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Banaue – Ein Bett im Reisfeld

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„Willkommen in Las Vegas“ lacht mich der Busfahrer an und winkt mich zur Tür. Seit einer Stunde starrt er schweigend vor sich her und kaut genüsslich auf seinem Betelbissen herum. Seine Lippen sind rot getränkt, er öffnet kaum den Mund, so dass man ihn nur schwer versteht. Doch Las Vegas höre ich ganz deutlich und springe mit meinem Rucksack nach vorn. Hier sollte ich aussteigen, meinte Jappan, in dessen Homestay ich die nächsten Tage verweilen werde.

Bellende Hunde, krähende Hähne, knatternde Tricycles, brummende Jeepneys – am Morgen meiner Ankunft in Banaue geht es auf den Straßen wuselig zu. Doch kaum ein Tourist mischt sich zu dieser Uhrzeit unter die Einheimischen. Kaum zu glauben, dass zwischen den Berghängen das „achte Weltwunder“ liegt – die von Lehmmauern umschlossenen Reisterrassen von Banaue. 4 km von der Kleinstadt entfernt in Richtung Bontoc liegt der Aussichtspunkt, von dem aus ich das wunderschöne Panorama der Berglandschaft mit ihren Reisterrassen genieße. Ins Tal hinein streuen sich Punkte – die Häuser von Banaue. Seit ca. 2000 Jahren bebauen die Ifugao ihre kunstvoll angelegten Reisfelder an den Berghängen auf diese schlaue aber auch komplizierte Art. Was einst dem Überleben diente, ist heute eher ein optischer Schmaus und zieht Touristen an.

Banaue und das achte Weltwunder

Banaue selbst ist nicht schön, eigentlich sogar ziemlich hässlich. Hier also will ich jetzt knapp vier Tage verweilen. Ruhe findet man in diesem Ort weniger bei der Geräuschkulisse, Ausflugsziele und Wanderwege jedoch zuhauf. Hohe Häuserwände kleben an den Hängen, die durch den Banaue Fluss zerschnitten werden, über den wiederum eine schwankende Hängebrücke führt. Will man eine Abkürzung nehmen, muss man schwindelfrei sein.

Rote Flecken schmücken die Dorfstraße. Betelnuss kaut hier fast jeder. „No spitting of Moma“ hängt vor manch einem Geschäft, das das Herumgespucke satt hat. In kleinen Läden und Werkstätten sind Ifugao mit Web- und Holzschnitzarbeit beschäftigt. Viele kennen vielleicht die Bulul-Figur, die die Reisfelder beschützen soll und auch dafür sorgt, dass die Reisvorräte bis zur nächsten Ernte reichen.

Ich schaue mir von den verschiedenen Aussichtspunkten die Reisterrassen an. Da die Pflanzzeit erst bevorsteht und nur Setzlinge gezüchtet werden, dominiert noch eher das schlammige Braun die sonst so grüne Landschaft. Die Sonne strahlt an dem Morgen ungehindert in das Tal hinein und bringt die Terrassen zum Schimmern. Neben mir sitzt eine Ifugao-Frau mit Federschmuck auf dem Kopf und webt. Mit ausgestreckten Beinen sitzt sie auf einem fast ebenen Brett am Boden, und hat die Fäden auf einem Webstuhl zwischen ihrem Bauch und einem Holzgerüst gespannt. Mir schmerzt es im Rücken, wenn ich so zusehe, wie sie einen rot-schwarz-weiß gestreiften Tolge zaubert, den die Frauen traditionell um ihrer Hüfte tragen.

Am Samstagmorgen soll ich auf dem Markt noch viel mehr der Frauen aus den umliegenden Dörfern sehen, doch leider tragen sie auf dem Markt keine traditionelle Kleidung. Es ist dennoch interessant zu sehen, wie die mit Planen überdachte Straße links vom Jeepney-Sammelpunkt für ein paar Stunden Stände mit Klamotten und Krimskrams beherbergt. Hält man sich eher rechts, gelangt man in eine Halle, in der Fisch, Fleisch, Gemüse und Obst verkauft werden.

Ich schaue nach dem Marktbesuch noch im kleinen Heimatmuseum (Eintritt: 50 Pesos) vorbei, das neben dem Banaue Viewpoint Hotel liegt. Auf zwei Etagen wird die Geschichte der Ifaguo bebildert und mit Artefakten ausgestellt. Zudem lernt der Besucher etwas über den traditionellen Anbau auf Ifugao Reisterrassen, die insgesamt ca. 400 km² einnehmen. Banaue, Hapao und Hungduan sind dabei die ältesten. Wahrscheinlich rührt diese Anbaumethode aus Südchina oder Indochina her und wurde nach Luzon und Java gebracht.

Der Dorfkern mit Marktplatz und touristischer Infrastruktur liegen auf der einen Flussseite, mein Homestay Nature’s Mist auf der anderen, an der Straße, die in das beschauliche Dörfchen Batad führt. Dort wartet mit den berühmten Reisterrassen ein UNESCO-Weltkulturerbe – zu dem auch Bangaan, Hungduan, Mayoyao Central und Nagacada dazugehören.

Batad – das malerische Dorf in den Reisterrassen

Am nächsten Morgen will ich mit Dan in das 18 km entfernte Dorf fahren. Noch vor drei Jahren war die Anreise beschwerlich. Dort, wo die Straße endete, musste man einen langen Fußmarsch auf sich nehmen, um in das zurückgelegene Ifugao-Dorf zu gelangen. Doch dann kam eine Straße, die vom Batad Junction hinauf zum Batad Saddle und dort wiederum noch ein Stück hinab führt, bis sie vor einem Dickicht endet, in dem ein Pfad das andeutet, was zuvor auch auf der gut ausgebauten Straße vorzufinden war.

Pure Natur erwartet mich, als ich aus dem Tricycle steige. Ein paar private Jeepneys stehen kreuz und quer herum und warten darauf, gechartert zu werden. Die Chance ist groß, denn der offizielle Bus von Batad nach Banau fährt tatsächlich nur einmal täglich – um 9 Uhr (am Hadchag Batad). Dan besorgt mir noch schnell einen improvisierten Spazierstock, der sich später bei der Durchquerung der Reisfelder als nützlich erweisen soll. Nach einem zehnminütigen Fußmarsch erreichen wir die Touristeninformation, in der man sich auch registrieren soll (eigentlich muss, aber israelische Touristen ignorieren dies auch immer wieder geflissentlich, wie ich selber feststellen kann) und 50 Pesos zahlen muss.

Ein paar Restaurants und Unterkünfte verteilen sich hier am Hang. Ein wenig ärgere ich mich nun doch, dass ich mir hier nicht meine Basis eingerichtet habe, um täglich Ausflüge zu starten. Von hier hat man einen ausgezeichneten Blick über die gestuften Terrassen und das Knattern der Tricycles liegt hinter den Bergen. Nur Hammergeräusche und Sägen tönen aus dem Dorfkern Batad in der Talsohle zu uns hinauf.

Was in den schönsten Grün- und Gelbtönen leuchten sollte, zeigt sich zu dieser Jahreszeit eher in einem Wechselspiel an matten Brauntönen. Es ist weder Ernte noch Pflanzzeit, sondern irgendetwas dazwischen. Wenige Felder sind mit leuchtend grünen Stecklingen gesät. Wie schön muss das Farbspiel unter der intensiven Äquatorsonne im Sommer sein, wenn alle Terrassen anstatt Wasser und Schlamm mit der schlichten Schönheit der Reispflanzen erstrahlen. Hunderte von Metern liegen sie wie ein Amphitheater in den Berghängen und umschließen den eigentlichen Ort Batad, der wie eine Insel im Tal liegt. Stufen zum Himmel nennen die Ifugao ihre in die Wolken reichende Terrassenkultur, die auf 2000 Jahre Geschichte zurückgeht und bis 1100 m hinauf reicht. Was für uns wie ein Kunstwerk anmutet, ist aus der Not geboren, kostbares Land effektiv zu nutzen. Daher hackten sich die Ifugao die Flanken hinauf, um ebene Anbauflächen zu schaffen. Und noch etwas ist besonders, hier in Batad werden Steine als Mauern genutzt und man baut nur einmal jährlich an, damit sich der Boden in der Zwischenzeit erholen kann.

Das Rauschen des Tappia Wasserfalls

Im Tal sieht man ein paar ältere Leute im Feld hacken. Wir gehen den Hang hinab und erreichen schnell hinter der Schule den Anfang der Terrassen. Nun ist Balance erforderlich und der lange Stock wird eingesetzt, wenn wir uns über die Mauern bewegen. Haben wir eine Steinmauer, die manchmal auch touristenfreundlich schon etwas eingeebnet ist, passiert, klettern wir die nächste Stufe herab und arbeiten uns in der schon sehr intensiven Sonne immer mehr auf die gegenüberliegende Seite vor. Doch immer wieder verweilen wir und blinzeln der Sonne entgegen. Diese Talsohle ist so großartig, dass man jeden Augenblick genießen will. Hinter dieser folgt ein weiterer Abstieg, der über steile Treppenstufen und Pfaden zum Tappia Wasserfall führt. Nach 45 Minuten erreichen wir diesen. Das saftige Grün der Berge rahmt den weiß schäumenden 21 m hohen Wasserfall ein, der wuchtig in das Naturbecken, das am Morgen tiefgrün leuchtet, fällt. Eine Dusche unter dem brausenden Nass sollte man nicht nehmen, da das hier schon manch einer mit seinem Leben bezahlen musste. Doch die eiskalte Erfrischung im Fluss sollte man sich nach der heißen Wanderung nicht entgehen lassen. 20-30 Touristen planschen im Wasser oder sonnen sich auf den Steinen. Auf der Geröllinsel im Fluss verkauft eine Frau Erfrischungen und Süsskram. Holzbänke unter Sonnendächern sollen Schatten spenden. Doch schnell hat sich die Sonne ohnehin hinter dem Berghügel versteckt und erfrischt auch die Luft. Nach einer einstündigen Wanderung bergauf und durch die Reisfelder erreichen wir wieder die Schule, vor denen die Kinder in ihrer Mittagspause spielen. Wir stärken uns noch im Spencer`s Fast Food Restaurant, bevor wir den Rückweg nach Banaue antreten.

Ich genieße den Fahrtwind und den Blick über die Terrassenfelder und habe leider Sorge, dass dieses Weltkulturerbe ein Problem haben kann. Der Nachwuchs will im Tourismus arbeiten – als Guide oder Tricycle-Fahrer wie auch der junge Dan. Doch wenn die Terrassen irgendwann nicht mehr bewirtschaftet werden, verlieren sie ihre Pracht. Dann bleiben wohl auch die Touristen aus und ein kulturelles Erbe stirbt.

Was man sonst noch wissen sollte?

Anfahrt:

Banaue erreicht man von Manila direkt nur mit Nachtbussen entweder von

  • Dagawe/ Florida (Abfahrt: 22 Uhr / Barangay West Kamias, Cubao; Preis: 532 Pesos) oder
  • Ohayami (Abfahrt: 21 Uhr / Laeson Ave.Ecke Fagardo Street in Sampoloc; Preis: 450 Pesos)

Ich wählte auf Grund der besseren Lage Dagawe/ Florida. Die Fahrt dauerte ca. 9-10 Stunden mit zwei Essens-/Toilettenstopps. 45 Minuten vor Banaue mussten wir aus unerklärlichem Grund in einen anderen Bus umsteigen. Das war aber in Ordnung und verlief problemlos.

Getting around:

Um die Umgebung zu erkunden, nimmt man einen Jeepney oder ein Tricycle. Der offizielle Jeepney nach Batad fährt nur um 9.30 und 15 Uhr von Banau. Von Batad fährt er um 9.00 Uhr von Hadchag Batad ab. Ich nahm mir ein Tricycle (Anfahrt ca. 1 Stunde mit individuellen Stopps), der Fahrer war gleich auch ein Guide. Kosten lagen bei 1200 Pesos für das Führen und 1000 Pesos für die Fahrt.
In Batad angekommen muss man sich registrieren und eine Umweltgebühr von 50 Pesos zahlen. Einen Stock, der zum Balancieren über den Reisterrassen hilfreich ist, kostet 10 Pesos.

Unterkunft:

Ich habe mir ein Zimmer im Nature`s Mist auf der Straße Richtung Batad gemietet. Es handelt sich dabei eher um ein Homestay, da die Familie nur zwei Zimmer vermietet (Doppelzimmer und Familienzimmer für 6 Personen), ich fast nur allein war und sich die Familie sehr um mich kümmerte. Wenn man den Weg über die Hängebrücke zum Marktplatz nimmt, ist man in 5-10 Minuten im Zentrum von Banaue. Aber man kann auch jederzeit ein Tricycle anhalten, die es zahlreich gibt. Beim Doppelzimmer ist das Bad (mit Warmwasser) über dem Gang, aber trotzdem privat nur für die Nutzung der Doppelzimmergäste vorgesehen. Es gibt auch eine schöne Veranda, auf der ich abends und zum Frühstück gern gesessen habe. Wifi ist vorhanden.

2 Kommentare

  1. Ich bin während unseres Aufenthalts in Batad gewesen, in Ritas Inn.

    Der Standard der dortigen Hotels ist eigentlich überall der selbe: Sehr einfach. Wir hatten nicht mal Strom, geschweige denn W-lan. Soll keine Kritik sein, Leute die dort hin fahren wollen diese Ruhe ja meistens haben – sollte trotzdem erwähnt sein.

    Bezahlt haben wir glaube ich 500 Pesos für ein Doppelzimmer mit direktem Blick auf die Reisterrassen.

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