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Es war einmal ein Traum – der hieß Sintra

Penar, Portugal

Mit einer gewissen Faszination verlasse ich Lissabon. Traumhaft schön oder einfach nur romantisch kitschig soll mich in der Umgebung ein weiteres Highlight erwarten. Doch so ganz mag der Funke noch nicht überspringen, als ich weiter westlich hinter Belém die Küstenstraße entlangfahre. Der Atlantik lockt, aber die Küste ist mir zu sehr zugebaut – wie soll es in der Umgebung einer Hauptstadt auch anders sein? Fast habe ich die Ahnung, dass sich das verlassene Fischerdorf hier nicht finden lässt, so überrascht doch eine andere Idylle – abseits der Küstenstraße. Kein Geheimtipp, so schwärmten einst schon unzählige internationale Künstler und wohlhabende Lissabonner von dieser Umgebung, die Sintra umgibt. Nicht nur das Klima mag daran schuld sein, sondern sicherlich auch die reizvolle Landschaft, an der sich die Straße kurz vor dem Ort plötzlich entlangschlängelt.

Nationalpalast von Sintra

Nationalpalast von Sintra

Unser Weg nach oben

Unser Weg nach oben

Was der Name Sintra in meinen Ohren erzeugt, vermag die malerische Umgebung in meinen Augen. Sintra ist Genuss für Genießer. Kurve für Kurve gibt neue schöne Villen und Herrenhäuser frei. Bis wir schließlich am Nationalpalast von Sintra (Palácio Nacional de Sintra) unser Auto parken, um uns auf die dreistündige Wanderung zum Pena Schloss (Palácio Nacional da Pena) und zur Maurenburg (Castelo dos Mouros) zu begeben. Verschiedene Wege führen hinauf durch die herrliche subtropische Natur, doch keiner mag die ausgewiesenen drei Stunden dauern. Die meisten der wenigen Touristen entscheiden sich für einen Bus, der sie zügig zu Burg und Palast bringt. Wir nehmen die Straße. Denn schließlich sind wir nicht allein wegen der historischen Gebäude hier, sondern auch oder gerade wegen der Natur der Serra de Sintra.

Palácio Nacional da Pena

Palácio Nacional da Pena

Blick von der Maurenburg auf den Palácio Nacional da Pena

Blick von der Maurenburg auf den Palácio Nacional da Pena

Leider lässt die Ausschilderung auf manch einem Stück zu wünschen übrig, weshalb wir auch zunächst den Asphaltweg wählen. Später wagen wir uns dann doch querfeldein und werden auf Pfaden über Stock und Stein und Bäche belohnt. Immer wieder verweilen wir einen Moment, um die Aussicht auf die Burg und das Schloss, die auf den Gipfeln thronen, zu genießen und den Vögeln zu lauschen.

Pfadfindergruppen haben Sintra fest in ihrer Hand. Sie scheinen andere, schnellere Wege hinauf zu kennen. Denn als wir am Schloss ankommen, sind sie schon längst da. Und laufen ist doch schließlich Pfadfinderehre!

Riesige Parkanlagen umgeben das Schloss. Einen geordneten Englischen Garten findet man hier nicht vor, aber Raum, um sich zu verlieren. Märchenhaft, wie alles hier oben anmutet, öffnet man ohnehin den Blick für das Detail.

Im Palácio Nacional da Pena

Im Palácio Nacional da Pena

Unterwegs

Unterwegs

Am Kummerpalast angekommen, schafft der eklektizistische Baustil vielmehr Erheiterung als Sorge. Und dann drängt sich doch die Frage auf, wer hat diesen bezaubernden Kitsch nur zu verantworten? Ferdinand II. heißt er. Die Gegend um Sintra begeisterte ihn so sehr, dass er 1837 die Reste des Klosters, das dem Erdbeben von 1755 zu Opfer gefallen war, mitsamt umliegender Gehöfte und dem nahe gelegenen Castelo dos Mouros, aufkaufte. Ferdinand II. wollte eine neue Sommerresidenz für die portugiesische Königsfamilie errichten. Und so sommerlich frisch und unkonventionell kommt hier auch alles daher. In den Mauern kann man heute noch die Königsgemächer bestaunen und am Ende des Rundgangs lässt sich ein Kaffee von der Terrasse mit herrlichem Blick über die Umgebung genießen.

Palácio Nacional da Pena

Palácio Nacional da Pena

Queijadas

Queijadas

Gestärkt laufen wir in zehn Minuten zur Maurenburg hinüber. Was weit aussieht, entpuppt sich wieder als nah. Und auch die Pfadfinder sind wieder mit uns in der Spur. Während sie erst einmal in eine Kapelle verschwinden, steuern wir die Burgmauern an, auf denen man entlangspazieren kann.

Diese und die Türme markieren noch den Umfang der einstigen Maurenburg aus dem 8./9. Jahrhundert. Der Blick reicht weit über das Tal bis zur Atlantikküste. Der Naturklecks um Sintra schmiegt sich wie ein Fremdkörper in das doch stark bebaute Gebiet in der Umgebung der portugiesischen Hauptstadt. Wie sehr man sich nach Rückzugraum sehnt, kann ich mir in diesem Moment sehr gut hier oben vorstellen. Aus dem Tal ertönen weihnachtliche Lieder. Hier und da steigen Rauchwolken auf. Hinter uns erobert ein junges Liebespaar den Turm. Es ist Zeit für den Abstieg. Wir wählen dieses Mal den Pfadfinderweg und sind in Windeseile in Sintra.

Blick von der Maurenburg auf Sintra

Blick von der Maurenburg auf Sintra

Maurenburg

Maurenburg

Fast möchte ich nicht mehr in das Auto einsteigen. Der Faszination der Abgeschiedenheit bin ich erlegen. Gleich geht es im Fluss des Verkehrs zurück an die Küste. Dort, wo die Orte ineinanderfließen, schaue ich noch einmal seufzend in den Rückspiegel. Ein bisschen Kummer überkommt mich und vielleicht auch Saudade. In die unwirklich schöne Landschaft hat sich einst ein König ein Märchen bauen wollen und viele folgten seinem Traum…

Auf unserer Reise wurden wir durch Memmo Alfama und Farol Design Hotel (Mitglied der Design Hotels), Tivoli Oriente (Mitglied von World Hotels), Billiger Mietwagen und Visit Lisboa unterstützt. Alle Ansichten sind unsere eigenen. 

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2 Kommentare

  1. Sintra wirkt echt strange, also der Nationalpalast. Steht auch auf unserer Liste, mal schauen, ob wir es dieses Mal schaffen. LG, Elke

    • Wir waren ja nur im Palácio Nacional da Pena und auf der Maurenburg – hatten uns zeitlich ein bisschen verkalkuliert. Aber irgendwie wollten wir das ganze auch mit einer schönen Wanderung verbinden und nicht mit Bussen umherfahren. So wurde aus einem halbtägigen gleich ein ganztägiger Ausflug, der sich aber auf jeden Fall gelohnt hat. Ich wünsche Dir, liebe Elke, ganz viel Spaß und tolle Eindrücke in Lissabon. Ich war ja im Winter dort und muss mir unbedingt die Gegend noch einmal im Frühling oder Sommer ansehen…

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