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Heimatgefühl oder da, wo ich herkomme

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Zugegeben, erst das viele Reisen bringt mich häufig in die Verlegenheit, die Frage nach meiner Heimat zu beantworten. Viel zu lange zögerte ich, meinen Wohnort als Heimat zu bezeichnen. Heimat ist das, wo man herkommt. Doch wo komme ich eigentlich her?
Wo fängt Heimat an, wo hört Heimat auf. Wann wird aus Wahlheimat Heimat?
Ich lebe nunmehr länger in meiner Wahlheimat als in der Heimat, in der ich geboren wurde und aufwuchs. Irgendwann wurde dennoch aus einer Thüringerin eine Berlinerin – und doch schlägt mein Herz für beides.

18 Jahre wuchs ich am südlichen Ausläufer des Thüringer Waldes auf, in den sanft welligen Hügeln, in denen die Sonne immer ein bisschen weniger schien als im Rest des Landes. Nichts Spektakuläres, sondern normale ländliche Idylle – doch mir fehlten schon immer Wasser und Großstadt. Was ich in meiner Kindheit schätzte, das Herumtollen auf Wiesen und in Wäldern, lockte ab dem Teenager-Alter nicht mehr. Wenn man mich fragte, was ich mal studieren wollte, wusste ich dies nicht mit Sicherheit zu sagen, doch eins war sicher, ich wollte nach Berlin. Wollte das ruhige Landleben eintauschen in ein hektischeres Großstadtleben – mit mehr Optionen. In Berlin begriff ich, dass das Stückchen Deutschland, in dem ich aufwuchs, für viele im gedanklichen Nirvana lag. Erfurt, Weimar, Jena – mehr fiel den meisten nicht zu meinem Heimat-Bundesland ein. Irgendwo zwischen Erfurt und Coburg – irgendwo im Mittelgebirge. Wenn man Wintersport liebt, kennt man die Region, wenn man gern wandert, auch. Irgendwo aus „meiner“ Region stammen Andrea Henkel, Herbert Roth, der Film Sushi aus Suhl, die Werra-Quelle…. Man ist nicht übermäßig freundlich. Das liegt aber vielleicht auch an dem derben Dialekt, der hier gesprochen wird, der mir die weiche Aussprache der harten Konsonanten bis heute mit auf meinen Weg gab. Ich komme aus einer Region, die per se Identitätsprobleme mit sich bringt. Im südlichen Thüringen fühlt man sich den Franken geschichtlich, kulturell und vor allem sprachlich näher als den Thüringern.

Und dann ist man in Berlin. Eine Stadt, in der mich diese Frage weiter begleitet, eine Stadt, in der gefühlt weniger gebürtige Berliner als Zuzügler leben. Wer ist Berliner, wann ist man Berliner? Jeder fühlt sich als Berliner – egal, wie lange man auch hier lebt. Identität ist Nebensache. Und dann kommt die nächste Kategorisierung – während meiner Studentenzeit war ich Prenzlbergerin, danach Friedrichshainerin. Ich lebe seit knapp 20 Jahren in der Hauptstadt – länger als in meiner eigentlichen Heimat – und bin gerade von meinem Herzen dabei, sie wieder zu verlassen.

Wenn ich jetzt umzöge, was würde ich dann als Heimat bezeichnen – Thüringen, Berlin oder meinen neuen Wohnort? Ist Heimat Herkunft oder doch nur ein Gefühl?
Heimat ist, wo man sich heimisch fühlt. Und da komme ich vollends ins Schwanken. Inzwischen fühle ich mich in meiner Zweit-Wahlheimat Mecklenburg fast heimischer als in meiner alten Liebe Berlin. Heimat ist der Ort, an den man immer wieder mit voller Leidenschaft zurückkehrt. Ich bin Berlinerin mit thüringischen Wurzeln und mecklenburgischen Liebe – die sich auf einer Durchreise befindet und ihr Ziel noch sucht, aber ihre Wurzeln kennt.

Tipps für Südthüringen

  • Wanderung durch das Vessertal: Ein schöne Wanderung gleich in der Nähe meines Heimatdorfes führt durch das UNESCO Biosphärenreservates Vessertal-Thüringer Wald. Der Weg führt vorbei an buntblumigen Bergwiesen, klaren Bergbächen und urwaldartigen Bergmischwäldern und bietet reizvolle Ausblicke.
    Stationen: Schmiedefeld – Schwarzer Crux – Zehn Teiche – Vesserquelle – Wegscheide – Adlersberg – Stutenhaus – Breitenbach – Vesser – Schmiedefeld
  • Klosteranlage von Veßra mit Freilichtmuseum: Im südlichen Vorland des Thüringer Waldes im Henneberger Land befindet sich die Anlage des ehemaligen Prämonstratenser-Chorherrenstifts Veßra. Nicht nur für Kinder ist ein lohnenswerter Ausflug die Besichtigung der ehemaligen Klosteranlage das Hennebergische Museum Kloster Veßra, in der sich die Gebäude der Kloster- und Domänenzeit mit den dorthin umgesetzten ländlichen Wohn-, Wirtschafts- und Kommunalbauten zu einem Freilichtmuseum verbinden.
  • Schleusingen und seine Bertholdsburg: Natürlich darf der Ort meiner Schulzeit nicht fehlen. In Schleusingen besuchte ich mit dem 1577 gegründeten Hennebergischen Gymnasium eines der ältesten durchgängig betriebenen Gymnasien in Deutschland. Hier befindet sich aber auch das Schloss Bertholdsburg – eine frühneuzeitliche Festungsanlage. Das Die von 1226 bis 1232 von den Grafen von Henneberg (Poppo VII.) errichtete Burganlage beheimatet ein naturhistorisches Museum sowie ein heimatgeschichtliches Museum. Vom 38 Meter hohen Hauptturm hat man eine schöne Aussicht.
  • Wintersport: Am Südhang des Thüringer Waldes wuchs ich so ziemlich auf Langlaufskiern auf. Und so freue ich mich jeden Winter auf’s Neue auf kleine Skiausflüge im Thüringer Wald – ob in Oberhof, Frauenwald oder Masserberg.
  • Gedenkstätte innerdeutsche Grenze: Die ehemalige Grenzübergangsstelle Eisfeld-Rothenbach war 1989 mein Tor zum Westen. Heute befindet sich hier eine kleine Gedenkstätte (8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 2,00 €).
  • Bunkermuseum: Das Bunkermuseum gibt einen Einblick in die jüngste Geschichte Ostdeutschlands. Bei der Anlage am Hotel „Rennsteighöhe“ handelt es sich um einen Führungsbunker, ähnlich denen, die schon im 2. Weltkrieg zum Einsatz kamen. Im Ernst- bzw. Kriegsfall sollte er der Bezirkseinsatzleitung des Ministeriums für Staatssicherheit zur Gewährleistung ihrer Führungsaufgaben dienen.

Noch mehr Thüringen:

Mehr „Heimatberichte“ gibt es bei Teilzeitreisende unter #Heimatliebekarte.

2 Kommentare

  1. Ich habe als Kind ein paar Jahre in der Nähe von Saalfeld gelebt und den Rest meiner Jugend im Norden von Thüringen verbracht. Auch wenn ich meine „neue“ Heimat doch mehr bevorzuge – so geht es mir genauso wie dir. Ich bin Rheinländerin mit Thüringischen Wurzeln und einer Schwäche für das Frankenländle 😀

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