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Cartagena – wo Schönheit (k)eine Kunst ist

Cartagena Bild

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Schwerfällig versucht meine Lunge den Sauerstoff aus der dicken Luft zu filtern. Mein Körper kämpft noch gegen die Schwüle an, während sich meine Sinne schon gänzlich auf die Perle des Nordens eingestellt haben. Cartagena ist Musik! Aus allen Häusern besonders in Getsemani tönt Musik.
 Einst der größte Sklavenumschlagplatz Amerikas, tummeln sich heute Touristenscharen in den kolonialen Gemäuern der wunderschönen kolumbianischen Stadt am Meer. Und da Cartagena de Indias nicht nur durch seine gut erhaltene und aufgemöbelte Kolonialarchitektur besticht, sondern auch durch seine atemberaubende Lage, bin ich nach drei Jahren wieder zurückgekehrt.

Zunächst verbringe ich die kurze Zeit mit dem Auffrischen meiner Erinnerungen. Schon die Ankunft im Stadtteil Getsemani hält einige Überraschungen für mich bereit. Innerhalb drei Jahren hat sich hier nicht nur die Anzahl der umherschwirrenden Backpacker vervielfacht, sondern auch die gesamte Infrastruktur um Kneipen, Cafés und Hostels. Innerhalb der 11 km langen, gut erhaltenen Stadtmauer mischen sich Touristen mit den zahlreichen Besuchern aus der Kunst- und Literaturszene, die zum Hay Festival gekommen sind. Die Häuser sind meist zweistöckig, bunt, mit schönen Holzbalkonen und bepflanzten Hinterhöfen. Nahezu jedes koloniale Herrenhaus bietet sich als Fotomotiv an. Dazwischen Kirchen und begrünte Plazas, die bei der Hitze der rettende Anker sind. Die Altstadt ist von einer Mauer umgeben, auf der man ebenso entlanggehen kann. Wir streunen ein wenig durch die historischen Gassen und genießen den Ausblick von der Stadtmauer. Jede Straße innerhalb der Mauern ist ein Schmuckstück. Plätze wie der Plaza Fernandez de Madrid und der Plaza de San Diego laden mit ihren Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Hier wird auch draußen bestuhlt, was sonst in der historischen Altstadt nicht so üblich ist. Für Sparfüchse sind die Läden innerhalb der Stadtmauern eher nicht zu empfehlen, denn die Preise sind schon sehr deftig. Getsemani ist da sicherlich die bessere Wahl. Dafür kommen die Augen auf ihre Kosten.

 

Cartagena liegt am Meer, am karibischen Meer. Und so hat die Stadt nicht nur Mauern sondern auch jede Menge Strand. Das beliebte Strandstück befindet sich im modernen Teil der Stadt. Das letzte Mal nahm ich einen Bus nach Laguito und lief von dort zum Strand von Castillogrande. Nachdem immer mehr Leute den Bus verlassen hatten und ich am Ende allein darin saß, entschloß ich mich, irgendwo im nirgendwo auszusteigen. Ich hatte kein Gefühl, wo ich tatsächlich war. Ich irrte umher und fand intuitiv das Meer. Ok, die Vorstellung von der glasklaren Karibik ist zwar etwas anderes, aber bei den Temperaturen nimmt man auch Mitschwimmer wie Tüten, Tampons und Kondome in Kauf. Der Blick aus dem Wasser fiel direkt auf die gegenüber liegende Insel Tierrabomba und den Hafen von Cartagena. Drehte man sich, sah man ein Meer an Hochhauskomplexen, die wohl vornehmlich als Hotels und Ferienwohnungen dienen.

Die Nachteile des Stadtstrands kannte ich bereits. So organisierten wir uns dieses Mal ein Boot zur Insel Barú. Die Boote verlassen alle zwischen 7 und 9 Uhr morgens den Hafen und kehren ab 16 Uhr nach Cartagena zurück. Unser Boot startet vom Yachthafen in Manga. Dieser Stadtteil ist über die Puente Román mit Getsemani verbunden. Befinden sich in Getsemani eher niedrige Häuser von ehemaligen Handwerkern und Arbeitern, führt unser Weg in Manga durch Villenviertel. Neben dem Hafen von Cartagena liegt der kleine protzige Yachthafen und unter den Palmenüberdachungen warten Südamerikaner, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, auf die sonntägliche Überfahrt. Eine Stunde dauert es, vorbei an Bocagrande, der Festungsanlage Fuerte San Fernando de Bocachica, bis wir in einer wunderschönen türkisfarbenen Lagune unseren Zielort erreichen – ein kleiner Strand, der zum Barú Sports Hotel gehört. Der Weg führt uns vorbei an Privatinseln und Yachten schwerreicher Leute. Kolumbien – Land der Gegensätze.
 Grundsätzlich ist wenig Strandstreifen zu sehen. Überall ragen entweder Mangroven aus dem Wasser oder Felsen empor. An dieser Stelle sind jedoch die Strände künstlich von den Mangroven befreit worden. Einige dienen noch als natürlicher Sichtschutz. Wir lassen uns zum Playa Azul übersetzen, wo wir an einem Palmen gesäumten Bilderbuch-Strand zur Ruhe kommen. Fast! Denn es könnte alles so schön sein, wäre ich nicht ich. Immer wenn es perfekt zu sein scheint, kommt mal wieder ein kleines Unheil hinzu. Ich verbringe mehr Zeit floatend im Wasser als im Sand als es plötzlich auf meinem ganzen rechten Arm höllisch brennt. Das unsichtbare Feuer musste wohl eine Qualle entfacht haben. Wenige Minuten später sah ich auch das karibische Andenken auf meiner Haut. Während ich mit oder gegen das Brennen kämpfe, treten die Einheimischen mit Offerten aller Art an uns heran: Massagen und Schmuck, Wasserski oder -Banane. Wir bevorzugen einfach nur mal Ruhe. Und die lässt sich nicht kaufen. Die Rückfahrt ist nicht mehr ganz so relaxt, denn nun heißt es, gegen die Wellen anzukämpfen. Wir springen gegen die Wellen, die uns immer wieder heftig abwerfen und auf die harte Oberfläche knallen lassen. Während alle auf dem Boot lauthals schreien, krallen sich meine Hände nur fest und in Gedanken verabschiede ich mich von meinen Plänen, mit dem Segelboot nach Panama zu schippern.

 

Später laufe ich dann von Getsemani über die Brücke hinüber zum Castillo San Felipe de Barajas, das sich auf dem San Lazaro Hügel befindet und von weitem sichtbar ist. Sehr imposanter Bau mit vielen Tunnel- und Wegesystemen – mehretagig. Diese kann man auch begehen. Leicht gebückt. Und der Ausblick ist überwältigend. Von hier sieht man auch über die Mauern der Stadt und erfasst die gesamte Weite.

Cartagena ist unvergleichbar schön, vielleicht sogar zu schön. Doch stimme ich den Worten eines Schweizers zu, den wir auf der Bootstour trafen: “Cartagena is beautiful but somehow artificial.”

Wer noch nicht nach Kolumbien gereist ist, kennt sicherlich den Roman  Die Liebe in den Zeiten der Cholera, in dem der kolumbianische Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez der Stadt ein Denkmal setzte.

Übrigens, Cartagena feierte in der vergangenen Woche Geburtstag. Am 1. Juni 2013 wurde Cartagena 480 Jahre alt.

Entdecke im Rahmen der Blogparade “Städte am Meer” von Teilzeitreisender mit dem Partner DFDS noch viele weitere Städtetipps!

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ENGLISH VERSION

Cartagena – where beauty is (not) an art

My lung slowly tries to filter the oxygen out of the thick air. My body is still struggling against the stuffiness while my senses utterly adapt themselves to the pearl of the North already. Cartagena is music! Music is coming from every house, especially in Getsemani. What was once the biggest American collecting point for slaves is today a place where tourists gather within the colonial walls of the beautiful Colombian seaside community. And because Cartagena de Indias does not only impress me with a well preserved and pepped up colonial architecture, but also with its great location, I went back there again after three years.

At first, I take some time to refresh my memory. The arrival in the borough of Getsemani is already full of surprises for me. Not only the number of backpackers has multiplied within three years, but also the whole infrastructure around bars, cafés and hostels. Within the eleven kilometres long, well-preserved town wall tourists mingle with the numerous visitors of the art- and literature scene, who came to the Hav festival. The houses are mostly two-storeyed, colourful, with nice wooden balconies and planted backyards. Almost every colonial manor presents itself as a photo motif. Churches and greened plazas lie in between and are the only salvation in this heat. The historic city is surrounded by a wall, on which you can walk along as well. We are strolling through the historic alleys for a bit and enjoy the view from up the wall. Every street inside the wall is a jewel. Places like the Plaza Fernandez de Madrid and the Plaza de San Diego with their cafés and restaurants invite people to stay. You can also find seating outside here, which isn’t actually very common in the historic centre. The shops inside the wall are not to be recommended for people who want to save up though, as the prices are quite heavy. The better choice here would certainly be Getsemani. However, the eyes get their money’s worth here instead.

Cartagena is located by the sea, the Caribbean Sea. Therefore, the city does not only have walls, but also a lot of beaches. The most popular beach is located in the modern part of the city. The last time, I took a bus to Laguito and walked from there to the beach of Castillogrande. After more and more people got off the bus and I was sitting there alone, I decided to get off in the middle of nowhere. I had no idea where I actually was. I wandered around and found the sea by intuition. Well, the notion of the crystal clear Caribbean Sea is a bit different, but at this high temperature you accept things like plastic bags, tampons and condoms floating next to you. You could see the island Tierrabomba and the harbour of Cartagena from there. If you turned around, you glanced at a sea of tower block aggregates, which probably primarily serve as hotels and holiday homes.

So I already knew the disadvantages of the outskirts, which is why we arranged for a boat to the island Barú this time. The boats all leave the harbour between 7am and 9am in the morning and return to Cartagena from 4pm on. Our boat departs from the marina in Manga. This part of the city is connected to Getsemani via the Puente Román. There are mostly low houses of former craftsmen and labourers in Getsemani, but in Manga our way leads us through elegant residential areas. Next to the harbour of Cartagena lies the small pretentious marina and some South Americans, who seem to lead a charming life, are waiting for the Sunday crossing under a canopy of palms. It takes an hour and a ride past the fortification Fuerte San Fernando de Bocachica Bocagrande, until we reach our destination in a beautiful turquoise laguna – a small beach that belongs to the Barú Sports Hotel. Our route leads us past private islands and yachts of enormously rich people. Colombia – a country of contradictions. You can hardly see any beach areas. There are either mangroves coming out of the water or rocks are sticking out. The beaches were artificially freed from the mangroves at this place though. Some still serve as a natural visual cover. We are ferried to Playa Azul, where we come to rest at a picture-perfect beach lined with palm trees. Well, almost! Everything could be so nice if it weren’t for me. When it seems to be just perfect, there is always a little disaster added. I spend more time floating in the water than on the beach and suddenly it starts to sting like hell all over my right arm. A jellyfish must have sparked the invisible fire. A few minutes later, I also saw the Caribbean souvenir on my skin. While I am fighting with or against the burning feeling, the locals are approaching us with all sorts of offers: massages and jewellery, water ski or banana boat. We just prefer the quiet once in a while, which you cannot buy. The journey back is not quite as relaxed anymore, because now it’s important to struggle against the waves. We jump against the waves, which shuffle us off again and again and throw us onto the hard surface. While everyone on the boat is screaming, my hands just cling to it and I say goodbye to my plan to sail to Panama.

At a later time I walk from Getsemani over the bridge to Castillo San Felipe de Barajas, which is located on the Lazaro hill and is visible from afar. It is a very impressive building with lots of tunnels and a framework of paths – and it is multi-storeyed. You can also discover these storeys, but you have to crouch. And the view is overwhelming. You can look over the city walls and capture the vastness from here, too.

Cartagena is ineffably beautiful, maybe even too beautiful. But I agree to the words of a Swiss, whom we met on the boat tour: “Cartagena is beautiful but somehow artificial”.

Who hasn’t been to Colombia yet, surely knows the novel Love in the Time of Cholera though, in which the Colombian Nobel laureate in literature Gabriel García Márquez memorialises the town.

By the way, it was Cartagena’s birthday last week. On the 1st June 2013 Cartagena turned 480.

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12 Kommentare

    • Lieber Roman, schön, dass Dir mein Beitrag zu meiner Lieblingsstadt am Meer so gut gefallen hat und Du ihn auf Deiner Webseite erwähnt hast. Es sind schöne Beiträge im Rahmen der Blogparade entstanden, durch die ich mich gerade lese. Viele Grüße, Madlen

  1. Die Liebe in den Zeiten der Cholera – in der Tat, das war bisher das einzige, was ich mit Cartagena verbunden habe. Dankeschön, dass Du uns die Stadt näher bringst!

    • Danke für Dein Feedback! Cartagena ist wirklich eine wunderschöne historische Stadt. Aber es steckt noch mehr als Geschichte und Márquez in ihr.

  2. Cool, so eine Blogparade. Man reist von England über Spanien und Südafrika nach Kolumbien – wo ich übrigens schon seit einer Weile gerne mal live hin möchte. Dann weiß ich ja, wen ich nach Tipps fragen kann, wenn es dann so weit ist! LG, Elke

    • Ich finde es auch immer wieder spannend, welch vielfältige Geschichten und Gedanken zu einem Thema entstehen. Zu Kolumbien gebe ich Dir sehr gern Tipps in der Hoffnung, dass es bei Dir bald soweit ist 😉 Kolumbien hat ja schließlich genug Küste und Meer, dass es für einen Meerblog interessant sein könnte! LG, Madlen

  3. Isla de Tierrabomba sits in the mouth of the bay and you must pass it to enter Cartagena’s harbour. This island offers miles of shoreline, Mangow groves, horseback riding, resorts and a three hundred year old military forte (Fuerte San Fernando de Bocachica). Across the chanel from San Fernando is the forte called, Bateria de San jose on the island of Baru. It is possible to access Baru island by bridge but it is not recomended, the road is very long and not well maintained. Baru is a long island with dozens of resorts and beautiful white sand beaches. The best way to access both islands (and the only way to get to Isle de Tierrabomba) is by boat.

  4. The beaches of Bocagrande, lying along the northern shore, are made of volcanic sand, which is slightly greyish in colour. This makes the water appear muddy, though it is not. There are breakwaters about every 200 yards (180 m).

  5. When the sun illuminates the fine grains of sand “Playa Blanca”, the show is only natural. The crystal clear turquoise water of this beach is an inevitable destination for those who want to go to gravitate to a different part of the walled city. Rest, comfort, eco-tourism and a unique view of one of the most beautiful islands bordering Cartagena, characterizes “Playa Blanca”, 35 minutes from town.

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