Alle Artikel in: maddyswelt

Palast La Moneda

Santiago de Chile unter einer Dunsthaube

Die Gipfel der Anden, die Santiago de Chile einrahmen, verlieren sich im Dunst der Stadt. Immer wieder fallen meine Lider zu, während sich spanische Fetzen durch meine Gehörgänge bohren. Ich fühle mich irgendwie wieder zuhause, obwohl ich noch nie in Chile war. Aber die Füße auf den südamerikanischen Kontinent zu setzen, ist immer wieder wie ein „Zurückkommen“ – egal in welches Land. Dass ich 2016 hier landen würde, war nicht vorhersehbar und auch nicht geplant. Eigentlich wollte ich ein Jahr pausieren, einen Bogen aus persönlichen Gründen darum machen, und dann kam alles anders. Weil eine Reise, die ich mir nicht erträumte, genau hier ihren Anfang finden sollte. Weil ich in Kürze schon Südamerika wieder verlasse, um zu den Ufern eines anderen Kontinents aufzubrechen: der Antarktis. Santiago de Chile vom Gipfel des Cerro San Cristóbal Nur wenige Stunden bleiben, bis ich wieder am Flughafen sein werde. Eine Stadttour wurde für uns gebucht. Völlig übernächtigt nehme ich auf, was mein Gehirn nicht weiter zu verarbeiten fähig ist. Ich bin überfordert – mit mir, dem Programm und der …

Chobe NP, Botswana

Chobe Nationalpark – Zwei Tage im Elefantenparadies in Kasane

Immer wieder fällt mein Blick auf den verwaisten Kondomautomaten, der neben dem Zoll-Schalter am Grenzübergang bei der Ngoma Bridge hängt. Es ist das erste Bild, das sich mir von Botswana bietet. Ich frage mich, ob der Automat noch funktionieren würde, wäre er denn gefüllt. An den Wänden hängen Aidsaufklärungsplakate – die Problematik der hohen HIV-Ansteckungsrate, die in mehreren Ländern des südlichen Afrikas einen Anteil von weit über 10 % an der Gesamtbevölkerung aufweist, bekommt sofort ein Gesicht. Aber auch die enorme Anstrengung, die die Regierung Botswanas vorbildhaft seit vielen Jahren in dieser Hinsicht unternommen hat – beispielsweise mit dem erfolgreichen staatlichen Therapieprogramm MASA für HIV/AIDS- Patienten. Im Immigration-Häuschen herrscht eine ausgelassene Stimmung, die vielleicht auf den morgigen Feiertag zurückzuführen ist. Nach der gedämpften Atmosphäre in Namibia hallt das Lachen der tiefen Frauenstimmen noch stärker durch den Raum und gibt mir sofort das warme Gefühl Afrikas zurück. In akribischer Schönschrift notiert sich die Frau auf der anderen Seite der Scheibe unser Autokennzeichen und kassiert die Straßennutzungsgebühr. Gut gelaunt werden wir zurück auf die Straße entlassen. Niemand, der den obligatorischen Fleisch-, …

Halifax

Der Geschmack von Halifax

„Es gibt nur eine Straße, die nach Halifax führt.“ Der junge Mitarbeiter der Mietwagenfirma lacht herzhaft, als er meine Frage nach dem schnellsten Weg hört. Natürlich hatte ich beim Landeanflug auf den Flughafen der Provinzhauptstadt von Nova Scotia bereits gemerkt, dass sich unter mir ein breites Meer an sattem Grün ausbreitet, das nur von kleinen Wasserflächen durchbrochen wird. Von Halifax war weit und breit keine Spur. 400.000 Einwohner der Metropolregion müssen doch irgendwie sichtbar sein. 45 Minuten später befinde ich mich Downtown Halifax, checke ich im The Halliburton in der Morris Street ein. Hier wartet ein Drei-Gänge-Menü auf mich, doch zuvor drängt es mich hinunter zum Hafen. Flanieren in der Hafengegend von Halifax Ich bin noch keine zwei Stunden in der Stadt, als ich mich auf dem 3,8 km langen Harbour Walk von Halifax wiederfinde. Tief liegen die Wolken über dem Wasser und verschlucken fast die gegenüberliegende Georges Island mit ihrem Leuchtturm im endlosen Grau. Zwischen Pier 21 und Casino Nova Scotia zieht es Einheimische und Touristen gleichermaßen auf die Holzplanken der Uferpromenade. Jugendliche halten ihre Angelschnüre …

Haina Kalahari Lodge, Botswana

Rufe in der Kalahari und die Suche nach Löwen

Der Busch brennt – geht es mir durch den Kopf. Ein gelb-roter Farbschimmer legt sich über die Äste des Buschwerks, als uns Jimmy zum abendlichen Sundowner auf den Airstrip der Haina Kalahari Lodge fährt. Wieder liegt ein Game Drive im privaten Kalahari Reserve hinter uns, bei dem wir Impalas, Kudus, Elands, Zebras und natürlich viele Vögel gesehen haben. Giraffen streckten ihre Hälse zwischen den Bäumen empor, um das wenige Grün an den dörren Ästen zu erreichen. Die heiße Wüstensonne im botswanischen Winter hat an der Natur gezehrt, ihr die Farbe entzogen. 42 Grad zeigte das Thermometer am Nachmittag, und auch jetzt sind es noch stolze 33 Grad, die die Tiere und Menschen in der Kalahari ächzen lassen. Wasser ist in der Umgebung zu dieser Jahreszeit rar. Die Kalahari und der Zaun Es sind unsere letzten Tage in Botswana, die wir hier verbringen – am Rande der Central Kalahari. Sie ist von einem Zaun umgeben. Ein Zaun, der die Tierwelt innerhalb des Nationalparks von der außerhalb trennt. Genau genommen sind es zwei Zäune, die sich schnurstracks …

Orne Harbour, Antarktis

Spuren im Schnee und die Magie des Lichts – von Orne Harbour in die Gerlache-Strasse

Es ist gegen 23 Uhr, als ich noch einmal über das Außendeck streife. Die Vorhänge vieler Kabinen auf Deck 6 sind bereits zugezogen, als sich vor uns das schönste Naturkino auftut. Die Landschaft der Antarktis ist dafür gemacht, sie als Gast zu besuchen, um dann wieder behutsam aus jener Traumwelt zu verschwinden. Für diesen Ort, der komplett den Naturgesetzen folgt und kein Besitztum kennt, kann man keine Dauerkarte erwerben. Nachdem der späte Sonnenuntergang um 22 Uhr die vergletscherten Berge des Neumayer-Kanals mit einem intensiven Orange beschenkt hat, verliert sich dieses am Horizont, um für ein tiefes Rosarot Platz zum machen. Vor mir breitet sich eine Zuckerwattenlandschaft aus, eine Farbwelt wie im Lillifee-Land. Kitschig schöne babyblaue Eisberge, durch die unser Schiff gleitet, verschmelzen mit dem pinken Himmel. Nie sah ich bisher eine Landschaft in solchen surrealen Farbkompositionen, nie sah ich die Welt so pur und rein, so glatt, so traumhaft schön. Und das an einem der unwirtlichsten Orte, an dem es kaum Leben gibt. Auf Breitengrad 64,47 sind wir dem Südpol am Nächsten und kehren um. Wenn …

Angola, Grenze

Stimmen aus Angola – Unterwegs im Norden Namibias

Stimmen mischen sich unter das Quaken der Kröten und Surren der Insekten, die immer wieder erfolglos an meine Zeltwand prallen. Es sind Stimmen, die von der anderen Seite des Okavango-Flusses zu uns hinüber dringen. Die Hitze im Zelt lässt mich nicht so recht zum Schlafen kommen. Natürlich ist es aber auch die Aufregung, erstmals in einem Dachzelt auf unserem Toyota Hilux zu nächtigen und das auch noch im Norden Namibias direkt an der Grenze. Blitze leuchten um uns herum auf, während die Fensterläden des Zeltes im aufkommenden Wind rascheln und den Donner übertönen. Das natürliche Feuerwerk des Buschs begleitet mich durch die Nacht. Wir sind allein auf diesem Camp Ground, der zur Hakusembe River Lodge gehört. Vor uns liegt der Okavango und auf der gegenüberliegenden Seite Angola. Es ist Tag 3 seit unserer Ankunft in Windhoek. Crashkurs bei der Mietwagenabholung bei ASCO Car Hire in Windhoek Wir wurden nach unserem zehnstündigen Flug mit Condor von Frankfurt nach Windhoek von einem Shuttle des Asco Car Hire Mietwagenverleih am Flughafen abgeholt und nach Downtown Windhoek gebracht. Dort hatte …

Antarktis

Reisende am Rand der Welt. Oder die Ränder meiner Reisen

Höher, tiefer, weiter. Die Welt hat viele Ecken und Enden, oder nicht? Ich habe meine Reisewelt erstmalig 2013 für die „kreative Elena“ vermessen. Am Ende des reiseintensiven Jahres 2016 fällt mir auf, dass sich in diesem Jahr alle Ränder weiter ausgedehnt haben und ich neue Punkte im Norden, im Süden, im Osten und im Westen gesetzt habe. 2016 – Ausweitung meiner Reiseränder Mit einer dreiwöchigen Reise auf die Philippinen begann ich das Reisejahr 2016 am Neujahrstag. Obwohl auf Hin- und Rückflug der Wurm drin war, ich tagelang auf mein Gepäck bei schweißtreibenden Temperaturen wartete und sich mein Heimflug von 20 auf 54 Stunden erhöhte, genoß ich die erholsame Zeit auf dem traumhaften Inselarchipel. Im Februar bin ich mit meiner Schwester spontan für drei Wochen auf die Pfeffer- und Vanilleinsel Madagaskar gereist. Diese Idee haben aktuell nur wenige Touristen und noch weniger in der Regenzeit. Madagaskar war anders als jedes afrikanische Land, das ich bisher kennengelernt hatte. Zurückhaltend und mit voller Wucht vereinnahmend zugleich. Und natürlich durften Lemure nicht fehlen. Anfang April folgte auf den Weg nach Nordamerika, wo ich fünf Tage in Seattle und drei …

Breitscheidplatz

2016

Aus den Boxen tönt „Voyage, Voyage“ von Desireless während die blondierte Mittvierzigerin neben mir nicht müde wird, im Stakkato zu erklären, dass wir von einer links versifften Regierung regiert werden, die längst nicht mehr des Volkes Stimme ist. Lügenpresse, Massenabschiebung, Pegida, Multikultischeiss dringen an mein Ohr. Am liebsten würde ich den Song im Radio noch lauter drehen – aber ja, nach Ägypten könne man ja nicht mehr reisen, in die Türkei auch nicht und überhaupt, am besten ist es schon Zuhause, doch diese Sicherheit ist nun auch gegangen. War sie, wenn wir ehrlich sind, schon zuvor. Aber alles manifestiert sich jetzt in dem Ereignis vom Montagabend – alle Ängste, aber auch die Wut und der Hass. Denn die Gefahr stand vor der eigenen Haustür, hat schon einmal geklingelt. Wann sie wieder zu Besuch kommt, ist ungewiss. „Alle denken so“, gibt die Kundin auf dem Stuhl neben mir lautstark zum Besten, um noch einmal die Quantität ihrer Aussage zu unterstreichen. Meine Friseurin flüstert mir ins Ohr, dass das schon seit gestern Morgen so ginge. Kunden und …

Eisberg im Antarctic-Sund

Wintermärchen Antarktis: Brown Bluff und mein erster Fuß auf Antarktischem Festland

Als wir am Morgen mit unserer MS Midnatsol durch die wirbelnden Schneeflocken in den Antarctic-Sund einfahren, hält es wohl niemanden mehr in der Kabine. Kräftig hellblau schimmernde Eisberge zwingen uns zu einem kleinen Schlängellauf, der schöner nicht sein könnte. Es knarzt aus der Ferne und wieder fällt ein Stück in den tiefblauen Ozean. Der Nebel legt sich über das Wasser und lässt weder Himmel noch Wasser deutlich erkennen. Winter im Antarktischen Sommer in Brown Bluff An diesem Ort werden wir das antarktische Festland erstmals betreten. Vom Deck sehen wir Pinguine munter wie Delfine durch das Wasser springen. Und als wäre dies nicht genug, wirbeln Flocken durch die Luft. Eis, Schnee, Kälte – das sind die besten Voraussetzungen für den Landgang in Brown Bluff auf der Tabarin Halbinsel. Es ist Liebe auf dem ersten Blick – die traumhafte Klarheit der Farben und der Luft mischt sich unter die Stille. Hier ist alles reduziert. Unsere Anlandung erfolgt gleich morgens und ist bereits spektakulär. Unser Zodiac sucht sich den Weg zwischen Eisschollen. Kleine Eisberge umrunden wir gekonnt. Vor uns …

Half Moon Island, Pinguine

Antarctic Touch: Meine Ankunft in der Antarktis auf Half Moon Island

„Wer noch nie in der Antarktis war, kann sich nicht vorstellen, wie es dort aussieht und wer schon einmal dort war, vermag es nicht mit Worten zu beschreiben.“ Diesen Satz las ich vor meiner Reise. So schwammig die Vorstellung von der Antarktis ist, so ungewiss ist auch das, was sich vor uns am Horizont abspielt. Weder Ozean noch Himmel lassen sich durch klare Konturen erkennen. Die graue Farbwelt, die unser Schiff umschließt, scheint uns aufzusaugen. Wohin führt der Weg, wenn sich der Horizont auflöst, wenn man das vermeintliche Ende der Welt, das Fin del Mundo, schon in Südamerika hinter sich gelassen hat? 1,5 Tage Drake-Passage – die gefährlichste Seestraße der Welt Unsere MS Midnatsol fährt nun seit Stunden geradewohl durch dichten Nebel, der Himmel und Meer nahtlos miteinander verbindet. Buckelwale tauchen vor unserem Schiff auf, Albatrosse segeln über uns in den Lüften. Nachdem wir Kap Hoorn passierten, heißt unser Ziel nun ANTARKTIS. Allein das Wort wirkt berauschend. Dass uns von diesem Traumort noch 1,5 turbulente Tage in der schlimmsten Seestraße der Welt, der Drake-Passage, trennen, will ich dennoch ignorieren. …