Alle Artikel in: Allgemein

Tarawa – Bunker und Schrott unter Palmen

Doch nun endlich Landgang! Nach acht Tagen auf See sind die Beine schlapp und wollen laufen. Aber erstmal müssen wir einen Parkplatz fürs Dingi finden, garnicht so leicht, denn der Hafen ist unglaublich dreckig und müllig und bietet keinen Steg zum festmachen. Glücklicherweise dürfen wir an einem rostigen alten Versorgungsschiff festmachen und wir vier betreten…

The post Tarawa – Bunker und Schrott unter Palmen appeared first on Radio Pelicano Segelyacht INTI.

Samarkand, Registan

Samarkand und der Mythos Seidenstraße

„Hast Du Kinder?“ „Nein.“ „Das ist krank.“ „Das ist Deutschlands Krankheit. Du musst Eva Herman lesen.“ Meine Brust bebt, meine Hände verkrampfen sich im dunklen Stoff der Decke, als ich bestimmend rauspruste, so etwas niemals zu lesen. Zugegeben, besser hätte meine Reise nach Usbekistan nicht beginnen können. Mein russlanddeutscher Sitznachbar, der in Usbekistan aufwuchs, hat mich bereits eine Stunde auf dem Flug von Moskau nach Taschkent über Chemtrails, Überwachung, Vergiftung deutscher Städte genervt. Müde nickte ich alles ab, obwohl jeder einzelne Punkt Anlass zur Diskussion geboten hätte. Doch beim Thema Kinderlosigkeit ging er mir mit seinem übergriffigen Urteil zu weit. Ich bekam eine ungefähre Ahnung, dass ich in Usbekistan wieder einmal an meine Toleranzgrenze gelangen könnte – längst fällt es mir schwer, Ungleichheiten und Intoleranz mit lächelnder Gleichgültigkeit zu begegnen und auf lapidare Kulturunterschiede zurückzuführen. Müde drehte ich mich weg und öffnete die Lider erst wieder, als ich um 3 Uhr nachts die Lichter von Taschkent unter mir ausmache und die Ansage zum Landeanflug durch die Aeroflot Maschine schallt. Nachts in Taschkent und wenn alle Züge ausgebucht …

Albanische Alpen, Valbona

Zauberhaftes Valbona Tal – Wandern in den Albanischen Alpen

Verschlafen steigen wir in das Taxi, dass uns zum Treffpunkt für den Transport nach Komani bringen soll. Der Zeiger hat noch nicht die 5 Uhr erreicht. Doch das idyllische Valbona Tal in den Albanischen Alpen lockt. Tirana liegt ruhend am Fuße der Berghänge. An einer Tankstelle soll es losgehen. Und tatsächlich hat sich vor den Zapfsäulen der Gazheli schon eine Handvoll Reisender eingefunden, die später, als der Van vorfährt, nicht alle ins Auto passen. Schnell wird ein zweiter Wagen organisiert. Gequetscht wird trotzdem und auf unserer Fahrt in den Norden immer wieder Platz geschaffen, um weitere Passagiere aufzunehmen. Als das Land unter den Nebelschwaden, die sich über die Felder am Wegesrand legen, aufwacht, lauschen wir den orientalisch angehauchten Klängen, die aus den Boxen schallen. Meine Müdigkeit verfliegt erst, als nach etwas mehr als 2 Stunden und einer kurzen Kaffeepause linkerhand der Stausee auftaucht. Die Straße wird enger und holpriger, aber dafür szenischer. Löchriger Asphalt bremst uns aus. Der von einem Bergprofil gerahmte türkise Stausee leuchtet kräftig durch die Scheiben. Um 8.30 Uhr kommen wir plötzlich im Tunnel …

Alea iacta est

Langsam tuckern wir zwischen den Riffen hinaus, hinter uns liegt die Vuda Marina und vor uns erstrahlt in tiefen Blautönen der pazifische Ozean. Die alte Dame, der Motor, schnurrt munter vor sich hin, freut sich hörbar über die neuen Filter die sie bekommen hat, die Liebe die wir ihr nochmal geschenkt haben und dass sie endlich mal wieder zeigen kann, was sie kann. Doch dann zieht der Wind auf und wir die Segel hoch. Die alte Dame darf sich entspannen und wir gleiten dahin, den Wind in den Segeln, gesteuert von unserem guten alten Windpilot. Entspannung pur, all der Stress der letzten Monate fällt von uns, wir lehnen uns zurück und geniessen. Wer hätte gedacht, dass wir das so bald nochmal erleben? Zurück liegt eine harte Zeit voller schwieriger Entscheidungen und emotionaler Achterbahnfahrten, vor uns ein neuer Abschnitt, ein neues Abenteuer, der Weg in die abgelegenen Inselwelten des Nordpazifiks. Abseits der gängigen Routen, ganz nach unserem Geschmack!

The post Alea iacta est appeared first on Radio Pelicano Segelyacht INTI.

Ruppiner Seenland

Immer nah am Wasser im Ruppiner Seenland

Mit kräftigem Zug gleitet das Paddel meiner Begleiterin durch das Wasser, um dann schwungvoll die Tropfen durch die Luft zu wirbeln. Ein paar Spritzer bahnen sich ihren Weg ins Kajak. Jeder Tropfen erfrischt. Die spätsommerlichen Wälder, die den Tornowsee umschließen, spiegeln sich im tiefgrünen Wasser. Schräg vor unserem Kajak taucht ein Graureiher auf, der seinen Hals elegant der Sonne entgegenstreckt. Als wir uns nähern, fliegt er davon. Nur der Flügelschlag des Vogels und unsere Paddel durchdringen die Stille dieses Septembertages.  Zufrieden seufze ich. „Immer die kleinen Freuden aufpicken, bis das große Glück kommt. Und wenn es nicht kommt, dann hat man wenigstens die kleinen Glücke gehabt.“ Genau in diesem Moment fällt mir wieder dieses Zitat von Theodor Fontane ein, das ich am Morgen irgendwo im Hotel Resort Mark Brandenburg las. Ich verbringe ein Wochenende auf den Seen nördlich von Neuruppin. Es ist nicht das erste Mal. Im Sommer vor der Wende machte ich mit meinen Eltern im benachbarten Alt Ruppin Urlaub. Jeden Abend schwamm ich mit meinem Vater über den See. Über uns die russischen Flieger – die einzigen Fetzen jener …

Neustrelitz Domjuech

Lost Place am See: Mecklenburg-Strelitz’sche Landesirrenanstalt Domjüch 

Es ist ein trüber Sonntag im Mai, als wir mit dem Auto die enge Straße von Neustrelitz in Richtung Fürstensee nehmen. Wir wollen an den See – irgendwo baden und die „andere“ Hälfte des Müritz Nationalparks erkunden. Jahrelang verbrachte ich jedes Wochenende im Westteil des Müritznationalparks, doch nun sollte einmal der Osten dran sein – rundum Serrahn. Doch als ich am Ortsausgang von Neustrelitz ein Schild entdecke, auf dem ich etwas mit Tour erspähe, werde ich neugierig und vergesse unser Vorhaben. Ein ruckeliger Weg führt rechts ab. Vor uns tut sich ein Solarpark auf. Ein wenig Skepsis macht sich breit, doch will sie nicht lange währen. Bald erblicken wir Ruinen der Anstaltsgebäude direkt an einem Seeufer inmitten einer großzügigen Parkanlage. Idyllischer könnte das Areal nicht liegen, wäre da nicht der Solarpark, aber das ist eine andere Geschichte. Ein Spaziergang durch die Landesirrenanstalt Domjüch Was wir einmal imim Neustrelitzer Stadtteil Strelitz-Alt so nebenbei entdeckt haben, ist die ehemalige Mecklenburg-Strelitz’sche Landesirrenanstalt Domjüch, die ab 1934 als Heil- und Pflegeanstalt Domjüch fungierte. Anstatt hohe Mauern, Gitter oder Eisentore begrüßen uns einladende …

Vanuatu, Malekula

Malekula und eine Wanderung durch ehemaliges Kannibalenland

Es ist Sonntagmorgen, als wir erneut das Flughafengebäude von Port Vila betreten. Kinder springen barfuß durch die Halle. Wenn der Flieger nach Sydney abhebt, kehrt Stille ein. Ni-Vanuatu Männer, die für ein paar Monate in Australien arbeiten, lassen dann Frauen und Kinder zurück. Vanuatu und das Abenteuer Fliegen Wir sind bereits am Vortag hier gewesen. Nach zwei Stunden Warten rief uns ein Mitarbeiter von Air Vanuatu heran, um uns mitzuteilen: „Your Flight is cancelled.“ Ein Hinterfragen, wie ich es in Deutschland gewohnt bin, kam mir hier nicht in den Sinn. Gegebenheiten so nehmen wie sie sind, weil man ohnehin nichts ändern kann – das ist Vanuatu schon am zweiten Tag für mich. Nun ein erneuter Anlauf. Wirre Boardingzeiten drei Flugtickets für zwei Personen, das alles hinterlässt ein kurzes Staunen, aber auch ein „das wird schon seine Richtigkeit haben“. In unregelmäßigen Abständen werden Flüge aufgerufen – nun nach Lamaap- Uli – Craig Cove. Das Boarding dieser Maschine ist längst abgeschlossen, als uns der Sicherheitsmann heranwinkt und nachfragt, wo wir denn hinwollen. „Norsup – unser Flieger geht in 1 Stunde.“ Da …

Serra da Estrela, Center of Portugal

Unter Schäfern: Wanderungen und Feste in der Serra da Estrela

Lässig lehnt Armando mit einer Zigarette im Mund und einem Eistee in der Hand an der Hauswand und wirft uns einen skeptischen Blick zu. Linien zeichnen sich auf der braungebrannten Haut des 51-Jährigen ab, die vom harten Leben eines Schäfers in der Bergen berichten. 90 Schafe stehen unter seiner Obhut. Mit ihnen fühlt er sich sichtlich wohler als in der Gesellschaft fremder Menschen, denn reden tut er kaum.   Zu Besuch bei einem Schäfer Die Familie seines Cousins Fernando Jorge hat uns zu sich eingeladen, um den Abend vor der großen Feier im kleinen Bergdorf Folgosa da Madalena mit ihnen zu verbringen. Donna Maria, seine Mutter, hat Käse zubereitet und zu diesem Anlass einen Kuchen gebacken. Wein fließt reichlich. Jorge, wie er genannt wird, hütet seit seinem fünften Lebensjahr Schafe. Der Rhythmus eines Schäfers geht mit dem Leben seiner 220 Tiere einher, berichtet er. In der Serra da Estrela hört man schon früh am Morgen das Läuten der Glocken, wenn die Schäfer mit ihren Schafen und Hirtenhunden Cão da Serra da Estrela in die Berge aufbrechen. Um …