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6 Stunden 2 Räder 1 Insel – Gozo mit Rad erkunden

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Wieder macht es zwischen meinen Füßen klack. Inzwischen weiß ich, was zu tun ist. Meine Hände sind ohnehin schon Öl verschmiert. Es lohnt nicht, sie zu säubern. Der Hügel, der gleich hinter dem Hafen von Mgarr beginnt, ist eine wahre Herausforderung, nicht nur für die Fahrradkette sondern auch für meine körperliche Fitness. Endlos windet sich diese Straße von der Küste Gozos hinauf auf die Hochebene, auf der als besondere Blickpunkte die neugotische Kirche „Our Lady of Lourdes“ und das Fort Chambray thronen. Ich kämpfe gegen Wind und Sonne, während ich mir den Schweiß mit meinen schwarzen Händen nicht abwischen mag…

Nachdem die morgendliche Fähre Unmengen an Touristen auf die zweitgrößte Insel Maltas ausgespuckt hat, die sich alle in Richtung Busse bewegten, scherte ich nach links aus und peilte zielstrebig den Mgarr Tourist Service-Laden an, um mir für diesen Tag ein Rad zu mieten. Einfach mal Malta auf zwei Rädern spüren – auf Wegen, die die Busse nicht passieren. Oder einfach mal in Dörfern verweilen, in denen außer Hund und Katze niemand auf der Straße ist.

Doch schon der erste Anstieg hat es in sich. Dieser Hügel will nicht enden. Und dann hält die Kette dem Druck meiner Füße nicht stand. Ein Bus wäre jetzt vielleicht doch die bessere Alternative? Nicht wirklich! Denn als ich schwer atmend endlich oben angekommen bin, überkommt mich ein Gefühl der Leichtigkeit. Mein Blick schweift über eine Ebene, die nicht nur für das Auge ein Schmaus ist, sondern auch meinem Körper signalisiert, von nun an ist der Rest ein Kinderspiel.

Kirche in der typischen Landschaft Gozos Kirche in der typischen Landschaft Gozos Mein Rad und ich Mein Rad und ich
Hafen von Mgarr Hafen von Mgarr Straßenecke in Victoria Straßenecke in Victoria

Eine Fläche von 67 km², die von 43 Kilometern Küstenlinie umrundet wird, liegt mir zu Füßen. Ist man einmal von den Küsten die Steigung hinaufgestrampelt, radelt man fast wie in Holland. Es gibt nahezu keine separaten Radwege, aber Verkehr herrscht verglichen zu deutschen Straßen oder denen der Hauptinsel Maltas kaum. Der Straßenbelag ist in bester Verfassung. Nur Busse, die mich hin und wieder überholen, scheint der Respekt vor Radlern zu fehlen. So überholen sie gern mal haarscharf und vertrauen auf meine stabile Sitzposition.

Gozo hat sich zum Ziel gestellt, bis 2020 „cleaner“ und „greener“ zu werden – im Rahmen von ecoGozo. Vielleicht wird in diesem Zuge auch noch ein Blick auf den Radtourismus geworfen – zu wünschen wäre es. SIBIT – Med in Bike bewirbt beispielsweise schon den Radtourismus auch auf Gozo. Ihr Vorschlag ist eine 42 km lange Route entlang der Küsten. Von dieser riet mir der Radverleih ab, da ich hier häufiger Hänge bewältigen müsste und somit in meinen sechs Stunden kaum Zeit zum Verweilen bliebe. Mit dem Zustand des Rads tatsächlich kein schönes Unterfangen, denn auch die Gangschaltung funktionierte nicht so richtig und später entdeckte ich auch noch eine Acht.

Ich rolle durch Ortschaften, die auf der Hauptachse vom Hafen in die kleine Inselhauptstadt Victoria liegen, und dennoch verschlafener nicht sein könnten. Noch immer kämpfe ich mit meinen schwarzen, öligen Händen. Aber Wasser ist hier Mangel. Vielleicht sollte ich einmal jemanden fragen. Doch wen nur? Keine Menschenseele, die mir begegnet. Ich müsste schon klingeln.

Da Gozos längste Ausdehnung 14 Kilometer misst, ist es nicht verwunderlich, dass ich recht schnell das Zentrum Victoria erreiche, in das alle Wege der Insel führen. Hier geht es schon etwas geschäftiger zu. Die gesamte Infrastruktur der Insel findet man in diesem Ort zusammengefasst, seien es Supermärkte, Kino, Ärzte, Ämter… 6800 Einwohner zählt die Ortschaft, dennoch genug Platz, sich schnell zu verfahren. So lerne ich die Freundlichkeit der Inselbewohner immer wieder kennen, wenn ich durch Unsicherheit, die die engen Straßen der Stadt erzeugen, nach dem rechten Weg frage.

Cittadella in Victoria Cittadella in Victoria Kirche in der Cittadella Kirche in der Cittadella
Cittadella Cittadella Straße in VictoriaStraße in Victoria

Victoria erhielt seinen Namen zum diamantenen Thronjubiläum von Königin Victoria 1897, doch offiziell trägt sie wieder ihren alten arabischen Namen Rabat. Durch enge, verwinkelte Gassen mit kleinen Läden schiebe ich zunächst mein Rad zur St. George Kirche, die 1958 von Papst Pius XII den Rang einer Basilika erhielt. Auf der Pjazza San Gorg wimmelt es von Gozitanern und Touristen, die ihren morgendlichen Kaffee in einem der vielen kleinen Restaurants und Cafés zu sich nehmen. Ich lasse mich durch die engen Straßen zurücktreiben auf den zentralen Platz It-Tokk, wo ein paar Marktstände mit Obst, Gemüse und Souvenirs aufgebaut sind. Die Banca Giuratale fällt besonders ins Auge. Auf diesem Platz, der direkt an der Hauptader der Stadt, der Republic Street liegt, befindet man sich bereits am Fuße des Highlights Victorias – der Zitadelle, die auf einem kleinen Hügel über der Stadt thront. Wieder ein kleiner Hügel, doch der ist schnell „bezwungen“.

Die Zitadelle geht auf punische und römische Zeiten zurück, wurde aber 1551 von den Türken und ein Erdbeben vollkommen zerstört und von den Johannitern im 16./17. Jahrhundert wieder aufgebaut. Wenn man das Tor der Zitadelle passiert, erreicht man als erstes den Cathedral Square. Von den Burgmauern hat man einen wunderbaren Blick über ganz Gozo. In dem kleinen Café auf der Burgmauer lege ich eine kurze Pause ein, bevor ich mich wieder auf mein Rad schwinge und gen Westen und somit dem Strand entgegen radle.

Typisch maltesische Kirche

Typisch maltesische Kirche

Ich rolle ziemlich einsam durch eine unverbaute Landschaft mit grünen Wiesen, Weingärten und Feldern, die mit Steinmäuerchen gesäumt sind, über die Landstraßen nach Dwejra Bay. Am Horizont tauchen immer wieder die typisch roten Kuppeln der maltesischen Kirchen umringt von einer Handvoll Häusern aus Globigerinensandstein auf. Bevor ich das Hauptziel der Bucht, das Azure Window erreiche, passiere ich das verschlafene Örtchen San Lawrenz, dessen kleiner Marktplatz zum Verweilen einlädt. Das kleine Restaurant neben der Kirche zählt nur einen Gast – einen Radler. Ansonsten herrscht Totenstille. Ich genieße diese Ruhe, bevor ich mich in das Getümmel hinab zum Strand begebe, wo sich Touristen vor dem Azure Window massenweise für ein schönes Foto aufreihen. Das Azure Window ist ein monumentaler, aus dem Wasser herausragender Kalksteinbogen nördlich der Bucht. Hinter ihm schimmert in den schönsten blau-türkisfarbenen Tönen das Meereswasser – ein schöner „Ausblick aus dem sogenannten Fenster“.

Kapelle

Kapelle

Eigentlich hatte ich mich besonders auf eine Bootsfahrt vom Dwejra Lake hinaus auf’s offene Meer zum Fungus Rock gefreut. Der kleine Inland See, den farbige Bootshäuser und eine kleine Bar säumen, wird durch hohe Klippen vom offenen Meer getrennt. Durch eine schmale Felsöffnung wären die kleinen Boote hinausgefahren, doch an diesem Tag war das offene Meer leider zu rau. Schade. Also quäle ich mich dem Küstenhang mit seinen großen Kehren wieder hinauf. Ein paar Autos hupen schadenfroh, andere schauen mich aus den Bussen eher mitleidig an. Ich selbst sehne mich nur einem nächsten Stopp mit einem frischen Orangensaft entgegen. Diesen genehmige ich mir in einem wahren touristischen Ort, dem Ta’Dbiegi Crafts Village. Hier kann man Kunsthandwerk und Souvenirs erstehen, mein Blick fällt jedoch in diesem Moment nur auf das Speisenangebot.

Azure Window Azure Window Bootsschuppen Bootsschuppen

Gestärkt radle ich zurück, passiere die kleine Ortschaft Gharb. Von weitem macht eine mächtige Basilika hinter den Steinwällen der Felder auf sich aufmerksam, der ich einen kurzen Besuch abstatte. Da, wo heute die Basilika Ta’Pinu steht, stand einst eine kleine Kapelle. Als die Bauersfrau Carmela Grima die Kapelle betrat, vernahm sie die Stimme der Heiligen Jungfrau. Wunderheilungen folgten und so ist es nicht verwunderlich, dass heute zu dieser Wallfahrtskirche Menschen von nah und fern pilgern, um für überstandenes Leid und Unglück zu danken.

Ta'Pinu

Ta’Pinu

Alle Wege führen durch Victoria, so passiere ich die Hauptstadt der Insel ein zweites Mal. Wieder zieht es mich nach einem Fotostopp auf die rechte Straßenseite. Autos versuchen mir auszuweichen, wo in Deutschland längst jeder wild gestikulierend die Hupe betätigt hätte. Linksfahren mit Auto ist einfach etwas anderes als Linksfahren mit Rad. Das lerne ich hier und heute gar nicht mehr.

Xlendi

Xlendi

Am Ufer von Xlendi

Am Ufer von Xlendi

Ich folge den Schildern nach Xlendi, die mich nach Süden leiten. Der Weg zu meinem letzten Halt führt mich durch ein fruchtbares Tal hinunter in die fjordartige Felsbucht an der Küste. Die Ortschaft Xlendi lockt einige Touristen, die vornehmlich um die Mittagszeit das Örtchen aufsuchen. Ich ruhe mich vor meinem letzten mühevollen Anstieg zurück nach Victoria noch ein wenig auf dem Steg aus. Nur ein paar Mutige tauchen ihren ganzen Körper in das noch frische Meer. Die anderen lassen wie ich nur die Beine im Wasser baumeln. Frisch ist es mir schon vom Eis, das ich mir hier noch gönne.

Straße in Xlendi Straße in Xlendi Winterschlaf Winterschlaf

Ein bisschen zu früh erreiche ich den Hafen von Mgarr. Noch einmal spüre ich die frische Seebrise auf meiner schon sonnenverwöhnten Haut und den Fahrtwind, der mir am letzten Hügel hinab zum Fährhafen entgegenweht. Vergessen sind die Qualen von vor 5,5 Stunden. Zwischen 14 und 16 Uhr in Mgarr anzukommen, heißt Siesta. Keine Kneipe oder Café, das um diese Uhrzeit seine Türen geöffnet hat. Ich setze mich auf die Kaimauer. Von hier schaue ich den farbigen, schaukelnden Fischerbooten zu. Groß und mächtig wirkt dagegen die Fähre, die mich gleich wieder auf die maltesische Hauptinsel übersetzen wird. Gozo ist eine Reise wert, länger als sechs Stunden. Ach wenn ich nur könnte, ich würde noch einen Tag länger hier verweilen.

Ich wurde im Rahmen der Blog Island Malta Kampagne, die von iambassador in Zusammenarbeit mit Malta Tourism Authority und Unterstützung von Air Malta durchgeführt wird, eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen.

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1 Kommentare

  1. Nina Gatzmaga sagt

    Hi,
    Schöner blog. Mein Freund und ich wollen Gozo auch mit Fahrrad erkunden. Suchen aber derzeit eine gute Strecke. Wie hast du dich orientiert?
    Die 42 km Strecke bist du nicht gefahren. Hast du deine Strecke vllt gespeichert ?
    Liebe Grüße, Nina

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