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Verfahren: Heiligabend in Bogotá

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23. Dez. 2010 – Endlich zurück. Ich gebe Bogotá eine zweite Chance und entscheide mich gegen das Sue. Ich schlafe im Fatima. Das Zimmer ist nur unwesentlich heller und größer. Schnell begebe ich mich wieder auf die Straßen Bogotás, wo ich auch prompt in eine Bekannte laufe. Wir waren eh verabredet, aber umso schöner ist es, wenn man sich in einer fremden Stadt zufällig begegnet. Nach langen Plauschen und einigen Fruchtsäften, suche ich noch das Botero Museo auf. Hier sind nicht nur Stücke von Botero zu sehen, sondern auch Picasso, Miro, Cezanne etc. Die gemeinsame Suche nach einem geöffneten Lokal stellt uns noch einmal vor eine besondere Herausforderung. Der morgige Feiertag scheint seine Fühler auszustrecken. So bleibt uns nur eine Bar. Und im Handumdrehen quatschen wir uns in den Heiligabend.

Und was gehört zu solch einem Tag? Kirchen. Wir entschließen uns heute für einen Ausflug nach Zipaquira, wo wir die berühmte Salzkirche besichtigten. Nicht einmal 1,5 Stunden von Bogotá entfernt mit dem Transmilenio und einem Kleinbus erreicht man die Kleinstadt, die mehr als nur die berühmte Salzkirche zu bieten hat. Auch der Marktplatz eingeschlossen von hübschen Häusern und der obligatorischen Kathedrale ist sehenswert.
Und an solch einem Tag wie heute ist eh die ganze Stadt auf den Beinen, um letzte Festtagseinkäufe zu tätigen. Die Kirche ist ebenso beeindruckend. Sie liegt 180 m tief. Die alte Kirche ist zwar seit den 90er Jahren nicht mehr zugänglich – weil einsturzgefährdet, aber auch dieser neuere Bau ist imposant und trägt einige Dinge der alten Kirche in sich. Es gibt drei Trakte. Erst sieht man die letzten 14 Schritte Jesus dargestellt. Künstlerisch mittels des Gestaltungselements des Kreuzes ist sein Leidensweg verbildlicht. Dann kommt man zur Domkuppel und der eigentlichen Salzkirche, an der sich der Salzspiegel anschließt. Hier ist ein kleines Wasserbecken angelegt, das die Salzstruktur der Wände wunderbar spiegelt. Ein ambitionierter und engagierter Guide erklärt uns alles lebhaft in Englisch, nachdem wir die Gruppe gewechselt haben, da der spanischsprachige Guide einfach nicht zu verstehen war. Zudem interessierte sich die spanischsprachige Gruppe auch mehr für die eigenen Konversationen als für die Führung. Nach zwei Stunden ist der Rundgang beendet. der Heiligabend kann nun starten. Gesegnet sind wir nun.

Auf dem Rückweg suchen wir vergeblich unsere Linie des Transmileneos. Auf Empfehlung steigen wir in eine andere Nummer ein, die total überraschend nicht ganz genau die gleiche Route nimmt. Naja, in Berlin nehme ich ja auch nicht die U8 wenn ich mit der U5 fahren möchte, nur weil beide Linien vom Alexanderplatz abfahren. Daniela war in der Zona Rosa verabredet und verließ den Bus schon früher, obwohl für die Zona Rosa schon viel zu spät, als ich. Ich selbst muss paralysiert oder einfach eingenickt gewesen sein. Als ich Calle 10 sehe, erkenne ich nichts mehr. Trotzdem oder gerade deshalb steige ich nicht aus. Doch der Straßenzug verbessert keineswegs sein Antlitz. Ich muss nun handeln. Handeln heißt fragen, fragen heißt Achselzucken, vage Antworten und dann Rückkehr. Noch zweimal steige ich um. Ich verfranze mich mehr und mehr. Schließlich erkenne ich von weitem die Kirchtürme der Altstadt. Wie froh bin ich, als ich die  Av. Jimenez erblicke. Auch in Bogotá ist inzwischen alles auf den Straßen. Während in Deutschland die Bescherung bereits stattgefunden hat, bereitet man sich in Bogotá noch vor. Ich fahre nun gleich zum Flughafen…

Einen Tag später. Das mit dem Flughafen habe ich mir tatsächlich einfacher vorgestellt. Als ich um 19.30 Uhr losfahren wollte, bat ich das Hostelteam, mir ein Taxi zu bestellen. Es war kein Durchkommen. Keine Taxinummer funktionierte. Immer nur Warteschleifen mit Hinweisen zum Ansturm. Schließlich ging ich raus auf die Straße, um hier ein Taxi anzuhalten. Entweder passierte kein Taxi oder ein überfülltes Taxi. Ich sah kein Fortkommen. Ich gab auf. Das Fatimateam motivierte mich und ging nun mit mir gemeinsam auf die Straße. Und just sahen wir ein leeres Taxi, das anstatt der sonstigen 20.000 Pesos nun 30.000 Pesos verlangte. Ich sagte nur, dass das ungewöhnlich viel sei, aber glücklich, überhaupt ein Taxi ergattert zu haben, sagte ich zu. Doch in dem Moment fuhr das Taxi weiter. Wir schrieen ihm hinterher, obwohl auch die beiden Angestellten vom Hostel meinten, dies sei ein unverschämter Preis gewesen und noch ein viel unverschämteres Verhalten. Nun war mir klar, den Flughafen würde ich wohl nicht mehr rechtzeitig erreichen können, um Lars bei seiner Ankunft begrüßen zu können. Doch nach einer Weile kehrte dieser unverschämte Taxifahrer wieder zurück. Nun willigte ich ohne Murren gleich ein. Er wurde gesprächig. Weihnachten sei sehr viel los. Jeder wolle zu seiner Familie. Ja, ich auch zu meiner. Vom Flughafen würde es gleich ebenso schwer werden, wegzukommen. Daher bot er mir an, auf mich zu warten. Innerlich lehnte ich ab, äußerlich zeigte ich mich dankbar. Als wir kurz nach der vorgesehenen Landung von Lars den Flughafen erreichten, erwartete mich das menschliche Chaos vor dem Ankunftsterminal. Lateinamerikatypisch besteht auch in Bogotá kein Grund, Abholer in die Halle zu lassen. Somit versammelten sich alle Liebsten vor der Halle unter freiem Himmel. Ein Schildermeer wurde gen Himmel gestreckt. Mit Mühe hatte ich den außen angebrachten Ankunftsmonitor im Blick. Flieger für Flieger schoben sich vor die Maschine aus Caracas, die laut Anzeige weder gelandet noch verzögert noch gecancelt war. Als die Maschine nach 1,5 h Warten gänzlich vom Bildschirm verschwand, überkam mich ein Gefühl, dass diese Maschine wohl auch vom Himmel verschwunden sein müsste.  Nun ist es bei einer solchen nicht vorhandenen Ankunftshalle äußerst schwer, weitere Informationen zu erhalten. Also tingelte ich zur Abflughalle. Dort erhielt ich die Auskunft, die Maschine sei gelandet, aber es dauere noch eine Weile bis die Passagiere draußen seien. Also weiteres Warten in der Menschenmasse unter höchster Konzentration, den Goldschopf meines Freundes nicht zu verpassen. Und als ich wieder Richtung Ankunftsbereich lief, erblickte ich eben diesen Goldschopf, der sich Richtung Taxistand bewegte. Das erste und einzige Mal auf dieser Reise vermisste ich ein Handy. Doch mein Ruf traf nicht auf taube Ohren. Gegen Mitternacht erreichten wir meine geliebte Candelaria, nicht mit dem Taxifahrer von zuvor, versteht sich. Aber wir teilten uns ein Taxi mit einem anderen Paar und zahlten somit wieder Normalpreis. Nun endlich Heiligabend feiern, aber inzwischen ist Heiligabend nicht nur in Deutschland vorbei.

1 Kommentare

  1. Ninette Brückner sagt

    Bei mir war es etwas zäh, denn die kolumbianische Gruppe stellte tausend Fragen und blieb überall sehr lange stehen. Ich setzte mich immer wieder ab und schoss auch noch Photos mit Blitz, was zu immer währenden Rügen führte.

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