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Die singende Düne – unterwegs im Sossusvlei und Dead Vlei

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Irgendwo muss es stehen, das Blechblasorchester. Irgendwo im Wüstensand. Ganz deutlich höre ich den Sound einer Tuba aus der Düne heraus. Aus einer der größten überhaupt – Big Daddy oder Crazy Dune, wie sie auch genannt wird – scheint zu musizieren. Ich will die Seele der Düne erklimmen, nicht nur ihre Formen, die schon in zwei Stunden eine neue Gestalt annehmen werden. Denn das Aussehen von Big Daddy ändert sich stetig. Wo gestern noch Spuren im Sand geschrieben waren, ist heute alles verweht. Big Daddy ist mehr als eine Gestalt. Er scheint zu kommunizieren. Ich muss nur dem Klang folgen oder folgt die Musik doch eher mir? Jeder Schritt, den ich gehe, erzeugt ein tiefes Blasgeräusch. Ist das die Musik der Wüste? Oder eine trügerische akustische Fata Morgana, der ich aufgesetzt bin?

Dead Vlei mit Big Daddy im Hintergrund

Dead Vlei mit Big Daddy im Hintergrund

Erklimmung des Big Daddy

Erklimmung des Big Daddy

Schweigend sitzen wir im Auto, als sich die Sonne im Osten über die Dünenlandschaft erhebt. Es ist ein sanfter Morgen, der durch den Nebel vom Atlantik das intensive Licht der Sonne dämmt. Wir haben uns in Decken eingehüllt, die Wüstenluft ist noch frisch. Punkt 6 Uhr wurde das Tor zum Nationalpark geöffnet. Einen szenischen Sonnenaufgang inmitten der Dünen haben wir somit verpasst und genießen diesen aus unserem Geländewagen Marke Eigenbau, in dem elf Personen Platz haben.

Vorbeiziehende Dünenlandschaft

Vorbeiziehende Dünenlandschaft

Morgens auf dem Weg zum Sossusvlei

Morgens auf dem Weg zum Sossusvlei

Dünenlandschaft im Namib-Naukluft-NP

Dünenlandschaft im Namib-Naukluft-NP

Ein einsamer Ballon schwebt über die geschwungene Wüstenlandschaft. Ein wenig beneide ich die Leute um diesen Ausblick. Aber wo sie das große Ganze bestaunen, haben wir den Blick für das Detail. Wir halten kurz, machen Fotos von der Düne Nummer 1. Hier lebt auch die Dancing White Lady Spider, die ihr Nest im Dünensand vergraben hat und deren „Haustür“ unser Guide Enos mit einem Griff öffnet.

Von nun an bahnt sich die absurd scheinende Teerstraße parallel zum Trockenflussbett des Tsauchab River ihren Weg. Das breite Tal ist gerahmt von Dünen. Springböcke, Oryxantilopen und Strauße sind die einzigen Anzeichen von Leben im Wüstensand, der hier und da ein wenig steinig ist. Die grünen Büschel gehen nahtlos in einen beigen Farbton über, der mit der aufgehenden Sonne rotbraun schimmert. Ein Spiel aus Licht und Schatten zieht an uns vorbei, bis eine Ansammlung an Autos zu sehen ist. An Kilometer 45 frühstücken unter gleichnamiger Düne, die 150 m aus der Landschaft herausragt, Gruppen vor ihren Campern, Autos und Bussen. Ein paar Punkte sieht man auch auf dem Dünenkamm entlangwandern. Wir machen Fotos und eilen weiter – noch 15 Kilometer bis zu unserem Ziel. Aber eigentlich ist bereits der Weg das Ziel. Die dunstige Atlantikluft, die mit dem Westwind zu uns weht, wird von der Sonne aufgefressen und gibt einen blauen Himmel frei. Rot-blau ist das Farbspiel der nächsten Stunden.

Düne 45 – die am meisten fotografierte Düne Namibias

Düne 45 – die am meisten fotografierte Düne Namibias

Düne 45 auf dem Weg ins Sossusvlei

Düne 45 auf dem Weg ins Sossusvlei

Am Fuß der Düne 45

Am Fuß der Düne 45

Nach 60 km erreichen wir den Parkplatz des Sossusvlei. Von hier kommt man nur noch mit Vierradantrieb weiter. Ein Shuttle nimmt all diejenigen mit, die mit Zweiradantrieb angereist sind und nicht laufen wollen. Noch 5 km gräbt sich unser Geländewagen durch tiefen Sand, bis auch wir halten. Von hier geht es nun zu Fuß weiter. Im Westen liegt Sossusvlei – hier würde der Tsauchab Fluss in den Sand sickern und einen tiefen See füllen, würde es nur endlich einmal wieder regnen. Doch das letzte Mal, dass hier alles unter Wasser gestanden hat, war 2011.

Schakal im Sossusvlei

Schakal im Sossusvlei

Im Sossusvlei

Im Sossusvlei

Bevor wir unter einem Kameldornbaum unter den hungrigen Blicken eines Schakals picknicken, schlagen wir unseren Weg in östliche Richtung ein und laufen Richtung Dead Vlei.Das Musterbild von Snapseed will ich nun im Original schießen. Schnell will uns Samuel, der zweite Guide, den einfachsten Weg zum Dead Vlei entlanglotsen. Doch über diesem toten Valley thront Big Daddy, eine der höchsten Dünen der Namib. Wie hoch sie genau ist, ist unklar. Zahlen ändern sich hier ständig, wo Dünen abgetragen werden und neben ihnen Neue entstehen. Nummer 7 gilt wohl aktuell als Höchste. Doch Big Daddy holt auf.

Frühstück im Sossusvlei

Frühstück im Sossusvlei

Aufstieg auf Big Daddy

Aufstieg auf Big Daddy

Big Daddy Aufstieg

Big Daddy Aufstieg

Wir haben uns in den Kopf gesetzt, „ihn“ zu erklimmen. Durch die singende Düne Khongoryn Els in der Mongolei wussten wir bereits, dass sich ein Aufstieg durchaus lohnt, aber auch, dass jeder Schritt, den man macht, einen zwei Schritte wieder zurückwirft. Samuel nahm unser Vorhaben wohl nur halb so ernst und jagte uns im schnellen Schritt gleich hinter dem Parkplatz auf die Dünen, um uns nach 20 Minuten zu fragen, ob wir jetzt nicht wieder runter wollen. Nein, sagten wir einhellig! Nun liefen wir mit großem Umweg immer weiter auf dem Dünenkamm auf und ab, um schließlich den Big Daddy zu erklimmen. Wie so häufig auch beim Bergsteigen, ist das letzte Stück das Anstrengendste. Ging das erste Stück überraschend einfach und schnell voran, stoppte ich auf den letzten Metern ähnlich wie bei meinem Aufstieg auf den knapp 6.000 Meter hohen Cotopaxi alle fünf Schritte.

Big Daddy

Big Daddy

Dead Vlei

Dead Vlei

Doch wenn sich unter einem die Ausmaße der Dünenlandschaft erschließen, und man merkt, dass man nicht nur an der Nord- oder Ostsee ist, sondern vor einer schier endlosen Wüste, lohnt sich jede Strapaze. 32.000 qkm Sandmeer liegen mir zu Füßen. Und hinter mir ein bizarrer weißer Fleck inmitten der rotbraunen Farbgewalt. Einst war dieser rissige Lehmboden der Endpunkt des Tsauchab-Flusses, der sich aufgrund von Ablagerungen einen neuen Weg suchen musste und vorerst im Sossusvlei endete. Abgestorbene, gebleichte Kameldornbäume zieren diesen Fleck. Ihre Wurzeln können schon seit 600 Jahren nicht mehr das Wasser im Boden durch die dicke Kalkschicht erreichen. Die langsam vertrocknenden und von der Sonne gebleichten Bäume heben sich kontrastreich vom hellen rissigen Lehmboden der Senke und dem tiefen Blau des Himmels ab. Einen Moment genieße ich die Ruhe, die Sicht, das Gefühl.

Im Dead Vlei

Im Dead Vlei

Und dann ist da wieder der Klang, die Melodie, die sich in meinem Kopf festsetzt, als drei junge Männer durch den Sand auf dem Dünenrücken hinuntergleiten. Zwischen den toten Kameldornbäumen des Dead Vleis verlieren sich ihre Spuren.

Erholung unter einem toten Kameldornbaum

Erholung unter einem toten Kameldornbaum

Was man sonst noch wissen sollte?
Ab 6 Uhr ist das Sesriem Gate geöffnet. Hier zahlt man pro Tag und Person 80 N$. Wer wie wir nur mit Zweiradantrieb unterwegs ist, kann sich einer Tour von der Sossusvlei Lodge aus, die sich direkt am Sesriem Gate befindet, anschließen. Sie startet um 5.45 Uhr morgens (Einlass für Sossusvlei und Sesriem Canyon im Namib Nauklauft Park ist ohnehin erst 6 Uhr und da wird auch keine Ausnahme gemacht) und man ist gegen 12.30 Uhr wieder zurück. Sie kostet 545 N$.
Nur wer in einer der Lodges innerhalb des NP schläft, kann vorher starten. Oder man schließt sich einer einstündigen Balloon Safari zum Sonnenaufgang an, die von Namib Sky Ballon Safari durchgeführt wird und N$4950.00 pro Person kostet.

Erschöpft auf Big Daddy

Erschöpft auf Big Daddy

Und bitte fahrt immer behutsam, langsam und safe! Das ist auf den abgelegenen, rutschigen Straßen Namibias noch wichtiger, als alles andere. -> Ein Moment Stille – unser Unfall in der Wüste

Wir wurden von Condor und Taleni Africa unterstützt. Alle Ansichten sind unsere eigenen.

8 Kommentare

  1. Sehr schöne Bilder!
    Ich freu mich auch schon sehr darauf im Dead Vlei zu fotografieren und einfach nur diese wahnsinns Landschaft zu bestaunen :-)

    VG Yvonne

  2. Hallo Madlen,

    seid ihr beiden dann auch Big Daddy runtergerannt, damit die Dünen richtig musikalisch werden? Lässt das Kind wieder wach werden!

    Als ich zu meinem kürzlichen Artikel darüber recherchiert habe, habe ich herausgefunden, dass es eine recht einfache physikalische Erklärung für das Singen der Dünen gibt – tut dem Zauber aber keinen Abbruch.

    Liebe Grüße

    Daniela

    • Ja, genau da kamen ja die Geräusche her. Und macht natürlich wesentlich mehr Spaß als der Aufstieg. Aber wie immer, erst kommt die Arbeit, dann das Vergnügen 😉 LG, Madlen

  3. Mutig das ihr Big Daddy erklommen habt. Ich habe mir die Düne immer nur von unten angeschaut und war froh das ich da nicht hoch musste 😀 dafür durfte ich mir den Sonnenaufgang von Dune45 anschauen, das war wirklich einmalig. Aber die ganze Namib ist eh bezaubernd. Vielleicht hast du ja auch mal Lust auf meinem Blog die Fotos anzuschauen? :)
    Auf jeden Fall ist ein wunderbarer Bericht mit Bildern aus deinen Erlebnissen entstanden.

    LG Lynn

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