Alle Artikel in: Allgemein

Tofo, Mosambik

Strandtage in Tofo

Mühevoll hievt der Fischer in der gleißenden Hitze einen knapp 1 m großen Fisch aus seinem Boot und lässt ihn erschöpft in den Sand fallen. Mit ein paar geübten Handgriffen zückt er das Messer, um den Fisch an Ort und Stelle auszunehmen. Die Fischer von Tofo schieben unter Schweiß Boot für Boot durch den heißen Sand zwischen die Sonnenliegen des Casa Barry. Wir sind die einzigen Gäste neben den Fischern, die in der Mittagszeit den Schatten der Strohdächer über den Liegen nutzen. Und so wechseln wir von Liege zu Liege, bis wir die Äußerste erreicht haben, als am Horizont immer mehr Fischerboote auftauchen, die auch noch unter den Sonnenschirmen Platz finden wollen. Wenn die Männer die Fische prepariert haben, legen sie diese in eine Box, die sie dann zum Markt tragen. Nur 500 m entfernt sitzen dort lässig die Marktfrauen in ihren bunten Gewändern und rufen mir „Sister, come, look“ zu. Nicht den Fisch wollen sie an die Frau bringen, sondern vielmehr ihre bunten Stoffe. In Tofo herrscht eine entspannte Atmosphäre. Obwohl dieser Ort das touristische Zentrum Mosambiks ist, merkt man ihm dies nicht …

Smaland, Schweden

Ankommen, Abschalten, Auspowern – Ein Wochenende in Småland

Es sind die ersten zaghaften Boten des Frühlings, die an diesem warmen Aprilwochenende die Überreste des Winters beiseiteschieben. Die Sonne schickt ihre wärmenden Strahlen auf die noch zugefrorene Fläche der rund 5000 Seen, die Småland schmücken. Neben den auffällig vielen Gewässern sind es noch die Kiefernwälder und roten Holzhäuser, die diese Region prägen. Småland ist ein Paradies für Outdoor-Fans, die gern ihre Freizeit inmitten der Natur verbringen. In diese legt sich die unaufgeregte Ruhe des Landlebens und ein Freiheitsgefühl, die die hier aufgewachsene Astrid Lindgren in ihren Geschichten auf wunderbare Weise eingefangen hat. Kiefern umringen die Anlage auf der Anhöhe, die in der ersten Nacht unsere Herberge ist. Die Holzbauten fügen sich unauffällig in die Natur ein. Hier ist nichts, was den Ausblick oder die Ästhetik stören kann. Die grenzenlose Weite legt sich unter das schützende Dach der Baumwipfel. In der Dämmerung und Nacht spürt man die Ausmaße der Einsamkeit, sie tastet sich sanft durch die Gehörgänge und streichelt die reizüberfluteten Sinne. Von der Aussichtsplattform, die auch als Startpunkt für Zipline genutzt wird, überschauen wir die dunklen Silhouetten …

Ilha de Mocambique

Ilha de Moçambique – Die vergessene Insel im Indischen Ozean

Gesang, der immer wieder durch jugendliches Gekicher abgelöst wird, dringt von dem kleinen Platz hinauf auf die Dachterrasse der Casa Gabriel. Von der Brüstung beobachte ich das Treiben auf den Straßen. Junge Insulanerinnen in kurzen Kleidern bewegen ihre Körper grazil und sexy zu den Melodien ihrer Lieder. Zwischen den Mädchen springen immer wieder Jungen hindurch, die einem aus Stofffetzen zusammengeschusterten Ball hinterher eilen. Eine andere Jungengruppe sitzt auf der kleinen Mauer, die die Straße vom Strand trennt. Auf dem Sand stehen Strohhütten und ein einfaches Waschhaus aus Beton, das der Staat den Bewohnern „geschenkt“ hat sowie  auch den nahen Markt und Fischmarkt, die nahezu ungenutzt bleiben. Schönheit und Leid auf kleinstem Raum Mein Blick schweift über die Dächer der niedrig gelegeneren Makuti Town und die strahlend blaue Mossuril Bucht. Blitze leuchten am Himmel, ohne das übliche Grollen des Donners hinterherzuschicken. Zu fern sind noch die Gewitter, die sich über dem Festland entladen. Der Ruf des Muezzins schallt in die nahende Nacht. Stolz ragt die erst vor 30 Jahren erbaute grün-weiße Minarette auf der gegenüberliegenden Straßenseite in den Himmel. Zwischen …

Isfahan, Iran

Die Brücken von Isfahan

„Bist du dem bewaffneten Mann begegnet?“ fragt mich mein Taxifahrer. Ich schaue ihn etwas verdutzt an. Noch etwas schlaftrunken zur frühen Stunde will ich ihn nicht so richtig verstehen.„Bang, bang“ tönt es schon vom Fahrersitz. Ich schrecke kurz zusammen und muss dann laut lachen. Nein, dem bewaffneten Mann bin ich nicht begegnet, das ist natürlich auch ihm klar. „Aber die ganze Welt hat doch Angst vor uns“, meint der Iraner mit indischen Wurzeln. Ich erwidere:„Schaue doch wieviele Touristen hier sind, sie wären sicherlich nicht gekommen, hätten sie Angst.“ Meine Busfahrt nach Isfahan An diesem frischen Samstagmorgen bin ich auf dem Weg zum Busbahnhof von Yazd. Die Stadt ruht noch größtenteils und auch auf dem Busbahnhof vermisse ich geschäftiges Treiben. Es sieht eine halbe Stunde lang so aus, dass ich die einzige Passagierin nach Isfahan sein werde, doch das ändert sich kurz nach der angekündigten Abfahrtzeit. Wir werden mit fünf Passagieren gen Norden starten. Die anvisierte vierstünde Fahrzeit sehe ich schon in weiter Ferne, als der Busfahrer alle paar Kilometer hält, um mal Passagiere einzuladen, sich dann heißes …

Costa Rica, Monteverde

Monteverde – Schweben über dem Nebelwald

Nebelschwaden legen sich über die gewellte Landschaft und verhüllen die sattgrünen Wälder. Morgenfrüh könnt Ihr bis zum Pazifik schauen, meinte Vinny, unser Guide. So ganz will ich ihm das noch nicht glauben, als ich auf die vom Dunst gezeichnete Landschaft in die Ferne blicke. Es regnet viel in diesen Tagen. Doch Vinny soll recht behalten. Als ich am nächsten Morgen meinen Vorhang öffne, sehe ich die Halbinsel Nicoya samt Ozean hinter den Nebelwäldern von Monteverde. Kleine Säulen steigen wie Rauch von den Hügeln in den Himmel. Monotone Rufe des Sprossers setzen ein.  Über den Bäumen – Zipline in Monteverde Nur wenige Stunden später stehe ich auf einer kleinen Plattform, an mir hängt ein Seil. Drei, zwei, eins zählt Bernie runter. Dann schwebe ich auch schon 80 m über den grünen Baumwipfeln. Ich war schon in diversen Hochseilgärten, doch zugegeben, sie sind immer wieder auf’s Neue eine Herausforderung. An schlechten Tagen meiner partiell auftretenden Höhenangst komme ich noch nicht einmal über eine kleine Hängebrücke. Und jetzt hänge ich an einem vibrierenden Seil, das eine Windböe erfasst hat. 30 …

Yazd, Iran

Yazd – Wüstengroßstadt anstatt Großstadtwüste

Persische Melodien schallen aus dem Recorder an der Wand. Es mischen sich französische und deutsche Stimmen unter die Musik auf der kleinen Dachterrasse des Art House. Hinter mir stehen kleine Sukkulenten aufgereiht. Liebevolle Details verschönern die Lehmwände. Ob dekorative Keramikfliesen und -geschirr, prächtige Teppiche und Kissen oder schöner Schmuck – alles wird zum Kauf angeboten. Vor 6 Jahren hat Mehdi Mirzaee das Haus seiner Eltern ausgebaut. Nun befindet sich hier neben einer Ausstellung seiner eigenen Kalligrafien und der Zeichnungen seiner Frau Goli auch ein Café in dem Gemäuer. Von der Dachterrasse lasse ich meinen Blick schweifen – über die braun-beigen Altstadtgassen von Yazd. Windtürme sprießen aus dem Gewirr gen Himmel. Von der Kunst in Yazd „No Wifi – Talk to each other, pretend it is 1985“ steht auf einer Tafel geschrieben, darunter wird als „Todays Special“ Camel Stew angeboten. Ich bin mir sicher, das ist nicht nur heute die Empfehlung des Hauses. Denn wo man auch zum Speisen hinkommt, Kamel ist hier die Spezialität. Ich begnüge mich mit einem Yazdi Kaffee, einem Yazdi Kuchen und einer selbstgemachten …

Cachoeira

Cachoeira – dort wo der Tabak wächst

Verschwommen zeichnen sich Bambusfelder hinter der Autoscheibe ab. Sie fügen sich wunderbar in die sattgrüne Landschaft ein, die sich links und rechts der Landstraße aufwellt. Es ist nicht einmal zwölf Stunden her, als ich in der feuchtwarmen Luft von Salvador Bahia landete. Ein Bambusdach schmückte den Weg vom Flughafen in die Stadt, die mich mit ihren bröckelnden Fassaden recht verschlafen begrüßte. Jetlag und Schlafmangel lassen mich nun tief in den Autositz sinken und dösend tagträumen. Bald wird es regnen, denke ich mir, als wir die kleine Stadt Santa Amaro erreichen. Tief liegen die Wolken inzwischen über der Landschaft. Wo einst Zuckerrohr angebaut wurde, steht heute eine große Papierfabrik, die den Bambus gleich weiterverarbeitet. Die Gegend war auch reich an Gold, Silber, Tabak, Zucker. Die portugiesischen Eroberer holzten die Wälder ab und versklavten die Ureinwohner als billige Arbeitskräfte. Aus Afrika wurden bald kräftigere Arbeitskräfte herangeschafft, im Gegenzug machten sich Rohstoffe und Waren auf die Reise nach Europa. Cachoeira und der Glanz von einst Erste Tropfen prasseln auf die Scheibe, als wir unser Ziel am Rio Paraguacu erreichen. Cachoeira galt im 19. …

Brasilien, Ilha do Marajó

Ilha do Marajó und die Entdeckung der Langsamkeit

Ein Pfeifen schrillt durch die Gänge, als die ersten Passagiere zu den Schwimmwesten greifen. Es ist eine Stunde vergangen, als wir mit unserer Fähre auf dem Rio Guamá in die Baía do Guajará gestochen sind, um zur Ila do Marajó überzusetzen. Längst bin ich von der Übelkeit so geschwächt, die mir der Seegang bereitet, als dass ich mich auf ein Kentern vorbereiten könnte. Nach 2,5 Stunden erreichen wir die größte Flussinsel der Welt und passen uns an die Langsamkeit in den Straßen an. Die ausgestorbene Hauptstadt der Insel, Soure, ist zur Mittagszeit fast menschenleer. Ein paar Mopeds wirbeln ein wenig Staub auf. Gemütlich radeln ein paar Einheimische durch die breiten Straßen. Büffel stehen an den Ecken. Das ist schon alles, was das Leben hier hergibt. Fazenda-Leben und die gestrandeten Wasserbüffel Doch genau diese sind hier neben den Stränden und dem Müßiggang wohl die Attraktion. Denn auf Marajó leben Hunderttausende Wasserbüffel vier verschiedener Arten. Sie sollen 1920 auf die Insel gekommen sein, als ein Schiff aus Asien vor der Küste Brasiliens Schiffbruch erlitt und sank. Eine …

Iran, Kharanaq

Lost City Kharanaq – die verlassene Wüstenstadt

Ich stehe auf dem Dach eines verlassenen Hauses in einem verlassenen Ort. Die Sonne wirft ihre letzten Schatten in die engen Gassen und offenen Räume der 1000 Jahre alten Gebäude, bevor sich die dunkle Decke der Nacht über die verfallenen Lehmbauten legt. Der Mond drückt sich im kräftigen Gelbton aus den Bergen auf der gegenüberliegenden Flussseite gen Himmel. Aus den umliegenden noch bewirtschafteten Gärten und Feldern tönen Stimmen zu mir herüber. Mein Blick erhascht zwei Menschen auf Pferden. Dann wird es wieder still. Die Ruhe verstärkt noch einmal das Gefühl der völligen Verlassenheit. Immer wieder muss ich aufpassen, dass ich nicht in ein Loch trete oder etwas zum Einstürzen bringe. In Deutschland wäre längst alles gesichert. Doch obwohl der Besuch von Kharanaq als Halbtagestour von Yazd aus angeboten wird, fühlt sich alles wie eine Lost City an, die sich in die umliegende Wüstenlandschaft wunderbar einfügt. Meybod und eine Festung Ich war gemeinsam mit einem Holländer und zwei Berlinerinnen mittags zu einem Halbtagestrip in die Wüste aufgebrochen. Als wir Meybod erreichen, macht sich in unserem Auto …