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Bolivien marschiert mit Globos bewaffnet {DIARY}

Sucre, Bolivien

Sucre zum Karneval. Das bereitet nur wenig Freude. Schon kurz nach unserer Ankunft wurden wir Zielscheibe feindlicher Globo-Angriffe. Mit Wasser gefüllte Luftballons ist eine Art der Waffe, die nur an kühlen Tagen schmerzt und solch ein Tag war unser Ankunftstag. Später wurden wir mit gefärbtem Wasser beschmissen, was mehr schmerzte. Jeder “Ausgang” wurde also in Sucre zum Spießrutenlauf. Und es gab kein Entkommen, wollte man nicht nur im Hostel abhängen. Denn jegliche Kultureinrichtung war geschlossen. Selbst die meisten Touranbieter zeigten sich arbeitnehmerfreundlich und schlossen ihre Agentur über die Feiertage und sogar schon zuvor. Dann erfuhren wir in einem Reisebüro, in dem wir unseren Flug nach Santa Cruz buchten, dass es noch schlimmer kommen würde. Am Montag und Dienstag ginge gar nichts mehr. Auch keine öffentlichen Verkehrsmittel. Naja, ganz so schlimm sollte es nicht kommen, aber immerhin relativierten andere Aussagen die erste damit, dass die Bus- und Taxifahrer so besoffen sein würden, dass uns dringend zu empfehlen sei, diese Verkehrsmittel nicht zu nutzen. Mit einer Tour am Samstag sah es auch zunächst duster aus, da einige Touranbieter nichts mehr über die Feiertage anboten. Schließlich fanden wir doch einen, bei dem wir alles gebucht hätten, was uns nur aus Sucre rausbringen würde – einfach in die Natur, weg von Wasserschlachten, Marschmusik und Globos.

Und so verbrachten wir den Samstag entspannt in den Höhen der Cordillera de los Frailes, weitab vom lärmenden Geschehen. Vier Stunden reine Wanderzeit stand auf dem Programm. Unser Guide war so gut zu Fuss und prahlte permanent mit seinen Marscherfolgen aus seiner Wehrdienstzeit, dass er wohl vorhatte, diese heute noch beweisen zu müssen. Die Natur war also bei diesem Hike Nebensache, während der sportliche Effekt im Vordergrund stand. Ein kulturelles Ziel hatte die Wanderung auch – die Höhlenmalereien von Pumamachay und Incamachay, während die Letzteren noch besser erhalten und sichtbar waren. Sie sollen von 2000 v.Cr. sein und sind meines Erachtens dafür viel zu gut erhalten. Der Weg führte uns wieder über 3000 m. Wieder perfektes Höhentraining. Am Sonntag ergriffen wir dann endgültig die Flucht ins Flachland in Richtung Santa Cruz, nur um dort eine noch viel ausgefeiltere Kampftaktik zu erleben. Wasserspiele sind für die Cruzeiros wohl eher Kinderspiele. Sie schmeissen gleich mit Farbe um sich. Und der Taxifahrer vom Airport zum Hostel schien eine Fahrschule nie besucht zu haben. Dem alten Herrn traute man keine Rasermentalität zu. Vielleicht durch die Karnevalstimmung angeheizt, brachte ihn der dazugehörige Alkohol ungehörige Kräfte. Er raste durch die Strassen, hupte sich die Wege frei und baute mehrfach Fast-Unfälle. Wie froh waren wir, als er uns endlich ans Ziel gebracht hatte – heil.

Das es noch schlimmer kommen könnte, was die Fahrkünste während der Karnevalszeit betraf, ahnten wir noch nicht. Beschleunigungsanfälle in Kurven sind nur eine Anormalität, die ich einfach nicht verstehen konnte. Fahren auf der falschen Spur ist hier ja üblich. Aber das Zusammenspiel macht erst die gefährliche Mischung.

 

 

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