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Der Himmel über der Salzwüste – Ladies Night in der Ntwetwe Pan

Ntwetwe Pan

„Don’t move for the next minute.“ Bokamoso startet seine Stoppuhr, während zehn Frauen mucksmäuschenstill auf den Campingstühlen im Halbkreis sitzen.

Plötzlich ist Stille – komplette Stille. Das Tierkonzert der letzten drei Wochen erstickt auf dem salzigen Boden der Ntwetwe Pan, die zum größten Salzpfannensystem der Welt, der Makgadikgadi Pan, gehört. Über uns schmückt der Himmel sein dunkelblaues Kleid und heftet Sterne an. Sie entfalten nur wenig Strahlkraft an diesem Abend, da der Halbmond zu intensiv scheint. Doch über uns wacht Venus im leuchtenden Gelb. Unter meinen Füßen knirscht die grau-weiße Salzkruste. Ich versuche, jeden Muskel still zu halten. Eine Minute lang lausche ich meinem eigenen Atem. Ansonsten spüre ich nichts. Ein intensives Nichts. Ein Nichts, das durch die Ohren fließt und schmerzt, weil es den Sinn anregt, ohne einen Reiz zu erhalten. Der Reiz gelangt über die Augen in mein Hirn. Das Nichts ist die totale Stille, die vom zaghaften Knistern des Lagerfeuers begleitet wird.

Ntwetwe Pan

Auf dem Weg in die Ntwetwe Pan

Nach einer Minute durchbricht Bokamosos Stimme die Stille. „Was habt Ihr gespürt?“ Ich habe das Nichts gefühlt – Leere, Weite, Stille, Unendlichkeit. Wo der Horizont konturlos verschwimmt, ist Raum für viel Fantasie.

Wir sind zehn Frauen, die eine Nacht in der Salzwüste Ntwetwe Pan verbringen. Mit uns sitzen acht ältere US-Amerikanerinnen am Feuer. Wir tauschen Anekdoten aus und Bokamoso gibt uns Rätsel auf. Jeden Toilettengang zelebriere ich wie ein begeistertes Kind, das im Winter mit seinen kleinen Füßen das Eis zerbricht.

Unter der Salzkruste, die nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche in eine schlammige Masse übergeht, ruhen in dieser Jahreszeit Frösche. Kaum zu glauben, dass das, was offensichtlich tot erscheint, mit dem einsetzenden Regen wieder zum Leben erwacht und unzählige Flamingos dann anzieht. Einst war dies ein Supersee, der sich aus dem Okavango, Sambesi und Kwando speiste. Und nun schlafen wir hier draußen – ganz allein auf unseren Matratzen. Da ist nichts, was uns bedrohlich sein könnte. Es ist noch nicht einmal 22 Uhr, als die Reißverschlüsse der Matratzen laut zippen. Selbst die sonst so gesprächigen Amerikanerinnen verstummen umgehend.

Bis 3 Uhr nachts wird der Halbmond noch den Sternenhimmel dominieren. Doch dann entfalten die Sterne ihre gesamte Leuchtkraft bis sich kurz nach 5 Uhr in der Ferne ein roter Streifen über die Salzkruste legt und um 5.53 Uhr einen feuerroten Ball hervorbringt. Das Klicken der Fotoapparate durchbricht die Stille. Schweigend trinken wir unseren Kaffee und essen Muffins. Noch eine halbe Stunde genießen wir diese Weite, diesen grenzenlosen Raum. Dann steige ich in den Jeep. Im Rückspiegel sehe ich, wie die Amerikanerinnen den Staub der Wüste mit ihren Quads aufwirbeln. Neben unserem Auto versucht sich ein Strauß einen Wettbewerb zu liefern.

Nach 20 Minuten erreichen wir den Rand des endlosen Weiß. Dann sind wir zurück in der trockenen Savannenlandschaft, in der wir am Vortag noch Erdmännchen besucht hatten. Noch zwei Stunden Fahrt liegen vor uns. Links und rechts von uns tauchen Elefanten und Strauße auf; und dann sind da Kühe, Ziegen, Pferde, Esel und Hühner. Die Amerikanerinnen springen immer wieder begeistert auf. „The cows are so big here.“ „And look at the goats. They are big! Amazing!“ Ich weiß nicht, welchen Teil der „Big Five“ sie nicht verstanden haben, sicher ist aber, sie begeistern sich sehr an der „Big Five“ der „domestic animals“. Und so kommt unser Jeep wiederholt zum Halten, damit die Amerikanerinnen diese Haustiere fotografieren können.

Den restlichen Tag verbringen wir im Planet Baobab in Gweta. Als wir uns später schlafen legen, tönen die Stimmen junger Amerikaner über das Gelände. Ein Overlandtruck ist angekommen und die jungen Leute erfreuen sich noch in die Nacht hinein am „größten Pool der Kalahari“. Ich starre an die Decke und wünschte mich zurück in das wohlig, warme Nichts der Salzwüste.

Baobab

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Unseren 24 tägigen Roadtrip starteten wir in Windhoek und fuhren über die Sambesi-Region (Caprivi Zipfel) nach Botswana (Kasane, Chobe NP, Savuti, Moremi NP, Okavango Delta, Makgadikgadi-Salzpfannen, Kalahari) mit einem Toyota Hilux, den uns ASCO Car Hire in Windhoek zur Verfügung gestellt hat.

Ich wurde von Condor bei meiner Anreise nach Windhoek/Namibia unterstützt. Alle Ansichten sind meine eigenen.

3 Kommentare

  1. Hallo Madlen,
    Du hast die Stimmung in den Salzpfannen sehr schön in Worte gefasst. Ich fühlte mich gleich zurückversetzt. Wir sind während unserer Transafrikareise von 2010- 2016 mit unserem, inzwischen 48-jährigen Allrad-LKW, Hanomag A-L 28 auch durch die Makgadikgadi Pans gefahren. Das Campen dort war durch die absolute Stille ein einzigartiges Erlebnis. Allerdings hat unser Lkw beim Rausfahren Richtung Gweta mehr Schrammen davongetragen als je zuvor auf unserer Fahrt durch bis dahin 19 Länder. Denn plötzlich wurde der Weg, den wir gewählt hatten immer verwachsener und schmaler: http://www.runterwegs.de/der-weissen-weite/
    Liebe Grüße von runterwegs,
    Verena

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