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In Etosha kommt alles in die Pfanne

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Vor unserem Geländewagen bewegt sich etwas. Aus dem Gebüsch stolziert eine Riesentrappe auf unseren Weg. Wir versuchen unsere Enttäuschung etwas zu unterdrücken. Auch als Ismail, unser Guide, noch einmal hält, um uns den Steckbrief einer Oryxantilope vorzutragen. Wir sind im Etosha-Nationalpark, dem „großen weißen Platz“, doch noch hat sich die Landschaft nicht ihr strahlend weißes Kleid übergeworfen. Und so großartig im Sinne von vielseitig erscheint mir auch das Tierreich noch nicht mit seinen Riesentrappen und Antilopen in der ersten Stunde unseres Game Drives.

Roads of Etosha

Roads of Etosha

Etosha Pfanne

Etosha Pfanne

Ismail betont immer wieder, dass es Regenzeit ist. Auch wenn wir nur vereinzelte kleine Schlammflecken finden, reichen diese schon aus, die Tierwelt Etoshas vor uns versteckt zu halten. Denn nur in der Trockenzeit suchen die Tiere zahlreich die Wasserstellen auf und sammeln sich in der weiß schimmernden Etosha-Pfanne, von der wir jetzt noch 20 km entfernt sind. Denn Etosha ist mehr als die berühmte salzige Lehmpfanne, die für wenige Monate im Jahr aus Regenwasser gespeist wird. Über 22.275 km² erstreckt sich der gesamte Nationalpark, wobei nur knapp 5.000 km² auf die „Pfanne“ entfallen.

Während Ismail begeistert vor ein paar Störchen anhält, zieht ein Schakal meinen Blick auf sich. „Können wir nicht ein Stück weiter…?“ „Ach, Schakale seht Ihr noch genug!“ Es ist ein Anfang, denke ich mir. Es ist nicht so, dass wir Oryxantilope, Strauß, Storch nicht zu schätzen wissen. Doch am Tag 11 unserer Namibia-Reise suchen wir das noch nicht Gesehene.

Springböcke

Springböcke

Strauss mit Kind

Strauss mit Kind

Gerade erfahren wir, dass Etosha ca. 75.000 Springböcke beheimatet, die übrigens gerade wie viele andere Tiere hier auch an ihrem Nachwuchs arbeiten, da sehen wir in der Ferne ein haltendes Auto. Dies ist auf Safari immer ein gutes Zeichen. Je mehr haltende Autos, desto interessanter das „Zielobjekt“. Wir fahren hin. In den nächsten Minuten gesellen sich noch vier weitere Autos zu uns, was schon für die Attraktivität unseres entdeckten Tieres spricht. Ein männliches Spitzmaulnashorn stapft durch die Grasbüschel der Savanne direkt auf uns zu. Vor uns liegt eine leicht gefüllte Pfütze, die das Nashorn zielstrebig anvisiert. Am Horizont entdeckt Ismail ein weiteres Nashorn, das sich in unsere Richtung bewegt. Jetzt kommt unser Game Drive langsam in Fahrt.

Durstiges Spitzmaulnashorn

Durstiges Spitzmaulnashorn

Spitzmaulnashorn auf dem Weg

Spitzmaulnashorn auf dem Weg

Schnell werden wir erneut ausgebremst als knapp 100 Zebras unseren Weg überqueren, um von Ost nach West zu ziehen. Diese Fülle an Streifen erinnert mich an die Migration in der Serengeti. Damals hatten mich trotz der gesichteten Big 5 die Massen an schwangeren Zebras und Gnus am meisten fasziniert. Auch hier ist die Tierwelt aktuell trächtig. Und so verwundern uns auch die dicken Bäuche dieser Zebras nicht. Eine Zebramutter ist noch mit ihrem Kleinen über die Nabelschnur verbunden. Die Natur fasziniert immer wieder. Geboren, um drauf los zu laufen. Es geht ums Überleben.

Zebras auf dem Weg in den Westen

Zebras auf dem Weg in den Westen

Wir fahren weiter. In der Ferne ragen lange Hälse aus dem Gestrüpp. Giraffen – erst eine, dann zwei, dann immer mehr. Und wieder überqueren sie unseren Weg, lassen sich nicht stören. Der Nachwuchs ist bereits fast ähnlich groß und elegant wie ihre Mütter. Die ersten drei Stunden Game Drive entpuppen sich als Erfolg, trotz Regenzeit. Nashörner, Zebras, Giraffen – ich bin entzückt. Es sind die Katzen und Elefanten, die sich noch immer vor uns verstecken. Wie weggezaubert sind sie. Ismail kommt eine Idee. In der Nähe des Zauberwaldes Sprokieswoud halten sie sich gern zwischen den Moringabäumen auf. Die Dickhäuter sind seit Tagen nicht mehr gesichtet worden, verrät später auch der Blick in das in der Touristeninformation ausliegende Buch, in das Besucher ihre Tagesbeobachtungen eintragen können.

Moringabäume

Moringabäume

Giraffe crossing

Giraffe crossing

Löwenmutter mit ihren Söhnen in Lebron

Löwenmutter mit ihren Söhnen in Lebron

Doch nach unserer Pause in Okaukuejo werden wir zumindest bezüglich der Löwen fündig. Bei Leuvbron halten sich sieben Löwen in Büschen versteckt. Zunächst entdecken wir die Mähne des Löwenmännchen im Gebüsch. Faul liegt er auf der Seite und gibt uns zu verstehen, dass er sich bis in die Dämmerung hier nicht regen wird. Im Schatten eines nahestehenden Baums halten vier Junge ihre Siesta. Ein neugieriger Löwen-Kerl beobachtet die sich nähernden Springböcke. Wir warten jeden Moment auf den Augenblick. Eine Stunde, zwei Stunden – auch die Löwenmama im nächsten Busch zeigt gesteigertes Interesse an der Beute. Doch genau in dem Moment, in dem der Zugriff hätte geschehen können, reißen die Springböcke aus.

Löwenfamilie

Löwenfamilie

Nach dem Großkatzenabenteuer werfen wir wieder den Blick auf Details – Mangusten, Buschhase, Steinbock – und plötzlich liegt da eine schlafende Hyäne im Gras. Für uns kaum sichtbar ist Ismail stolz auf seinen Fund und weiß diesen sanft zu wecken. Ein Duft zieht durch unseren offenen Wagen, als hätte jemand einen gelassen. Im schleppenden Gang zieht die Hyäne in der Dämmerung davon. Wir entscheiden uns, den Game Drive zu beenden, zum Sonnenuntergang schließen ohnehin die Tore. Doch auf dem Rückweg machen wir in einer Grube eine schöne Entdeckung. Da lümmeln 17 Löwenmännchen, -frauen und -kinder auf einem Haufen und schauen interessiert zu uns hinüber. Ismail fährt uns immer näher ran, dass es uns schon etwas mulmig wird. Doch als ein Löwenweibchen in geduckter Haltung im hurtigen Schritt an unserem Wagen vorbeihuscht, ist uns klar, wie hoch doch der Respekt vor unserem großen Gefährt ist. Löwen sehen nicht den Inhalt sondern nur die äußere Form – und die ist ihnen zu riesig, meint Ismail. Als ein zweites Weibchen nicht minder eingeschüchtert an uns vorbeizieht, wissen wir, dass es Zeit zum Gehen ist. Wir haben nicht alles gesehen, was Etosha hergibt, aber wir sind ja schließlich auch nicht im Zoo.

Riesentrappen

Riesentrappen

Hyäne

Hyäne

Kuck mal wer da schaut!

Kuck mal wer da schaut!

Turm in Okaukuejo

Turm in Okaukuejo

Was man sonst noch wissen sollte?
Den Etosha NP kann man wunderbar selbst erkunden, da die Wege gut ausgeschildert sind. Dennoch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, lohnt es sich immer, einen Guide dabei zu haben, der einfach noch mal Tiere besser spottet – vor allem wenn man wie wir in der Regenzeit unterwegs ist. Wir waren daher mit dem Guide Ismail von Etosha Village unterwegs. Ein ganztägiger Game Drive kostet N$ 695 und dauert von Sonnenaufgang bis -untergang. Da man i.d.R. in Okaukuejo eine ein- bis zweistündige Mittagspause einlegt, hat man genug Zeit, dort einen der zwei Pools aufzusuchen. Wir hatten leider unsere Badesachen nicht dabei, aber unsere Pause dann auch verkürzt. Alternativ kann man auch einen Morgen- oder Nachmittags-Game Drive für N$ 495 buchen.

Andersson Gate

Andersson Gate

Auf Game Drive durch den Etosha Park

Auf Game Drive durch den Etosha Park

Wir wurden von Condor und Taleni Africa unterstützt. Alle Ansichten sind unsere eigenen.

6 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Bericht und tolle Fotos!
    In Namibia war ich bisher noch nicht (aber Ende diesen Jahres endlich!!), aber ich kann dir auf jeden Fall zustimmen, dass ein Guide unersetzbar ist.
    Bei unserem Game Drive in Savuti in Botswana waren wir auch zunächst ewig unterwegs und uns begegneten nur allerlei Springböcke, Giraffen und Büffel. Wir waren fast schon ein wenig enttäuscht…
    Bis unser Guide mit seinen Adleraugen in etwa 200m Entfernung einen Leoparden im Baum entdeckt hat. Wir konnten sogar noch bis auf wenige Meter heran fahren – unbeschreibliche Momente!
    Und ohne Guide hätten wir dieses tolle Tier niemals gesehen…
    Liebe Grüße
    Carina

    • Danke Carina, wir haben diese Erfahrung im Queen-Elizabeth-Nationalpark in Uganda gemacht. Waren mit eigenem Auto ohne Guide unterwegs und sahen so gut wie kein Tier am ersten Tag 😉 Da kamen mehr Tiere durch unser Camp gestiefelt. LG, Mad

  2. Toll, dass Ihr doch noch so viele Tiere gesehen habt! Wir waren in der Trockenzeit auf eigene Faust in Etosha unterwegs – da hat man dann keine Probleme, viele Tiere zu entdecken. Sogar einen Leoparden haben wir gefunden – das ist wohl selbst mit Guide eher eine Seltenheit.

    • Dann muss Etosha in der Trockenzeit aber wirklich Wahnsinn sein. Wir hatten auf eigener Faust oftmals Pech. LG, Madlen

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