Allgemein, Kolumbien, maddyswelt
Kommentare 1

La Guajira – unser Trip in die Wüste Teil 1

Las Guajira, Kolumbien

Ein Seil bringt uns zum Stoppen. Joaquin, unser Fahrer, kurbelt mit einem Lachen im Gesicht die Scheibe herunter. „Policía Nacional!“ tönt es ernst in unser Auto. Die Gesichter zweier Jungen, die kaum durch die Scheibe sehen können, schauen in unseren Wagen. Dann schiebt Joaquin eine Kekspackung rüber und unsere Fahrt kann bis zur nächsten provisorischen Absperrung weitergehen. La Guajira ist fest in Kinderhand, was das Business mit Süßigkeiten gegen Wegerecht betrifft. Wo Wüste ist, gibt’s fast nichts, denkt man. Doch anderes Business, größeres, wird hier ebenso gemacht, beide sind sehr präsent und könnten gegensätzlicher nicht sein – weiß wie Salz und schwarz wie Kohle. La Guajira, Kolumbien Noch bevor wir die Hauptstadt der indigenen Gruppe Wayuú, die auf La Guajira leben, besuchen, passieren wir die Desierto Ballenas und halten in dem Wohnort unseres Guides, El Pajaro. Was wie ein schöner Vogel klingt, verpackt sich im hässlichen Gewand. Wir werden dies an den Stellen, an denen Menschen leben, noch häufiger sehen – Müll. Überall zwischen und auf den kleinen Büscheln liegt Plastikkram. Zwei Stunden, nachdem wir Riohacha verlassen haben, erreichen wir Manaure. Hier wird in Kooperativen das Salz in einzelnen Pfannen weggeschürft. Salzsäcke begleiten uns noch auf unserem weiteren Weg über die Halbinsel. Immer wieder kommen uns LKWs entgegen, die das Salz wegschaffen. Der andere Reichtum der Region wird hingegen über die militärisch bewachten Schienen und Häfen wie der von Simon Bolivar weggebracht und exportiert, auch nach Deutschland – Kohle. Ein kleiner Punkt im Meer, eine Plattform, zeigt einen weiteren Schatz an – Gas.

Wo der Tourismus in den letzten zwei-drei Jahren vorsichtig Einzug hält, fließt auf anderen Wegen bedeutend mehr Geld. Doch je weiter wir gen Norden fahren, desto mehr gerät das in Vergessenheit oder ist einfach nicht mehr präsent. Mit steigenden Temperaturen und abnehmender Naturvielfalt, wird die Landschaft spektakulärer und das Leben für die Menschen unwirtlich. Im klimatisierten Geländewagen passieren wir wilde hügelige Kakteenlandschaften. Dann fahren wir wieder durch Salzpfannen, die sich in der Regenzeit mit Wasser füllen und das Meer ausweiten. Als wir die Desierto Carrisal durchfahren, glauben wir, am Horizont das Meer zu sehen. Eine Täuschung, wie sich herausstellt. Immer wieder tun sich im flimmernden Mittagslicht Fata Morganas vor uns auf. Als wir auf eine Bergkette zufahren, fragen wir uns, ob diese überhaupt echt ist. Ja, bestätigt Joaquin, sie hat sogar einen Namen! Serrania de Cabitero.

Immer wieder steuert unser Fahrer den Strandstreifen an, den wir als Straße umfunktionieren. Wo viel Sand ist, ist es egal, wo man fährt. Ausgetrocknete Schildkrötenpanzer und verlassene Schiffe mitten im Land – manchmal wird aus Wüste Meer und dann wieder aus Meer Wüste. Es ist unser Weg ans Ende Südamerikas oder auch an den Anfang, je nach Sicht. An der Grenze zu Venezuela zieht sich Kolumbien noch ein Stück weiter in die Karibik, als wolle es dem Nachbarn zeigen, wie groß es ist. Und genau diese Größe wollen wir erleben. Am ersten Tag steuern wir den kleinen Strandort Cabo de la Vela an. Diesen erreicht man noch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln. So hat sich hier auch dementsprechend eine gute aber auch sehr einfache touristische Infrastruktur herausgebildet. Hospedajes mit einfachen, traditionellen piichi oder miichi Häusern, die aus zusammengebundenen Kakteenherzen gebaut wurden, oder windige Schlafplätze in den typischen Chinchorros stehen zur Auswahl. Anders als die normale Hängematte, haben Chinchorros breite Zierkanten, mit denen man sich zudecken kann, und sind besonders farbintensiv. Mit Nadel und Faden können die Wayuú gut umgehen. Die Frauen, die Knöchel umspielende, luftige Kleider, die wie Nachthemden anmuten, tragen, verkaufen überall ihre farbigen, aus einem Faden genähten Taschen für 60.000 Pesos und aufwärts. In die Nähkunst der Wayuú verliebte ich mich schon vor sechs Jahren. In der Bucht von Cabo de la Vela hüpfen Punkte leichtfüßig über das Wasser. In den letzten Jahren haben sich hier einige Kiteschulen angesiedelt. Stolz wird uns auch ein junger Deutscher vorgestellt. Doch wir fahren weiter und erreichen nach 5 Minuten die Rancheria Utta – unser erstes Domizil.

Es gibt Momente auf Reisen, in denen wird die Vorstellung von der Realität überholt – der Vorhang schließt sich und die schöne bunte Show Welt ist beendet. Als wir in Santa Marta bei Touragenturen nach La Guajira fragten, wurde uns immer wieder gesagt, wie schwierig es ist, da hinzukommen und deshalb sei auch alles echt teuer. Es sind aber genau diese Orte, die ihren Zauber auf mich haben, da ich hier noch die wenig besuchten Stellen vermute. Hier erhoffe ich mir, das Authentische zu finden, abends in Ruhe und ziemlich allein in der Hängematte am Strand unter einem beeindruckenden Sternenhimmel einzuschlafen und den auch inzwischen in Kolumbien eintreffenden Touristenmassen zu entkommen. Als wir auf den Parkplatz der Rancheria vorfahren, warten zwei riesige Schulbusse und mehrere Geländewagen. Der Lärm und das Gekreische der 14jährigen Schüler sind unüberhörbar, die Hängematten in bester Strandlage alle schon besetzt. Zwei weitere Busse fahren vor. Nun sind es allein 120 Schüler, die das Gelände erobern. Mein kleiner Traum von der einsamen Wüste ist schnell zerplatzt. Wäre ich individuell angereist, hätte ich einfach die Unterkunft gewechselt, doch in diesem Moment ärgere ich mich über den Zwang, an diese Rancheria gebunden zu sein. Wir suchen am Nachmittag noch traumhafte Plätze wie den Pilon de Azucar Strand und den Ojo del Agua Strand auf, doch überall, wo wir sind, tauchen auch 120 Schüler auf. Beide Strände sind in schönen Buchten gelegen. Auf den umliegenden Felsen wandern wir entlang, um das Setting von oben zu bestaunen. La Guajira, Kolumbien Zum Sonnenuntergang finden sich alle am Leuchtturm von Cabo de la Vela ein. Es ist ein bisschen wie ein heruntergespultes Programm, das alle Touristen hier durchlaufen. Der Sonnenuntergang muss amazing sein, wenn sich die Sonne hier in der Wüste dramatisch ins Meer wirft. Ist er aber nicht. Hinter einem leichten Schleier verschwindet sie recht farblos. Am Abend wechseln wir dann doch noch unsere Unterkunft und ziehen ins Dorf um. Die Hospedaje de Xiomy ist sehr einfach, aber man bekommt direkt das Leben der Familie mit. Auf dem staubigen Boden hebe ich mir einen kleinen Eimer auf, und marschiere mit ihm zur Wassertonne, aus der ich mir Wasser für meine „Katzenwäsche“ entnehme. Im Schein der schummrigen Lampe machen die Kinder ihr Hausaufgaben. Über den Hof schnurrt der Generator, bis um 23 Uhr das Licht erlischt und das Knattern verstummt. Morgen fahren wir weiter – zum nördlichsten Punkt Kolumbiens, zum nördlichsten Punkt Südamerikas.

Teil 2 folgt in Kürze!

Was man noch zu La Guajira wissen sollte?

La Guajira war vor ein paar Jahren noch als Geheimtipp nur abenteuerlich zu erreichen. Inzwischen hat sich dies geändert und man kommt sogar individuell hierhin. Von Santa Marta nimmt man einen Bus, der in ca. 3 Stunden Riohacha erreicht. (21.000 Pesos) von Riohacha nach Uribia sind es mit Bus 1,5 Stunden (12.000 Pesos). Von Uribia geht es mit Collectivos mit zwei Sitzbänken hinten weiter nach Cabo de la Vela. Die Fahrt dauert zwei Stunden und kostet 15.000 Pesos. Ab Cabo benötigt man ein 4Wheel. Wir wurden angesprochen. Die Fahrt dauert ca. 2-3 Stunden und kostet ca. 140.000 Pesos. Wir haben eine dreitägige Tour bei Expotur von Santa Marta über Cabo de la Vela nach Punta Gallinas gebucht für 550.000 Pesos pro Person (Mindestanzahl 3 Personen). Alle anderen Angeklagten Tourenbieter waren nicht sonderlich am Verkauf der Tour interessiert und boten sie sehr überteuert an.

Was gibt es zu tun in Cabo de la Vela, La Guajira?

Cabo de la Vela bietet sich für Wanderungen und Strandtage an. Am besten ist aber eine Kombination aus beiden: Walks zu den weiß-orangen Sandstränden wie Ojo de Agua (1,5 Stunden Walk), Playa el Faro (1,5 Stunden Walk), Playa el Pilar (1 Stunden Walk) oder Playa Pilón de Azucar (1 Stunden Walk).

Tipp:

Bringt Süßigkeiten mit um die Straßensperren der Kids mit ihnen zu bezahlen.

 

1 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *