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Reiseführertest Marrakesch

Marrakesch im Riad beim Frühstück

Was bringt Marrakesch als kurze (Wochenend-)Städtereise?

Seit einigen Wochen gibt es von Berlin mit easyjet einen Direktflug in die Stadt mit dem klangvollen Namen. Die Möglichkeit, schnell und evtl. auch günstig reinzufliegen und etwas arabisches Leben in der Medina aufzusaugen, klingt verlockend. Ausgerüstet mit dem Cityguide „100% Marrakesch“ und dem Reiseführer „Marroko – Handbuch für individuelles Entdecken“ machte ich mich auf den Weg. Marokko ist für mich kein neues Ziel – vor gut 20 Jahren war ich bereits im Rahmen zweier Interrail-Touren in Marrakesch und über den Großen Atlas hinaus. Eine Wüstentour lag gerade auch nur wenige Monate hinter mir.

Doch jetzt die Frage, was hält das Ziel Marrakesch für ein Wochenende bereit?

Meine Erfahrungen

Als ich im Flugzeug auf meinem iPhone die E-Mail meines Reisewagenanbieters las, dass das bestellte Auto nicht verfügbar sei, biss ich mir erst mal auf die Lippen. Mist, dachte ich. Aber am Flughafen wird es bestimmt einige kleine Boxen mit diversen Mietwagenfirmen geben. Angekommen – noch etwas an der Passkontrolle mit einem Mexikaner, der in Wien studiert, unterhalten – und ab zu den Schaltern. Schnell hatte ich einen guten Preis ausgehandelt, der sogar unter meinem deutschen Onlineangebot lag. Als ich losfuhr, warnte mich der Vermieter: „Passen Sie auf, die Polizei führt viele Geschwindigkeitskontrollen durch“. Durch die Wüstentour wusste ich bereits, dass selbst in den entlegensten Orten ein Polizist, ausgerüstet mit einer Geschwindigkeitspistole, steht. Vorbildlich hielt ich mich an das Tempolimit und fuhr Richtung Innenstadt. Fast angekommen am Platz Jemaa el Fna, direkt vor der Koutoubia-Moschee, werde ich von einem lächelnden Polizisten rausgewunken. Mir keiner Schuld bewusst, hielt ich und er sagte durch das offene Fenster: „Mein Lieber, Sie sind über eine rote Ampel gefahren. Bei Rot halten und bei Grün fahren.“ Natürlich widersprach ich ihm, doch mit eher zurückhaltender Vehemenz, da ich mir nicht besonders sicher war. Er zeigte mir ein Formular auf seinem Block: Auf Französisch wurden hier diverse Summen aufgeführt. Wenn nicht noch andere Fahrer arabischer Herkunft herausgewunken worden wären, hätte ich mich total verschaukelt gefühlt. Egal, ich zahlte relativ wenig, erhielt keine Quittung und wusste – welcome home – this is Africa. Obwohl ich bisher auf meinen diversen Reisen durch Ostafrika eigentlich nie Straf- oder besondere Trinkgelder hatte zahlen müssen. Ich fragte den gut aufgelegten Polizisten nach einem 24-Stunden-Parkplatz in der Medina. Was dann folgte, war mir bis jetzt ein einmaliges Erlebnis. Der Polizist eskortierte mich. Er hielt alle störenden Fahrzeuge an und ich hatte meine persönliche Polizeieskorte zum nächsten Parkplatz. Dort verabschiedete er sich winkend. Was für ein Service – aber teuer erkauft.

Im ruhigen Riad Dar Moulay Ali angekommen, freute ich mich über dieses schöne Hotel und seine Lage. Diesen Tipp hatte ich nicht aus einem Reiseführer. Schon von meinen vorigen Reisen nach Marrakesch kannte ich das Hotel. Direkt an der Medina gelegen, ist diese Unterkunft sehr gut gelegen und schnell zu erreichen. Die Fenster zeigen in einen wunderschönen Innenhof. Meine Sorge, dass es nachts dadurch womöglich etwas lauter ist, hat sich zum Glück nicht bestätigt.  Eine tolle Dachterasse bietet einen einzigartigen Blick auf Gebirge und Stadt. Da mir für die Erkundung Marrakeschs nur ein Wochenende blieb, musste ich die Idylle erst einmal verlassen. Jetzt wollte ich unbedingt die Reiseführer testen.

„100% Marrakesch“ bietet drei Touren, derer ich mich gleich mal annehmen wollte. Ich wählte die dritte Tour „Südliche Medina“ mit dem Fokus auf der Kulturgeschichte Marrakeschs. Dieser Spaziergang führte mich zu Palästen, historischen Bauten und in das jüdische Viertel. Die Route war schnell zu finden und der Rundgang gut beschrieben. Besonders loben muss ich die Karte der Medina, die in anderen Reiseführern nicht an diese Qualität reicht. Der Reiseführer ist wirklich kompakt aufgebaut, verliert wenig Zeit und bietet die relevanten Informationen. Damit ist „100% Marrakesch“ besonders geeignet für einen kurzen Trip: Übersichtliche Tipps zu Hotels, Restaurants und Shoppingspots in den einzelnen Stadtteilen (nördliche Medina, südliche Medina und Neustadt). Die drei Touren mit unterschiedlichem Schwerpunkt und die übersichtlichen Karten machen die Erkundung zu einer runden Sache.

Leider liefert „100% Marrakesch“ zu wenig Hintergrundinformationen zur Geschichte und Architektur. Deshalb kam während meiner  Tour auch schnell der umfangreiche Reiseführer „Marokko – Handbuch für individuelles Entdecken“ zum Einsatz. Ein Reiseführer für das gesamte Land – hier erfahre ich mehr. Wichtige Infos und historische Hintergründe des Landes werden mir ausführlich mitgeliefert und erleichtern die Gesamteinordnung in das Land und die Kultur. Das Marokko-Handbuch ist natürlich eine Institution für Marokkoreisen. Als der Reiseführer für Marokko bietet er Informationen zu Marrakesch und seiner Umgebung in aller Ausführlichkeit und punktet mit umfangreichem Hintergrund- und Geschichtswissen. [LD]

Marokko – Handbuch für individuelles Entdecken 100% Marrakesch
ISBN 978-3831719617 978-3943502299
Preis 24,90€ 9,99€
Art Reiseführer Marokko Cityguide
Verlag Reise Know How Mo Media
Größe/ Gewicht 18 x 12 x 3,8 cm 17,8 x 12 x 1,2 cm
Erscheinungsdatum August 2011 September 2012
Separate, herausnehmbare Karte(n) Nein Ja
Seiten 864 (zu Marrakesch 56) 92
Kartenmaterial  
Hintergrundgeschichte  
Übernachtung  
Shopping  
Transport  
Rundgang/ Spaziergang  
Übersichtlichkeit/ Struktur  
Optik/ Gestaltung klassische Reiseführer-Optik schöne Bilder
Aktualität    
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Fazit

Für mich waren die beiden Reiseführer eine gute Ergänzung. „100% Marrakesch“ ist sauber und straight aufbereitet für einen Kurztrip. Die Auflage vom September 2012 bietet hohe Aktualität, berücksichtigt jedoch nicht die neue Flugverbindung Berlin – Marrakesch.  Klares Design und gute Karten. Die drei kurzen Ausflüge sind das Zentrum des Reiseführers. Ergänzend passte der Reise-Know-How „Marokko“ sehr gut. Für Wissensdurstige ist es eine gute Kombination.

Wer nur mal schnell Marrakesch erleben möchte, ist gut mit „100% Marrakesch“ bedient. Besonders für Leute, die das erste Mal Marrakesch erleben, bietet der Guide eine gute Orientierung und bringt in seinen drei Touren die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gut unter. Gerade für Kurzreisen mit Fokus auf Sightseeing, Shopping oder kulinarische Genüsse ist „100% Marrakesch“ ein idealer, vor allem handlicher und leichter Begleiter. Auch zu erwähnen ist die kostenlose iPhone- oder Android-Phone-App.

Wer allerdings mehr Tiefe und Ausführlichkeit zur Stadt, zur Geschichte und Kultur des Landes wünscht, kommt am Marokko-Handbuch nicht vorbei.

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