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Stockholm – ein Spaziergang in 11 Stationen

Silja Serenade, Minikreuzfahrt, Ostsee, puriy reiseblog

Ich hatte da eine Idee von Midsommar in Schweden. Wenn die Tage lang und die Nächte kurz sind, muss es wunderbar am und auf dem Wasser der schwedischen Hauptstadt sein. Als wir am Arlanda Flughafen ankommen, scheint noch die Sonne, doch als wir das Zentrum von Stockholm erreichen, regnet es in Strömen. Ich hatte Wasser eingeplant in meinen Mittsommerträumen, nur nicht von oben. Ich dachte da eher an eine Kajakfahrt.

Immer wieder balanciere ich Kamera und Handy unter dem Schirm – Bilder, die ich vor vier Jahren unter ähnlichen Wetterbedingungen Anfang April schoss, wollten nun nicht besser werden. Frustriert will ich nur noch in ein Café oder Shoppen gehen – aber nicht in Gambla Stan, sondern in Södermalm, meinem Lieblingsstadtbezirk. Doch als wir die Touristenmassen hinter uns gelassen haben, ist alles wie ausgestorben. Die kleinen Boutiquen und Läden des hippen Stadtteils sind geschlossen und auch die hübschen Cafés. Überall hängen Schilder in den Läden, die auf Midsommar verweisen und somit auf ihre Schließzeit. Ja, es ist Midsommar in Stockholm und da fährt jeder, der kann, wohl raus.

Auch ich wäre gern draußen, aber nur eben nicht bei Regen. Doch je weiter wir gehen und je mehr wir uns an die Kälte und die Nässe gewöhnt haben, desto mehr Optionen öffnen sich. Wir sind in der Nähe von T-Centralen in Norrmalm untergekommen und starten unseren Spaziergang von hier durch die Einkaufsstraße Drottning Gatan und gehen über die Brücke hinüber nach Gamla Stan, die Altstadt, die alle Touristen ansteuern.

{1} Gamla Stan: vom Schloss und dem ältesten Platz Stockholms
Wer nach Gamla Stan kommt, muss natürlich das königliche Schloss sehen. Dieses ist zur Zeit teilweise verhüllt. Dennoch treffen sich hier viele Touristengruppen trotz des Regens ein in Vorfreude auf den Wachwechsel um 12 Uhr. Wir ziehen weiter zum ältesten Platz von Stockholm, dem Stortorget. 1520 ließ hier der dänisch-schwedische König Kristian II knapp 100 Adlige töten. An diesem Platz befindet sich auch das Nobelmuseum. In diesem kann man sich über die Geschichte des Nobelpreises informieren und bekommt einen Überblick über die bisherigen Nobelpreisträger.

{2} Gamla Stan: im historischen Gassengewirr
Allein die historischen Gassen sind einen Spaziergang wert. Schnell kann man sich auf der kleinen Insel verlieren und schöne Ecken entdecken. Auf unserem Weg kommen wir zufällig an der engsten Gasse von Gamla Stan, der Mårten Trotzigs Gränd vorbei. Als sich vor dem Eingang mit der Nummer 81 einige Touristen scharen, um sich zu fotografieren, werden wir aufmerksam und erkennen, dass es sich hierbei um eine besondere Gasse handeln muss. Achtung, um hier durchzukommen, sollte man nicht breiter als 90 cm sein.

{3} Södermalm: schwedischer Holzhauscharme mit Ausblick
Die Schleusen, die sich zwischen Gamla Stan und Södermalm befinden, lassen das Wasser unter uns in wilden Strudeln fließen. Im Regen steigen wir hinter Slussen auf den Hügel hinauf, um die Aussicht über die Stadt zu genießen. Unter uns lockt die Fotografiska in einem alten Jugendstil Zollhaus direkt am Wasser. Aktuell kann man hier noch bis September die interessante Fotoausstellung On This Earth A Shadow Falls Across The Ravaged Land von Nick Brandt besuchen. In der Mäster Mikaels Gata spüren wir ein bisschen dem schwedischen Landfeeling nach, da hier noch alte Holzhäuschen stehen. Eigentlich wollten wir im vegetarischen Restaurant Hermans zu Mittag essen, doch leider befindet es sich aktuell im Umbau. Von hier hätte man von der Terrasse auch einen schönen Ausblick genießen können. Wir spazieren weiter durch die Park- und Friedhofsanlage der Katharinenkirche, die im 17. Jahrhundert für ihre Hexenverfolgungen bekannt war.

{4} Södermalm: Hipp Shoppen und Speisen in SoFo
Wir gehen der Nytorsgatan entlang Richtung SoFo, eine Gegend mit vielen kleinen Läden, die heute verwaist sind. Nicht nur Modeläden, sondern auch Plattenläden und Inneneinrichtungsshops säumen die Straßen. Die Cafés geben einen gleich das Gefühl, zuhause in Berlin zu sein. Und auch auf den Straßen begegnen uns nun immer mehr junge Leute. Je näher wir zum Platz an der Skånegatan kommen, desto mehr Optionen ergeben sich auch für einen Midsommar-Drink und die Daheimgebliebenen Stockholmer treffen sich auf einen Kaffee oder ein Brunch. Wir nehmen zunächst Platz auf einer beheizten Außenbank vor dem Urban Deli Nytorget. Der kleine grüne Nytorget-Platz wirkt wie eine Oase, aus der uns das Vogelgezwitscher in den Sommer begleitet. Wir suchen mit dem String Café noch ein weiteres Lokal auf, um uns durch das reichhaltige Pie-Angebot zu kosten. Als wir wieder draußen sind, zeigt sich auch die Sonne.

{5} Södermalm: Holzhäuser im einstigen Armenviertel
Und auch wir genießen nun unseren Mittsommerspaziergang durch Stockholm und steuern noch das einstige Arbeiter- und Armenviertel in der Nähe der Sophiakirche an. Die auf mich romantisch wirkenden Holzhäuschen sollen teilweise noch heute ohne Wasserversorgung auskommen. So ganz mag man das nicht glauben, wenn man sieht, wie liebevoll die Grundstücke hergerichtet sind. Einst wohnten Arbeiter in den geschichtsträchtigen Straßen Bergsprängargränd und MästerPersgränd, die heute nicht nur durch ihre Holzarchitektur, sondern auch ihre hübschen Gärtchen ein Idyll in der Großstadt darstellen.

{6} Södermalm: Konventionell Shoppen in der Götgatan
Wir verlassen die kleine Oase und lassen uns von den Schaufenstern der geschlossenen Shops in der Götgatan noch einmal inspirieren. Hier gibt es auch herkömmliche skandinavische Marken. In einer Seitenstraße wartet der kleine Pallis Pop Up Park auf seine Gäste. Da sich die Sonne immer weiter durch die Wolkendecke kämpft, entschließen wir uns für eine längere Runde zurück nach Norrmalm.

{7} Södermalm: Klippenspaziergang und Hausbootanleger
In der Hornsgatan laden Schaufenster in Galerien und Boutiquen ein. Wir biegen in die Blecktorngr. rechts ab. Von einem Aussichtspunkt auf den Klippen am Ende der Straße genießen wir nun bei Sonnenschein einen schönen Blick von der Söders Höhe auf die nördlichen Stadtteile Stockholms. Wir laufen auf einem kleinen Klippenweg weiter nach Westen. Am Ende des Weges nehmen wir die Stufen hinab zum Söder Mälarstrand. An dieser Straße direkt am Wasser ankern seit Jahrzehnten hübsch anzusehende alte Schiffe. Die meisten sind Hausboote. Aber auch alte Minenboote, die nun umfunktioniert wurden, sind dabei. Kleine Schautafeln geben Auskunft über deren Geschichte.

{8} Långholmen: Brückenspaziergang über Långholmen
Vor uns taucht eine mächtige Brücke auf, die Södermalm über Långholmen mit Kungsholmen verbindet. Wir nehmen eine kleine Brücke zuvor, um über Långholmen zu streunen. Wohnmobile mit Kennzeichen aus der Schweiz und Deutschland fahren an uns vorbei, um den riesigen Camper Platz auf der Insel aufzusuchen. Wir steigen eine Anhöhe hinauf, um die mächtige Brücke Västerbron zu erreichen. Unter uns paddeln Kajaks hindurch. Die Motoren von Booten zurren aus der Ferne. Kleine Badebuchten werden sichtbar. Am Anleger in der kleinen Bucht befindet sich ein Kajakverleih. Wir schlendern durch den Rålambshovsparken, in dem junge Familien picknicken und Jugendliche skaten.

{9} Kungsholmen: Strandpromenade mit Picknick
Wir tun es den Einheimischen gleich und spazieren nun die Strandpromenade Norr Mälarstrand direkt am Wasser entlang. Auf der schwimmenden Terrasse des Restaurants Mälarpaviljongen, in dem man zugleich Grünpflanzen kaufen kann, legen wir eine Pause ein, bevor wir weiter zum Rathaus Stadshuset laufen, wo man vom Tower einen schönen Ausblick genießen kann. Wieder ankern an den Stegen wie auch auf der gegenüberliegenden Seite in Söder Hausboote und alte Schiffe.

{10} Riddarholmen: Wo niemand wohnt
Wir verlassen den studentischen Stadtteil Kungsholmen, von dem wir nur die Wasserseite kennengelernt haben, über die Stadshusbron und machen noch einen kurzen Abstecher zur kleinen unbewohnten Insel Riddarholmen, wo es nur noch Büros von staatlichen Behörden und Gerichten gibt. Von hier kann man wunderbar das Stadshuset fotografieren. Das interessanteste Bauwerk auf Riddarholmen selbst ist die königliche Begräbniskirche Riddarholmskyrkan vom Ende des 13. Jahrhunderts. Hier liegen auch Gustav V. (1858 — 1950) und seine Frau Viktoria von Baden (1862 — 1930) und weitere Mitglieder des schwedischen Königshauses begraben.

{11} Gamla Stan: Vegetarisch und günstig speisen
Nach dem langen Spaziergang durch die Stadt, wollen wir nicht mehr so weit gehen. Und auch ist uns das Risiko zu groß, dass die Restaurants aufgrund von Midsommar geschlossen sind. Daher suchen wir mit dem Hermitage in der stora Nygatan 11 ein nahe gelegenes vegetarisches Restaurant auf, das täglich bis 21 Uhr geöffnet ist und ein reichhaltiges vegetarisches Buffet zu (skandinavisch) moderaten Preisen bietet.

Nach dem Abendessen kehren wir noch einmal zurück auf die Klippen von Södermalm. Über die 14 Inseln der Stadt legt sich ein roter Streifen. Auch um 22 Uhr scheint das Licht noch nicht auszugehen. Ich hatte Wasser eingeplant in meinen Mittsommerträumen, jetzt liegt es mir zu Füßen und spiegelt das Rot der Mittsommersonne wider. Genau deshalb bin ich heute hier.

Unser Begleiter im Gepäck: 100% Travel Stockholm

Stockholm war der Ausgangspunkt für unsere kleine Mittsommer-Minikreuzfahrt mit der Tallink Silja Line, zu der wir eingeladen wurden. Alle Ansichten sind meine eigenen. 

3 Kommentare

  1. Tolle Stationen und schöne Fotos, Mad! Einige kommen mir noch bekannt vor 😉 Stockholm ist echt eine tolle Stadt. Ich denke oft an die Zeit dort zurück.

    Viele Grüße
    Mathias – underwaygs.com

  2. Eine schöne Zusammenfassung unserer Hauptstadt! Midsommar ist natürlich eigentlich nicht der richtige Zeitpunkt, um Stockholm zu besuchen, außer man will es einigermaßen ruhig haben. Es ist die Zeit, in der sich die Familie auf dem Lande trifft, die Städte sind wie leergefegt (obwohl Stockholm natürlich nie wirklich leer ist), aber ein schwedisches Midsommar findet auf dem Land statt. Tja, und wettermäßig ist es eben auch immer so, ein wenig Regen und Wind gehören genauso zu Midsommar wie das Tanzen um die Midsommarstange, der Gesang und der Schnaps. Meine Empfehlung für euren nächsten Misommarbesuch, fahrt mit den Fährbooten raus in die Schären oder noch besser hoch nach Dalarna – DIE Midsommargegend schlechthin!

    Viele Grüße aus dem Norden,
    Hartmut

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