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Sicherheit ist unsere DNA – mein Tag hinter den Kulissen von Condor

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Es ist ungefähr ein Jahr her, als ich auf meinem Flug nach Südafrika den Sonnenaufgang über Namibia aus dem Cockpit einer 767 auf dem Weg von Frankfurt nach Kapstadt genoss. Während ich den orangen Streifen am Horizont aus dieser außergewöhnlichen Perspektive über der kargen Landschaft Namibias wachsen sah, erklärten mir der junge Pilot und die Co-Pilotin, dass Windhoek über eine mit 4,5 km sehr lange Start- und Landebahn verfügt, die sich unter mir in die Weite einfügte. Eine Woche später landete ich genau hier. Ich muss zugeben, die 10 Minuten im Cockpit speicherte ich damals halbverschlafen und doch auch hellwach als „once in a Lifetime“-Erlebnis ab.

Sicherheitstraining im Schnelldurchlauf

Als ich mich nun Ende November wieder im Cockpit einer Condor-Maschine wiederfinde, blicke ich auf eine künstliche Wüstenlandschaft, die an mir vorüberzieht. Ich eile nach hinten in den Passagierraum und nehme meinen Platz ein. Kurz darauf heben wir ab, um uns nur wenige Minuten später in der Situation einer Notwässerung wiederzufinden. 

Wäre dies kein Mock-Up (wie die Attrappe heißt), wäre ich wesentlich nervöser. Doch ich ertappe mich dabei, wie aus Ernst Spaß wird. Je nach Auslastung, Tankfüllung und weiteren Faktoren hält sich der Flieger in der Regel bei gelungener Notlandung noch ca. 15-30 Minuten auf der Wasseroberfläche. Jeder Handgriff muss in dieser kurzen Zeit sitzen. Zuerst geht ein Flieger mit dem Heck unter. Wer auf der sicheren Seite sein will, wählt daher seinen Platz in der Nähe der Tragflächen, wo generell ein Flieger am stabilsten ist. Wir eilen zur Tür, an der uns bereits Frank Königs helfende Hand erwartet. Der lebensrettende Sprung auf die Rutsche ist hier das Highlight unseres Sicherheitstrainings. Wo die Condor-Crew regelmäßig geschult wird, tollt nun eine Handvoll Blogger herum. In den Flugzeugattrappen vom Typ A 321 und Boing B 767, ausgediente Flugzeuge, die im Trainingszentrum am Firmensitz bereitstehen, lernt das Flugpersonal zudem, mit Stresssituationen, hysterischen und ängstlichen Passagieren umzugehen. Die Stewardess Frau Örgen verrät, dass sie auch nach Jahren noch bei jedem Start die Sicherheitsvorkehrungen im Kopf durchspielt, da in Krisensituationen als erstes das Kurzzeitgedächtnis aktiv wird und dieses die letzten Gedanken hervorruft. Da das Einstudierte glücklicherweise auch für fast alle nur Theorie bleibt, muss das Vorgehen im Ernstfall zumindest im Kopf durchexerziert werden.

Unter dem Mock-Up stehen Türen verschiedener Flugzeugtypen bereit, die uns vor die nächste Herausforderung stellen. Jede Tür lässt sich anders öffnen, doch eines haben sie gemein – sie erfordern die richtige Technik und etwas Kraft. Kosmetikspuren an der Verkleidung zeugen von einem kleinen Kampf. Alle drei Jahre aktiviert hier das Flugpersonal seine Kenntnisse und setzt sie in die Praxis um und das hinterlässt selbst bei erfahrenem Personal auch manchmal Spuren. Und wer glaubt, dass so eine Tür mal eben so in der Luft geöffnet werden kann, der hat die physikalischen Kräfte nicht bedacht – denn ca. 8 Tonnen lasten auf den Türen. Hat man einen widerspenstigen Passagier, der mal eben so raus will, den soll ein Steward doch einfach mal so richtig auspowern lassen, ist der gute Rat von Frank König.

Insight Condor

Insight Condor – das Motto des Tages – verspricht nicht zu viel. Wahre Einblicke hinter die Kulissen von Condor gewährt uns neben dem Leiter Unternehmenskommunikation, Johannes Winter, auch Uwe Balser, der Director Group Airlines Services and Accountable Condor Flugdienst und dies auf sehr sympathische Art. Er ist nicht nur der Chef über rund 3.500 Mitarbeiter, sondern manchmal einfach nur Kollege. Dann geht er als Flugbegleiter mit an Bord und verschafft sich einen eigenen Eindruck von der Arbeit in der Luft. Noch mehr Insights erfährt man übrigens ab sofort auf dem eigenen Blog von Condor.

2016 ist das Jubiläumsjahr von Condor

Ich erfahre auch, dass Condor 2016 60 Jahre alt wird und auf welche abenteuerliche Weise der Flugbetrieb damals begann. Wer glaubt, dass Condor mit beliebten Feriendestinationen seinen Einstand feierte, der wird überrascht. Anstatt Kanaren oder Balearen hob am 29. März 1956 ein zweimotoriges Propellerflugzeug des englischen Typs Vickers Viking mit 36 Sitzen und ohne Druckkabinen Richtung Jerusalem ab. Auf dem ersten touristischen Pilgerflug der Condor-Maschine nahm man noch Umwege, um die Alpen zu vermeiden. Auch Zwischenstopps, bei denen die Stewardessen auf dem Markt wie in Nizza dann noch die Einkäufe für die „Bordküche“ tätigten, wurden eingelegt.

Wenn sich auch bis heute viel verändert hat – eines ist geblieben, die Menschlichkeit, Warmherzigkeit und der Service am Kunden, die das Arbeitsumfeld bei Condor besonders ausmachen und dem Ferienflieger u.a. zu Auszeichnungen wie „Beliebteste Airline der Deutschen“ und „Platz 1 der Airlines mit der höchstens Kundenzufriedenheit“ verhalf. Regeln wo sie sein müssen, aber nicht überall – das ist hier das Credo. Eine Ansage muss und soll nicht nach 08/15-Vorgaben gemacht werden und auf uniformierten Verhaltensweisen basieren, sondern darf gern individuell gestaltet sein. Es sind die „little Lifts“, die das Besondere von Condor ausmachen – und die gehen über die Mitarbeiter. Fliegen ist emotional und auch mit Ängsten verbunden, das Flugpersonal ist der direkte Draht zum Kunden und somit die Stelle, an der Vertrauen aufgebaut wird. Nur wenn es hier stimmt und sich der Kunde positiv an sein Flugerlebnis erinnert, wird er wieder kommen. Und wenn das Teamgefühl stimmt, merkt das auch der Kunde und das wirkt sich positiv aus.

Aktuell sucht Condor übrigens 200 Flugbegleiter und überrascht wieder mit einer ungewöhnlichen Aktion. Jede erfolgreiche Vermittlung wird mit einem Hin- und Rückflugticket im Streckennetz der Condor belohnt.

Turbinen im Blick – in der Technikhalle von Condor

An diesem Tag bei Condor geht’s auch noch mal richtig nah ran an die Maschinen und zwar in der Technikhalle. Hier wird alle 1 bis 2 Monate der regelmäßige A-Check durchgeführt, der sich auf die Überprüfung der technischen Systeme und die Wartung der Kabine konzentriert. Die umfangreicheren C- und D-Checks finden hingegen im Ausland statt. Von den technischen Details verstehe ich kaum etwas, bin aber mächtig beeindruckt von dem Blick in die Turbine und dem Laderaum, in dem sonst unsere Koffer und Rucksäcke ruhen. Wenn man all das empfindliche Kabelwerk mit eigenen Augen sieht, versteht man auch, warum es beim Transport von Tieren Ausnahmen gibt – denn Nager machen sich hier äußerst schlecht.

Eine Fahrt über den Flughafen Frankfurt

Der Tag soll nicht zu Ende gehen, ohne den Frankfurter Flughafen noch einmal ins Visier zu nehmen. „Flughäfen werden heutzutage sehr großzügig verglast gebaut. Somit kann sich der Passagier schon einmal die Maschine vor Abflug genau ansehen, und ggf. nimmt dies dem Passagier auch die Angst“, meint der nette Guide, der uns bei der Fahrt über das Flughafengelände begleitet. Mit voller Begeisterung zeigt er uns durch die verregnete Scheibe des Busses verschiedene Flugzeuge, darunter auch das größte Passagierflugzeug der Welt, das gerade Richtung Startbahn rollt. Kurz darauf verschwindet die Maschine von Emirates in der dunstigen Luft. Ein paar Stunden später hebe auch ich wieder in Richtung Berlin ab und habe einen gewissen Blick auf die kleinen Details, die uns Sicherheit bieten.

Ich wurde zu diesem #insightcondor-Tag von Condor eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen. 

2 Kommentare

  1. Ich habe ja tierische Angst vor dem Fliegen. Aber so ein paar Fakten haben mir gerade etwas angst genommen, danke!

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