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Kolumbien, das einzige Risiko ist, dass du zurückkehren willst. {DIARY}

Bogotá, Cumbias-Combo

Eigentlich war jetzt Mali und Burkina Faso dran, eigentlich… Stattdessen befinde ich mich wieder auf dem Weg über den Atlantik nach Kolumbien.
Ich habe es mir auf einem dieser gemütlichen Schlafsessel im Aéroport Paris-Charles-de-Gaulle gemütlich gemacht während mein Blick immer wieder auf die Anzeigetafel mit den Zielen Bogotá und Ouagadougou schweift. Burkina Faso und Mali – ein kurzer melancholischer Augenblick. Ich zog das Bekannte dem Unbekannten vor. Wo man noch vor zwei Jahren unbeschadet reisen konnte, entwickelt sich schnell ein Krisenherd. Pläne werden durchkreuzt, bevor sie konkretisiert werden, verkommen zu einfachen Skizzen, ja Entwürfe, die schnell wieder verworfen werden, spielen die weltpolitischen Rahmenbedingungen nicht mit. Daher plane ich nicht wirklich meine Reisen. Kolumbien war spontan. Kolumbien tue ich nicht für meine Stempelbilanz im Pass und auch nicht, weil es auf meiner „List“ steht, wie ich das Wort Liste unter den jungen Reisenden hasse. Ich habe eine solche Liste nicht, denn jedes Land weckt Interesse, egal wo es liegt. Ich will keine Haken setzen, wenn ich von einer Reise zurückkehre. Ich will nicht Länder von einer Liste streichen, nur weil ich vielleicht einmal kurz da gewesen bin, aber nur an der Oberfläche gekratzt habe. Und so hat es bei mir Kolumbien nun schon unzählige Mal geschafft, sich in meinen Gedanken hochzuspielen, als es an die Reisebuchung ging. Zähle ich meine vielen Einreisestempel im Pass, dann könnte man meinen, ich sei in Kolumbien geschäftlich unterwegs. In kein anderes Land, reiste ich bisher so viel ein und aus. Und so kehre ich zurück, wobei sich dieses Mal die Gefühle der Vertrautheit mit denen der Sorge mischen. Wir wissen genau, was uns erwartet an Konkretem und doch ist da noch das Unkonkrete, das uns aktuell in etwas Ungewissheit drängt. Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt versuchen unsere Blicke alles aufzuspüren, was sich in den vergangenen 12 Monaten verändert hat, jede einzelne Baustelle stellen wir infrage. Und doch ist die erste Neuerung gleich bei unserer Ankunft auszumachen. El Dorado ist nicht mehr El Dorado. Was Berlins BER sein sollte, ist in Bogota in der Kürze der Zeit gestemmt wurden – ein neuer Flughafen. Dieser schafft es, auf dem ersten Blick bei der Ankunft sogar gleich auszusehen. So rätseln wir einen Moment, ob wir tatsächlich auf dem Neuen gelandet sind. Man wird ja misstrauisch als Berliner. Angelegt ist er tatsächlich ein wenig wie der Alte. Mit einer Taste scheint man copy and paste gemacht und alles einmal auf Zoom gesetzt zu haben. Doch spätestens in der Ankunftshalle wird klar, der ist neu. Denn nun gibt es eine riesige Halle mit Gepäckbändern, in die die Wartenden durch die Scheibe schon reinwinken. Und ja, auch an die Wartenden hat man dieses Mal gedacht. Wie erinnere ich mich, als ich Heiligabend 2009 auf Lars am Flughafen wartete und drei Stunden in dem Menschenknäuel draußen in der abendlichen Frische stand. Jetzt darf man drin warten. 20 Stunden nachdem unsere Wohnungstür in Berlin ins Schloss fiel, sind wir endlich angekommen. Bienvenidos a Bogotá! Und auch beim Wetter mag alles beim Alten sein, denn es schüttet aus Kübeln. Alles fast beim Alten. Nur unsere Sinne für das Unkonkrete sind dieses Mal geschärft. Wir kommen in einer sensiblen politischen Lage in das Land, das ist uns klar. Wir könnten sagen, es war nie anders, auf all unseren letzten Reisen. Und man hätte damit Recht. Wir betreten das Land in einer Art „Kriegszustand“ nach dem vor fünf Tagen beendeten Waffenstillstand der FARC. Vielleicht sensibilisiert uns aber einfach auch nur unsere Leidenschaft für dieses Land, mit der wir in den vergangenen Wochen und Monaten alle Nachrichten aufsaugten. Es ist die Bevölkerung, die nach wie vor unter den Rahmenbedingungen leidet, weniger der Tourist. Wunderbare Filme wie „Desplazado“ und „Jardín de Amapolas“ machen nachdenklich und schärfen den Blick auf dieser Reise. Während Werbekampagnen der Tourismuswirtschaft nach wie vor unzählige Reisende mit ihrem Slogan locken: „Kolumbien, das einzige Risiko ist, dass du bleiben willst.“ Und auch wir sind diesem Ruf gefolgt, nicht geblieben, aber zurückgekehrt.

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