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Die Dusche vom Malecon

Malecon aus dem Auto

Wo sind sie nur, die romantischen Liebespaare, die jeder Tourist hier erwartet? Wir sind auf der wohl berühmtesten Uferstraße oder, wie Malecón auf Spanisch heißt, an der weltbekannten Ufermauer aus Stein – pünktlich zum Sonnenuntergang. Und es war nicht ganz einfach. Denn irgendwie sieht man auf den tollen Fotos und in den Videos immer nur den sehnsüchtigen Blick vom Malecón auf das Meer. Auf der Brüstung machen sich die liebenden Paare sehr gut. Doch dass diese Pärchen erst einmal die breite, verkehrstüchtige Straße überqueren müssen, die ziemlich unromantisch direkt an dieser berühmten Ufermauer aus Stein mit Fußweg liegt, sieht man nicht. Es gibt wahrlich schönere Plätze auf dieser Welt, aber keiner drückt wohl so sehr gewisse Sehnsüchte aus.

Malecon aus dem Auto

Malecon aus dem Auto

Wir sind endlich drüben, bauen uns mit Kamera auf. Außer ein paar Angler ist weit und breit niemand zu sehen. Wir wollen ein bisschen von diesem Gefühl einfangen, als sich vor mir eine Wasserwand auftürmt und ich nicht schnell genug auf die Straße rennen kann. Nun stehen wir beide von Kopf bis auf die Unterhose durchnässt am Malecón – wir triefen, anstatt in der untergehenden Sonne zu glänzen. Die Welle hat ganze Arbeit geleistet. So können wir unmöglich weiter in dem lauen Lüftchen an diesem Abend stehen. Das Trocknen lohnt sich fast gar nicht, denn als wir in das alte Habana fahren werden wir noch einmal nass. Es schüttet vom Himmel. La Habana begrüßt uns feuchtfröhlich. Ein Bici-Taxista wittert sein Geschäft und ist umgehend zur Stelle. Schnell wird die Plane festgezurrt und schon geht es zu unserem gewünschten Ziel.

Nach der Dusche am Malecon

Nach der Dusche am Malecon

Malecon

Malecon

Und als wir unter der Plane so sitzen und uns durch die Stadt radeln lassen, merke ich den gewissen Geist, den La Habana ausmacht. Buenos Aires beschrieb ich einst schon mit Melancholie, Havanna ist noch mehr Melancholie. Aber eine lebensfrohe Melancholie – die singt und Spaß hat.

Zugegeben, ich hatte keine Vorstellung von dem, was mich erwartet als ich nach Havanna kam, und so waren die ersten Minuten, die wir von der Autopista kommend in die Stadt hineinfuhren, ein „oh je“ und doch auch ein „wie geil ist das denn“. Man ist so hin- und hergerissen. Und irgendwie ist man doch so versaut und denkt in der Form eines Fotoapparats. Es rasten Bildmotive vorbei, die ich in unserer heutigen Zeit nicht mehr am Leben geglaubt hatte. Die Swinging 50s, die längst aufgehört haben, zu grooven. Und doch ist hier ein Stolz zu spüren, den die Stadt versprüht. Pferdekutschen, Amerikanische Oldtimer, Coco-Taxen, Fahrradrikschas – alles hat Platz in dieser so antiquierten Kulisse – in der der ausländische Tourist wie aus der Zukunft anmutet.

La Fayette auf Kubanisch

La Fayette auf Kubanisch

Klo

Klo

Säge an der Infusion

Säge an der Infusion

Unterwegs in Havannas Straßen

Unterwegs in Havannas Straßen

Und doch mag man hier und da am liebsten den Kopf einziehen. Wie lang mögen die Pfeiler diese Häuser noch tragen? Wie lang kann das hier alles noch überleben? Man ist plötzlich und heftig mittendrin und versucht das alles einzuordnen. Doch erst die Draufsicht mag einen das Puzzle zusammentragen. Was von unten noch irgendwie auf eine eigene Art und Weise schön aussieht, erinnert aus dem 9. Stock des Hotel Sevilla betrachtet an Nachkriegsschauplätze. Was wir als schön empfinden, ist eine bröckelnde, konservierte Welt, in der wohl kaum noch jemand gerne wohnt.

Havanna von oben

Havanna von oben

Zerfallene Häuser gibt es viele

Zerfallene Häuser gibt es viele

Humboldt schrieb wohl einst über seine Ankunft in Havanna Anfang des 19. Jahrhunderts: „Der Anblick Havannas, wenn man in seinen Hafen einfährt, ist heiter und malerisch wie kein anderer an den Küsten des äquinoktionalen Amerika nördlich des Äquators.“ Ich bin wohl einfach von der falschen Seite in die Stadt gekommen, denn ich war – wumms – gleich einfach mittendrin. Das „Malerische und Heitere“ war da noch verdeckt – wie eben unser Blick auf La Habana unter der Plane durch einen kleinen Ausguck nur einen winzigen Ausschnitt wiedergibt. Aber der gefällt mir, immer mehr… Und die Dusche vom Malecón ist schon fast vergessen.

Typisches Haus in Havanna

Typisches Haus in Havanna

Mehr zu Kuba unter #purcuba
Auf unserer Reise nach Kuba wurden wir durch Condor unterstützt. Alle Ansichten sind unsere eigenen. 

Weitere Berichte aus Kuba (mehr folgen demnächst):

2 Kommentare

  1. Sehr schön! Ich schwelge in Erinnerungen… Und die Dusche, das war dann wohl eine Taufe, die habe ich leider verpasst! 😉

    LG, Elke

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