubanische Jugend an die jungen und weniger jungen Touristen und Touristinnen heran, um sie dann zum Schritt in die richtige Richtung zu bewegen. Die Richtung zeigt eindeutig Tanzfläche. Egal was gespielt wird – ein Basic-Salsa-Schritt geht immer. Am Anfang spielt nur die Stadtcombo Valle Son. Erst nach einer Stunde lockern sich die Glieder der Einheimischen, die hier und da mal für einen Song fast beiläufig ein kleines Tanzkunststück aufs Parkett legen – unter den erstaunten Blicken der Touristen. Dann kommen professionelle Tänzerinnen zum Zuge.

Und gerade als der Abend so richtig zu beginnen scheint, zumindest nach meinem Musik-Geschmack, legt die Combo ihre Instrumente nieder und schreitet davon. Eine Cantante übernimmt nun das Zepter. Mit kräftiger Stimme schmettert sie Hits auf Englisch und Spanisch. Die Kameras der älteren Touristenschar beginnen zu klicken. Deutschland sucht den Superstar lässt grüßen. So singt sie einen schnulzigen Song nach dem anderen. Nun hat sich inzwischen meine gesamte Muskulatur vor Grauen wieder versteift. So kann das heute nichts mehr werden mit mir und der Tanzfläche. Noch einmal übernimmt kurz die Combo das Zepter, um dann in die Nacht zu verschwinden. Zurück bleibt die Jugend von Viñales mit den willigen und weniger willigen Touristen, deren Muskulatur massiert werden will. In allen Ecken stehen nun zum Sound der schlechten Anlage Tanzpaare und üben. Am Ende ist es nicht Son oder Salsa, der aus den Boxen klingt, sondern Reggaeton.

Combo in Remedios

Combo in Remedios

Ein paar Tage später in Trinidad – die Touristenburg jeder Rundreise und der Individualisten. Auch hier wird allabendlich öffentlich getanzt. Gleich neben der Kirche auf der gut gelegenen Freitreppe trifft man sich oder vielmehr andere Touristen. Erst gibt es Salsa von einer Band, dann afrokubanische Sklaventänze. Deutschland sucht den Superstar erspart man sich – man ist schon weiter, denn gespielt und getanzt wird die ganze Nacht. Selbst um 3 Uhr nachts längst in meinem Bett, kann ich mich dem Touristenprogramm nicht entziehen. Die Einbindung von uns Reisenden erfolgt hier subtiler. Kuba meint es gut mit uns und so ist der small brother „beschalling“ me.

Während wir auf den Stufen sitzen, ziehen Scharen an herausgeputzten Jugendlichen an uns vorbei. Denn hinter den Stufen liegt das Kulturzentrum, an dem ein großes, blinkendes Schild auf „Big Party tonight“ hinweist. Vielleicht läuft da ja ein bisschen mehr „authentical Salsa“. Also fragen wir mal nach, was da hinten so geht. Die Antwort kommt prompt: „Reggaeton, House and Techno“.
Ein paar Tänzerinnen streifen bereits ihr Showoutfit ab und verschwinden hurtig im Kulturhaus. Let’s get started – with the real cuban life.

In einer Bar in Trinidad

In einer Bar in Trinidad

Wohnzimmeratmosphäre in Trinidad

Wohnzimmeratmosphäre in Trinidad

Und wie wir Touristen in der Chan Chan-Welt der berühmten Buena Vista Social Club-Combo leben, die ausnahmslos überall mit Bravour funktioniert, stolpere ich an unserem letzten Tag in Santa Clara doch noch über ein bisschen authentisches Son- und Salsagefühl. Der Mietwagen ist abgegeben, und auf dem Weg zu unserer Casa Particular überqueren wir den Plaza. Vor dem Kulturhaus tanzen Rentner. Sie tanzen nicht so, wie man sich tanzende Rentner vorstellt – bei einem Tanztee – sondern gehen in die Knie, kreisen lasziv mit Hüften und Schultern. Der ganze Körper bebt. Manch ein Rentner mag auf die 80 zugehen, hat aber keineswegs an Sexappeal eingebüßt. Junge Kubaner kommen mit Einkauftüten oder Blumen vorbei, die sie spontan ablegen, um sich den tanzenden Rentnern anzuschließen. Die Straße vor dem Kulturhaus ist erfüllt von Lebensfreude. Pünktlich um 18 Uhr ertönt der letzte Klang der Son-Gruppe. Die Rentner verabschieden sich lachend und strömen auseinander in alle Himmelsrichtungen, als würde der Kochtopf zuhause bereits warten.

Ich habe Son und Salsa schon fast als werbewirksames Produkt für die Touristen geglaubt – überall präsent, wo sich Touristen tümmeln. Doch nach diesen Minuten weiß auch ich, Tanz und Musik sind real und mehr als Buena Vista Social Club.

Und als wir am übernächsten Morgen in München landen, ertönt ein letztes Mal Chan Chan in der Kabine, bevor wir alle wieder in unsere Heimat entlassen werden – die leider weniger Musik in den Ohren ist.

Mehr zu Kuba unter #purcuba
Auf unserer Reise nach Kuba wurden wir durch Condor unterstützt. Alle Ansichten sind unsere eigenen. 

4 Kommentare

  1. Ich bin ja gar nicht so der Tänzer. Aber ich glaube für Kuba würde ich sogar vorher ein bisschen üben meine Hüfte zu lockern ^^

  2. Wow, tolle Bilder und coole Videos. Ich mag der lateinamerikanische und karibische Rhythmus sehr. Ich könnt den Einheimischen stundenlang beim Bewegen und Tanzen zu sehen. Vor allem verspüre ich dort oft den Drang selbst einwenig die Hüfte zu kreisen;-) Plötzlich verliert man an solchen Orten die Hemmung was zu Hause oft weg bleibt.
    Liebe Grüsse, Fränzi

  3. Danke Fränzi, genau das liebe ich auch an Lateinamerika – die Musik und den Rhythmus. Aber wir waren hier etwas eingeschüchterter als zuhause, da man neben den Kubanern einfach nicht so eine gute Figur macht 😉 LG, Madlen

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