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Gen Süden

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Um 6.30 Uhr nahmen wir ein Taxi zum Busbahnhof. Heute Morgen kamen wir seltsamerweise gut durch. Eine halbe Stunde vor Abfahrt waren wir bereits am Terminal und sahen noch ein Taxi Verde zuvor abfahren. Wir fuhren auf die Minute genau um 7.30 Uhr ab. 8-9 Stunden sollte die Fahrt dauern – dann sind wir ja bis 16.30 Uhr spätestens in Pitalito. Doch der Verkehr aus Bogota heraus war speziell ab dem Stadtrand bestialisch. Wir hielten noch einmal an einem Busbahnhof in einem nicht so vertrauensvollen Viertel im Süden Bogotas und füllten die Sitze auf. Ab da ging es ohne viele Stops gen Süden. Naja, Stops ist vielleicht falsch gesagt, denn die machten wir automatisch sehr häufig. Dies sei den zahlreichen Straßenbauprojekten geschuldet, und so konnte ich das Schild mit dem Wort „Pare“ nicht mehr sehen. Wir schienen das Straßenbaustellenschicksal nicht auf unserer Seite zu haben, so schoben wir uns durch lange Staus bzw. immer wenn wir an eine Baustelle ranfuhren, hob sich die besagte Flagge und forderte uns zum Halten auf. In wenigen Jahren wird das hier sicherlich ein super Highway sein. Aber aktuell ist dies eine einzige Qual. Langsam dämmerte es mir, warum man uns am Vortag Nachtbustickets verkaufen wollte. Nachts wird mit Sicherheit nicht gebaut. Nun saßen wir im selbstgewählten Schicksal fest und bis El Espinal war das wirklich wenig zu ertragen. Selbst der Fahrer stöhnte schon gewaltig.

Bis nach Neiva kamen wir dann zügiger voran. Doch die Stadt weiss auf sich aufmerksam zu machen – mit großem Militäraufgebot rundherum. Nicht nur großflächige Werbeschilder wiesen uns auf die Verdienste des Militärs hin und ließen keinen Zweifel daran, dass wir nun recht sicher nach San Agustin reisen konnten. Ja, unweit dieser Stadt ist FARC-Gebiet und so lässt man auch Kontrollen geduldig über sich ergehen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil man selbst nicht unter Verdacht gerät, denn wir wurden nicht abgetastet bzw. gecheckt. Sah man bis Neiva am Straßenrand viele Fincas, so wurde es hinter Neiva doch sehr einfach ländlich. Wir passierten wieder Orte mit kleinen Plazas und vielen Bumpern auf der Straße, die das schnelle Vorankommen weiter hinderten. Zudem dominierten nun statt Baustellen andere Hindernisse das Straßenbild – frisch abgerutschte und nur provisorisch abgesperrte Hänge. Straßen wurden dadurch enorm eingeschränkt. Der starke Regen hinterlässt seine Spuren.

Um kurz nach 17 Uhr erreichen wir Pitalito. Sich hier Sorgen um sein Weiterkommen zu machen, ist überflüssig. Nach Cali will ich nicht, aber nachdem ich dem fragenden Mann das doch so nahe liegende San Agustin als Zielort nenne – verdreifacht sich das Interesse und wir haben drei „Schlepper“ neben uns. Wir entscheiden uns nicht für den ersten Anbieter, sondern für den vollsten Wagen. Der volle Wagen ist bereits wirklich voll, aber noch nicht abgefahren. Denn wie wir wissen, voll ist nie voll genug. Und so wird für uns in einem vollen Collectivo noch Platz geschaffen. Dem nicht genug, fahren wir zwar sofort los, aber nehmen unterwegs noch weitere Personen auf. Wo die auf der hinteren Ladefläche noch Platz finden, ist mir ein Rätsel. Mit Einkehr der Dunkelheit erreichen wir San Agustin. Ganz so idyllisch erscheint es uns im abendlichen Licht noch nicht, das mag aber auch an der Begrüßung liegen. Wir werden bei einer Touristeninformation rausgelassen. Doch anstatt die Touristen einzig zu informieren, wird hier verkauft. Aber eigentlich wollen wir doch nur in unsere Finca. Doch das Beantworten dieser Frage bleibt eine Nebensächlichkeit. So werden wir platziert, uns wird eine Karte unter die Nase geschoben und alle Touren werden in epischer Breite vorgestellt. Am besten sollte man sofort zugreifen. Wie froh bin ich, als wir unsere Finca erreichen. Doch auch hier wartet schon ein Guide, der uns für morgen gleich auf Pferde verfrachten möchte. Ich möchte stattdessen mich selbst erst einmal in ein Bett verfrachten, bevor ich eine klare Entscheidung fälle. Schnell essen wir noch etwas, um dann die Ruhe und den Regen in unserer Chalet zu genießen. Doch anstatt der Natur zu lauschen, erleben wir einen Abend zu fünft mit einer polnischen Familie, die mit uns unter demselben Chaletdach wohnt. Eine abgeschiedene Hütte stelle ich mir anders vor. Wir tauschen die Hütte noch und fallen erschöpft in den Schlaf.

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