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Unser Wellenritt zum Playa Cristal im Parque Tayrona

Parque Tayrona, Kolumbien

Vamos a la Playa! Heute ist Strandtag, beschloss ich morgens. In Santa Marta ist eigentlich jeden Tag Strandtag, denn die Stadt liegt szenisch zwischen Bergen und Karibik. Aber so ganz wusste ich noch nicht, wohin ich heute fahren sollte. Mal was anderes, dachte ich mir. Den Tayrona Park wollte ich nicht für nur einen Tag auch am Wochenende besuchen. Vielleicht lag es auch daran, dass es Orte gibt, deren Mythos ich mit einem zweiten Mal nicht entzaubern möchte. Und der beliebte Backpackerort Taganga gleich hinter dem nächsten Berg ist einfach nicht mein Ding. Hier verweilte ich schon zweimal und habe einige Strände getestet, so ganz erschloss sich mir dabei nicht der Zauber dessen Beliebtheit. Also machten wir uns mit dem Bus nach Taganga auf, mit dem Ziel, dort ein Boot zu nehmen, das weiter als zum beliebten Strand Playa Grande fahren würde. Natürlich dauerte es nicht lang, dass uns ein Bootsmann ansprach. „Playa Grande?“ „No, Señor. Un poco más lejos?“ „OK, Playa Cristal.“ Ich hatte von dem Ort schon mal gehört, aber nichts Konkretes. Hauptsache weit weg von den Menschenmassen, die sich hier am Strand von Taganga drängten. „30 minutos – más o menos.“ „Cuánto cuesta?“ „70.000 Pesos.“ „Mh, carissimo.“ Denn alles, was mir hängengeblieben war, sind 60.000 Pesos. Der Bootsmann willigt ein. Doch wann geht’s los? Die Frage der Frage in Südamerika. „5 Minutos!“ Aha. Cinco Minutos dauert in Kolumbien alles, was bei uns eine Weile braucht. Manchmal wäre ein unverbindliches „gleich“ besser. Das ist wenigstens nicht messbar, lässt den wahren Zeitraum offen.

Aus fünf Minuten wurden zehn. Dann kommt am Strand Hektik auf. Sieben junge Männer aus Israel und Argentinien besteigen mit uns das Boot. „No rapido“, rufen sie dem Bootsmann zu. Ich hörte vor sechs Jahren bei meinem ersten Besuch in der Gegend, dass die Bootsfahrt taff sei. Das schreckte mich ab. Warum nur dieses Mal nicht. Madlen und ihre 8 Männer machten sich nun mit dem Bootsmann auf den Weg. Warum nur ist keine Frau an Bord? Sind Frauen vernünftiger, geben sich leichter mit dem Mittelmaß zufrieden oder suchen sie einfach nur nicht den Kick auf dem Meer? Noch einmal stockt der Motor für fünf Minuten nachdem wir gestartet sind, dann geht’s los und rein in das Vergnügen. Die Wellen sind heute nicht kleiner als damals. Der Wind stürmt über die Wasseroberfläche. Immer wieder richte ich Hut und Brille, um mich dann wieder an der Bootsaußenkante festzukrallen. Jeder Aufprall schmerzt. Immer wieder wird er von einem Raunen der Männer begleitet. „Tranquilo, tranquilo“, wirft die erste Reihe mit den Israelis dem Bootsmann vorwurfsvoll zu. Ich bin normalerweise seekrank, aber das Adrenalin scheint hier die beste Medizin zu sein.

Als wir nach 20 Minuten den Playa Cristal noch nicht erreicht haben, frage ich mich, ob mir das ganze hier für einen schnöden Strand wert ist. Ein Strand, den ich einfach nur per Zufall gewählt habe, weil eben mal ein Boot dahin fährt. Ich bin zu wenig Beach Girl, um das hier geil zu finden. Dennoch merke ich, dass den jungen Israelis sogar mehr die Angst ins Gesicht geschrieben ist. Die hintere Reihe mit den Argentiniern ist schon völlig bleich und hängt in den Seilen. Und dann schreit wieder ein Israeli „tranquilo“, während unser Bootsmann relaxt schmunzelt. An jedem Kliff, das wir umrunden, schlagen die Wellen noch heftiger hoch. Nach 40 minütiger Bootsfahrt dreht unser Bootsmann noch mal richtig auf und steuert eine Bucht an. Am Horizont fließt das Tiefblau in ein zartes Türkis über. Das muss jetzt ein Megastrand sein, der uns dort erwartet. Ein Strand à la Robinson Crusoe, von dem ich nicht mehr weg will. Doch je näher wir kommen, desto mehr zeichnen sich viele kleine bewegende Punkte ab und dahinter Planen von Sonnenschutzen und Restaurants. Ich bin ein wenig enttäuscht, auch wenn das Wasser superklar ist und ich schöne Schnorchelgänge habe.

Als wir um 16 Uhr verfrüht abfahren, da unser Bootsmann immer schlechtere Bedingungen für die Rückfahrt erwartet, fällt mir ein Schild mit der Aufschrift Playa del Muerte (Todesstrand) auf. Von wegen Playa Cristal! Im hohen Wellengang besteigen wir das Boot während sich die Argentinier hinter mir bekreuzigen.

Was man noch wissen wollte?

Den Playa Cristal kann man einfacher aus dem Tayrona Park erreichen, von dort fahren kleine Lanchas den ganzen Tag und schaufeln die meisten Touristen an. Wer es wie wir machen will, der geht einfach in Taganga an den Strand. Die Bootsmänner finden Euch. Wir wissen nicht, ob 60.000 Pesos pro Person ein guter Preis sind, aber die Schnorchelausrüstung ist inklusive. Die Bootsfahrt dauert ca. 30-40 Minuten und man muss, obwohl der Strand schon zum Tayrona Park gehört, keinen Parkeintritt bezahlen. Taganga erreicht ihr vom Supermarkt Exito in ca. 15 Minuten. Die Busfahrt von Santa Marta nach Taganga kostet 1500 Pesos.

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PS: Aus Sicherheitsgründen sind die Bilder nur im ruhigen Gewässer und am Strand genommen wurden. Es gibt noch ein Video von der Schaukeltour, das folgt demnächst.

1 Kommentare

  1. Oh, Madlen, da werden Erinnerungen bei mir wach. An Taganga habe ich sehr schöne. Den ganzen Tag dudelte Shakira, damals noch auf Spanisch, aus dem Radio. Selbst nur einen Ton von ihr beamt mich heute noch zurück in diese (damals sehr relaxte) Bucht :-)
    LG Simone

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