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Ein impressionistisches Gemälde

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Noch einmal ziehen die Euganeischen Hügel an mir vorbei. Blaue Schilder, die ein „Terme“ im Namen tragen, zieren die Bahnhöfe auf meinem Weg nach Ferrara. Das satte Grün der Landschaft mit Obstwiesen, Olivenhainen und Wäldern wird von dem Braun der Felder und den Weinstöcken, an denen nur zaghaft kleine Blätter sprießen, durchbrochen. Der Boden hier ist nicht zuletzt durch den vulkanischen Ursprung recht fruchtbar. Schnell verschwindet die Hügellandschaft hinter mir. Es geht hinein in die Poebene. Mein Blick schweift fasziniert über die Landschaft, die an diesem Tag unter der frühlingshaften Sonne brennt. Vor drei Tagen war ich in die Provinz Padua gekommen. Und schon verspüre ich Frühlingsgefühle wie unser Guide Nicoletta.

Landschaft nahe Abano Terme auf dem R2

Landschaft nahe Abano Terme auf dem R2

Blick von der Benediktinerabtei Santa Maria Assunta von Praglia

Blick von der Benediktinerabtei Santa Maria Assunta von Praglia

Die kegelförmigen Erhebungen der Euganeischen Hügel erinnern mich ein wenig an die Mogotes in Kuba. Was dort die Tabakfelder sind, sind hier die Weinstöcke und Wiesen. Inseln der Poebene nenne man die Hügel auch, meint Nicoletta. Tatsächlich sieht man sie von weitem, egal aus welcher Richtung man sich nähert. Entstanden sind sie in zwei Wellen, die flachen Hügel weisen auf eine ältere Entstehungsgeschichte hin, die spitzen Kuppen sind jüngeren Datums. Trotz der guten Sichtbarkeit zählt lediglich ein „echter“ Berg mit seinen 603 m zu diesem Gebirge, alles andere seien mit ihren unter 600 m Höhe „nur“ Hügel. Häuser in lachsfarben, gelb, ocker, orange oder weißen Tönen schmiegen sich in die Farbenfreudigkeit der Landschaft. „Wie ein impressionistisches Gemälde sei es hier“, wiederholt Nicoletta immer wieder in ihrer angenehm rauchigen Stimmlage. Der Winter war feucht und mild, auch hier beginnt die Natur gerade ihr Farbkleid überzustreifen – Ranunkeln, Blauregen, Judasbäume, Butterblumen schießen aus dem Boden.

Und dann gab es da noch die Erdrutsche in den vergangenen Monaten, die nicht nur dem Regen geschuldet sind, sondern auch dem Abbau des Trachyts, der heute die Straßen von Venedig pflastert. Der Abbau sei inzwischen untersagt. Überhaupt sind die Euganeischen Hügel seit 1989 ein Naturschutzpark. Auch die Jagd sei verboten. Es gäbe zwei Sorten an Fauna, die hier anzutreffen seien – Wildschweine und Radler – erzählt Nicoletta scherzhaft.

Blick auf die Eugenischen Hügel von Aqua Petrarca

Blick auf die Eugenischen Hügel von Aqua Petrarca

Benediktinerabtei Santa Maria Assunta von Praglia

Benediktinerabtei Santa Maria Assunta von Praglia

Benediktinerabtei Santa Maria Assunta von Praglia

Benediktinerabtei Santa Maria Assunta von Praglia

Und sie hat Recht, zumindest mit den Radlern. Mountainbiker und Rennradfahrer sind hier auf den Straßen unterwegs, aber nicht nur. Auch Hobbyradler kommen immer häufiger, seit vor zwei Jahren das Radwegnetz ausgebaut wurde. So säumen inzwischen 64 km Radweg die Euganeischen Hügel – auf recht ebener und somit von jedermann leicht zu bewältigender Strecke meist über Wiesen und an Kanälen entlang. An einem Nachmittag radle auch ich mit einem City Bike ein Teilstück des E2 entlang, um von Abano Terme aus die Benediktinerabtei Santa Maria Assunta von Praglia aus dem 15./ 16. Jahrhundert zu bestaunen. Einzig der Glockenturm ist ein Überrest der ursprünglichen Anlage. In der Anlage mit ihren vier Kreuzgängen findet jeder Besucher ein wenig Ruhe und kann sich ein Stück vom klösterlichen Geist anhand der botanischen Produkte, die im Shop angeboten, mit nach Hause nehmen.

Weitere Orte sind nicht minder interessant – wie Arqua Petrarca, Este, Valsanzibio, Monselice.

Arqua Petrarca

Arqua Petrarca

Katze vor Petrarcas Haus

Katze vor Petrarcas Haus

Das kleine Bergdorf Arqua Petrarca fasziniert nicht nur mich, sondern wohl einst schon den Dichter und Humanisten Francesco Petrarca, der in diesem malerischen Örtchen seine letzten Lebensjahre verbrachte. Ist es Zufall, dass wir im idyllischen Garten auf den Wegen zwischen Buchsbäumen, Oleander und Pinien des Casas Petrarca eine zutrauliche Katze antreffen, die einem fast aus der Hand frisst. So befindet sich im Hause Petrarca eine mumifizierte Katze und dazu eine Inschrift, die besagt, dass die Katze glaubt, Petrarcas große Liebe gewesen zu sein, die seinen Garten vor Mäusen schützte.
Hunde und Katzen streunen auch durch die übrigen Dorfgassen, die von Steinhäuschen umsäumt werden, und bringen das Stillleben des Ortes in Bewegung. Arqua Petrarca bietet mit seiner Lage an den Hängen der Hügel Castello und Ventolone auch einen schönen Blick über die Poebene. Sogar die kleine Farmacia verfügt über einen herrlichen Ausblick mit ihrer eigenen kleinen Terrasse. In Arqua Petrarca scheint die Zeit stehen geblieben zu sein – mein liebster Ort auf dieser Reise.

Festungsmauer von Este

Festungsmauer von Este

Blick in die Stadt Este

Blick in die Stadt Este

 

Castello di Este

Castello di Este

In Este findet man heute noch Reste der Festungsanlage Castello di Este aus dem 14. Jahrhundert. Innerhalb der Mauer mit ihren Türmen befindet sich eine Parkanlage, die zum Spaziergang einlädt. Der Ort jedoch liegt außerhalb dieser Mauer.

Privatgarten Valsanzibio der venetischen Villa Barbarigo

Privatgarten Valsanzibio der venetischen Villa Barbarigo

Privatgarten Valsanzibio der venetischen Villa Barbarigo

Privatgarten Valsanzibio der venetischen Villa Barbarigo

Schwarze Schwäne

Schwarze Schwäne

Die Gemeinde Galzignano lädt mit ihrem typischen italienischen Privatgarten Valsanzibio der venetischen Villa Barbarigo ein, wenn man Zerstreuung und Ruhe sucht. Es handelt sich um einer der bedeutendsten noch erhaltenen historischen Gärten aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der besonders durch seine Wasserspiele, Brunnen und Statuen auffällt. Man ließ sogar einen Gartenbaumeister aus Hamburg kommen, da es hier nur Botaniker und Landschaftsarchitekten gab. Wer sich selbst sucht und nicht findet, kann zumindest schauen, ob er seinen Weg in dem kleinen Irrgarten mit seinen sieben Wegen findet. Dieses Buchsbaum-Labyrinth soll das älteste und größte von allen sein, die heute noch existieren. Es symbolisiert den unsicheren Weg jeden menschlichen Lebens.

Villa Duodo in Monselice

Villa Duodo in Monselice

Der Geist Petrarcas vor dem Castello von Monselice

Der Geist Petrarcas vor dem Castello von Monselice

Treppe der Villa Nani-Moncenigo in Monselice

Treppe der Villa Nani-Moncenigo in Monselice

Rocca

Rocca

Monselice liegt am historischen Kreuzweg und dem verzweigten Kanalsystem Venetiens, das alle Städte miteinander verbindet, und hat dadurch auch Zugang zum Meer oder Lagune, was früher besonders für den Handel wichtig war. Umgedreht fuhr die reiche venezianische Gesellschaft in die „Berge“, also in die Euganeischen Hügel oder in eine der Villen entlang der Brenta oder dem Canale Battaglia.

Monselice liegt auf dem Pilgerweg Via Romea. Von der zentralen Piazza Mazzini führt ein Weg hinauf zur Villa Duodo, die auf halbem Weg auf dem Rocca Hügel liegt. Sechs nach vorne offene Kapellen und eine Kirche säumen die Via al Santuario – ein Wallfahrtsort der Sieben Kirchen (Santuario delle Sette Chiese). Auch das hochmittelalterliche Castello passiert man, das besonders im Frühling mit dem wunderschönen Blauregen ein Hingucker ist.

Abano Terme – Blick aus dem Hotelzimmer

Abano Terme – Blick aus dem Hotelzimmer

Für diejenigen, die Entspannung suchen, ist Abano Terme sicherlich der richtige Ort mit seinen Thermalwasserquellen und der umfangreichen touristischen Infrastruktur.

Wer nach so viel Entspannung oder Aktivität Hunger verspürt, der ist in dieser Gegend überhaupt richtig. Denn in den Euganeischen Hügeln wird viel gegessen, typischerweise sieht das dann so aus:

  • Vorspeise: Polenta angebraten mit Salami darauf und Steinpilzen
  • 1. Gang: Bigoli oder Risotto mit Kräutern
  • 2. Gang: Gulasch aus Pferde- oder Schweinefleisch
  • Dessert: Obstsalat mit Likör
  • Caffè Corretto

Während ich in meinen Gedanken das Menü* durchgehe, verlieren die Euganeischen Hügel durch die Scheibe immer mehr an Größe. Zeitgleich macht sich ein Gefühl in der Magengegend bemerkbar. Ob es das der Zuneigung oder des Appetits ist, wer weiß…

*in vegetarischer Abwandlung

Ich wurde von der Stadt Padua und Italia Blogtour im Rahmen von #EduPadua Blogtour nach Padua eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen. 

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