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Cuenca – ein Blick in die Vergangenheit

Cuenca, Ecuador

Aus den Boxen tönt Salsa. Auf den Straßen sind nur wenige Autos und Menschen unterwegs. An diesem Karnevalwochenende ruht die Stadt an den vier Flüssen Rio Tomebamba, Rio Yanuncay, Rio Tarqui und Rio Machangara. Ich sitze auf einem Hügel über der Stadt in einem Restaurant am Mirador Turi. Mein Blick fällt auf die roten Ziegeldächer weißer Häuser, die sich mit rotbraunen Backsteintürmen mischen. An den Rändern steigen Berge des El Cajas Nationalpark bis über 4000 m auf. Eine geschlossene Wolkendecke ruht fast täglich über den Kuppen, als wollen die Berge den Himmel küssen. Cuenca zählt zu den attraktivsten Städten Ecuadors und ist nicht nur ein schneller Wochenendausflug von Quito, sondern auch eine Reise in die Vergangenheit.

Als ich gestern auf dem gut gepflasterten Uferweg des Rio Tomebamba spazierte und die sanierten und restaurierten Häuser am Stadthang sah, fragte ich mich, wo die Frauen sind, die vor 16 Jahren täglich ihre Wäsche im Fluss wuschen. Stattdessen sausten nun Jugendliche auf ihren Skateboards an uns vorbei und amerikanische Rentner führten ihre Hunde Gassi. Cuenca ist inzwischen das Epizentrum der US-amerikanischen Auswanderung. Man sagt, 8000-10000 Pensionäre aus dem Norden verbringen ihren Lebensabend in den weniger schönen roten Backsteintürmen. Sie prägen genauso das Stadtbild wie die vielen Handwerker und Jugendlichen – schließlich ist Cuenca auch eine Studentenstadt und das merkt man an den vielen Kneipen und Bars.

Unser Spaziergang an der Uferpromenade endete in einem umzäunten Park – ein Freiluftmuseum namens Pumapungo weist auf die Inka-Vergangenheit der Stadt hin. Ein Belgier verkauft frische Waffeln, in einer Voliere flattern Sittiche, Adler und Papageie – schon die Inkas hatten einen Bezug zu den Vögeln, aber auch zu der Flora. Somit werden im Park Pflanzen gezeigt, die die Inkas einst schon nutzten. Und auch Reste von Inkatempeln findet man hier auf einem Hügel. Die einstige Inkahauptstadt war einst die am meisten umkämpfte des Landes. Denn die Bewohner dieser Stadt, die Cañaris, wehrten sich hier im einstigen Tumipamba bis zum Ende gegen die Inkakrieger. Der Inka-Königssohn ließ den Ostteil der Stadt niederbrennen und brachte 30.000 Cañari-Männer um, was das Ende der indigenen Kultur Cuencas einleitete.

Wo das Kopfsteinpflaster endet, ist auch das historische Zentrum zuende, sagte uns ein Einheimischer. Aber was die Pflasterstraßen umgibt, ist eine schlichte Eleganz und ein Schmelztiegel der Cañaris, der Inkas und der Spanier. An das Bewässerungssystem der Inkas wurden koloniale Patiohäuser gebaut. Diese mischen sich mit restaurierten republikanischen Stadthäusern.
Nichts führt an den Parque Calderón vorbei, der das Zentrum Cuencas darstellt. Neue und alte Kathedrale liegen sich hier gegenüber und können sich durch die hohen Bäume des Plazas doch kaum sehen. Unter den Rundbögen der Kolonialhäuser befinden sich einige Restaurants, von denen aus man Zeitungs-, Kerzen- und Süßigkeitsverkäufer beobachten kann. Vor der Iglesia del Carmen de la Asunción, die sich gleich hinter der neuen Kathedrale befindet, kann man sich auf dem Blumenmarkt hingegen bestens für den Valentinstag eindecken. Wir laufen immer weiter gen Westen bis zum Parque San Sebastian. Hier tönt im beschaulichen Park klassische Musik aus den Lautsprechern.


Wenn man einmal in der Stadt der Panamahüte ist, sollte man sich auch einen kaufen. Und so besuchten wir auch eine Hutmanufaktur. Nach Montecristi an der Küste ist Cuenca die zweite Heimat dieser Hüte, deren Ursprung viele fälschlicherweise dem namensgebenden Land, Panama, zuordnen. Die Fasern der Toquilla-Palme haben es einst durch die Handelsrouten von der Pazifikküste bis nach Cuenca geschafft. Von hier gelangten sie nach Panama, wo sie die Arbeiter des Panamakanals vor der unerträglichen Sonne schützten.

Von der Calle Larga führen immer wieder Treppen hinab zum Flussufer. Nicht nur hier findet man schöne Graffitis. Überhaupt fällt mir in Ecuador immer wieder auf, das sich die Jugend frei an Kunst übt. Keine Tags sondern farbenfrohe Malereien zieren zahlreiche Häuserwände. Und auch Tätowierungen sind bei jungen und auch weniger jungen Leuten beliebt.
Dort wo man verstaubte Geschichte erwartet, wird man meist von grellen Tönen überrascht. Ich erwartete ein lautes, lebhaftes Karnevalwochenende in der wunderschönen Andenstadt – und bekam doch eher die ruhigeren, gediegeneren Töne serviert. Und ob ich die Vergangenheit wiederfand? Nicht wirklich, manchmal sollte man sie auch nicht suchen, sondern Orte neu entdecken.

Tipps zu unseren Tagen in Cuenca

  • Wir schliefen im El Presidente
  • Wir aßen im El Chilenazo und im Café San Sebas
  • Wir tranken Kaffee im Sacro Café, Café Austria und El Cafetal de Laja.
  • Und wir kauften einen Panamahut im Fabrikmuseum Sombreros Barranco
  • Cuenca erreicht man mit einem 40 minütigen Flug von Quito. Die Taxifahrt vom Flughafen in die Innenstadt kostet ca. 2 USD. Mit dem Bus dauert die Fahrt von Quito 8 bis 10 Stunden.

 

3 Kommentare

  1. Walter sagt

    Danke für die ausführlichen Informationen, sehr schön geschrieben. Bin gerade selbst unterwegs. Grüße aus Peru / Lima.

  2. Anhand der Bilder kann man erahnen, dass Cuenca die schönste Stadt Ecuadors sein soll.
    Ich war leider noch nicht dort… Leider…
    Aber das wird schon noch kommen, hoffe ich.
    Euch noch viele schöne und erlebnisreiche Reisen.
    Grüße…

    • Es ist wirklich ein hübsches Städtchen, auch idyllisch gelegen und überschaubar. Unbedingt mal besuchen, lieber Ralph! LG, Madlen

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