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Aserbaidschan Reisetipps

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Europa? Asien? Oder doch einfach nur eine kaukasische Republik. Aserbaidschan stellt mich vor eine Herausforderung, bevor ich überhaupt im Flieger sitze. Alles, was ich über das Land weiss ist, dass es am Kaspischen Meer liegt und vom Kaukasus durchzogen wird. Zudem kenne ich Aserbaidschan aus meinen Schulbüchern noch als Teilrepublik der einstigen Sowjetunion. Und Nagorny Karabach ist mir auch noch ein Begriff – weniger als geografische Einheit sondern vielmehr als Musikalische. Dann ist da noch der Eurovision Song Contest 2012 und Berti Vogts. Schnell erreiche ich meine Grenzen an Wissen und nunja, auch an Geografie und Politik. Fakt ist, irgendwo hier ist die Grenze. Aber wo genau sie gezogen ist, wo Europa endet und Asien beginnt, weiss ich noch immer nicht. Doch in diesem Moment ist dies auch nicht wichtig. Ich tauche in eine völlige andere Welt ein, bevor mich noch das Wellenrauschen des Kaspischen Meers in den Schlaf wiegt.

Schlammvulkan in Gobustan

Schlammvulkan in Gobustan

Bei meiner Reise durch Aserbaidschan wurde ich immer wieder positiv überrascht. Wer eine Zeitreise in die Sowjetzeit erwartet, muss sich sputen. Denn Aserbaidschan baut und überbaut alles Graue und erleuchtet im futuristischen Glanz – nicht nur in der Hauptstadt sondern auch auf dem Land. Verschiedene Seiten zeigt uns nicht nur die Architektur, sondern auch die Natur, Kultur und Geschichte. Über neun Klimazonen erstreckt sich das Land – vom kaukasischen Hochgebirge über Wüste und Steppe geht es in den Wald oder an den Meeresstrand. Mal stürmt und regnet es, im nächsten Moment schwitzt man unter der brütenden Sonne. Geschichtlich war Aserbaidschan auch sehr begehrt, erduldete Fremdherrschaften von Römern, Persern, Arabern, Mongolen, Türken und Russen. Und auch aus religiöser Sicht hat das Land einiges gesehen – ob zoroastrische Feuerreligion, albanisches Christentum, schiitischer und sunnitischer Islam, sowjetischer Atheismus oder liberal-laizistischer Islam.Wer Vielfalt auf engem Raum sucht, wird sie hier finden und von seinen Einwohnern herzlich willkommen geheißen. Welche Orte sich besonders lohnen, habe ich hier zusammengefasst.

(Dieser Beitrag wird noch erweitert.)

Stationen: Baku – Halbinsel Absheron – Lahij – Gabala –Sheki

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Es ist die Stadt des Windes am Kaspischen Meer, die unsere Aufmerksamkeit hauptsächlich durch den Eurovision Song Contest 2012 erfuhr. Doch in der Hauptstadt Aserbaidschans ist nicht nur Musik drin. Wind, Licht und jede Menge Bauvorhaben und bereits fertiggestellte Höhenflüge – Baku überrascht in Vielerlei Hinsicht. Je mehr wir uns der Stadt nähern, desto mehr schüttelt unser Auto. Es wird schon verdächtig gefährlich, so sehr wütet der Wind. Umso seltsamer ist, dass Architekten immer mehr in die Höhe denken.
Neben den imposanten Flame Towers, die allabendlich im züngelnden Flammendeko illuminiert werden, soll im Rahmen von Kazar Island auf einer der 41 künstlich erschaffenen Inseln im Kaspischen Meer zwischen Baku und Gobustan mit dem 1km hohen „Azerbaijan Tower“ das weltweit höchste Haus entstehen. Ein weiteres architektonische Highlight ist das Heydar Aliyev Cultural Center von der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid. In Wellenform und weiße Farbe getüncht strahlt dieses Gebäude den Minimalismus aus, den man in einer reichen Ölstadt sonst nicht vermutet. Baku lockt aber auch  mit einer schön restaurierten Altstadt İçəri Şəhər, die seit 2000 den Status eines UNESCO-Welterbes hat. Zahlreiche historische Bauwerke, Paläste und Moscheen und ein Labyrinth aus verwinkelten Straßen liegen innerhalb eines Festungsrings. Baku ist alt und neu und auch irgendwie anders.

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  • Historische Altstadt von Baku: Die mittelalterliche Altstadt Icheri Sheher ist UNESCO-Weltkulturerbe und begeistert mit dem Schirwanshan-Palast, alten Karawanserein, dem Jungfrauenturm, engen Gässchen und Handwerks-Läden.
  • Villa Nobel (57/2 Nobel Ave., Villa Petrolia, Baku, Aserbaidschan): Hier liegt der Duft des Öls noch immer in der Luft. Inmitten eines trostlosen Industriegebiets und dem verwaisten Vergnügungspark Luna Park liegt die 1884 erbaute Villa Petrolea. Sie erzählt über die Erfolgsgeschichte der Nobel-Brüder im Öl-Business und über die Zeit des Erdölbooms. Der Eintritt ist kostenlos, dennoch muss man zuvor den Besuch anmelden (am besten durch örtliche Reiseanbieter).
  • Heydar Alivey Center (1 Heydər Əliyev prospekti, Baku, Aserbaidschan): Ein architektonisches Highlight, das mich bereits vor meiner Reise faszinierte. Das 2006 eingeweihte Zentrum huldigt die Form, die Farbe und den Präsidenten.
  • Jungfrauentrum: Früher war er ein Ort der Feueranbetung, heute ein schöner Aussichtsturm.
  • außerhalb der Stadt (Tagesausflug):
  • Schlammvulkane auf dem Weg nach Gobustan: Diese finden nicht ihren Ursprung im Vulkanismus. Vielmehr wird Gas im Untergrund zusammengepresst und dringt dann mit Wasser und Gestein nach oben. Der Schlamm selbst ist sehr mineralhaltig und von heilender Wirkung.
  • Ausgrabungsstätten von Gobustan (UNESCO Weltkulturerbe) mit einem Museum und Felszeichnungen: Rund 6000 Felszeichnungen wurden in Gobustan gefunden. Einige davon kann man heute in 20 Höhlen besichtigen. Die ältesten Felszeichnungen sind vor rund 10.000 Jahren entstanden. Im Gobustan-Museum erfährt man mehr über die Steinzeitbewohner, zudem lernt man in einer wunderbar interaktiv gestalteten Ausstellung Werkzeuge, Keramiken und Waffen kennen.

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  • Am Baku Bulvar sollte man wie die Einheimisch auch abends zum Sonnenuntergang flanieren. Vom Wasser aus lässt sich besonders gut die Illuminierung der Häuser ab ca. 20 Uhr beobachten.

Mehr zu Baku:

Heydar Alivey Center

Heydar Alivey Center

 

Überall Mauern – schöne Mauern, verzierte Mauern, hohe Mauern, sterile Mauern – die angestrahlt werden, umschließen den funktionalen Highway vom Flughafen zum Jumeirah Bilgah Beach Hotel. Minimalismus in höchster Form in Szene gesetzt. Immer wieder versuche ich einen Blick hinter die Mauern zu erhaschen. Manchmal glückt es mir, ein Haus zu erblicken. Doch meistens bleiben mir die Häuser hinter den Mauern verwehrt. Dass ich Land des Feuers bin, merke ich besonders auf der Halbinsel Absheron. Im 2. Jahrhundert entdeckte man hier durch Erdgasvorkommen gespeiste Feuerstellen, die immer mehr Leute aus religiösen Gründen anzogen. Im 15. Jahrhundert kamen vor allem Inder, die nach Surakhany zum Feuertempel Ateschgah kamen und hier Askese betrieben. Aber auch das Kaspische Meer ist hier immer ganz nah. Besonders schön sind die Strände im Norden der Halbinsel.

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Jumeirah Bilgah Beach Hotel
94 Gelebe Street,Bilgah District, AZ1094, Baku, Aserbaidschan
Das stilvolle Ressort Hotel 35 km von Baku entfernt besticht vor allem durch seine Lage – direkt am Kaspischen Meer. Von den Balkonen der Zimmer hört man das Rauschen des Wassers und eine atemberaubende Aussicht.

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  • Ateshgah, Suraghani, Atamoglan Rzayev küc. 1

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  • Feuertempel Ateshgah: In diesem Feuertempel aus dem 17./18. Jahrhundert fanden einst hinduistische Rituale statt. Das „natürliche“ Feuer erlosch jedoch, als ab 1883 in der Nähe Ölförderanlagen in Betrieb genommen wurden. Heute sieht man künstliche Flammen.
  • Brennender Berg Yanardag: Nur wenige Kilometer nördlich von Baku brennt der Hügel Yanardag seit dem Altertum. Dabei handelt es sich um ein natürliches Erdgasfeuer, einen Erdbrand.

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  • Den Brennenden Berg Yanardag sollte man möglichst nach Dämmerung aufsuchen, denn dann entfalten die Flammen ihre besondere Wirkung.
  • Strandausflug besonders empfehlenswert im Norden der Halbinsel.

Mehr zu Absheron:


Ca. 180 km / 3,5 h von Baku entfernt

Woher kommt eigentlich der Samowar? Ich dachte immer aus Russland. Doch einen Wasserkocher ohne Hahn gab es schon in dem schwer zugänglichen Bergdorf Lahij, das von sieben Bergen umringt ist – man nannte ihn Samuzar. Gäste aus Tula waren von diesem Gerät so begeistert, dass sie in ihre Heimat zurückkehrten und von dieser Erfindung erzählten. Doch schnell wurde aus dem Samuzar ein Samowar. Der Samowar spielt noch immer ein große Rolle in diesem Kupferschmiedendorf am Rande des Kauskasus auf 1500 m. Aufgrund seiner schwer erreichbaren Lage – auf einer Höhe von 1400 Metern in einer Talebene zwischen den hohen Bergen des Großen Kaukasus – blieb es seit seiner Gründung im 4. Jahrhundert n.Chr. von einigen Schicksalen verschont.

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  • Dorfspaziergang: Schmiede, Juweliere, Graveure findet man an der Dorfstraße.
  • Wanderungen in der Umgebung

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  • Ist man einmal in der Region Ismayilli, sollte man auch ein Weingut besuchen.

Ladenbesitzerin in Lahij

Ladenbesitzerin in Lahij

Kupferschmied in Lahij

Kupferschmied in Lahij

Ca. 200 km von Baku entfernt
Gabala liegt am Fuße des Großen Kaukasus und will sich als Wintersportmekka einen Namen machen. So führt eine Seilbahn direkt auf die Piste. Tatsächlich ist Gabala neben Tourismus- auch Wirtschaftszentrum – Gemüsekonserven, Seide, Tabak kommen aus dieser Region.

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Qafqaz Resort 
Das Qafqaz Resort liegt am Fuße des Großen Kaukasus am Fluß Demiraparanchay. Im Winter ist dieses ein guter Ausgangspunkt für Skiurlaube.

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  • Restaurant Khanlar: Flusslage, mit den in Aserbaidschan üblichen Pavillons, um jedem Gast ein bisschen Privatssphäre zu gönnen.

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  • Stopp im Molokanendorf (russische Altgläubige) Iwanowka

In Iwanowka

In Iwanowka

Sheki ist die älteste Stadt Aserbaidschans. Im 2. Jahrhundert v. Chr. wanderten Karawanen auf der 4000 Meilen langen Seidenstraße entlang von Ostasien nach Westen und auch zurück. Einst ein florierendes Handelszentrum, versucht die von den Bergen des Kaukasus umgebene Stadt im Nordwesten Aserbaidschans heute Touristen anzuziehen. Womit die Stadt lockt, wird auch gleich deutlich. Neben den Gaumengenüssen der besten Pahlavas, die hier oft in alter Familientradition hergestellt und im angeschlossenen Laden verkauft werden, lockt ganz besonders der Khan Palast auf einer kleinen Anhöhe in der Stadt.

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Hotel Shaki Saray
Məmmədəmin Rəsulzadə prospekti, Sheki, Aserbaidschan.
Gleich hinter dem Stadtpark gelegen hat man auf vier Etagen einen wunderbaren Blick auf die kaukasischen Berge.

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  • Chalabi Khan, Pr. Akhundov, Sheki, Aserbaidschan
  • Yukari Karavansarai Hotel, M.F.Akhundov Avenue 185, Sheki, Aserbaidschan

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  • Khan-Palast: Der im 18. Jahrhundert im persischen Stil erbaute Khan-Palast ist die ehemalige Sommerresidenz des Khan von Sheki und befindet sich in der Zitadelle der Stadt.
  • Besuch einer traditionellen Shebeke-Manufaktur (Shebeke = Glas-Mosaike): Shebeke Manufaktur des Meisters Rasulov Tofig befindet sich hinter dem Khan-Palast und kann kostenlos besucht werden.
  • Sheki ist bekannt für seine leckeren Baklava und so öffnen auch die Manufakturen gern einmal ihre Türen, um dem Besucher Einblick in die Herstellung zu geben. Wir besuchten Aliehmed Sirniyyat Evi.

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  • Ausflug nach Kish: Im 7 km von Sheki entfernten Bergdorf Kish steht die älteste christliche Kirche in Aserbaidschan, die mit norwegischer Hilfe angeregt durch den Archäologen Thor Heyerdahl wieder aufgebaut wurde. Heyerdahl hatte in seinem letzten Forschungsprojekt in Gobustan gewirkt und aufgrund der dortigen Petroglyphen einen historischen Zusammenhang zwischen Norwegen und Aserbaidschan gesehen.

Mehr zu Sheki:

Dorfstraße in Kish

Dorfstraße in Kish

In einer Baklava-Manufaktur

In einer Baklava-Manufaktur

Gereist im September 2014.

Verkäuferin in Lahij

Verkäuferin in Lahij

Vor den Toren Bakus

Vor den Toren Bakus

Flugverbindungen (Stand: November 2014)

  • Lufthansa: 4 mal wöchentlich nonstop-Verbindung Frankfurt – Baku (Flugzeit 4,5 Stunden). Preise ab 480 € (Hin- und Rückflug)
  • Austrian Airlines: Verbindungen von vielen deutschen Flughäfen (München, Düsseldorf, Berlin, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg) via Wien nach Baku. 3 wöchentliche Verbindungen Baku – Wien. Preise ab 400 € (Hin- und Rückflug)
  • Turkish Airlines: Verbindungen von fast allen deutschen Flughäfen via Istanbul nach Baku. 3 tägliche Verbindungen Istanbul – Baku. Umsteigezeit in Istanbul zwischen 2 – 4,5 Stunden. Preise ab 480 € (Hin- und Rückflug)
Straßenstand

Straßenstand

Visum
Zur Einreise nach Aserbaidschan benötigen EU-Bürger ein Visum, das vor Abreise beantragt werden muss. Die Botschaft in Berlin sowie das Honorarkonsulat in Stuttgart stellen das Visum aus. Die Kosten für das Visum betragen momentan 35 Euro.
Um Besuchern die Einreise ins Land zu vereinfachen, bietet Aserbaidschan seit kurzem auch die Möglichkeit eines elektronischen Visums. Touristen können ein solches vor Reiseantritt bei einer aserbaidschanischen Tourismusagentur beantragen. Diese fordert die notwendigen Dokumente an und schickt im Austausch ein elektronisches Visum per E-Mail zu. Das kann einfach ausgedruckt werden und garantiert problemloses Reisen, sei es auf dem Luft-, Land- oder Seeweg. Das Electronic Tourist Visa ist 30 Tage gültig. Eine Liste mit ausstellenden Tourismusagenturen findet man online hier.
Während der Europaspiele im Juni 2015 wird die Möglichkeit bestehen, ein Visa-on-Arrival am Flughafen in Baku zu erhalten.

Schlafender Mann in Lahij

Schlafender Mann in Lahij

Weitere Informationen zum Reisen in Aserbaidschan findet Ihr bei Aserbaidschan Tourismus

9 Kommentare

  1. Beeindruckend, die Natur, die Bilder, die Einfachheit… Ist sicherlich eine Reise der anderen Art.
    In die Äpfel würd ich jetzt gerne reinbeißen 😀

  2. Hi,
    suche noch nach einigen Reisezielen dieses Jahr und da kommt mir der Beitrag ja gerade recht. Hört sich alles sehr interessant an, wird auf die Liste geschrieben.

    Vielen Dank dafür

    Matthias

    • Ein Besuch Aserbaidschans ist wirklich lohnenswert– ein Land, das noch nicht unbedingt gut besucht ist und doch so viel Naturvielfalt zu bieten hat. LG, Madlen

  3. Danke für die Infos und die schönen Bilder.
    Ein fantastisches Reiseziel. Kann ich nur empfehlen.
    Ich war im September auch dort und fahre diesen Monat zum zweitenmal hin.

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