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Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich {Lesung}

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Es ist wieder soweit – ein neues Buch von Helge Timmerberg. Und ich erwartete also in Vorfreude die Lesung dazu. Wie immer sprühte die Veranstaltung vor humorvollen Passagen aus seinem Leben, die die vorgelesenen Stellen aus dem Buch wie in einem Guss ergänzten. Dieses Mal stand alles in Verbindung mit dem Buch, auch die frei erzählten Stories.

Ausgangspunkt stellte eine Klage vor einem Hamburger Gericht da wegen 5,6g Haschischbesitzes. Genau 0,6g zu viel für Eigenbedarf. Dort faszinierte Helge Timmerberg Staatsanwältin und Richter mit seinen interessanten Reisegeschichten. Natürlich wurde daraufhin die Klage fallengelassen. Aber wichtiger als die fallen gelassene Anklage ist die Tatsache, dass ihn diese Situation dazu animierte, einen Film drehen zu wollen. Da sein eigentliches Vorhaben, einen Antitatort zu drehen, nicht auf offene Ohren stieß, musste er einen anderen Stoff finden.

Und dieser Stoff fand sich in Form einer deutschen Frau, die sich als Mann verkleidet vor unzähligen Jahren einer Karawanserei in der Türkei anschloss, um den dortigen Geschichtenerzählern zu folgen. Diese Geschichte erzählte er auch einer Frau, die sich danach sofort in Helge verliebte. Leider hielt diese Liebe nicht lange, und ausgerechnet mit Liebeskummer im Gepäck wollte Helge das Drehbuch zu dem geplanten Hollywoodfilm mit 9000 DM Vorschuss in Ägypten drehen. Aber der Liebeskummer vernebelte Helges Sinne, so dass der Vorschuss bald aufgebraucht war, ohne eine Zeile des Drehbuchs zu verfassen. Eine neuerliche Chance erhielt er mit 20000 Vorschuss im Gepäck, und dieses Mal sollte es Marokko sein. Wie nicht anders zu erwarten, kam auch dort kein Drehbuch zustande, jedoch viele amüsante Anekdoten des Aufenthaltes in Marrakesch. Angefangen von dem allabendlichen Kerzenaufstellen, das Unmengen an Zeit in Anspruch nahm, dem ständigen Trubel in seinem Haus bis zur humorvollen Geschichte über einen Freund, der ihn in Marokko besuchte und Nacktyoga auf dem Dach praktizierte. Und zu guter Letzt fanden Helge und sein ansonsten kaum in seinem Leben präsenter Vater nach 40 Jahren zueinander, wozu es 4 marokkanischen Frauen aus seinem Harem bedurfte.

Helge Timmerberg verband Textpassagen mit Anekdotenerzählungen aus seinem Leben, die im unmittelbaren Zusammenhang mit dem vorgestellten Buch standen. Diese Lesung wirkte daher von Anfang bis Ende stimmig, aber auch etwas vorhergesehen, vor allem, wenn man das Buch kannte. Die Bauchtanzeinlagen einer Tänzerin rundeten das Programm thematisch und sehr stimmungsvoll ab. Mir fehlte jedoch ein Moderator des Abends, der ebenso humorvoll Helge Timmerberg herausfordert, seine vergnüglichen Reise- und Lebensbegebenheiten zum Besten zu geben, wie es Jörg Thadeusz 2010 tat bei der damaligen Lesung von Helge Timmerberg in der Bar jeder Vernunft. Damals kam ich den ganzen Abend nicht mehr aus dem Lachen heraus. Dennoch war es auch dieses Mal ein amüsanter Abend, und es wurde viel gelacht in den Zuschauerreihen. Aber nicht nur „Die Märchentante, der Sultan, mein Harem und ich“ lud zum Lesen ein, überraschenderweise wurde ein altes Buch von Helge Timmerberg wieder aufgelegt und erscheint demnächst. Daraus gab er dann auch noch eine Passage zum Besten.

Den Abschluss bildete wieder einmal ein Gitarrenstück, da er ja so gerne Musiker wäre, wie Helge nebenher bemerkte. Und ausgerechnet passt es zu meinen eigenen unzähligen Überlegungen im Leben, am liebsten nur unterwegs sein zu wollen, die Welt kennenzulernen… Was bedeutet in dem Zusammenhang Heimat für mich… Helge schließt also den Abend ab mit folgenden Worten: „Haben wir nicht genug gesehen. Ich will heim, ich will heim.“

Helge Timmerberg | Malik; Auflage: 2, 2014 | 256 Seiten | 19,99€ | ISBN 978-3890297743

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2 Kommentare

  1. vielen Dank, wusste gar nicht dass Timmerberg auf Leserreise geht. Für mich ist er einer der besten deutschen Reiseschriftsteller, zusammen mit Andreas Altmann. Beide sind schwer unterhaltsam, aber dieses leicht verrückte von Timmerberg geht Altmann komplett ab…

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