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Schleusen, Schlick und Schauer – Wir sind endlich unterwegs

30.000 Seemeilen im Kielwasser und keine Ahnung vom Flussfahren

Nachdem wir langsam angefangen hatten zu entspannen, trat eine neue Schwierigkeit in unser Leben als frischgebackene Süßwasserpiraten: die Donau war durch die Trockenheit der letzten Wochen an einem bestimmten Abschnitt zu flach für unser Boot. Es folgten schlaflose Nächte und der ständige Blick auf die Pegelstandstabellen. Zwischendurch brachten wir das Auto zurück nach Bremen, verabschiedeten uns von unseren Familien und mit sorgevollen Gesichtern setzten wir uns in den Zug zurück nach Saal an der Donau. Mitten in der Nacht kletterten wir auf unsere neue INTI und schliefen uns erstmal aus. Am nächsten Tag ging es mit den Bordfahrrädern nochmal einkaufen, denn siehe da: es hatte geregnet, während wir in Bremen waren und der Pegelstand war leicht gestiegen, weswegen wir gleich am nächsten Morgen starten wollen.

Endlich geht es richtig los!

Nach zwei Wochen verabschieden wir uns von Saal, um nun die Donau zu erkunden. Bis zum prekären Teil der Donau zwischen Straubing und Vilshofen sind es noch 70 Flusskilometer und wir müssen ordentlich Gas geben, um sie am nächsten Tag zu durchqueren. Gas geben? Da haben wir nicht mit der Strömung gerechnet, die schiebt uns nämlich mit bis zu drei Knoten in die richtige Richtung. Abends erreichen wir nach über hundert Kilometern und drei Schleusen Deggendorf, haben die Hälfte der kritischen Strecke schon gemeistert. Wir werfen den Anker vor einem kleinen Campingplatz. Die Nacht wird unruhig, Kreuzfahrtschiffe passieren und lassen INTI ordentlich in der Welle tanzen. So fällt es nicht schwer, ganz früh am nächsten Morgen aufzubrechen.

In Passau sammeln sich die Kreuzfahrtschiffe, ab hier ist es wieder tiefer.

Achtsam navigieren wir INTI durch den unregulierten Teil der Donau weiter in Richtung Vilshofen, stellenweise haben wir gerade mal einen knappen Meter unter dem Kiel. Die Strömung wird, gefüttert durch die einmündende Isar immer stärker, vor Vilshofen luken große Felsen aus dem Fluss. Jetzt heißt es aufpassen und genau im Fahrwasser bleiben. Am Ufer wird geangelt, Radfahrer beradeln den Donauradweg, es wird gebadet, gepicknickt. Die Fahrt auf der Donau macht Spaß und so lassen wir uns weiter von der Strömung schieben. Passau bleibt rechts liegen und kurz danach teilt die Donau Deutschland und Österreich. Linkerhand Deutschland, rechter Hand liegt Österreich. Schlösser, Burgen und Dörfer mit imposanten Kirchen säumen unseren Weg. Wälder, Berge, nur das Brummen des Motors oder die riesigen Kreuzfahrtschiffe stören das Idyll.

Angekommen in Österreich.

In Österreich wird alles entspannter

Schwarze Wolken wabern durch die Berge, jetzt müssen wir uns ein Plätzchen für die Nacht suchen. Eine Marina liegt auf dem Weg. Gerade, als sich die dunklen Wolken verzogen haben, laufen wir ein. Doch von einer geschmeidigen Ankunft kann dann doch nicht die Rede sein: wir stecken schon vor dem ersten Steg im Schlamm fest. Das ist auch kein Wunder, sind doch hier die Marinas für Motorboote mit wenig Tiefgang angelegt worden, wir mit knapp 1,70 Metern eine absolute Ausnahme. Wir machen erstmal am vorgelagerten Tankponton fest und Smutje sucht den Hafenmeister, der uns freundlich zur Hilfe kommt und uns einen Liegeplatz zuweist. Allerdings liegt tatsächlich in der Einfahrt unter Wasser ein Sandhügel, den wir diesmal vorsichtig umfahren. Viele helfende Hände sind da, um uns im Yachthafen Schlögen festzumachen. Jetzt sind wir in Österreich! Als erstes muss dann auch das traditionelle Gericht verspeist werden: Wiener Schnitzel – ein Genuss!

In Österreich sind die Schnitzel besonders knusprig und lecker!

Wir schlafen fest und genießen einfach den nächsten Tag mit Nichtstun. Dann noch einmal hoch durch den Wald, um einen Blick auf die kommende Strecke zu werfen: die Schlögener Schlinge – eine wunderbare Kurve, die sich die Donau bahnt. Zum Abschied stecken wir noch einmal in der Einfahrt fest und verabschieden uns mit einer schwarzen Rußwolke von diesem idyllischen Plätzchen, während uns der Motor mit Vollgas aus dem Schlamm wühlt.

Die Donau windet sich durch die Schlögener Schlinge.

Unser Ziel ist Linz. Hier haben wir im letzten Herbst schonmal an der Donau gestanden, als wir zu einem Vortrag zu Gast waren. Wir schauten auf den Fluss hinunter, der sich mit rasender Strömung fortbewegte. Jetzt ist es tatsächlich dazu gekommen und wir werden per Boot Linz durchqueren. Zwei Verabredungen stehen bereits und wir freuen uns auf diese Stadt. Doch auch hier laufen wir mit einer Gewitterwolke in den Hafen ein. Es schüttet aus Kübeln und der uns zugedachte Liegeplatz ist zu klein. Doch es gibt einen größeren Ponton, an dem wir festmachen können und INTI erstmal Ruhe gönnen. Tags drauf staut sich die Hitze und düstere Gewitterwolken lauern bereits am Himmel. Wir sind mit dem Veranstalter unseres Vortrags, dem Yachtclub Austria, verabredet. Ganz in der Nähe basteln einige Mitglieder am Vereinsboot herum, den Vorsitzenden kennen wir bereits, er empfängt uns herzlich und wir freuen uns sehr, ihn wiederzutreffen.

Im Winterhafen von Linz.

Nun sind wir mit einem Paar verabredet, das wir beim Blauwasser-Seminar auf der boot 2023 kennengelernt haben. Schon einmal mussten wir unser Treffen um ein Jahr verschieben, doch nun steht das date. Tja, nicht ganz, denn ein krasses Gewitter zieht über Linz hinweg und beerdigt den Plan, sich in deren Strandbar zu treffen. Als es trockener wurde, wurde es auch was mit dem Treffen. Gemütlich plauschten wir in unserem Cockpit und wechselten dann die location in ein altes Kloster, in dem die beiden eine Wohnung haben. Gute Gespräche, gutes Essen und gute Weine begleiteten diesen harmonischen Abend. Sightseeing war dann am nächsten Tag angesagt, wir fuhren mit einer Straßenbahn den Pöstlingberg von Linz hinauf, um die Aussicht auf die Stadt zu genießen. Leider waren wir mal wieder umhüllt von schwarzen Regenwolken. Trotz allem sagen wir: Danke Linz, es hat uns gut bei dir gefallen!

Hoch über Linz.

Flussfahrt zwischen Weinbergen, Schlössern und Marillenknödeln

Zum Ausruhen vom Stadtleben geht es nun durch einen ganz besonderen Abschnitt: die Wachau. Sie ist Unesco-Weltkulturerbe und zeichnet sich durch Landschaften mit Weingütern, Burgen und Schlössern aus. Was wir nicht wissen, als wir die letzte Schleuse vor der Wachau passiert haben, ist, dass die Donau hier die stärkste Strömung hat. Kaum aus der Schleuse heraus, wirbelt das Wasser wild auf, kleine Strudel gurgeln um INTI und wir fegen mit einem Tempo von bis zu 13 Knoten voran. Schaut man aufs Ufer, wird einem direkt schwindelig bei dieser Geschwindigkeit. Rundherum geben sich die Burgen und Schlösser die Hand, auch die Anzahl der Donaukreuzer scheint sich verdoppelt zu haben. Wir winken den Gästen der Schiffe zu, werden von unzähligen Smartphones fotografiert oder gefilmt.

Sausefahrt durch die Wachau.

Bei einem Telefonat mit einem kleinen Motorbootyachtclub bekommen wir grünes Licht: er ist frisch ausgebaggert und hat genügend Tiefgang für INTI. Gegen die Strömung lavieren wir uns fast im Krebsgang mit Vollgas in die Einfahrt hinein und werden von einem netten Clubmitglied vertäut und in Empfang genommen. Der Hafen liegt mitten im Gebiet Wachau und der Ort dazu heißt Spitz. Gerade ist Marillen-, also Aprikosenernte, und im Dorf gibt es ein Fest mit der Marillenkönigin und dem Marillenkönig. Wir erklimmen einen Berg zu einer malerischen Burgruine, von der aus wir einen herrlichen Blick über die Donau und die Weinberge erhaschen können, bevor die nächsten Regenwolken aufziehen. Das Fest fällt ins Wasser, wir schlendern ein wenig durch das Dorf mit seinen netten Ständen, doch die Regenschauer machen das Unterfangen etwas ungemütlich.

Die Wachau ist berühmt für ihre schönen Natur und den Wein.

So verabschieden wir uns von dieser schönen Region und machen uns auf in unsere erste Flusshauptstadt, nach Wien. Wir haben uns die einzige Option zum Anlegen ausgesucht, die sehr hochpreisige, aber auch zentral gelegene Wien-Marina. Es soll noch Anlegestege davor geben, doch die sind nicht wirklich erkennbar oder schon belegt. So steuern wir im Abendlicht die Marina an, telefonisch ist keiner mehr erreichbar, also fahren wir erstmal rein und….stecken fest. Wir kommen frei und machen erstmal provisorisch für eine Nacht fest, bis wir dann vom netten Marinapersonal einen besseren Platz zugewiesen bekommen.

Weiter Richtung Wien.

Entspanntes Großstadtleben in Wien

Wir schwingen uns auf die Räder und starten in unsere erste Hauptstadt an der Donau. Wien gefällt uns auf Anhieb. Die Protzbauten der der Habsburg-Monarchie gesellen sich zu verspielten Hunderwasserbauten und alternativer Lebenskultur. Ein bisschen denken wir an unsere Zeit in Berlin, doch in Wien ist alles wesentlich entspannter. In den vielen Parks flanieren und picknicken die Menschen, in den Cafés wird ausgiebig kaffeesiert und am kleinen Donauarm quer durch die Innenstadt herrscht ausgelassenes Treiben in den Strandbars.

Eines der Häuser von Hundertwasser.

Wir beschließen den Tag im berühmten Vergnügungspark Prater. Das legendäre Riesenrad ist uns zu teuer und lahm, uns lockt mehr das hohe Kettenkarussell Praterturm. Und schon geht es 117 Meter in die Höhe, wo wir mit 60 Stundenkilometern hoch über Wien im Kreis gewirbelt werden.

Nervenkitzel über Wien.

Ein neuer Tag, ein neues Gesicht von Wien. An bunten Graffitis und Wandbildern radeln wir den Donaukanal entlang, um dann in einen Außenbezirk abzubiegen. Uns empfängt ein gewaltiger Türkenmarkt, den wir zwischen Gemüse- Fleisch und Imbissständen entlangschlendern. Am anderen Ende treffen wir plötzlich auf die Linzer, mit denen wir uns verabredet haben. Gemeinsam geht’s in den 7. Bezirk. Wir verspüren wieder einen Hauch Berlin. Mode- und andere kreative Läden neben schicken Cafés, in denen junge Hipster allerlei schräge Kaffee- Kuchen- und Limonadensorten genießen. Auch wir gönnen uns einen eisgekühlten Cappuccino, genau das richtige bei der schwülen Hitze, am Himmel lauert schon die nächste Gewitterfront. Der Abend wird in einem traditionellen Heurigen beschlossen, Gaststuben der Weingüter, die nur vorübergehend öffnen und in denen neben den eigenen Weinen auch Speisen angeboten werden. Wir futtern und trinken uns durch die Weine, Käse- und Schinkenspezialitäten. Mit einem ordentlichen Dusel attestieren wir: „In Österreich wird das Leben gut genossen“ und fallen glücklich in unsere Kojen.

Wien lässt sich gut mit dem Fahrrad erkunden.

Unerwarteter Seglertreff mitten auf dem Kontinent

Auf geht’s Richtung nächste Hauptstadt! Zusammen mit den Linzern wollen wir weiter in das nur 60 Flusskilometer entfernte Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei. Erfolgreich meistern wir die letzte Schleuse Österreichs. Jetzt sind es nur noch drei Schleusen bis zum Schwarzen Meer.

Capitana freut sich auf die Slowakei!

Bratislava scheint nicht besonders sportbootfreundlich zu sein, kein Anleger weit und breit und vor den Hafeneinfahrten Schilder mit dem Einfahrverbot für Sportboote. Wir versuchen es etwas außerhalb, in einem Motorboothafen. Diesmal stecken wir wirklich arg fest im Schlick, kein vor und zurück mehr. Verzweifelt fragen wir einen ausfahrenden Motorbootfahrer, ob er uns ziehen kann. Doch der muskelbepackte Kerl mit den zwei aufgepimpten Damen am Bug zuckt nicht mal mir der Schulter und gibt Gas. Also müssen wir improvisieren. Alles schwere vom Deck an eine Seite und die Capitana mit den Linzern hängen sich außen an die Reling und wippen, was das Zeug hält. Smutje gibt derweil Gas und rührt ordentlich das Hafenbecken um. Es sieht aus, als würden wir in Nutella schwimmen, doch siehe da langsam kommt die INTI in Fahrt und wir wieder frei! Etwas hilflos fragen wir an einem weiter außen gelegen Steg eines Jetski Clubs, ob wir festmachen dürfen. Auch hier wieder nur mürrisches Abwinken.

Eine Ufo-Brücke.

Zitterpartien in der Slowakei

Frustration macht sich breit, der Empfang in Bratislava ist alles andere als herzlich. Also nichts wie weg hier, wir haben von einem Yachtclub ungefähr 30 Kilometer weiter gehört, nach einem Anruf wird uns versichert dort sei es auf jeden Fall tief genug für uns, wir sind gespannt. Plötzlich wird die Donau breiter und breiter und tut sich zu einer gewaltigen Auenlandschaft auf. Vogelschwärme ziehen im Abendlicht vorbei und an den Ufern dichte Natur. Rechts neben uns taucht der Yachtclub auf, an dem verschiedene Segelyachten mit stehendem Mast liegen. Eine ist sogar sicher größer als unsere! Beim Näherkommen ruft uns jemand zu, wir mögen bitte „Römisch/Katholisch“ anlegen. Ein echtes Segelmanöver, das wir eigentlich nur aus dem Mittelmeer kennen. Erst wird vorne der Anker geschmissen und dann rückwärts an den Steg gefahren und hinten mit Leinen festgemacht. Das Manöver klappt sofort und INTI kuschelt sich mit ihren Fendern gemütlich an eine schöne alte Ketsch.

Ein Segelclub mitten in der Donau!

Im Restaurant ist grade eine Segelschule aktiv, die vor allem eines übt, Römisch/Katholisch Anlegen mit einer großen Yacht. Der Ausbilder ist selbst schon über den Atlantik gesegelt und wir haben uns sofort einiges zu erzählen. Das Restaurant bekocht uns hervorragend mit einer Art Fischgulasch und anderen Spezialitäten. Abends sitzen wir noch zusammen mit dem jungen Kellner, der während des Sommerjobs auf der alten Ketsch wohnt. Was für ein herzlicher Empfang, wer hätte das erwartet!

Am nächsten Morgen fahren wir über Land zurück nach Bratislava. Die Linzer müssen zurück und wir wollen der Stadt eine zweite Chance geben. Nach einem deftigen Frühstück müssen die Beiden auch schon zum Bahnhof. Wir schlendern einfach los.

Eine der Gassen von Bratislava.

Doch ein Nachgeschmack vom Frühstück bleibt: unsere Kreditkarte wurde vom Lesegerät nicht erkannt. Wir brauchen sowieso etwas Bargeld und versuchen, welches an einem Automaten zu ziehen. Wieder nichts. Was ist denn da los? Wir zweifeln an unserem Verstand und der Geheimnummer. War sie doch falsch? Ohne Bargeld und Karte-sind wir jetzt gefangen in Bratislava? Nach ein paar Stunden und Telefonat mit Mitarbeitern unseres Geldinstituts, die uns erklären, dass es ein Softwareproblem sei, kommt die Erleichterung: wir können Geld abheben und der schwarze Schatten zieht von dannen. Mittlerweile haben wir uns Einiges angeschaut: vom Berg, auf dem die Burg von Bratislava steht, haben wir einen fantastischen Blick auf die Stadt, die viele Gegensätze zeigt. Sozialistische Planbauten neben historischen Gebäuden und auch die Ufo-Plattform, die einen Brückenpfeiler einer Donaubrücke ziert und ein Café beherbergt, können wir von hier aus sehen.

In Bratislava gibt es viel zu entdecken.

Auf zu einem anderen sozialistischen Bau, quer durch die hübsche Altstadt. Eine umgedrehte Pyramide, in der der slowakische Rundfunk sitzt, sorgte für viel gegensätzliche Resonanz. Hübsch oder hässlich? Wir finden sie einfach genial, ein Prachtstück von Architektur. Nun sind wir des Stadtlebens müde und wollen mit dem Bus zurück zur Marina. Mit zweimal Umsteigen und der freundlichen Unterstützung einer älteren Dame kommen wir glücklich auf der INTI an.

Das alte Rundfunkgebäude.

Die verflixte 16. Schleuse

Am nächsten Morgen rufen wir bei der nächsten Schleuse an, denn eine Anmeldung zur Schleusung ist erforderlich. Smutje liest dem Beamten der Schleusenbehörde die abgefragten Details zu unserem Boot aus den Bootspapieren vor. Verdutzt schaut Smutje auf: unsere Motorleistung scheint zu gering zu sein, um in die Schleuse zu gehen, sind wir jetzt nach 15 gemeisterten Schleusen gefangen in der Slowakei? Sowas ist uns noch nie passiert. Er läuft los, um sich mit den freundlichen Marina Mitarbeitern auszutauschen. Derweil klingelt sein Telefon, eine slowakische Nummer wird angezeigt. Capitana hebt ab und es ist der Schleusenwärter. Er fragt, ob wir noch eine andere Telefonnummer haben. Capitana setzt an, um sie ihm mitzuteilen, doch er winkt ab. Wir sollen doch bitte „on your own risk“ in zehn Minuten von dieser Nummer nochmal anrufen und eine andere, sprich die erforderliche, Motorleistung angeben.

Die Marina Mitarbeiter sind derweil sehr bemüht und rufen ihren Chef an, der erzählt, dass sogar ein Gast der Marina mit einem Wasserfahrrad in die Schleuse gegangen ist und das kein Problem war. Nach einer halben Stunde wählt Capitana die Nummer der Schleuse, gibt die erforderliche Leistung an und alles passt. Was für ein Aufstand! INTI gleitet durch den langen Schleusenkanal und direkt hinter einem Binnenschiff in die riesige Schleuse, die INTI zwanzig Meter zu Tal schleust.

Diese Schleuse ist gewaltig groß.

Dieser Schritt ist gemeistert, 16 Schleusen liegen hinter uns, die nächsten und letzten beiden erwarten uns in Serbien und Rumänien. Jetzt geht es weiter nach Ungarn und wir sind gespannt, was das Land für uns bereithält und freuen uns drauf.

Wir sind gespannt auf Ungarn!

Wollt ihr unser nächstes Abenteuer unterstützen?

Wir freuen uns über Tipps oder eine kleine Spende.

Trefft uns bei unseren Vorträgen!

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Schleusen, Schlick und Schauer – Wir sind endlich unterwegs

30.000 Seemeilen im Kielwasser und keine Ahnung vom Flussfahren

Nachdem wir langsam angefangen hatten zu entspannen, trat eine neue Schwierigkeit in unser Leben als frischgebackene Süßwasserpiraten: die Donau war durch die Trockenheit der letzten Wochen an einem bestimmten Abschnitt zu flach für unser Boot. Es folgten schlaflose Nächte und der ständige Blick auf die Pegelstandstabellen. Zwischendurch brachten wir das Auto zurück nach Bremen, verabschiedeten uns von unseren Familien und mit sorgevollen Gesichtern setzten wir uns in den Zug zurück nach Saal an der Donau. Mitten in der Nacht kletterten wir auf unsere neue INTI und schliefen uns erstmal aus. Am nächsten Tag ging es mit den Bordfahrrädern nochmal einkaufen, denn siehe da: es hatte geregnet, während wir in Bremen waren und der Pegelstand war leicht gestiegen, weswegen wir gleich am nächsten Morgen starten wollen.

Endlich geht es richtig los!

Nach zwei Wochen verabschieden wir uns von Saal, um nun die Donau zu erkunden. Bis zum prekären Teil der Donau zwischen Straubing und Vilshofen sind es noch 70 Flusskilometer und wir müssen ordentlich Gas geben, um sie am nächsten Tag zu durchqueren. Gas geben? Da haben wir nicht mit der Strömung gerechnet, die schiebt uns nämlich mit bis zu drei Knoten in die richtige Richtung. Abends erreichen wir nach über hundert Kilometern und drei Schleusen Deggendorf, haben die Hälfte der kritischen Strecke schon gemeistert. Wir werfen den Anker vor einem kleinen Campingplatz. Die Nacht wird unruhig, Kreuzfahrtschiffe passieren und lassen INTI ordentlich in der Welle tanzen. So fällt es nicht schwer, ganz früh am nächsten Morgen aufzubrechen.

In Passau sammeln sich die Kreuzfahrtschiffe, ab hier ist es wieder tiefer.

Achtsam navigieren wir INTI durch den unregulierten Teil der Donau weiter in Richtung Vilshofen, stellenweise haben wir gerade mal einen knappen Meter unter dem Kiel. Die Strömung wird, gefüttert durch die einmündende Isar immer stärker, vor Vilshofen luken große Felsen aus dem Fluss. Jetzt heißt es aufpassen und genau im Fahrwasser bleiben. Am Ufer wird geangelt, Radfahrer beradeln den Donauradweg, es wird gebadet, gepicknickt. Die Fahrt auf der Donau macht Spaß und so lassen wir uns weiter von der Strömung schieben. Passau bleibt rechts liegen und kurz danach teilt die Donau Deutschland und Österreich. Linkerhand Deutschland, rechter Hand liegt Österreich. Schlösser, Burgen und Dörfer mit imposanten Kirchen säumen unseren Weg. Wälder, Berge, nur das Brummen des Motors oder die riesigen Kreuzfahrtschiffe stören das Idyll.

Angekommen in Österreich.

In Österreich wird alles entspannter

Schwarze Wolken wabern durch die Berge, jetzt müssen wir uns ein Plätzchen für die Nacht suchen. Eine Marina liegt auf dem Weg. Gerade, als sich die dunklen Wolken verzogen haben, laufen wir ein. Doch von einer geschmeidigen Ankunft kann dann doch nicht die Rede sein: wir stecken schon vor dem ersten Steg im Schlamm fest. Das ist auch kein Wunder, sind doch hier die Marinas für Motorboote mit wenig Tiefgang angelegt worden, wir mit knapp 1,70 Metern eine absolute Ausnahme. Wir machen erstmal am vorgelagerten Tankponton fest und Smutje sucht den Hafenmeister, der uns freundlich zur Hilfe kommt und uns einen Liegeplatz zuweist. Allerdings liegt tatsächlich in der Einfahrt unter Wasser ein Sandhügel, den wir diesmal vorsichtig umfahren. Viele helfende Hände sind da, um uns im Yachthafen Schlögen festzumachen. Jetzt sind wir in Österreich! Als erstes muss dann auch das traditionelle Gericht verspeist werden: Wiener Schnitzel – ein Genuss!

In Österreich sind die Schnitzel besonders knusprig und lecker!

Wir schlafen fest und genießen einfach den nächsten Tag mit Nichtstun. Dann noch einmal hoch durch den Wald, um einen Blick auf die kommende Strecke zu werfen: die Schlögener Schlinge – eine wunderbare Kurve, die sich die Donau bahnt. Zum Abschied stecken wir noch einmal in der Einfahrt fest und verabschieden uns mit einer schwarzen Rußwolke von diesem idyllischen Plätzchen, während uns der Motor mit Vollgas aus dem Schlamm wühlt.

Die Donau windet sich durch die Schlögener Schlinge.

Unser Ziel ist Linz. Hier haben wir im letzten Herbst schonmal an der Donau gestanden, als wir zu einem Vortrag zu Gast waren. Wir schauten auf den Fluss hinunter, der sich mit rasender Strömung fortbewegte. Jetzt ist es tatsächlich dazu gekommen und wir werden per Boot Linz durchqueren. Zwei Verabredungen stehen bereits und wir freuen uns auf diese Stadt. Doch auch hier laufen wir mit einer Gewitterwolke in den Hafen ein. Es schüttet aus Kübeln und der uns zugedachte Liegeplatz ist zu klein. Doch es gibt einen größeren Ponton, an dem wir festmachen können und INTI erstmal Ruhe gönnen. Tags drauf staut sich die Hitze und düstere Gewitterwolken lauern bereits am Himmel. Wir sind mit dem Veranstalter unseres Vortrags, dem Yachtclub Austria, verabredet. Ganz in der Nähe basteln einige Mitglieder am Vereinsboot herum, den Vorsitzenden kennen wir bereits, er empfängt uns herzlich und wir freuen uns sehr, ihn wiederzutreffen.

Im Winterhafen von Linz.

Nun sind wir mit einem Paar verabredet, das wir beim Blauwasser-Seminar auf der boot 2023 kennengelernt haben. Schon einmal mussten wir unser Treffen um ein Jahr verschieben, doch nun steht das date. Tja, nicht ganz, denn ein krasses Gewitter zieht über Linz hinweg und beerdigt den Plan, sich in deren Strandbar zu treffen. Als es trockener wurde, wurde es auch was mit dem Treffen. Gemütlich plauschten wir in unserem Cockpit und wechselten dann die location in ein altes Kloster, in dem die beiden eine Wohnung haben. Gute Gespräche, gutes Essen und gute Weine begleiteten diesen harmonischen Abend. Sightseeing war dann am nächsten Tag angesagt, wir fuhren mit einer Straßenbahn den Pöstlingberg von Linz hinauf, um die Aussicht auf die Stadt zu genießen. Leider waren wir mal wieder umhüllt von schwarzen Regenwolken. Trotz allem sagen wir: Danke Linz, es hat uns gut bei dir gefallen!

Hoch über Linz.

Flussfahrt zwischen Weinbergen, Schlössern und Marillenknödeln

Zum Ausruhen vom Stadtleben geht es nun durch einen ganz besonderen Abschnitt: die Wachau. Sie ist Unesco-Weltkulturerbe und zeichnet sich durch Landschaften mit Weingütern, Burgen und Schlössern aus. Was wir nicht wissen, als wir die letzte Schleuse vor der Wachau passiert haben, ist, dass die Donau hier die stärkste Strömung hat. Kaum aus der Schleuse heraus, wirbelt das Wasser wild auf, kleine Strudel gurgeln um INTI und wir fegen mit einem Tempo von bis zu 13 Knoten voran. Schaut man aufs Ufer, wird einem direkt schwindelig bei dieser Geschwindigkeit. Rundherum geben sich die Burgen und Schlösser die Hand, auch die Anzahl der Donaukreuzer scheint sich verdoppelt zu haben. Wir winken den Gästen der Schiffe zu, werden von unzähligen Smartphones fotografiert oder gefilmt.

Sausefahrt durch die Wachau.

Bei einem Telefonat mit einem kleinen Motorbootyachtclub bekommen wir grünes Licht: er ist frisch ausgebaggert und hat genügend Tiefgang für INTI. Gegen die Strömung lavieren wir uns fast im Krebsgang mit Vollgas in die Einfahrt hinein und werden von einem netten Clubmitglied vertäut und in Empfang genommen. Der Hafen liegt mitten im Gebiet Wachau und der Ort dazu heißt Spitz. Gerade ist Marillen-, also Aprikosenernte, und im Dorf gibt es ein Fest mit der Marillenkönigin und dem Marillenkönig. Wir erklimmen einen Berg zu einer malerischen Burgruine, von der aus wir einen herrlichen Blick über die Donau und die Weinberge erhaschen können, bevor die nächsten Regenwolken aufziehen. Das Fest fällt ins Wasser, wir schlendern ein wenig durch das Dorf mit seinen netten Ständen, doch die Regenschauer machen das Unterfangen etwas ungemütlich.

Die Wachau ist berühmt für ihre schönen Natur und den Wein.

So verabschieden wir uns von dieser schönen Region und machen uns auf in unsere erste Flusshauptstadt, nach Wien. Wir haben uns die einzige Option zum Anlegen ausgesucht, die sehr hochpreisige, aber auch zentral gelegene Wien-Marina. Es soll noch Anlegestege davor geben, doch die sind nicht wirklich erkennbar oder schon belegt. So steuern wir im Abendlicht die Marina an, telefonisch ist keiner mehr erreichbar, also fahren wir erstmal rein und….stecken fest. Wir kommen frei und machen erstmal provisorisch für eine Nacht fest, bis wir dann vom netten Marinapersonal einen besseren Platz zugewiesen bekommen.

Weiter Richtung Wien.

Entspanntes Großstadtleben in Wien

Wir schwingen uns auf die Räder und starten in unsere erste Hauptstadt an der Donau. Wien gefällt uns auf Anhieb. Die Protzbauten der der Habsburg-Monarchie gesellen sich zu verspielten Hunderwasserbauten und alternativer Lebenskultur. Ein bisschen denken wir an unsere Zeit in Berlin, doch in Wien ist alles wesentlich entspannter. In den vielen Parks flanieren und picknicken die Menschen, in den Cafés wird ausgiebig kaffeesiert und am kleinen Donauarm quer durch die Innenstadt herrscht ausgelassenes Treiben in den Strandbars.

Eines der Häuser von Hundertwasser.

Wir beschließen den Tag im berühmten Vergnügungspark Prater. Das legendäre Riesenrad ist uns zu teuer und lahm, uns lockt mehr das hohe Kettenkarussell Praterturm. Und schon geht es 117 Meter in die Höhe, wo wir mit 60 Stundenkilometern hoch über Wien im Kreis gewirbelt werden.

Nervenkitzel über Wien.

Ein neuer Tag, ein neues Gesicht von Wien. An bunten Graffitis und Wandbildern radeln wir den Donaukanal entlang, um dann in einen Außenbezirk abzubiegen. Uns empfängt ein gewaltiger Türkenmarkt, den wir zwischen Gemüse- Fleisch und Imbissständen entlangschlendern. Am anderen Ende treffen wir plötzlich auf die Linzer, mit denen wir uns verabredet haben. Gemeinsam geht’s in den 7. Bezirk. Wir verspüren wieder einen Hauch Berlin. Mode- und andere kreative Läden neben schicken Cafés, in denen junge Hipster allerlei schräge Kaffee- Kuchen- und Limonadensorten genießen. Auch wir gönnen uns einen eisgekühlten Cappuccino, genau das richtige bei der schwülen Hitze, am Himmel lauert schon die nächste Gewitterfront. Der Abend wird in einem traditionellen Heurigen beschlossen, Gaststuben der Weingüter, die nur vorübergehend öffnen und in denen neben den eigenen Weinen auch Speisen angeboten werden. Wir futtern und trinken uns durch die Weine, Käse- und Schinkenspezialitäten. Mit einem ordentlichen Dusel attestieren wir: „In Österreich wird das Leben gut genossen“ und fallen glücklich in unsere Kojen.

Wien lässt sich gut mit dem Fahrrad erkunden.

Unerwarteter Seglertreff mitten auf dem Kontinent

Auf geht’s Richtung nächste Hauptstadt! Zusammen mit den Linzern wollen wir weiter in das nur 60 Flusskilometer entfernte Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei. Erfolgreich meistern wir die letzte Schleuse Österreichs. Jetzt sind es nur noch drei Schleusen bis zum Schwarzen Meer.

Capitana freut sich auf die Slowakei!

Bratislava scheint nicht besonders sportbootfreundlich zu sein, kein Anleger weit und breit und vor den Hafeneinfahrten Schilder mit dem Einfahrverbot für Sportboote. Wir versuchen es etwas außerhalb, in einem Motorboothafen. Diesmal stecken wir wirklich arg fest im Schlick, kein vor und zurück mehr. Verzweifelt fragen wir einen ausfahrenden Motorbootfahrer, ob er uns ziehen kann. Doch der muskelbepackte Kerl mit den zwei aufgepimpten Damen am Bug zuckt nicht mal mir der Schulter und gibt Gas. Also müssen wir improvisieren. Alles schwere vom Deck an eine Seite und die Capitana mit den Linzern hängen sich außen an die Reling und wippen, was das Zeug hält. Smutje gibt derweil Gas und rührt ordentlich das Hafenbecken um. Es sieht aus, als würden wir in Nutella schwimmen, doch siehe da langsam kommt die INTI in Fahrt und wir wieder frei! Etwas hilflos fragen wir an einem weiter außen gelegen Steg eines Jetski Clubs, ob wir festmachen dürfen. Auch hier wieder nur mürrisches Abwinken.

Eine Ufo-Brücke.

Zitterpartien in der Slowakei

Frustration macht sich breit, der Empfang in Bratislava ist alles andere als herzlich. Also nichts wie weg hier, wir haben von einem Yachtclub ungefähr 30 Kilometer weiter gehört, nach einem Anruf wird uns versichert dort sei es auf jeden Fall tief genug für uns, wir sind gespannt. Plötzlich wird die Donau breiter und breiter und tut sich zu einer gewaltigen Auenlandschaft auf. Vogelschwärme ziehen im Abendlicht vorbei und an den Ufern dichte Natur. Rechts neben uns taucht der Yachtclub auf, an dem verschiedene Segelyachten mit stehendem Mast liegen. Eine ist sogar sicher größer als unsere! Beim Näherkommen ruft uns jemand zu, wir mögen bitte „Römisch/Katholisch“ anlegen. Ein echtes Segelmanöver, das wir eigentlich nur aus dem Mittelmeer kennen. Erst wird vorne der Anker geschmissen und dann rückwärts an den Steg gefahren und hinten mit Leinen festgemacht. Das Manöver klappt sofort und INTI kuschelt sich mit ihren Fendern gemütlich an eine schöne alte Ketsch.

Ein Segelclub mitten in der Donau!

Im Restaurant ist grade eine Segelschule aktiv, die vor allem eines übt, Römisch/Katholisch Anlegen mit einer großen Yacht. Der Ausbilder ist selbst schon über den Atlantik gesegelt und wir haben uns sofort einiges zu erzählen. Das Restaurant bekocht uns hervorragend mit einer Art Fischgulasch und anderen Spezialitäten. Abends sitzen wir noch zusammen mit dem jungen Kellner, der während des Sommerjobs auf der alten Ketsch wohnt. Was für ein herzlicher Empfang, wer hätte das erwartet!

Am nächsten Morgen fahren wir über Land zurück nach Bratislava. Die Linzer müssen zurück und wir wollen der Stadt eine zweite Chance geben. Nach einem deftigen Frühstück müssen die Beiden auch schon zum Bahnhof. Wir schlendern einfach los.

Eine der Gassen von Bratislava.

Doch ein Nachgeschmack vom Frühstück bleibt: unsere Kreditkarte wurde vom Lesegerät nicht erkannt. Wir brauchen sowieso etwas Bargeld und versuchen, welches an einem Automaten zu ziehen. Wieder nichts. Was ist denn da los? Wir zweifeln an unserem Verstand und der Geheimnummer. War sie doch falsch? Ohne Bargeld und Karte-sind wir jetzt gefangen in Bratislava? Nach ein paar Stunden und Telefonat mit Mitarbeitern unseres Geldinstituts, die uns erklären, dass es ein Softwareproblem sei, kommt die Erleichterung: wir können Geld abheben und der schwarze Schatten zieht von dannen. Mittlerweile haben wir uns Einiges angeschaut: vom Berg, auf dem die Burg von Bratislava steht, haben wir einen fantastischen Blick auf die Stadt, die viele Gegensätze zeigt. Sozialistische Planbauten neben historischen Gebäuden und auch die Ufo-Plattform, die einen Brückenpfeiler einer Donaubrücke ziert und ein Café beherbergt, können wir von hier aus sehen.

In Bratislava gibt es viel zu entdecken.

Auf zu einem anderen sozialistischen Bau, quer durch die hübsche Altstadt. Eine umgedrehte Pyramide, in der der slowakische Rundfunk sitzt, sorgte für viel gegensätzliche Resonanz. Hübsch oder hässlich? Wir finden sie einfach genial, ein Prachtstück von Architektur. Nun sind wir des Stadtlebens müde und wollen mit dem Bus zurück zur Marina. Mit zweimal Umsteigen und der freundlichen Unterstützung einer älteren Dame kommen wir glücklich auf der INTI an.

Das alte Rundfunkgebäude.

Die verflixte 16. Schleuse

Am nächsten Morgen rufen wir bei der nächsten Schleuse an, denn eine Anmeldung zur Schleusung ist erforderlich. Smutje liest dem Beamten der Schleusenbehörde die abgefragten Details zu unserem Boot aus den Bootspapieren vor. Verdutzt schaut Smutje auf: unsere Motorleistung scheint zu gering zu sein, um in die Schleuse zu gehen, sind wir jetzt nach 15 gemeisterten Schleusen gefangen in der Slowakei? Sowas ist uns noch nie passiert. Er läuft los, um sich mit den freundlichen Marina Mitarbeitern auszutauschen. Derweil klingelt sein Telefon, eine slowakische Nummer wird angezeigt. Capitana hebt ab und es ist der Schleusenwärter. Er fragt, ob wir noch eine andere Telefonnummer haben. Capitana setzt an, um sie ihm mitzuteilen, doch er winkt ab. Wir sollen doch bitte „on your own risk“ in zehn Minuten von dieser Nummer nochmal anrufen und eine andere, sprich die erforderliche, Motorleistung angeben.

Die Marina Mitarbeiter sind derweil sehr bemüht und rufen ihren Chef an, der erzählt, dass sogar ein Gast der Marina mit einem Wasserfahrrad in die Schleuse gegangen ist und das kein Problem war. Nach einer halben Stunde wählt Capitana die Nummer der Schleuse, gibt die erforderliche Leistung an und alles passt. Was für ein Aufstand! INTI gleitet durch den langen Schleusenkanal und direkt hinter einem Binnenschiff in die riesige Schleuse, die INTI zwanzig Meter zu Tal schleust.

Diese Schleuse ist gewaltig groß.

Dieser Schritt ist gemeistert, 16 Schleusen liegen hinter uns, die nächsten und letzten beiden erwarten uns in Serbien und Rumänien. Jetzt geht es weiter nach Ungarn und wir sind gespannt, was das Land für uns bereithält und freuen uns drauf.

Wir sind gespannt auf Ungarn!

Wollt ihr unser nächstes Abenteuer unterstützen?

Wir freuen uns über Tipps oder eine kleine Spende.

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The post Schleusen, Schlick und Schauer – Wir sind endlich unterwegs appeared first on Radio Pelicano Segelyacht INTI.

Hop in-hop out-hop in

Kleine Schritte zum großen Abenteuer

Bis zum Tag vor der Abreise aus Bremen sind wir mit Jobs beschäftigt, kaum ein Innehalten zum Ausleben der Vorfreude. Doch in kleinen Momenten sehen wir unsere neue INTI vor uns, die vielen spannenden Orte an der Donau, das Delta, Istanbul. Istanbul wollten wir schon immer bereisen, jetzt liegt es auf der Route und wartet auf uns.

Täglich erreichen uns Päckchen mit Zubehör, die Gebrauchtbörsen werden regelmäßig mehrmals abgerufen auf der Suche nach Teilen fürs Boot. Nicht nur die Technik, auch die Ausstattung müssen wir bedenken, wir wollen schließlich auf dem Boot leben. Die Spannung steigt, auch, weil der Bodensee dieses Jahr einen sehr niedrigen Pegelstand hat. Doch wir müssen in den See, denn der Sattelschlepper kann INTI nicht von der Werft wegtransportieren, da der Weg dorthin zu schmal und kurvig ist. Wir wären also gefangen auf dem Trockenplatz, an Land aufgebockt. Bangen und Hoffen auf die Schneeschmelze in den Alpen und natürlich auf Regen. Mitte Juni beladen wir unseren Campervan mit vielen Geschenken für die neue INTI.

So beladen war der Bus noch nie!
So beladen war der Bus noch nie!

INTI-wach auf!

Er ächzt unter der Last, bringt uns aber gutmütig an den Bodensee, wo wir unsere Ankunft wie immer bei Spätzle und Wildgulasch im Wirtshaus feiern.  Nach einem tiefen Schlaf in unserer gemütlichen Ferienwohnung wecken wir INTI aus ihrem Winterschlaf. Wir befreien sie aus ihrer Decke, von Spinnweben und grünem Belag.

INTI hat jetzt lang genug geschlafen.

Nun geht es darum, sie „seetüchtig“ zu machen, bodenseetüchtig, um sie in den anderen Hafen zu bringen. Tag für Tag bessern wir aus, verbessern und es kommt auch vor, dass wir etwas verschlimmbessern. Bei einem Motortest stellen wir fest, dass die Lichtmaschine nicht mehr funktioniert. Wir bestellen eine neue, über den See werden wir auch ohne kommen und die Neue später einbauen.

Sommeridyll

Gerädert verlassen wir abends die Werft, mittlerweile steigen tagsüber die Temperaturen an die 30° Grad, die abendliche Dusche lockt, doch erstmal müssen wir eine knappe halbe Stunde mit dem Auto fahren. Diese Fahrt ist eine Erholung für den Geist und lässt langsam abschalten. Saftige Wiesen, Hopfen, der an langen Stangen emporrankt, pralle Johannisbeersträucher.

Satte Farben, wohin das Auge schaut!

Wir passieren Wiesen mit Tieren, die uns völlig unbekannt sind. Allen ist gemein, dass sie aussehen, als hätte man sie kopfüber genau bis zur Hälfte in einen Farbtopf gesteckt. Sie sind vorne braun und hinten weiß und tragen lange Hörner und sehen irgendwie aus wie Ziegen. Die Recherche sagt, es seien Walliser Schwarzhalsziegen. Bunte Blumenwiesen, Felder mit Artischocken zum Selberschneiden und kleine Hofläden säumen unseren Heimweg.

Artischocken soweit das Auge reicht.

Das Kind hat einen Namen

Eines Tages, wir schaffen es gerade noch, ihr den neuen Namen aufzukleben, ist es soweit. INTI wird aus ihrem langen Dornröschenschlaf befreit.

Natürlich heißt das Boot wieder INTI.

Sie bewegt sich!

Der Traktor nähert sich knatternd und auf einmal bewegt INTI sich von ihrem heimeligen Platz davon, Richtung Wasser. Der Mast, der ebenfalls Winterschlaf auf einem Gestell hielt, ist soweit vorbereitet, die neuen Wanten und Stagen sind daran befestigt, um auszuprobieren, ob sie die richtige Länge haben. Dann soll er auf einem, von Smutje eigens angefertigtem Gestell ruhen.

Die Zeit in Seemoos nähert sich dem Ende.

Es wird spannend. Wilde Böen zischen über den See, weiße Schaumkronen zieren die kleinen Wellen. INTI kommt zum Stehen. Der Mastkran hebt den Mast an. Der Mast schwankt wie ein Grashalm im Wind. Doch dank der Professionalität der Hafenmeister steckt er bald in seinem Fuß. Der Himmel verdunkelt sich, ein Regenschauer prasselt auf uns hernieder, während wir das Rigg einrichten. Es passt alles.

Ein Squall tauft die INTI.

Der Mast wird in die Legevorrichtung eingepasst und liegt ruhig darin. Nun soll INTI auf Schienen weiter gen Wasser geschoben werden. Doch die dicken Stahlseile wollen nicht. Sie scheinen blockiert zu sein. Wilde Betriebsamkeit bricht aus. Bodenbleche werden geöffnet und offenbaren die Technik der über 100 Jahre alten Konstruktion. Dicke Umlenkrollen, leicht verrostet, kommen zum Vorschein. Mit Ruhe und Bedacht wird eine Lösung gefunden und nach einer Stunde funktioniert die Anlage wieder. INTI wird ein Stück Richtung Wasser bewegt, wir wollen sie jetzt noch einmal überprüfen, bevor sie am nächsten Morgen endgültig schwimmen wird.

Bereit für den See!

Test (fast) bestanden!

Und dann geht auch alles ganz schnell. Ohne Zeit für Nervosität oder Aufregung fahren wir ins Wasser, andere Bootseigner warten schon darauf, auf die „Eisenbahn“ zu kommen. Als INTI endlich schwimmt, spritzt kein Wasser durch die neuen Ventile hinein, der Motor schnurrt freundlich und wir gleiten hinein in den Bodensee. Es ist acht Uhr morgens, der See erwacht langsam, Kormorane fliegen in Schwärmen an uns vorbei, noch keine weißen Segel zieren die Ufer. Wir gleiten über den See.

Smutje weicht nicht aus dem Motorraum, um zu überprüfen, ob er auch so läuft, wie er soll. Oh nein! Auf einmal spritzt das Kühlwasser von irgendwoher wie wild durch den Motorraum, doch nach einer Weile hört es auf. Was war denn da los? Das werden wir im Auge behalten. Doch erstmal legen wir am Gästesteg in Kressbronn an und bereiten INTI auf ihren Transport in die Donau vor. Der supernette LKW-Fahrer ist auch schon einen Tag vorher da, wir haben ein gutes Gefühl.

Jetzt ist sie endgültig aus dem Bodensee befreit!

Fitzcaraldo

Am nächsten Morgen wird INTI dann wieder aus dem Bodensee gekrant und professionell auf dem Laster verzurrt. Mittlerweile ist auch der Fahrer des Begleitwagens eingetroffen. Er fährt mit seinem blinkenden Fahrzeug hinter dem LKW her. Den größten Teil der Strecke fahren wir hinter dem LKW her, beobachten, wie INTI über Wiesen und Hügel fährt, unter Brücken hindurch und sich durch Tunnel zwängt. Nach einem kurzen Frühstücksstopp an einer Raststätte haben wir den Transporter verloren.

Boat on the Road.

INTI wartet schon in der Marina Kelheim an der Donau auf uns. Nun beginnt ein hektisches Treiben. Man mutmaßt, dass INTIs Tiefgang zu groß ist und wir nicht gekrant werden können, da der Pegelstand der Donau gerade sinkt. Betretene Gesichter bei allen Beteiligten. Was nun? Eine lange Stange wird ins Wasser gehalten und der Wasserstand abgelesen. Müsste passen. INTI wird in die Schlaufen des Krans gehängt und nähert sich dem Wasser, Capitana muss an Land bleiben, zuviel Ballast.

Die Donau hat Niedrigwasser…

Doch INTI schwimmt. Sie bleibt auch auf dem Weg zum Liegeplatz nicht stecken. Nun liegen wir in einer Motorboot-Marina, als einziges Segelboot. Nicht viele unternehmen diese Reise, geschweige denn, mit einem Segelboot.

Waschtag in der Marina.

Nachdem wir die neue Lichtmaschine eingebaut haben, starten wir den Motor. Doch wieder spritzt und tropft das Kühlwasser herum, glücklicherweise macht zumindest die Lichtmaschine, was sie soll. Jetzt wird es langsam nervig. Was ist denn da los? Die Kühlwasserpumpe wird ausgebaut und es zeigt sich, dass eine Dichtung nicht mehr intakt ist. In einem Kfz-Zubehörladen besorgt Smutje einen Dichtungsbogen, aus dem man sie sich individuell ausschneiden kann. Zusammen mit einer speziellen Dichtmasse setzt er sie in die sorgfältig geputzte Pumpe. Einbauen, Motor starten, Hoffen und Bangen. Es ist eine 50/50 Chance. Tja, wir haben die blöden 50% erwischt, die Arbeit hat sich nicht gelohnt. Es ist der innere Dichtring und an den kommen wir nur mit Spezialwerkzeug.

So sieht INTIs Kühlwasserpumpe aus.

Wir beschließen, uns Hilfe von außen zu holen und Smutje bringt die gesamte Pumpe in die nette Werkstatt von Fleiß Yachtzubehör in Feucht. Nun hoffen wir sehr, dass dort das Problem behoben wird. Da die Reparatur eine Weile dauert, widmen wir uns den anderen Arbeiten, fahren endlich runter, schlafen richtig gut und fangen an, uns zu entspannen.

Ein Hauch von Südsee im bayrischen Biergarten.

Wollt ihr unser nächstes Abenteuer unterstützen?

Wir freuen uns über Tipps oder eine kleine Spende.

Trefft uns bei unseren Vorträgen!

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Hop in-hop out-hop in

Kleine Schritte zum großen Abenteuer

Bis zum Tag vor der Abreise aus Bremen sind wir mit Jobs beschäftigt, kaum ein Innehalten zum Ausleben der Vorfreude. Doch in kleinen Momenten sehen wir unsere neue INTI vor uns, die vielen spannenden Orte an der Donau, das Delta, Istanbul. Istanbul wollten wir schon immer bereisen, jetzt liegt es auf der Route und wartet auf uns.

Täglich erreichen uns Päckchen mit Zubehör, die Gebrauchtbörsen werden regelmäßig mehrmals abgerufen auf der Suche nach Teilen fürs Boot. Nicht nur die Technik, auch die Ausstattung müssen wir bedenken, wir wollen schließlich auf dem Boot leben. Die Spannung steigt, auch, weil der Bodensee dieses Jahr einen sehr niedrigen Pegelstand hat. Doch wir müssen in den See, denn der Sattelschlepper kann INTI nicht von der Werft wegtransportieren, da der Weg dorthin zu schmal und kurvig ist. Wir wären also gefangen auf dem Trockenplatz, an Land aufgebockt. Bangen und Hoffen auf die Schneeschmelze in den Alpen und natürlich auf Regen. Mitte Juni beladen wir unseren Campervan mit vielen Geschenken für die neue INTI.

So beladen war der Bus noch nie!
So beladen war der Bus noch nie!

INTI-wach auf!

Er ächzt unter der Last, bringt uns aber gutmütig an den Bodensee, wo wir unsere Ankunft wie immer bei Spätzle und Wildgulasch im Wirtshaus feiern.  Nach einem tiefen Schlaf in unserer gemütlichen Ferienwohnung wecken wir INTI aus ihrem Winterschlaf. Wir befreien sie aus ihrer Decke, von Spinnweben und grünem Belag.

INTI hat jetzt lang genug geschlafen.

Nun geht es darum, sie „seetüchtig“ zu machen, bodenseetüchtig, um sie in den anderen Hafen zu bringen. Tag für Tag bessern wir aus, verbessern und es kommt auch vor, dass wir etwas verschlimmbessern. Bei einem Motortest stellen wir fest, dass die Lichtmaschine nicht mehr funktioniert. Wir bestellen eine neue, über den See werden wir auch ohne kommen und die Neue später einbauen.

Sommeridyll

Gerädert verlassen wir abends die Werft, mittlerweile steigen tagsüber die Temperaturen an die 30° Grad, die abendliche Dusche lockt, doch erstmal müssen wir eine knappe halbe Stunde mit dem Auto fahren. Diese Fahrt ist eine Erholung für den Geist und lässt langsam abschalten. Saftige Wiesen, Hopfen, der an langen Stangen emporrankt, pralle Johannisbeersträucher.

Satte Farben, wohin das Auge schaut!

Wir passieren Wiesen mit Tieren, die uns völlig unbekannt sind. Allen ist gemein, dass sie aussehen, als hätte man sie kopfüber genau bis zur Hälfte in einen Farbtopf gesteckt. Sie sind vorne braun und hinten weiß und tragen lange Hörner und sehen irgendwie aus wie Ziegen. Die Recherche sagt, es seien Walliser Schwarzhalsziegen. Bunte Blumenwiesen, Felder mit Artischocken zum Selberschneiden und kleine Hofläden säumen unseren Heimweg.

Artischocken soweit das Auge reicht.

Das Kind hat einen Namen

Eines Tages, wir schaffen es gerade noch, ihr den neuen Namen aufzukleben, ist es soweit. INTI wird aus ihrem langen Dornröschenschlaf befreit.

Natürlich heißt das Boot wieder INTI.

Sie bewegt sich!

Der Traktor nähert sich knatternd und auf einmal bewegt INTI sich von ihrem heimeligen Platz davon, Richtung Wasser. Der Mast, der ebenfalls Winterschlaf auf einem Gestell hielt, ist soweit vorbereitet, die neuen Wanten und Stagen sind daran befestigt, um auszuprobieren, ob sie die richtige Länge haben. Dann soll er auf einem, von Smutje eigens angefertigtem Gestell ruhen.

Die Zeit in Seemoos nähert sich dem Ende.

Es wird spannend. Wilde Böen zischen über den See, weiße Schaumkronen zieren die kleinen Wellen. INTI kommt zum Stehen. Der Mastkran hebt den Mast an. Der Mast schwankt wie ein Grashalm im Wind. Doch dank der Professionalität der Hafenmeister steckt er bald in seinem Fuß. Der Himmel verdunkelt sich, ein Regenschauer prasselt auf uns hernieder, während wir das Rigg einrichten. Es passt alles.

Ein Squall tauft die INTI.

Der Mast wird in die Legevorrichtung eingepasst und liegt ruhig darin. Nun soll INTI auf Schienen weiter gen Wasser geschoben werden. Doch die dicken Stahlseile wollen nicht. Sie scheinen blockiert zu sein. Wilde Betriebsamkeit bricht aus. Bodenbleche werden geöffnet und offenbaren die Technik der über 100 Jahre alten Konstruktion. Dicke Umlenkrollen, leicht verrostet, kommen zum Vorschein. Mit Ruhe und Bedacht wird eine Lösung gefunden und nach einer Stunde funktioniert die Anlage wieder. INTI wird ein Stück Richtung Wasser bewegt, wir wollen sie jetzt noch einmal überprüfen, bevor sie am nächsten Morgen endgültig schwimmen wird.

Bereit für den See!

Test (fast) bestanden!

Und dann geht auch alles ganz schnell. Ohne Zeit für Nervosität oder Aufregung fahren wir ins Wasser, andere Bootseigner warten schon darauf, auf die „Eisenbahn“ zu kommen. Als INTI endlich schwimmt, spritzt kein Wasser durch die neuen Ventile hinein, der Motor schnurrt freundlich und wir gleiten hinein in den Bodensee. Es ist acht Uhr morgens, der See erwacht langsam, Kormorane fliegen in Schwärmen an uns vorbei, noch keine weißen Segel zieren die Ufer. Wir gleiten über den See.

Smutje weicht nicht aus dem Motorraum, um zu überprüfen, ob er auch so läuft, wie er soll. Oh nein! Auf einmal spritzt das Kühlwasser von irgendwoher wie wild durch den Motorraum, doch nach einer Weile hört es auf. Was war denn da los? Das werden wir im Auge behalten. Doch erstmal legen wir am Gästesteg in Kressbronn an und bereiten INTI auf ihren Transport in die Donau vor. Der supernette LKW-Fahrer ist auch schon einen Tag vorher da, wir haben ein gutes Gefühl.

Jetzt ist sie endgültig aus dem Bodensee befreit!

Fitzcaraldo

Am nächsten Morgen wird INTI dann wieder aus dem Bodensee gekrant und professionell auf dem Laster verzurrt. Mittlerweile ist auch der Fahrer des Begleitwagens eingetroffen. Er fährt mit seinem blinkenden Fahrzeug hinter dem LKW her. Den größten Teil der Strecke fahren wir hinter dem LKW her, beobachten, wie INTI über Wiesen und Hügel fährt, unter Brücken hindurch und sich durch Tunnel zwängt. Nach einem kurzen Frühstücksstopp an einer Raststätte haben wir den Transporter verloren.

Boat on the Road.

INTI wartet schon in der Marina Kelheim an der Donau auf uns. Nun beginnt ein hektisches Treiben. Man mutmaßt, dass INTIs Tiefgang zu groß ist und wir nicht gekrant werden können, da der Pegelstand der Donau gerade sinkt. Betretene Gesichter bei allen Beteiligten. Was nun? Eine lange Stange wird ins Wasser gehalten und der Wasserstand abgelesen. Müsste passen. INTI wird in die Schlaufen des Krans gehängt und nähert sich dem Wasser, Capitana muss an Land bleiben, zuviel Ballast.

Die Donau hat Niedrigwasser…

Doch INTI schwimmt. Sie bleibt auch auf dem Weg zum Liegeplatz nicht stecken. Nun liegen wir in einer Motorboot-Marina, als einziges Segelboot. Nicht viele unternehmen diese Reise, geschweige denn, mit einem Segelboot.

Waschtag in der Marina.

Nachdem wir die neue Lichtmaschine eingebaut haben, starten wir den Motor. Doch wieder spritzt und tropft das Kühlwasser herum, glücklicherweise macht zumindest die Lichtmaschine, was sie soll. Jetzt wird es langsam nervig. Was ist denn da los? Die Kühlwasserpumpe wird ausgebaut und es zeigt sich, dass eine Dichtung nicht mehr intakt ist. In einem Kfz-Zubehörladen besorgt Smutje einen Dichtungsbogen, aus dem man sie sich individuell ausschneiden kann. Zusammen mit einer speziellen Dichtmasse setzt er sie in die sorgfältig geputzte Pumpe. Einbauen, Motor starten, Hoffen und Bangen. Es ist eine 50/50 Chance. Tja, wir haben die blöden 50% erwischt, die Arbeit hat sich nicht gelohnt. Es ist der innere Dichtring und an den kommen wir nur mit Spezialwerkzeug.

So sieht INTIs Kühlwasserpumpe aus.

Wir beschließen, uns Hilfe von außen zu holen und Smutje bringt die gesamte Pumpe in die nette Werkstatt von Fleiß Yachtzubehör in Feucht. Nun hoffen wir sehr, dass dort das Problem behoben wird. Da die Reparatur eine Weile dauert, widmen wir uns den anderen Arbeiten, fahren endlich runter, schlafen richtig gut und fangen an, uns zu entspannen.

Ein Hauch von Südsee im bayrischen Biergarten.

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Wir freuen uns über Tipps oder eine kleine Spende.

Trefft uns bei unseren Vorträgen!

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Auf dem Weg zu neuen Abenteuern!

Die vierzig Jahre alte Dame braucht Liebe!

Eine neue Reise steht bevor und Capitana und Smutje basteln an ihrem neuen alten Boot herum! Nach gründlicher Inspektion der 40-jährigen Dufour 4800 stellen wir fest, dass Einiges darauf zu tun ist und wir auch einiges verändern wollen.

Voller Tatendrang! Werkzeug und Ersatzteile werden in den Bus geladen.

Und dann ging es ans Werk: das alte Antifouling wurde mühsam heruntergeschliffen

der Motor komplett überholt

die Bordelektrik erneuert

und der bisher nicht benutzte Kühlschrank in Gang gesetzt. Eine elektrische Ankerwinsch haben wir geschenkt bekommen, die auch wieder flottgemacht wird. Anker und Kette liegen bereit und auch neue Wanten. Täglich kommen kleine oder größere Pakete mit kleinen oder größeren Teilen bei uns an, die verbaut werden müssen. Das neue Antifouling muss gestrichen werden, der neue Name angebracht und der Rumpf poliert werden. Und und und.

Aber das alles muss sein, denn wir haben unser neues Projekt schon geplant. Wir wurden ja schon vor der ersten Reise davor gewarnt, uns nicht zu verbasteln, sondern uns einen Termin zu setzen. Einen Rückzieher haben wir bereits gemacht und die Reise tatsächlich um ein Jahr verschoben.

Auf das Wesentliche konzentrieren ist die Devise 🙂

Aber nun steigt der Druck und die Aufregung umso mehr. Neulich bastelten wir bei Minusgraden an unserem Boot herum, glücklicherweise hatten wir uns vorher einen Heizlüfter besorgt. Während Smutje die Elektrik zurechtfummelt, Capitana ab und zu Schrumpfschläuche mit dem Heißluftfön in Form bringt, wird auch noch ein neues Buch geschrieben! Lasst euch überraschen.

Über die Donau, das Schwarze Meer und den Bosporus ins Mittelmeer nach Griechenland

INTI soll mit einem Sattelschlepper vom Bodensee nach Kelheim gebracht werden und wird dort in die Donau gekrant.

Hier werden wir in die Donau hineinfahren.

Dann wollen wir die Donau mit seiner bezaubernden Landschaft und den vielversprechenden Städten Wien, Bratislava, Budapest und Belgrad hinunter ins Schwarze Meer motoren. Auf diesem Weg wohnen auch viele neugewonnene Freunde in den verschiedenen Ländern, die wir mit großer Freude besuchen werden.  In Rumänien wollen wir den Mast stellen, um dann durch den Bosporus vorbei an Istanbul nach Griechenland zu segeln.

Die neuen Wanten und Stagen sind in Arbeit

Refit mit Alpenblick

Wir sind aufgeregt und nutzen jeden Vortrag, der unterhalb der Weißwurstgrenze liegt, um an den schönen Bodensee zu fahren, wo die neue INTI an Land steht und auf Liebe wartet. Denn das ist von Bremen aus ganz schön weit. Längst sind wir dort heimisch geworden, kennen viele Clubmitglieder und genießen jedes Mal den schönen Blick auf die Alpen. Im letzten Sommer entspannten wir unsere Muskeln und Knochen täglich nach den Arbeiten mit einem erfrischendes Bad im Bodensee.

Belohnung nach der Arbeit: ein Bad im frischen Bodensee.

Die Landschaft am Bodensee fasziniert uns ein ums andere Mal. Wenn wir von unserer kleinen Ferienwohnung zum Boot fahren, passieren wir im Frühling blühende Apfelbäume, die im Sommer reichlich mit roten Äpfeln bestückt sind, der Hopfen blüht und wird geerntet, auf den Wiesen grasen Kühe und Pferde. Hofläden begeistern uns und wir besorgen uns leckeres Brot aus dem Steinofen oder beim Landschlachter selbstgemachte gut gewürzte Würste.

Jetzt nähert sich der Frühling. Es gibt noch viel zu tun, aber wir sind zuversichtlich, im Sommer starten zu können.

Wollt ihr unser nächstes Abenteuer unterstützen?

Der neuen INTI fehlt noch ein Dinghi und Außenborder, eine Sprayhood mit Gestänge und das eine oder andere Navigationsgerät. Wir freuen uns über Gebrauchtangebote, Tipps oder eine kleine Spende.

Möchtet ihr auch ein signiertes Buch von uns?

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Mit der Yacht auf dem Jacobsweg – Eine Pilgerreise durch Galicien

Pilgern auf einem Segelboot?

„Oh Nein, mein Pilgerpass ist ins Wasser geflogen!“ Smutje steht fassungslos im Cockpit, der starke Wind ließ sein wichtiges Dokument einfach so davonflattern. Pilgerreise? Wasser? Das fragt sich jetzt sicher der ein oder andere. Ja, die Crew der INTI ist nach Galizien gereist, um den Jakobsweg auf einem Segelboot zu beschreiten. Populärer wurde der Jakobsweg in Deutschland durch Hape Kerkeling, der seine Erfahrungen in einem, mittlerweile zum Bestseller avancierten Buch beschrieben hat. Doch dass das auch über den Wasserweg möglich ist, war uns neu. Aufgeregt steigen wir in Deutschland in den Flieger, der uns in Vigo wieder aussetzt. Wir nächtigen im 17. Stock eines wunderschönen Hotels mit direktem Blick auf den Hafen.

Vom Hotel haben wir einen schönen Blick auf die Marina.

Die Pilgerreise beginnt

Am nächsten Morgen steigt die Spannung, wir treffen die Gruppe, mit der wir auf eine fünftägige Pressereise gehen werden. Eine interessante Crew findet sich zusammen, ein Herr aus Großbritannien, der die Imray-Karten für die Biskaya erstellt hat, ein jüngerer Mann, der Marina-Apps betreut und einer aus Mallorca, der Marinas beim Aufbau betreut. So fangen wir an uns zu beschnuppern, doch dafür bleibt kaum Zeit, wir werden mit dem Segelboot, auf welchem wir die nächsten Tage verbringen werden, vertraut gemacht und lernen die sympathische Charteragentur „Sailway“ kennen, die diese Tour anbietet.

Auf diesem Boot werden wir segelnd pilgern.

Wir reisen auch durch die Yachtclubs

Und schon finden wir uns in einem gediegenen Yachtclub wieder, lernen dessen Präsidenten kennen und werden mit einem opulenten Mittagsmahl verwöhnt. Die Galizier verstehen was vom Essen! Wir schwelgen zwischen unzähligen Vorspeisen, abgerundet mit einem stimmigen Wein, bevor wir überhaupt erst zur Hauptmahlzeit übergehen. Dazwischen viel Gelächter und Scherze.

Krustentiere und Fisch sind die Spezialitäten Galiciens.

Endlich wieder auf einem Segelboot übernachten!

Zurück auf dem Boot fühlen wir uns angekommen, denn wir werden hier übernachten. Unsere Bootsroutine ist nun einige Zeit her, doch wir fühlen uns sofort wieder heimisch! Es geht wieder raus aufs Meer, juhuuuu! Der so berüchtigte graue, nebelverhangene galizische Himmel zeigt sein schönstes Blau, es weht eine leichte Brise.

Smutje ist glücklich am Ruder!

Wir segeln in den Hafen von Baiona, wo unsere Pilgerreise startet. Aus dem milden Morgenlicht erhebt sich die imposante „Fortalezza de Monterreal“. Nach dem Anlegen machen wir mit dem Präsidenten des ansässigen Yachtclubs einen kleinen Spaziergang um die, nun als Hotel genutzte Festung. Beeindruckend dicke Mauern trotzten einst den Eindringlingen von See. Doch der Schein trügt, vom Fort stehen nur noch die Befestigungen, der Rest wurde auf die Ruinen gebaut. Und nun naht der entscheidende Augenblick!

Unser erster Stopp ist Baiona, direkt unter dieser Festung.

Der Pilgerpass wird abgestempelt

Wir bekommen den ersten Stempel in unseren Pilgerpass auf dem Weg nach Santiago de Compostela! Die Aufregung verfliegt schnell, denn es geht wieder an Bord, der Zeitplan ist dicht und wir müssen uns den nächsten Stempel in einer weiteren Marina abholen.

Der erste Stempel wird in unseren Pilgerpass gedrückt.

In Bouzas werden wir wieder von einem Komitee der Marina empfangen, werden durch die Räume des Yachtclubs geführt und bekommen unseren Stempel. Abgerundet wird der Tag von einem weiteren opulenten Mahl nach galizischer Manier.

Abends gibt es wieder eine Köstlichkeit nach der anderen.

Die Natur Galiziens ist traumhaft

Unsere erste Nacht an Bord fühlt sich gut an, mit Kaffee und Frühstück gestärkt segeln wir zur malerischen Insel Cies, der Archipel besteht aus drei unbewohnten Felsinseln mit weißen Sandstränden und klarem Wasser, was hier allerdings sehr kalt ist, es hat etwa 18 Grad!

Das Meer vor Cies leuchtet in verschiedenen Blautönen.

Dennoch, nach unserem Mittag an Bord vor Anker lassen wir es uns nicht nehmen, ein Bad in den erfrischenden Fluten zu nehmen! Endlich, nach einem Jahr, wieder im Meer baden! Der Tag klingt, wie könnte es anders sein, wieder mit einem fürstlichen Abendessen in der Marina von Portonovo aus.

Ein Badestopp war auch dabei. Für Hartgesottene!

Das Wetter ist launisch

Um den Nachweis über die gepilgerte Strecke zu erbringen, muss ein Minimum von 90 Seemeilen gesegelt werden, sieben Kilometer auf dem Jakobsweg gelaufen werden und eine bestimmte Anzahl an Stempeln in den Marinas abgeholt werden. Also weiter nach Sanxenxo, Vilanova und Ribeira. Der Himmel ist mittlerweile grauverhangen, so echtes Bremer, äh, nein-galizisches Wetter. Während in Deutschland die 30 Grad-Marke geknackt wird, ziehen wir uns immer wärmer und regenfest an. Im Sprühregennebel können wir die Insel Ons ausmachen, magisch und verwunschen liegt diese felsige Insel vor uns, Vögel kreischen, eine  vorbeifahrende Fähre können wir nur am Motorengeräusch erahnen, sonst ist sie komplett im Nebel verschluckt.

Die galizische Küste ist für ihr launisches Wetter berühmt.

Ein rauer Törn nach Santiago de Compostela

Der vierte und letzte Tag auf See wird rau, doch wir müssen die letzte Etappe nach Portosin absolvieren. Der ein oder andere füttert die Fische, das Boot stampft durch die Wellen, Sandbänke und tückische Felsen müssen umschifft werden, es regnet in Strömen und um uns herum eine kabbelige See. Doch schlussendlich erreichen wir den Hafen von Portosin. Hier werden Erinnerungen wach, 2013 lagen wir mit INTI hier, genossen endlich die spanische Lebensfreude und waren froh, die Biskaya gemeistert zu haben.

Hier lagen wir auch mit der INTI und mussten abwettern.

Wir haben die Pilgerreise gemeistert!

So, einen Stempel noch, ein paar obligatorische Gruppenfotos und ab nach Compostela. Auf dem Weg dahin bekommen wir in einer freundlichen kleinen Pilgerstation einen Wanderstock mit Jakobsmuschel dekoriert, einen Hut haben wir bereits bekommen, ein Schluck traditionellen Feuerwassers rinnt durch unsere Kehlen und ein kleines Küchlein zur Stärkung wird gereicht.

Die Pilgerreise endet in Santiago de Compostela.

In Santiago de Compostela bleibt der Trubel, an den wir uns noch erinnern, aus, ein paar wenige Pilger stehen vor dem Büro, welches die Compostelana ausstellt. Ein in Latein verfasstes Dokument besiegelt unsere Pilgerreise. Eine abwechslungsreiche Tour nähert sich dem Ende. Wir können diese Reise nur empfehlen, ein Mix aus Entspannung an Bord mit eindrucksvoller Kulisse, gepaart mit dem Einblick in verschiedene Marinas und dem abschließenden Besuch von Santiago de Compostela.

Nun sind wir zertifizierte Pilger.

Mit dem Charterunternehmen Sailway könnt auch ihr mit der Yacht auf dem Jacobsweg pilgern

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Mit der Yacht auf dem Jacobsweg – Eine Pilgerreise durch Galicien

Pilgern auf einem Segelboot?

„Oh Nein, mein Pilgerpass ist ins Wasser geflogen!“ Smutje steht fassungslos im Cockpit, der starke Wind ließ sein wichtiges Dokument einfach so davonflattern. Pilgerreise? Wasser? Das fragt sich jetzt sicher der ein oder andere. Ja, die Crew der INTI ist nach Galizien gereist, um den Jakobsweg auf einem Segelboot zu beschreiten. Populärer wurde der Jakobsweg in Deutschland durch Hape Kerkeling, der seine Erfahrungen in einem, mittlerweile zum Bestseller avancierten Buch beschrieben hat. Doch dass das auch über den Wasserweg möglich ist, war uns neu. Aufgeregt steigen wir in Deutschland in den Flieger, der uns in Vigo wieder aussetzt. Wir nächtigen im 17. Stock eines wunderschönen Hotels mit direktem Blick auf den Hafen.

Vom Hotel haben wir einen schönen Blick auf die Marina.

Die Pilgerreise beginnt

Am nächsten Morgen steigt die Spannung, wir treffen die Gruppe, mit der wir auf eine fünftägige Pressereise gehen werden. Eine interessante Crew findet sich zusammen, ein Herr aus Großbritannien, der die Imray-Karten für die Biskaya erstellt hat, ein jüngerer Mann, der Marina-Apps betreut und einer aus Mallorca, der Marinas beim Aufbau betreut. So fangen wir an uns zu beschnuppern, doch dafür bleibt kaum Zeit, wir werden mit dem Segelboot, auf welchem wir die nächsten Tage verbringen werden, vertraut gemacht und lernen die sympathische Charteragentur „Sailway“ kennen, die diese Tour anbietet.

Auf diesem Boot werden wir segelnd pilgern.

Wir reisen auch durch die Yachtclubs

Und schon finden wir uns in einem gediegenen Yachtclub wieder, lernen dessen Präsidenten kennen und werden mit einem opulenten Mittagsmahl verwöhnt. Die Galizier verstehen was vom Essen! Wir schwelgen zwischen unzähligen Vorspeisen, abgerundet mit einem stimmigen Wein, bevor wir überhaupt erst zur Hauptmahlzeit übergehen. Dazwischen viel Gelächter und Scherze.

Krustentiere und Fisch sind die Spezialitäten Galiciens.

Endlich wieder auf einem Segelboot übernachten!

Zurück auf dem Boot fühlen wir uns angekommen, denn wir werden hier übernachten. Unsere Bootsroutine ist nun einige Zeit her, doch wir fühlen uns sofort wieder heimisch! Es geht wieder raus aufs Meer, juhuuuu! Der so berüchtigte graue, nebelverhangene galizische Himmel zeigt sein schönstes Blau, es weht eine leichte Brise.

Smutje ist glücklich am Ruder!

Wir segeln in den Hafen von Baiona, wo unsere Pilgerreise startet. Aus dem milden Morgenlicht erhebt sich die imposante „Fortalezza de Monterreal“. Nach dem Anlegen machen wir mit dem Präsidenten des ansässigen Yachtclubs einen kleinen Spaziergang um die, nun als Hotel genutzte Festung. Beeindruckend dicke Mauern trotzten einst den Eindringlingen von See. Doch der Schein trügt, vom Fort stehen nur noch die Befestigungen, der Rest wurde auf die Ruinen gebaut. Und nun naht der entscheidende Augenblick!

Unser erster Stopp ist Baiona, direkt unter dieser Festung.

Der Pilgerpass wird abgestempelt

Wir bekommen den ersten Stempel in unseren Pilgerpass auf dem Weg nach Santiago de Compostela! Die Aufregung verfliegt schnell, denn es geht wieder an Bord, der Zeitplan ist dicht und wir müssen uns den nächsten Stempel in einer weiteren Marina abholen.

Der erste Stempel wird in unseren Pilgerpass gedrückt.

In Bouzas werden wir wieder von einem Komitee der Marina empfangen, werden durch die Räume des Yachtclubs geführt und bekommen unseren Stempel. Abgerundet wird der Tag von einem weiteren opulenten Mahl nach galizischer Manier.

Abends gibt es wieder eine Köstlichkeit nach der anderen.

Die Natur Galiziens ist traumhaft

Unsere erste Nacht an Bord fühlt sich gut an, mit Kaffee und Frühstück gestärkt segeln wir zur malerischen Insel Cies, der Archipel besteht aus drei unbewohnten Felsinseln mit weißen Sandstränden und klarem Wasser, was hier allerdings sehr kalt ist, es hat etwa 18 Grad!

Das Meer vor Cies leuchtet in verschiedenen Blautönen.

Dennoch, nach unserem Mittag an Bord vor Anker lassen wir es uns nicht nehmen, ein Bad in den erfrischenden Fluten zu nehmen! Endlich, nach einem Jahr, wieder im Meer baden! Der Tag klingt, wie könnte es anders sein, wieder mit einem fürstlichen Abendessen in der Marina von Portonovo aus.

Ein Badestopp war auch dabei. Für Hartgesottene!

Das Wetter ist launisch

Um den Nachweis über die gepilgerte Strecke zu erbringen, muss ein Minimum von 90 Seemeilen gesegelt werden, sieben Kilometer auf dem Jakobsweg gelaufen werden und eine bestimmte Anzahl an Stempeln in den Marinas abgeholt werden. Also weiter nach Sanxenxo, Vilanova und Ribeira. Der Himmel ist mittlerweile grauverhangen, so echtes Bremer, äh, nein-galizisches Wetter. Während in Deutschland die 30 Grad-Marke geknackt wird, ziehen wir uns immer wärmer und regenfest an. Im Sprühregennebel können wir die Insel Ons ausmachen, magisch und verwunschen liegt diese felsige Insel vor uns, Vögel kreischen, eine  vorbeifahrende Fähre können wir nur am Motorengeräusch erahnen, sonst ist sie komplett im Nebel verschluckt.

Die galizische Küste ist für ihr launisches Wetter berühmt.

Ein rauer Törn nach Santiago de Compostela

Der vierte und letzte Tag auf See wird rau, doch wir müssen die letzte Etappe nach Portosin absolvieren. Der ein oder andere füttert die Fische, das Boot stampft durch die Wellen, Sandbänke und tückische Felsen müssen umschifft werden, es regnet in Strömen und um uns herum eine kabbelige See. Doch schlussendlich erreichen wir den Hafen von Portosin. Hier werden Erinnerungen wach, 2013 lagen wir mit INTI hier, genossen endlich die spanische Lebensfreude und waren froh, die Biskaya gemeistert zu haben.

Hier lagen wir auch mit der INTI und mussten abwettern.

Wir haben die Pilgerreise gemeistert!

So, einen Stempel noch, ein paar obligatorische Gruppenfotos und ab nach Compostela. Auf dem Weg dahin bekommen wir in einer freundlichen kleinen Pilgerstation einen Wanderstock mit Jakobsmuschel dekoriert, einen Hut haben wir bereits bekommen, ein Schluck traditionellen Feuerwassers rinnt durch unsere Kehlen und ein kleines Küchlein zur Stärkung wird gereicht.

Die Pilgerreise endet in Santiago de Compostela.

In Santiago de Compostela bleibt der Trubel, an den wir uns noch erinnern, aus, ein paar wenige Pilger stehen vor dem Büro, welches die Compostelana ausstellt. Ein in Latein verfasstes Dokument besiegelt unsere Pilgerreise. Eine abwechslungsreiche Tour nähert sich dem Ende. Wir können diese Reise nur empfehlen, ein Mix aus Entspannung an Bord mit eindrucksvoller Kulisse, gepaart mit dem Einblick in verschiedene Marinas und dem abschließenden Besuch von Santiago de Compostela.

Nun sind wir zertifizierte Pilger.

Mit dem Charterunternehmen Sailway könnt auch ihr mit der Yacht auf dem Jacobsweg pilgern

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Sri Lanka – die „glückliche Entdeckung“

Eigentlich sollte es regnen. Eigentlich. Dhamma Saara begrüßt uns mit einem Lächeln in seiner knallig orangen Kasaya und reicht jedem eine Lotusblume. Hinter ihm streckt sich die Spitze der Dagoba gen wolkenverhangenen Himmel. Trotz unserer müden, vom Flug gebeutelten Glieder kann man dem Mönch nur ein Lächeln entgegnen. Ich bin mehr als 24 Stunden auf den Beinen – gestern von Berlin mit der Bahn nach Frankfurt gereist und dann mit SriLankan Airlines nach Colombo, um den sich ankündigenden Winter zu entkommen. Nun finde ich mich völlig übernächtigt für einen Mittagsstopp im Umandawa Global Buddhist Village und schaue in die strahlenden Gesichter, die uns willkommen heißen. Vor 8 Jahren wurde das buddhistische Dorf eröffnet, doch fertig ist man hier noch lange nicht. Aktuell arbeitet man am zweitgrößten liegenden Buddha der Welt. Hier denkt man groß und lebt dennoch bescheiden.

Wir lassen unsere Schuhe vor dem Eingang der Dagoba und legen unsere Lotusblüten auf den Schrein. Dann lauschen wir den Worten des Mönchs, die ein Gebet formen. Es bedarf weder einer Opfergabe anhand von Blumen noch eines Gebets, um ein guter Buddhist zu sein, erklärt uns später Sunil, der uns auf dieser Reise begleitet. Der gläubige Buddhist und Veganer ergänzt: morgen ist Vollmond, da wird es keinen Alkohol geben und auch kein Tier getötet. Von mir aus könnte jeden Tag Vollmond sein und schon jetzt stimme ich den arabischen Seefahrern zu, die Sri Lanka einst Serendip nannten – eine „glückliche Entdeckung“.

Umandawa

Sigiriya – der Felsenpalast zwischen Reisfeldern

Es ist Sonntag, Vollmondfest, wir reihen uns in eine Menschenschlange ein, die sich am Löwenfelsen bildet. Eine Metalltreppe führt hinauf zum Sigiriya-Felsenpalast. Es bleibt Zeit beim Aufstieg, die ausbremst. Zeit, um auf die geschlossene grüne Decke unter uns zu blicken, aus der weitere Felsen, Hügel, Reisfelder und Buddhastatuen herausragen.
Auf der Spitze angekommen geben die rotbraunen Mauerreste eine Ahnung von dem, was hier einst stand. Gar ein kleiner Pool oder Zisterne. Auf den Resten des Königspalasts verteilen sich die Besucher und wirken in der Höhe gleich weniger viel. Dafür ächzt man unter schweißtreibenden Temperaturen von über 30 Grad und 80 % Luftfeuchtigkeit.
Jede Wolke und jeder Windstoß ist wohltuend.

Sigiriya_1Sigiriya_3
Sunil erzählte uns bereits am Fuße des 200 m hohen Monolithen, dass dieser Palast von König Kassapa I. im 5. Jahrhundert n. Chr. erbaut wurde. Kassapa I. war der Sohn von König Dhatusena, aber um den Thron zu besteigen, tötete er seinen Vater und baute Sigiriya als seine Hauptstadt. Er wählte den Felsen für seinen Palast aus, weil er strategisch günstig und schwer zugänglich war.

Ich gehe die Stufen im Fluß der drängelnden Menge zu der Löwenpfotenplattform hinab, die den Eingang zum Gipfel markiert. Hier kann man mit Fantasie die Löwenpranken, eine kunstvoll geschnitzte Treppe, bewundern und daneben gierige Affen, die nach unseren Taschen greifen, fotografieren.
Auf einem kurzen Weg um den Felsen gelangt man zu einer Höhle mit den Wolkenmädchen, die vor 1500 Jahren gemalt wurden. Es sind nur noch 19 von einst 500 der üppigen und barbusigen Damen deutlich sichtbar. Gemalt aus Naturfarben ragt der Oberkörper der hell- und dunkelhäutigen Fantasiedamen aus Wolken heraus. Fotografieren ist hier strikt verboten und über die Einhaltung wird gut gewacht. Es gibt verschiedene Interpretationen für den Dualismus in diesem Bild. So kann hellhäutig für Blitz und dunkelhäutig für Donner stehen, erklärt uns Sunil mit einem Schulterzucken und meint, es gäbe noch viele andere Erklärungen. Alles sind Möglichkeiten.

Sigiriya_2Sigiriya_6Sigiriya

Sri Lanka säumen 1000 Stauseen, die einstige Könige erbauen ließen. Auch in Sigiriya wurden Gärten und Teiche kunstvoll angelegt. Wasserreservoirs und Bewässerungssysteme sollten die Wasserversorgung sicherstellen und die Gärten erblühen lassen. Tatsächlich scheint der Inselstaat üppig bewachsen. Von jedem Hügel und Fels erfasst das Auge ein endloses Grün, das bis zum Horizont reicht und in dem es wimmeln, surren und leben muss.

So glaubt man kaum, dass dieses Grün einst noch großflächiger die Insel bedeckte. Doch in den letzten Jahrzehnten verschwanden Waldflächen zunehmend aufgrund von Besiedlung und Reisanbau. Wichtiger Lebensraum für Tiere ging damit verloren. Und so findet man immer mehr Wildnis in Ortschaften oder Ortschaften in der einstigen Wildnis. Ein Beispiel sind die Elefanten, die in Sri Lanka eine besondere Verehrung genießen. Dennoch stehen sie auch vor Herausforderungen wie Wilderei, Lebensraumverlust und Konflikten mit Menschen. Von den rund 20.000 Elefanten, die im 19. Jahrhunderten auf der Insel lebten, sind es nur noch zwischen 3000 und 4000.

Village Village_Ochsen

Der Tag endet im Dorf Hiriwadunna, in dem uns Manike mit einem begrüßenden „Ayubowan“ auf einer überdachten Terrasse erwartet. Vor ihr liegen 12 Tontöpfe, unter deren Hauben frische singalesische Küche sich verbirgt. Auch sie schenkt uns beim Präsentieren ihrer Speisen ein Lächeln, das immer wieder verbindet, wenn Worte keine gemeinsame Sprache finden. Wir sind umgeben von Reisfeldern, auf denen sich Pfaue und Reiher ausruhen und speisen. Ochsenkarren holpern über den sandigen Weg. Um uns herum blüht und duftet es. Ein kleines Paradies, wären da nur nicht die Mückenschwärme. Als sich später die Dunkelheit über uns legt und wir den Tag zufrieden und erschöpft besiegeln, schaue ich begleitet vom Zikadenkonzert hinauf zum Vollmond. Ein Poya Day als Start in Sri Lanka kann doch nur Gutes verheißen.

Dambula_3Dambula_2Die Höhlen von Dambula

Am nächsten Tag führt uns die Reise weiter zur geografischen und kulturellen Mitte Sri Lankas, die die zentrale Bergkette mit ihren Städten und historischen Stätten markiert. Hier befindet sich auch die kleine Stadt Dambulla mit ihrem vergoldeten Tempelkomplex und über 80 Höhlen. Zusammen mit Anuradhapura und Polonnaruwa bildet sie das kulturelle Dreieck Sri Lankas. Sunil schwärmt bereits auf dem Weg, mit Dambula den besterhaltenen Höhlentempel Asiens zu besuchen. Doch auch für den Panoramablick vom 160 Meter hohen Felsenberg über die umliegende Landschaft und das grüne Dambulla-Tal lohnt sich der Aufstieg. Verschiedene Könige haben in der Anlage ihre Spuren hinterlassen und viel restauriert und ergänzt. Die äußere Architektur spiegelt die reiche kulturelle Tradition Sri Lankas wider. Die Freskenmalerei im Inneren ist mehr als 500 Jahre alt und aus Naturfarben auf Felsen geputzt.

Dambula_4Dambula_1
Das Besondere ist aber die schiere Anzahl der omnipräsenten Buddhastatuen – mehr als 150 sollen sich in den fünf zugänglichen Höhlen allein befinden. In der Tempelanlage aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. findet man sie in verschiedenen Posen und mit wechselnden Ausdrücken – von kleinen Figuren bis zu imposanten, monumentalen Darstellungen. In der ersten Höhle befindet sich eine direkt aus dem Stein des Berges geschlagene, 14 Meter lange, liegende Statue Buddhas, die als Hauptattraktion gilt. Sehr präsent auch der Hinweis: Selfies mit Buddhastatuen verboten. An manchen Stellen verhindern Absperrungen eine Annäherung an die Statuen, da Schilder allein heutzutage nichts nützen. Sunil versteht das Abbilden der Buddhastatuen ohnehin nicht, denn Buddha ist kein Gott, den man anbetet, sondern ein Weg zum erfüllten Leben.

Um 10.30 Uhr müssen wir die Höhlen kurz verlassen, da Opfergaben gebracht werden. Meist sind dies Blüten, die vergleichbar mit unserem vergehenden Leben sind und Geburt, Krankheit und Tod symbolisieren. Auf dem Hof suchen wir uns einen schattigen Platz. Unter dem riesigen Bobaum klingen Äste wie Musik im Wind. Jede Tempelanlage hat solch einen Baum, denn schließlich kam Siddharta Gautama nach jahrelanger Meditation darunter die Erleuchtung und gilt als erster Buddha, als der Erwachte.

Affen BergeGalle_4
Warum nicht mehr Tourismus?

Wenn man durch diese schöne Landschaft fährt und die Freundlichkeit der Menschen spürt, wundert man sich, warum Sri Lanka nicht mit Touristen überschwemmt wird. Die Antwort findet sich schnell und heißt Bürgerkrieg. Dieser dauerte von 1983 bis 2009 zwischen der srilankischen Regierung und der militanten Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) an und hinterließ auch Spuren auf Wirtschaft und Tourismus.

2021 keimten Proteste gegen die Regierung aufgrund von einer Wirtschaftskrise und Staatspleite auf, die sich ab März 2022 zu politischen Massenprotesten entwickelten. Im Sommer 2022 stürmten dann Gegner der Regierung den Präsidentenpalast. Als Folge setzte sich Gotabaya Rajapaksa auf die Malediven ab und das Parlament wählte einen neuen Präsidenten. Die Proteste richteten sich nicht gegen Touristen, versichert uns Sunil, der selbst in dieser unruhigen Zeit Reisegruppen durch das Land begleitete und lässt dabei das nachhallende Ereignis 2019 außen vor, als bei einer Serie von Bombenanschlägen am Ostersonntag mindestens 253 Menschen ums Leben und 485 weitere Personen verletzt wurden. Zeitnah wurden drei Kirchen und drei Hotels durch Selbstmordattentäter angegriffen. Auch ausländische Touristen zählten zu den Opfern. Die Lage hat sich bis heute beruhigt und der Wunsch ist groß, die Schönheit Sri Lankas wieder mit der Welt zu teilen. 2022 kamen ca. 1 Million Touristen ins Land, 2018 waren es noch über 2 Millionen. Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und so konzentriert sich Sunil bewusst auf all die positiven Dinge, die Sri Lanka bietet und ist zuversichtlich, dass sich sein Heimatland bald wieder in den Reiseplänen ausländischer Touristen wiederfindet.

Kandy Zahnpalast Kandy_Zahnpalast_2Kandy, Kandy, Kandy – I can′t let you go

Von Dambulla aus führt uns der Weg durch eine malerische Berglandschaft nach Kandy. Grüne Hügel umgeben die Stadt und bieten eine atemberaubende Kulisse. Das „süße“ Kandy kündigt sich allerdings schon Kilometer vor seinen Toren mit dichtem Verkehr an. Das Chaos ist geübt und hat System. Mopedfahrer zwängen sich durch die zum Halten verdammten Busse, Truck und Autos. Es ist Schulschluss, stöhnt Sunil. Inzwischen gibt es auch hier die unbeliebten „Elterntaxis“, die sich vor den Schulen aufreihen. Mädchen mit schaukelnden langen Zöpfen über ihren weißen Schuluniformen kichern in Gruppen am Straßenrand. Der Platz ist eng, auf dem sich viele Menschen bewegen müssen, aber es funktioniert.

Dennoch atme ich auf, als ich die Weite am Ufer des Kandy Sees spüre. Hier liegt der Zahntempel Maligawa, einer der bedeutendsten buddhistischen Tempel, der die heilige Reliquie des Buddha-Zahns enthält. Hier kann man die spirituelle Aura des Ortes erleben, aber der Blick auf den Zahn Buddhas bleibt einem verwehrt. Der Glaube, dass der linke Eckzahn von Buddha nach seinem Tod im 6. Jahrhundert v. Chr. gerettet wurde und hier aufbewahrt wird, zieht dennoch unzählige Besucher an. Diese heilige Reliquie hat im Laufe der Jahrhunderte enorme spirituelle und politische Bedeutung erlangt. Doch der Besuch lohnt sich auch allein für die traditionelle Kandyane-Architektur mit verzierten Schnitzereien, bemalten Decken und einer beeindruckenden Dachkonstruktion und um dem Trubel auf den Straßen zu entkommen.

Kandy_Markt_3Kandy_Markt_4 Kandy_Markt_2Kandy_Markt_1

Nach so vielen Buddhas und Tempeln und UNESCO-Weltkulturerbe-Flair gehen wir in Kandy auch irdischen Bedürfnissen nach und schlendern über dem Markt. Düfte wie die von Zimt, Kardamom, Nelken, Pfeffer oder Farben wie die der frischen Früchte umschmeicheln unsere Sinne. Nur das Hupen, das vom benachbarten Busbahnhof herüberschallt, stört ein wenig die Sinne.

ZugTea Time in Nuwara Eliya

Am nächsten Morgen nehmen wir den Zug nach Nanuoya, eine Station auf der faszinierenden und abwechslungsreichen Bahnstrecke nach Ella. Rucksackreisende mischen sich in Kandy zwischen einheimische Passagiere. Ein deutsches Paar schimpft beim Einsteigen wiederholt, wir wollten doch nicht erste Klasse fahren und entlockt mir ein Schmunzeln. Das Ticket von Kandy nach Nanuoya kostet für die erste Klasse mit Klimaanlage 2000 Rupien (ca. 6 EUR). Das authentische Abenteuer wartet für viele junge Menschen doch nur in der 2. und 3. Klasse. Der Zug scheint ausgebucht, ein Wechsel vom Schaffner nicht geduldet. Also hängen auch sie sich bald mit uns abwechselnd aus der Tür des 1. Klasse-Waggons, um den Fahrtwind zu genießen und der Landschaft beim Anstieg und Winden zuzuschauen – bis Tee irgendwann dominiert. Wir können uns nicht satt sehen und für den Kampf gegen den Hunger ist auch geholfen: Händler laufen von Waggon zu Waggon und bieten für wenig Geld Samosas, Nüsse und aufgeschnittene Mangos an. Das letzte Stück von Nanuoya nach Nuwara Eliya müssen wir im Bus zurücklegen. Kurve für Kurve reiht sich aneinander, was mir die Strecke endlos erscheinen lässt. Wäre da nicht das wunderschöne Panorama, hätte ich den Kampf gegen das flaue Magengefühl längst verloren. Eingerahmt von den drei höchsten Bergen des Landes liegt unser Ziel.

NuwaraEliya_2

Man nennt sie auch „Stadt über den Wolken“ oder „Little England“, da sie unverkennbar eine britische Handschrift trägt. Freundlich liegt sie auf über 1800 m Höhe mit ihren Villen, Gartenanlagen, Cricket- und Golfplätzen und Rasenflächen – alles ein wenig im britischen Landhausstil. Vielleicht ist es auch der Regen, der einen an England erinnert. Perfektes Wetter herrsche hier für den Tee, der in der Umgebung von Nuwara Eliya angebaut wird: 4 Stunden Sonne am Vormittag und nachmittags Nebel und Regen. Ich bin zu wenig Teetrinkerin, um mich an dieser Tatsache zu erfreuen. So ähnlich erging es wohl auch einst den Kaffeepflanzen, denen dieses Klima nicht ganz schmeckte. Nachdem der Kaffeeanbau misslang, pflanzte ein Schotte im 19. Jahrhundert die ersten Teepflanzen im damaligen Ceylon. Eine Erfolgsgeschichte – wie man heute weiss, denn der hier angebaute indische Assam gilt als bester Tee Sri Lankas und findet sich in den Tee-Regalen Deutschlands wieder. Sri Lanka ist schließlich der viertgrößte Teeproduzent der Welt.
NuwaraEliya_1

Vor den Toren der Stadt liegen schwungvoll in die Hügellandschaft eingebaut die Teeplantagen. Aus der Ferne markieren nur bunte Punkte das Wichtigste für den Erfolg – die Arbeitskraft. 700 Teepflückerinnen sind es allein für die Teefabrik Damro, die wir besuchen. 10 Tonnen Tee ernten sie täglich. Einst trugen sie schwere Rattankörbe auf ihren Rücken, heute sind diese aus Plastik. Ihre Gesichter deuten auf viele Jahre in den Plantagen. Barfuß auf kaltem Boden. 50 EUR erhalten sie umgerechnet als Monatsgehalt. Bei der Besichtigung der Teefabrik Damro erfahre ich, dass 50 Gramm „goldener“ Hochlandtee mehr kostet als eine Teepflückerin monatlich verdient. Mit einem Lächeln verschwinden die bunten Kleider der Pflückerin bald wieder in der Plantage. Unser Morgentee fließt durch ihre Hände während der leichte Regen sich über unsere Köpfe legt. Typisch britisches Wetter!

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Foto: Chris Flechtner

Foto: Chris Flechtner

Auf Leoparden-Safari im Yala-Nationalpark

Mit Regen soll es auch am nächsten Tag weitergehen – dabei haben wir auf dieser Reise großes Glück. Die Wettervorhersage deutete auf eine sehr niederschlagsreiche Tour hin, doch uns erwischt es erst zum Ende. Ein Tag, an dem wir ohnehin viel Strecke machen, um Sri Lankas zweitgrößten und zugleich meistbesuchten Nationalpark, den Yala-Nationalpark, zu erreichen. . Er liegt nahe Tissamaharama im Südosten des Landes und besteht aus fünf verschiedenen Bezirken, von denen nur „Yala-West“ (Block 1) für Touristen zugänglich ist. Der Park beherbergt mit mehr als 30 Tieren eine der dichtesten Leopardenpopulationen der Welt. Das stimmt uns hoffnungsvoll, auf unserer nachmittäglichen Tour durch den Park. Bei dem nicht enden wollenden Regen schwindet jedoch die Zuversicht. Mein Highlight wäre ja ohnehin der Lippenbär. Über 30 Säugetiere beheimatet der Park – Sambahirsch, Hutaffen oder Mangusten zeigen sich durchaus weniger wetterfühlig als Goldschakal oder eben der Lippenbär. Selbst die sonst so präsenten Elefanten verstecken sich. Mehr als 130 Vogelarten kann man hier beobachten – vom Ährenträgerpfau, Blaugesicht-Malkoha, Rotgesicht-Malkoha, Buntstorch und Malabarhornvogel. Und tatsächlich sind es nur Pfau, Schildkröte und Krokodil, die sich uns anfänglich zeigen.

Foto: Chris Flechtner

Foto: Chris Flechtner

Foto: Chris Flechtner

Foto: Chris Flechtner

Es bleibt uns nur noch eine Stunde bis zum Schließen des Parks, als sich vor uns Geländewagen aneinanderreihen. Diese Schlange ist definitiv ein Zeichen für etwas Großes. Wir reihen uns geduldig ein und kommen nur im Schritttempo voran. Welche Großkatze bei der Fleischbeschauung die Geduld nicht verliert und genervt davon „tigert“, genießt meinen äußersten Respekt. Irgendwann geht es etwas schneller voran, wer schon öfter auf Safaris war, deutet dies als  ein Zeichen für „das Tier ist weg“. Doch ganz so pessimistisch wollen wir nicht sein. Neben uns hinter dichtem Gebüsch bewegt sich etwas. Es kann alles sein oder auch nichts. Da ist sie wieder, die Hoffnung. Wir halten unsere Kameras einfach drauf, egal ob gleich ein Hirsch, Pfau oder Elefant vor uns erscheint. Doch direkt vor unserem Wagen springt ein Leopard aus dem Gebüsch und passiert vor uns die wartende Autoschlange, um auf die andere Seite zu gelangen. Die hintersten in der Schlange (WIR!) sind also am erfolgreichsten. Superhappy machen wir uns auf den Rückweg und sehen in der Dämmerung nun doch noch drei Elefanten. Und irgendwie nimmt der Regentag einen versöhnlichen Abschied an unserem letzten Abend auf Tour.

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Die Mischung von Galle

Ein bisschen Wehmut kommt auf, als wir Galle erreichen. Dieser Ort ist der letzte auf unserer Reise, bevor wir zurück nach Colombo fahren. Und nicht allein deshalb ist er für uns ein Schatz.  Die historische Stadt an der Südspitze von Sri Lanka wartet mit einer abwechslungsreichen Geschichte, Architektur und Kultur auf, die sich im historischen Kern, der natürlich UNESCO-Weltkulturerbe ist, spiegelt. Eine der besterhaltenen Festungen aus der Kolonialzeit in Asien ist Galle Fort. Holländer haben diese auf den Ruinen einer älteren portugiesischen Festung erbaut.

Innerhalb der Mauern gibt es charmante Kopfsteinpflasterstraßen, historische Gebäude, Boutiquen und Cafés. Hier kann man sich in dem überschaubaren Stadtteil zwischen Meer und Kolonialbauten in entspannter Atmosphäre schnell verlieren. Erst waren es die Portugiesen, dann die Holländer und später die Briten, die einen tiefgreifenden Einfluss auf die Geschichte, Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft Sri Lankas hatten und die auch das architektonische Stadtbild prägten. Die beeindruckende Festung aus dem 17. Jahrhundert wurde ebenso wie die Dutch Reformed Church von den Niederländern errichtet. Die Meerespromenade am Fort führt zum südlichsten Punkt, an dem ein Leuchtturm steht. Es soll unser erster Blick auf den Indischen Ozean auf der gesamten Reise sein, was für viele Sri Lanka-Besucher etwas seltsam klingen mag, reisen doch genau deshalb viele Touristen auf die Insel.

Galle_2Galle_5Galle_7 Galle_6Über den Dächern Colombos

Auf jeder Reise ist der Moment, der sentimental stimmt. Wenn sich mein Kopf löst von dem zuletzt Erlebten und diesen Abgleich mit dem, was vor mir liegt, durchführt. Noch einmal rauschen Bilder, Gerüche und Töne an mir vorbei und von jedem dieser verabschieden sich meine Sinne. Die knalligen Farben der Saris, sattgrüne Reisfelder und Teeplantagen, der Zimt- und Kardamonduft, das Vogelzwitschern und das begleitende Grillenzirpen und auch die Rikschas lasse ich bald hinter mir. Und auch dieses omnipräsente Lächeln – zum Leben und wohl zu sich. Situationen annehmen, weil man sie nicht ändern kann. Es sind wenige Stunden, die mich von hier und Heimat trennen. Unter mir liegt das Meer, dahinter die Bahnschiene und Straße. Strand wurde nicht mitgedacht oder wurde längst verschluckt. Das Paradies liegt anderswo auf Sri Lanka, nicht hier in Colombo. Doch der Tag geht und mit ihm kommen die Farben. Über der Skyline spannt sich ein Regenbogen.  Alles sieht nach Regen aus und doch will er dieses Dach nicht mehr erreichen.

Die Farben am Himmel leuchten wie die Roben der Mönche und ich fühle mich in diesem kleinen Moment selbst ein stückweit mehr erleuchtet. Viele gesagte Worte unseres Begleiters Sunil fließen noch einmal durch meinen Kopf: „Was vergänglich ist, das ist auch leidvoll. Was geboren wird, das muss sterben.“ Diese Reise ist schon morgen vergangen, aber die Erinnerung an sie lebt weiter. Sri Lanka ist eine glückliche Entdeckung!

Colombo

Ich übernachtete auf dieser Reise im:
Sigiriya: Sigiriya Aliya Resort & Spa (weite Anlage mit Infinity Pool mit Blick auf den Löwenfelsen)
Kandy: Hotel Topaz (modernes Hotel oben auf dem Berg mit tollen Blick über die Stadt)
Nuwara Eliya: Grand Hotel (britischer Kolonialschick, fühlen wie in alten Zeiten)
Tissamaharama: Chaarya Resort and Spa (Bungalows in kleiner, grünen Gartenanlage mit Pool)
Colombo: Radisson Hotel Colombo (Dachterrasse mit Meerblick und Pool)

Anreise: SriLankan Airlines fliegt dreimal wöchentlich von Frankfurt am Main nach Colombo.

Visum: Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise ein Visum, das vor der Einreise online über das Electronic Travel Authorization (ETA) beantragt werden kann.

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Ich wurde von Gebeco zu dieser Recherche-Reise in Sri Lanka eingeladen und von SriLankan Airlines unterstützt. 
Alle Ansichten sind meine eigenen.

Eine turbulente Reise

Auf dem Weg zu neuen Abenteuern

Der Herbst beginnt, doch wir sind im Aufbruch. Viel ist in der letzten Zeit passiert, neue Abenteuer warten auf uns. Auf unserem Weg nach Griechenland stoppen wir zunächst am schönen Bodensee. Denn dort liegt es, das Boot, das uns viele schlaflose Nächte beschert hatte, uns Entscheidungen abgerungen, uns zu neuen Träumereien motiviert hat. Neugierig klettern wir auf die Yacht, die uns im Winter bei einem Vortrag angeboten wurde. Das gestochen scharfe Alpenpanorama liegt vor uns und wir stechen mit wenig Wind in See.

Die neue INTI 🙂

Es fühlt sich gut an, mit diesem Boot auf dem Wasser zu sein. Auch sonst scheint es genau das richtige für uns zu sein. Es ist so lang wie die INTI, hat aber einen „dickeren Bauch“, ist um einiges breiter, was viel ausmacht. Außerdem hat es eine Heckkabine, in der zwei weitere Leute schlafen können, INTI hatte eine Hundekoje, die sehr eng war.

Die Capitana is happy!

Die Pantry ist gut geschnitten, der Salon geräumig. Kein Mief kommt uns entgegen, als wir das Schott zum Niedergang öffnen. Die Dame hat vierzig Jahre auf dem Buckel, wirkt jedoch topfit. Mit dem Vorbesitzer werden wir uns schnell einig und bevor Zweifel aufkommen, machen wir uns auf den Weg gen Süden.

Smutje auch!

Kurs Süd Richtung Sonne

In diesem Jahr ist vieles aus dem Lot geraten. Beim Besuch von Segelfreunden in Österreich werden wir gewarnt, Starkregen, Erdrutsche. Bei der Fahrt durch Slowenien schüttet es in Strömen, einige Autobahnabfahrten gleichen reißenden Bächen, die Polizei hat bereits welche gesperrt. Smutje sitzt knurrend am Steuer: „Ich fahre jetzt so lange, bis ich entweder den Sternenhimmel oder die Sonne sehe!“.

Es braut sich was zusammen.

Und so rutschen wir weiter bis wir in Serbien auf dem letzten Rastplatz vor Nordmazedonien ankommen. Es ist bereits zwei Uhr nachts, doch um uns herum tobt das Leben: Jugendliche hören laute Musik, Fernfahrer trinken Bier zusammen, Autos kommen und fahren. Doch wir schlafen tief und fest unter dem südlichen Sternenhimmel, den Regen haben wir hinter uns gelassen.

Angekommen in Griechenland

Glücklich mit der Sonne im Rücken erreichen wir tags darauf unser Lieblingsland Griechenland.

Willkommen in Griechenland!

Nach vielen Tagen an ruhigen und belebten Stränden in Chalkidiki und Thassos übernehmen wir eine Yacht und erkunden die Nordägäis. Auf der Insel Samothraki sind wir zwei Tage lang vom Meltemi gefangen, erkunden sie mit einem Moped, wandern zu einem gewaltigen Wasserfall und genießen das alternative Treiben auf dieser abwechslungsreichen Insel.

Schon wieder ein neues Gefährt.

Dann geht es ans Festland, erstaunt stellen wir fest, dass Kavala die drittgrößte Stadt Griechenlands ist, aber dennoch einen schnuckeligen Charme verbreitet. Ein großes Fort thront über der Altstadt, wir bestaunen zudem ein riesiges Aquädukt. In den schmalen Gassen lässt es sich hervorragend speisen, im seichten Abendlicht wandeln wir glücklich durch dieses historische Ambiente.

Die Altstadt von Kavala liegt uns zu Füßen.

Vor Anker fühlen wir uns wohl und so klappern wir einige schöne Buchten von Thassos ab, bevor wir uns dann mit dem Camper auf den Weg zu unserem guten Kumpel und seiner Schwester im Pilion machen.

Glücklich vor Anker!

Und schon wieder ein katastrophales Ereignis, nicht weit von uns: die Gegend um Alexandropolis brennt, abends ziehen gelbe Rauchschwaden am Horizont entlang. In Milina feiern wir glücklich unser Wiedersehen mit Stefan und Anja, mit denen uns viel verbindet, treffen liebe Menschen vom Vorjahr wieder und genießen Strand und Sonne, unseren Stellplatz auf Stefans und Anjas Grundstück im Olivenhain, nette Abende in Tavernen und einen schönen Segelausflug.

Zuhause bei Freunden.

Jetzt zieht es uns an den Strand, an dem unser gemeinsames Reisefieber vor mehr als dreißig Jahren mit Interrail begann. Wir verbringen einige Nächte am Strand, die Tage fließen so dahin, buntes Treiben am Strand, Zelte, Hütten, einige schlafen in Felshöhlen. Keine Sonnenschirme oder Liegen, lediglich die Taverne, weit oberhalb des Strandes, die es damals schon gab. Hier trifft sich einmal wöchentlich die Umgebung, bespielt von einer Rembetiko-Band, die alten Herren tanzen auf den Stühlen und Tischen, die Frauen werden umschmeichelt von ihren Umwerbungen zum Tanz.

Griechenland Ahoi!

In der Sintflut

Der Wetterbericht gibt die ernüchternde Prognose: Schluss mit Strand und Sonne, es wird ordentlich regnen. Wir denken uns, dass es doch mal schön wäre, in einem Bett zu schlafen und buchen ein kleines Apartment nicht weit von hier in den Bergen. Schnell proviantieren, bevor es anfängt zu schütten. Wir erreichen das Apartment und es beginnt zu regnen. Mit unseren Apartmentnachbarn machen wir noch schnell Bekanntschaft, bevor wir uns verkriechen. Und nun hört es nicht mehr auf zu regnen, Blitz und Donner gesellen sich im Sekundentakt dazu, Strom und Wasser fallen aus. Zweieinhalb Tage dauert dieses Wetter an, das haben wir noch nie erlebt. Mit unseren Leidensgenossen der anderen Apartments sitzen wir in der Dunkelheit zusammen, erzählen uns Geschichten, essen und trinken. Die Besitzer der Apartments haben eine Taverne, durch den Stromausfall taut die Tiefkühltruhe ab. Und so bekommen wir täglich leckeres Essen und Trinkwasser. Am dritten Tag ist der Strom zurück, es hat aufgehört zu regnen und so langsam begreifen wir das Ausmaß dieser unaufhörlichen starken Regenfälle. Straßen und Brücken wurden von den Fluten mitgerissen, Autos, Bäume, Kühlschränke, Waschmaschinen ins Meer gespült.

Hier floss mal ein kleiner Fluss.

Die Tiefebene Thessalien gleicht einer Badewanne. Wo noch bis vor ein paar Tagen Viehwirtschaft, Ackerbau und Obst- und Gemüseanbau für ganz Griechenland stattfand, sitzen Menschen auf Hausdächern und warten auf Hilfe. Wir fühlen uns ohnmächtig. Die Straße zu unserem Freund soll unterbrochen sein, er selbst schickte uns ein Video, in welchem sein Auto und Waschmaschine in reißenden Fluten schwammen. Die Straße zu seinem Häuschen wurde von einem Fluss, der normalerweise zwanzig Meter breit ist, der sich aber auf 200 Meter verbreiterte, weggerissen, Häuser, die dieses Flussbett säumten, schwammen davon. Nach ein paar Tagen trauen wir uns nach Milina. Uns empfängt das Bild einer totalen Zerstörung. Tränen schießen uns in die Augen. Die Paralia, die Hafenpromenade mit Tavernen und Bars ist komplett zerstört, Autos, Bäume, Häuserteile, Kühlschränke, Waschmaschinen, alles liegt wild herum oder schwimmt im Meer, eine Befestigung der Straßen gibt es nicht mehr. Die kleineren Straßen sind ein einziges Chaos, Schlammlawinen haben sich hier hindurchgezwängt und alles mitgenommen. Das Meer ist braun und es riecht unangenehm in den Straßen. Menschen, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, irren umher. Schon am nächsten Tag beginnen wir zu helfen. Die Souterrain-Wohnung von Stefans Nachbarin steht unter Wasser, Möbel, Teppiche-alles muss raus. Zu sechst schleppen wir das Inventar hinaus, schippen Schlamm in Schubkarren, laden ab, bis nach drei Tagen wieder Fußboden zu sehen ist. Und so passiert es überall, Menschen packen gemeinsam an, versorgen ältere Menschen mit Lebensmitteln und geben einander Trost in dieser Situation. Wir beobachten ein großes Gefühl des Zusammenhaltes unter den Griechen und auch Momente, in denen trotz allem gescherzt und gelacht wird. Strommasten werden in Windeseile neu aufgestellt, doch das Schlammschippen ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Boden ist aus Lehm und wenn der trocknet, ist er schwer und kaum mehr zu bewegen.

Aufräumen

Kurs Nord

Es wäre noch an allen Ecken und Enden zu helfen nötig gewesen, doch wir müssen das Chaos und unsere lieben Freunde in diesem Desaster zurücklassen, denn eines ist in dieser turbulenten Zeit auch passiert: Unser Buch ist erschienen! Uns erreichen Nachrichten von Freunden und Familie, die es bereits in den Händen halten, nur wir sind noch weit entfernt davon. Traurig machen wir uns auf den Weg gen Norden. Nach zwei Tagen in Bayern bei einer lieben Freundin fahren wir wieder an den Bodensee. Dort liegt nicht nur unser neues Boot, hier findet auch die Messe „Interboot“ statt. Am Stand von Delius Klasing halten wir erstmals unser eigenes Buch in der Hand, ein unbeschreibliches Gefühl! Vier Termine haben wir auf der Bühne der „Interboot“, erzählen von unserer Reise und signieren anschließend unser Buch. Was für ein Umschwung!

Ein signiertes Buch gefällig?

Gerade noch in Gummistiefeln mit Schippe in der Hand hin zu einem ordentlichen Outfit mit Signierstift zwischen den Fingern.
Wir besiegeln zudem den Kauf der Yacht, stellen sie an Land, messen aus, planen und träumen. Nun ruht sie erstmal, wir sind mittlerweile wieder in Bremen und freuen uns auf neue Abenteuer im Herbst und Winter.

Auf zu neuen Abenteuern!

Möchtet ihr auch ein signiertes Buch von uns? Dann schickt uns eine Nachricht und wir senden es Euch zu.

Wenn ihr den Hafenort Milina mit einer Spende unterstützen wollt, dann klickt hier:

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Eine turbulente Reise

Auf dem Weg zu neuen Abenteuern

Der Herbst beginnt, doch wir sind im Aufbruch. Viel ist in der letzten Zeit passiert, neue Abenteuer warten auf uns. Auf unserem Weg nach Griechenland stoppen wir zunächst am schönen Bodensee. Denn dort liegt es, das Boot, das uns viele schlaflose Nächte beschert hatte, uns Entscheidungen abgerungen, uns zu neuen Träumereien motiviert hat. Neugierig klettern wir auf die Yacht, die uns im Winter bei einem Vortrag angeboten wurde. Das gestochen scharfe Alpenpanorama liegt vor uns und wir stechen mit wenig Wind in See.

Die neue INTI 🙂

Es fühlt sich gut an, mit diesem Boot auf dem Wasser zu sein. Auch sonst scheint es genau das richtige für uns zu sein. Es ist so lang wie die INTI, hat aber einen „dickeren Bauch“, ist um einiges breiter, was viel ausmacht. Außerdem hat es eine Heckkabine, in der zwei weitere Leute schlafen können, INTI hatte eine Hundekoje, die sehr eng war.

Die Capitana is happy!

Die Pantry ist gut geschnitten, der Salon geräumig. Kein Mief kommt uns entgegen, als wir das Schott zum Niedergang öffnen. Die Dame hat vierzig Jahre auf dem Buckel, wirkt jedoch topfit. Mit dem Vorbesitzer werden wir uns schnell einig und bevor Zweifel aufkommen, machen wir uns auf den Weg gen Süden.

Smutje auch!

Kurs Süd Richtung Sonne

In diesem Jahr ist vieles aus dem Lot geraten. Beim Besuch von Segelfreunden in Österreich werden wir gewarnt, Starkregen, Erdrutsche. Bei der Fahrt durch Slowenien schüttet es in Strömen, einige Autobahnabfahrten gleichen reißenden Bächen, die Polizei hat bereits welche gesperrt. Smutje sitzt knurrend am Steuer: „Ich fahre jetzt so lange, bis ich entweder den Sternenhimmel oder die Sonne sehe!“.

Es braut sich was zusammen.

Und so rutschen wir weiter bis wir in Serbien auf dem letzten Rastplatz vor Nordmazedonien ankommen. Es ist bereits zwei Uhr nachts, doch um uns herum tobt das Leben: Jugendliche hören laute Musik, Fernfahrer trinken Bier zusammen, Autos kommen und fahren. Doch wir schlafen tief und fest unter dem südlichen Sternenhimmel, den Regen haben wir hinter uns gelassen.

Angekommen in Griechenland

Glücklich mit der Sonne im Rücken erreichen wir tags darauf unser Lieblingsland Griechenland.

Willkommen in Griechenland!

Nach vielen Tagen an ruhigen und belebten Stränden in Chalkidiki und Thassos übernehmen wir eine Yacht und erkunden die Nordägäis. Auf der Insel Samothraki sind wir zwei Tage lang vom Meltemi gefangen, erkunden sie mit einem Moped, wandern zu einem gewaltigen Wasserfall und genießen das alternative Treiben auf dieser abwechslungsreichen Insel.

Schon wieder ein neues Gefährt.

Dann geht es ans Festland, erstaunt stellen wir fest, dass Kavala die drittgrößte Stadt Griechenlands ist, aber dennoch einen schnuckeligen Charme verbreitet. Ein großes Fort thront über der Altstadt, wir bestaunen zudem ein riesiges Aquädukt. In den schmalen Gassen lässt es sich hervorragend speisen, im seichten Abendlicht wandeln wir glücklich durch dieses historische Ambiente.

Die Altstadt von Kavala liegt uns zu Füßen.

Vor Anker fühlen wir uns wohl und so klappern wir einige schöne Buchten von Thassos ab, bevor wir uns dann mit dem Camper auf den Weg zu unserem guten Kumpel und seiner Schwester im Pilion machen.

Glücklich vor Anker!

Und schon wieder ein katastrophales Ereignis, nicht weit von uns: die Gegend um Alexandropolis brennt, abends ziehen gelbe Rauchschwaden am Horizont entlang. In Milina feiern wir glücklich unser Wiedersehen mit Stefan und Anja, mit denen uns viel verbindet, treffen liebe Menschen vom Vorjahr wieder und genießen Strand und Sonne, unseren Stellplatz auf Stefans und Anjas Grundstück im Olivenhain, nette Abende in Tavernen und einen schönen Segelausflug.

Zuhause bei Freunden.

Jetzt zieht es uns an den Strand, an dem unser gemeinsames Reisefieber vor mehr als dreißig Jahren mit Interrail begann. Wir verbringen einige Nächte am Strand, die Tage fließen so dahin, buntes Treiben am Strand, Zelte, Hütten, einige schlafen in Felshöhlen. Keine Sonnenschirme oder Liegen, lediglich die Taverne, weit oberhalb des Strandes, die es damals schon gab. Hier trifft sich einmal wöchentlich die Umgebung, bespielt von einer Rembetiko-Band, die alten Herren tanzen auf den Stühlen und Tischen, die Frauen werden umschmeichelt von ihren Umwerbungen zum Tanz.

Griechenland Ahoi!

In der Sintflut

Der Wetterbericht gibt die ernüchternde Prognose: Schluss mit Strand und Sonne, es wird ordentlich regnen. Wir denken uns, dass es doch mal schön wäre, in einem Bett zu schlafen und buchen ein kleines Apartment nicht weit von hier in den Bergen. Schnell proviantieren, bevor es anfängt zu schütten. Wir erreichen das Apartment und es beginnt zu regnen. Mit unseren Apartmentnachbarn machen wir noch schnell Bekanntschaft, bevor wir uns verkriechen. Und nun hört es nicht mehr auf zu regnen, Blitz und Donner gesellen sich im Sekundentakt dazu, Strom und Wasser fallen aus. Zweieinhalb Tage dauert dieses Wetter an, das haben wir noch nie erlebt. Mit unseren Leidensgenossen der anderen Apartments sitzen wir in der Dunkelheit zusammen, erzählen uns Geschichten, essen und trinken. Die Besitzer der Apartments haben eine Taverne, durch den Stromausfall taut die Tiefkühltruhe ab. Und so bekommen wir täglich leckeres Essen und Trinkwasser. Am dritten Tag ist der Strom zurück, es hat aufgehört zu regnen und so langsam begreifen wir das Ausmaß dieser unaufhörlichen starken Regenfälle. Straßen und Brücken wurden von den Fluten mitgerissen, Autos, Bäume, Kühlschränke, Waschmaschinen ins Meer gespült.

Hier floss mal ein kleiner Fluss.

Die Tiefebene Thessalien gleicht einer Badewanne. Wo noch bis vor ein paar Tagen Viehwirtschaft, Ackerbau und Obst- und Gemüseanbau für ganz Griechenland stattfand, sitzen Menschen auf Hausdächern und warten auf Hilfe. Wir fühlen uns ohnmächtig. Die Straße zu unserem Freund soll unterbrochen sein, er selbst schickte uns ein Video, in welchem sein Auto und Waschmaschine in reißenden Fluten schwammen. Die Straße zu seinem Häuschen wurde von einem Fluss, der normalerweise zwanzig Meter breit ist, der sich aber auf 200 Meter verbreiterte, weggerissen, Häuser, die dieses Flussbett säumten, schwammen davon. Nach ein paar Tagen trauen wir uns nach Milina. Uns empfängt das Bild einer totalen Zerstörung. Tränen schießen uns in die Augen. Die Paralia, die Hafenpromenade mit Tavernen und Bars ist komplett zerstört, Autos, Bäume, Häuserteile, Kühlschränke, Waschmaschinen, alles liegt wild herum oder schwimmt im Meer, eine Befestigung der Straßen gibt es nicht mehr. Die kleineren Straßen sind ein einziges Chaos, Schlammlawinen haben sich hier hindurchgezwängt und alles mitgenommen. Das Meer ist braun und es riecht unangenehm in den Straßen. Menschen, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, irren umher. Schon am nächsten Tag beginnen wir zu helfen. Die Souterrain-Wohnung von Stefans Nachbarin steht unter Wasser, Möbel, Teppiche-alles muss raus. Zu sechst schleppen wir das Inventar hinaus, schippen Schlamm in Schubkarren, laden ab, bis nach drei Tagen wieder Fußboden zu sehen ist. Und so passiert es überall, Menschen packen gemeinsam an, versorgen ältere Menschen mit Lebensmitteln und geben einander Trost in dieser Situation. Wir beobachten ein großes Gefühl des Zusammenhaltes unter den Griechen und auch Momente, in denen trotz allem gescherzt und gelacht wird. Strommasten werden in Windeseile neu aufgestellt, doch das Schlammschippen ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Boden ist aus Lehm und wenn der trocknet, ist er schwer und kaum mehr zu bewegen.

Aufräumen

Kurs Nord

Es wäre noch an allen Ecken und Enden zu helfen nötig gewesen, doch wir müssen das Chaos und unsere lieben Freunde in diesem Desaster zurücklassen, denn eines ist in dieser turbulenten Zeit auch passiert: Unser Buch ist erschienen! Uns erreichen Nachrichten von Freunden und Familie, die es bereits in den Händen halten, nur wir sind noch weit entfernt davon. Traurig machen wir uns auf den Weg gen Norden. Nach zwei Tagen in Bayern bei einer lieben Freundin fahren wir wieder an den Bodensee. Dort liegt nicht nur unser neues Boot, hier findet auch die Messe „Interboot“ statt. Am Stand von Delius Klasing halten wir erstmals unser eigenes Buch in der Hand, ein unbeschreibliches Gefühl! Vier Termine haben wir auf der Bühne der „Interboot“, erzählen von unserer Reise und signieren anschließend unser Buch. Was für ein Umschwung!

Ein signiertes Buch gefällig?

Gerade noch in Gummistiefeln mit Schippe in der Hand hin zu einem ordentlichen Outfit mit Signierstift zwischen den Fingern.
Wir besiegeln zudem den Kauf der Yacht, stellen sie an Land, messen aus, planen und träumen. Nun ruht sie erstmal, wir sind mittlerweile wieder in Bremen und freuen uns auf neue Abenteuer im Herbst und Winter.

Auf zu neuen Abenteuern!

Möchtet ihr auch ein signiertes Buch von uns? Dann schickt uns eine Nachricht und wir senden es Euch zu.

Wenn ihr den Hafenort Milina mit einer Spende unterstützen wollt, dann klickt hier:

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