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Kolumbien – Auf den Spuren des Fußballs (Teil4)

Palmen bei Salento

Diesmal stehen zwei Spiele auf dem Programm. Achtelfinale der Copa Sudamericana zwischen Itagüí (COL) und  Club Libertad (PAR) sowie als zweites Spiel Deportes Quindío vs. Boyacá Chicó. Das Titelbild entstand in der Nähe von Salento in der „zona cafetera“.

Der einzig andere verbliebene kolumbianische Vertreter im Achtelfinale der Copa Sudamericana waren dankenswerterweise die Goldenen Adler (Águilas Doradas) aus Itagüí, einem Vorort Medellíns, sodass es ein Leichtes war, die beiden Spiele des Kontinentalwettbewerbs zu kombinieren.

Spiel1: Itagüí (COL) vs. Club Libertad (PAR)
Ergebnis: 1:0
Stadion: Estadio Polideportivo Sur, Envigado
Zuschauer: 2.000 Zuschauer
Liga: Copa Sudamericana, Viertelfinale (Rückspiel)
Spieltag: 07.11.2013

Da der eigene Platz wohl nicht den Anforderungen des Kontinentalverbandes Conmebol gerecht wird, wurde im Nachbarort Envigado gespielt, das einen weiteren Erstligaverein im Süden der Metropole stellt. Mit der Metro angereist, war der bescheidene Ground nach 20 Minuten Fußmarsch erreicht. Das Stadion besteht lediglich aus einer überdachten Tribüne mit Betonstufen ohne Sitzen sowie zwei Stehplatzbereichen, die sich gerademal über ein Drittel der beiden Hintertorseiten erstrecken. Der Eintritt für die Stehplatzbereiche war heute frei. Für die Tribünenkarte musste der Gegenwert von immerhin 4,50 Euro hingeblättert werden, was aufgrund des bald einsetzenden heftigen Regens gut investiertes Geld war. Mal wieder alles richtig gemacht. Nach der 0:2-Niederlage im paraguayischen Asunción musste schon ein kleines Wunder her, um in die nächste Runde einzuziehen. Vereinzelt waren Anfeuerungsrufe zu vernehmen und es wurden auch einige Fähnchen geschwenkt, aber von einer Fanszene zu sprechen, wäre übertrieben. Gerade mal gut 2.000 Schaulustige fanden an dieser tristen Veranstaltung Interesse. Wahrscheinlich war an diesem Abend im Fernsehen auch nichts Besseres geboten. Hätte Unterhaching zu Bundesligazeiten einen europäischen Wettbewerb erreicht, wäre dort wohl ungleich mehr los gewesen. Und das soll einiges heißen. Neben dem 1:0 für Itagüí war der einzige andere Höhepunkt in einem ansonsten an Höhepunkten armen Spiel die von einem fliegenden Händler angebotenen Buñuelos (leckere Berliner/Pfannkuchen/Krapfen – wie auch immer).

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Estadio Polideportivo Sur, Envigado

Spiel2: Deportes Quindío vs. Boyacá Chicó
Ergebnis: 2:1
Stadion: Estadio Centenario, Armenia
Zuschauer: 1.500 Zuschauer
Liga: Primera A, Kolumbien
Spieltag: 009.11.2013

Ungefähr auf halbem Wege zwischen Medellín und Cali liegen in der Zona Cafetera vor allem Kaffeeplantagen und mit Armenia die quirlige, aber ansonsten unauffällige Hauptstadt der Provinz Quindío, zugleich Heimat von Deportes Quindío. Für kleines Geld geht es mit einem modernen Reisebus (samt Onboard-Entertainment-System wie man es von Langstreckenflügen her kennt) in gut sechs Stunden von Medellín nach Armenia. An einer Ausfallstraße am Rande der Stadt liegt das mit 20.000 Plätzen völlig überdimensionierte Estadio Centenario, das man schnell mal zur U20-Weltmeisterschaft 2011 hinstellte. Aufgrund des geringen Zuschauerzuspruchs sollten Tickets eigentlich kein Problem darstellen, es sei denn man erfährt bei Ankunft am Stadion, dass diese nur in der Stadt verkauft werden. Also nochmal schnell eine weitere Hin- und Rückfahrt mit dem Taxi gebucht, um an das wichtige Stück Papier zu kommen. Glücklicherweise ist Taxifahren sehr günstig. Eine Stadtfahrt schlägt mit etwa 2 Euro zu Buche. Längere Strecken in den Großstädten kosten nicht mehr als 5 Euro. Wenn auf Wunsch des Fahrers der Taxameter aus bleiben soll (oder keiner vorhanden ist), einigt man sich eben auf einen Festpreis. Wo dies in vielen Teilen des Erdballs Nervenverlust und Ärger bedeuten kann, hatte ich hierbei in Kolumbien nie Probleme. Selbst das geringe Aufrunden des Fahrpreises löste bei manchem Kutscher höchste Verzückung aus.

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Um die Klasse zu halten, benötigte Quindío als Tabellenletzter einen Sieg bei gleichzeitiger Niederlage des Konkurrenten Cúcuta. Der heutige Gegner aus Boyacá war der dritte Abstiegskandidat im Bunde. Ein Sechs-Punkte-Spiel also. Aber allzu groß scheint die Begeisterung für den lokalen Verein nicht zu sein. In der Stadt trägt man eher Trikots von Nacional, oder eben gleich vom FC Barcelona oder Real Madrid. Von den circa 1.500 Anwesenden sorgten nur gut 50 für etwas Support. Noch vor Anpfiff wurde ein Böller gezündet, worauf ein gutes Dutzend Ordnungshüter in Kampfmontur den Übeltäter herauszogen und unter großem Tamtam dingfest machten. Ziemlich albern. Nach einer schnellen Führung in der 3. Minute stand es nach 10 Minuten schon 1:1. Was gut begann, wurde schnell zu einem Grottenkick. Quindío gelang zwar kurz nach Seitenwechsel noch der Siegtreffer, worüber sich am Ende aber keiner freuen konnte, da Cúcuta überraschenderweise auswärts beim Tabellenführer in Medellín gewann. Letztendlich stiegen beide hier und heute angetretenen Teams ab. Dafür erlebte ich bei diesem Spiel den auf dieser Reise bislang heftigsten Regenschauer. Doch wie auch schon in Envigado beschränkte sich dieser auf die Zeit während des Spiels. An- und Abreise konnten trockenen Fußes absolviert werden.

Noch einige Impressionen aus der „zona cafetera“ um Salento und meine Speisen:

salentofruehstueckwanderncafe

 

2 Kommentare

  1. maxi sagt

    Wirklich interessante und nett geschriebene berichte.
    Mich würde interessieren von wann die spiele waren.

    Ich werde selber ab Oktober in medellin für 1jahr sein.

    Saludos

  2. Hallo Maxi, das war im Herbst 2013. Ich wünsche Dir eine schöne Zeit in Medellin. Von der Stadt aus lassen sich auch schöne Dinge in der Umgebung unternehmen 😉 LG, Madlen

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