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Die Wände der Jurte

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Was raschelt da im Häuschen, ähm Jurte? Seit nunmehr einer Stunde knuspert da jemand an der Innenwand unserer Jurte und hindert mich am Schlafen. Genau das sind die Momente, in denen das von 100 Rückwärtszählen einfach nicht funktioniert. Also, wieder aufstehen, Licht anmachen, nachschauen, was los ist. Beim fünften Mal klappt es auch tatsächlich. Genüsslich klettert ein Mäuschen aus einer Tüte. Selber schuld. In einer Steppenlandschaft sollte man in seiner Hütte auch nicht einfach die Lebensmittel so offen auf dem Boden rumstehen lassen. Also lösten wir das leicht zugängliche Lebensmitteldepot auf und schlossen es in einen Schrank. Damit dachten wir, dem Spiel endlich ein Ende zu bereiten. Doch so einfach ist die Welt nicht für eine Maus. In der nächsten halben Stunde wiederholte sich die Szene, nur dass das Mäuschen nun von Schuhtüte zu Schuhtüte zog. Am Geräuschpegel änderte das nichts. Und so hielt sie uns mit ihrem Rascheln weiterhin auf Trab. Irgendwann machte sich die Maus noch nicht einmal mehr die Mühe, vor uns auszureisen, als wir das Licht anknipsten. Das letzte Mal, das ich sie sah, krabbelte sie aus unserem Papierkorb während ich die neunte Runde des Rückwärtszählen einläutete.

Das Camp in dem wir drei Nächte verweilten, hinterließ einen weiteren tierischen Beigeschmack, der mich nicht sonderlich störte, da er wesentlich geräuschloser erfolgte. Spinnen! Überall krabbelten sie durch unsere Jurte, ob an der Decke, auf dem Fußboden, an den Wänden, zwischen der Kleidung, über mein Bett. Am Morgen erfuhren wir, dass die Spinnenplage gerade am Abflauen sei und vor ein paar Wochen nach dem Regen noch viel schlimmer gewesen sein musste.

Vulkan

Vulkan

Müde startete ich in den Tag. Während alle anderen Gäste heute abreisten, blieben wir als einzige in unserem Camp zurück. Wir gingen endlich mal den Tag etwas relaxter an, denn heute stand nur ein Punkt auf unserer To Do-Liste. Dieser hieß Khorgo Uul, ein erloschener Vulkan. Wir fuhren zum Fuße des Vulkans – bereits hier passierten wir eine Ebene mit Vulkangestein und abstrus aussehenden Bäumen.

Madlen auf dem Vulkan

Madlen auf dem Vulkan

Lars auf dem Vulkan

Lars auf dem Vulkan

Am Ende der Vulkaneruption wurde wohl noch einmal richtig viel Asche herausgeschleudert, die sich heute besonders ostwärts befindet. Vom Parkplatz aus führte ein Weg zum Kegel hinauf. Anders als beim Uran Nuur fallen hier die Innenwände steil in 50 Meter Tiefe ab. Die Oberfläche des Innenkegels besteht nur aus Geröll. Nur die Nordseite im Kraterinneren bietet einen grünen Kontrast mit seinem Lärchenwäldchen. Da wir nicht in den Kegel hineinklettern konnten, wanderten wir den ebenso steinigen Vulkanrand entlang und genossen den herrlichen Ausblick auf die umliegende Landschaft. Alles, was die Natur so erschaffen hat, findet man hier – See, Fluss, Hügel und Ebenen, in die sich der kleine Ort Tariat einfügt.

Einfach mal nichts tun – auch nicht Geländewagen fahren, das ist nach acht Tagen querfeldein durch die Mongolei ein wahrer Luxus. Dennoch können wir unsere Füße auch nicht richtig still halten.

Reitausflug

Reitausflug

Daher wollten wir die Umgebung nun klassisch mongolisch auf dem Rücken von Pferden erkunden. Die mongolischen Pferde erinnern mich eher an Ponys als an Pferde, wie wir sie das letzte Mal in Kolumbien geritten sind. Eins hatten aber beide Ausritte gemeinsam – ich bekam immer das gefräßigste Pferd ab. Kaum ging es los, neigte sich (nur) mein Pferd gen saftiger Grassteppe. Und so ging das immerfort. Reiten wollte dieses Pferd nicht. Irgendwann musste es das Futter runterschlucken und so bewegte es sich schnurstracks zum See, um dort kräftig zu trinken. Zur Reiterin werde ich in diesem Leben nicht mehr, mir fehlt es an Vehemenz und Durchsetzungskraft gegenüber Tieren.

Robotron Ruderboot

Robotron Ruderboot

Ausritt

Ausritt

Im Camp zurück wollten wir weiter aus dem Vollen der Aktivitätenliste schöpfen. Mehr als 10 Euro sollte eine Stunde Ruderboot kosten. Lieber wäre uns ein Kajak gewesen oder ein richtiges Ruderboot. Aber am ganzen See schien es nur dieses eine Boot zu geben und ein Jetski. Jetski erschien mir nicht der Umgebung angemessen, also entschieden wir uns für das eine Boot, dem erst noch Ruder angelegt werden mussten. Denn es handelte sich bei dem vermeintlichen Ruderboot um ein ausgedientes Motorboot aus der DDR. Robotron war der Hersteller. Also Roboter und Elektronik. Doch mit Elektronik war es nicht weit her.

Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, als vor unseren Augen der Motor entnommen und eifrig zwei Ruder auf dem Boot fixiert wurden – fertig ist ein mongolisches Ruderboot! Wie sich das so rudert? Nunja, eben nicht wie ein Ruderboot. Ein Roboter wäre mir schon lieber gewesen.

Bald brach der Abend an, das Essen stand bereit. Das hieß auch wieder Rückzug in die wärmenden Jurtenwände. Die Katze des Camps gesellte sich zu uns. Die Hunde wärmten sich an den Außenwänden der Hütte. Typische mongolische Abende. Ein bisschen Tier ist immer dabei. Und bald raschelte es wieder an den Wänden.

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4 Kommentare

  1. Liebe Mad, ich stimme mich hier schon mal mit Deinen coolen Texten auf meinen Trip ein… Hast Du eventuell noch ein paar gute Tipps für mich auf Lager, was ich beim Packen für die Mongolei beachten sollte? Ich bin noch nicht ganz sicher, wie ich die Durchschnittstemperaturen für August interpretieren soll. Etwa 10 Grad nachts und 20 Grad tagsüber… Aber wie fühlt sich das im Land an und worauf sollte ich mich einstellen? Friere ich mich nachts in der Jurte zu Tode und gibt’s auf einmal ungeahnte Hitze am Tag? Freue mich sehr über sachdienliche Hinweise…
    Danke & viele Grüße von Beatrice

    • Liebe Beatrice, ganz lieben Dank! Wir waren vorletztes Jahr von Mitte/ Ende August bis Mitte September in der Mongolei unterwegs und hatten unsere Route extra so gelegt, dass wir sofort als erstes hoch zum Khuvsgul See an die sibirische Grenze gefahren sind (wirklich empfehlenswertes Örtchen!). Dort ist es nämlich Anfang September schon so kalt, dass viele Camps schließen. Es zog zudem immer ein frisches Windchen. Ich zog alle Pullover und ne Outdoorjacke über – hatte aber grundsätzlich keine Winterjacke dabei. Ich persönlich finde, es reicht wenn man 2-3 dicke Pullover dabei hat und eine windgeschützte Jacke (meine hat noch ’nen Fleece drin). Und im Norden hatte ich tatsächlich an einem kalten, bedeckten Tag mal Handschuhe an und ne Mütze auf. Am Khuvsgul See hatte man uns auch eine Jurte mit Fussbodenheizung gebucht.

      Alle anderen Jurten hatten nicht so einen Luxus, sondern einen üblichen kleinen Ofen, der für viel Romantik 😉 sorgt, aber uns auch meist ziemlich zum Schwitzen brachte. Denn wenn man einschläft in dieser geheizten Luft, ist es in der Jurte erst mal superheiß und nachts wacht man auf und muss sich meist etwas drüberziehen oder noch zum Schlafsack greifen. Aber eisig kalt war es bei uns bis Mitte September nie. Und wir hatten Glück, in den ganzen drei Wochen hatten wir nur an 3 Tagen schlechtes Wetter, ansonsten immer strahlend blauen Himmel ohne eine einzige Wolke. Das heißt, tagsüber war es heiß. Ich lief somit auch fast immer mit kurzer Hose und Shirt herum. Nur wenn die Sonne unterging, dann hieß es schnell „Einpacken“.
      Aber im Süden Richtung Gobi war es selbst abends nicht so kalt und wir hatten sogar in Jurten ohne Ofen geschlafen. Kalt war es ab der Dämmerung vokalem auch noch am Zuun Nuur und am Weißen See – mit Frost und so. Bei weiteren Fragen gern auch per Mail an reisen@puriy.de
      LG, Madlen

  2. Liebe Madlen,
    tausend Dank für diese super-ausführliche und sehr hilfreiche Antwort (und sehr cool, dass Du mir auch extra noch eine Mail geschickt hast…). Jetzt weiss ich auf jeden Fall, worauf ich beim Packen achten muss. So eine Jacke mit Fleece-Innenleben habe ich auch. Die kommt dann mit… 😉
    Sei ganz herzlich gegrüßt & bis bald,
    Beatrice

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