Alle Artikel in: maddyswelt

Karpathos, Griechenland

Karpathos – zwischen Badebuchten, schroffen Felsen und Bergdörfern

„6/8 voll ist der Tank“, schmunzelt mich der junge Mann von der Autovermietung Euromoto an. „3/4.“ entgegne ich. Er wiederholt 6/8 so vehement, dass ich dies nicht mehr infrage stelle. Ich frage ihn nach dem Schlüssel, den er unter der Fußmatte hervorzaubert. Eine Vertretung hat diese Autovermietung am Flughafen nicht, also macht man das eben auf diese Art. Karpathos ist eine Insel, von der kann ein Auto ohnehin nicht unbemerkt verschwinden. Mit der Übergabe lässt sich der Mann genauso viel Zeit wie bereits mit dem Treffen, zu dem er merklich zu spät kam. Ankommen ist auch immer einen Gang runterschalten, und genau das fällt mir im Leben doch oft schwer. Umso besser, wenn ich dazu gezwungen werde. Holprig bewege ich das Fahrzeug auf die Straße, die in die Hauptstadt der Insel, Pigádia, führt. Gleich hinter dem Flughafen liegen Strände. Auch wenn ich weiß, dass es sicherlich noch schöner kommt, fahre ich den Nissan an die Seite, steige einen kleinen Hügel hinauf und genieße den Panoramablick. Der Wind bläst kräftig und bringt die bunten Segel der Surfer …

Dänemark

Kurz mal nach Dänemark – maritim, hyggelig und grün

Regen prasselt auf die Scheibe nieder und beendet an diesem Tag die wochenlang andauernde Hitze- und Dürreperiode im Nordosten Deutschlands. Ich fahre nach Dänemark und Schweden, was heute so einfach klingt, war mir noch vor knapp 30 Jahren nicht möglich. Kindheitserinnerungen begleiten mich auf der morgendlichen Fahrt. Eine diffuse Skandinavien-Sehnsucht machte sich damals breit – wenn die Fähre ihre aufgeschäumten Spuren im Meerwasser hinterließ und mir Bilder von den fernen Ländern auf der gegenüberliegenden Seite der Ostsee in den Kopf zauberte. Heute nehme ich die A19 bis zum Ende, um im Fährhafen an Bord der Hybridfähre Berlin zu gehen, eine der beiden Fähren von Scandlines, die in nur1 Stunde 45 Minuten von Rostock auf die dänische Seite übersetzen. In Gedser starte ich meinen Mini-Roadtrip durch Dänemark mit Abstecher nach Südschweden. Mein Weg führt mich zunächst nach Lolland in das beschauliche Dörfchen Bandholm, dann in den Norden von Seeland, von wo aus ich dann mit der Scandlines-Fähre von Helsingør nach Helsingborg übersetze. Ein maritimer Reisestart – auf der Fähre Es ist nicht trubelig auf der Fähre, die alle zwei …

Iran

Abschied vom Iran

Ein letztes Mal lege ich das Kopftuch über meine Haare, streife die Ärmel meiner Tunika über mein Handgelenk. Dann steige ich mit den mittäglichen Rufen des Muezzins in das Auto, das mich zum Flughafen bringt. Die Klänge berühren und rühren zugleich. Trotzdem habe ich keine Tränen in den Augen, weil ich mit Sicherheit weiß, dass ich wiederkommen werde. Ich schweige, wie ich es oft auf meiner letzten Fahrt tue, weil der Anfangsgedanke meiner Geschichten oft in den Abschiedsmomenten entsteht, der das Hier und Jetzt in die Vergangenheit katapultiert. Eine unterhaltsame Fahrt zum Flughafen Ich lasse die Fassaden der Großstadt, die häufig mit einem Bild des Ayatollah Khomeini und Khamenei-Konterfei geziert sind, an mir vorüberziehen. Flaggen wehen theatralisch. Selten sah ich im Iran eine Fahne lasch am Pfosten hängen. Als wehte in der Höhe eine versteckte Windmaschine über das Land, in dessen Straßen es sonst windstill ist. Ist das alles real? Oder doch nur ein Film, der sich in meinem Kopf abspielt. Vielleicht, weil ich es selbst nicht fassen kann. Vor mir sitzt ein hipper, gutaussehender junger Mann, der …

Karpathos, Griechenland, Germania

Karpathos: In 3 Stunden ins griechische Bade- und Wanderparadies

Es ist noch dunkel, als ich vom Hotel Novotel München Airport mit dem Bus zum Terminal des Flughafen Münchens hinüberfahre. Leichter Nieselregen rinnt über die Scheiben. In den Hallen ist von Betriebsamkeit wenig zu spüren. Meine Reise führt mich in kurzweiligen drei Stunden via Direktflug auf die griechische Insel Karpathos. Weiße Sandstrände, türkisfarbenes Meer und abgelegene Felsbuchten erwarten mich und die anderen Passagiere, die sich erholen und Sonne tanken wollen. Dass Karpathos auch Outdoorbegeisterte lockt, erkenne ich bereits beim Boarding an den Wanderschuhen. Auf der 300 km² großen Insel führen zahlreiche Wanderwege durch unberührte Natur und in urige Bergdörfer. Seit Juni 2018 fliegt die Berliner Airline Germania die 1908 km lange Strecke zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und der griechischen Insel in der Ägäis einmal pro Woche. Immer donnerstags um 6 Uhr hebt der Airbus A319  ab, den ich heute boarde. Entspannte Anreise zum Flughafen mit Rail&Fly Da ich aus Berlin anreise, bin ich bereits am Vortag nach München gefahren. Dabei hatte ich mich bei der Buchung für eine Kombination aus Bahn- und Flugticket entschieden. Germania bietet seinen Kunden in Zusammenarbeit mit der Deutschen …

Tofo, Mosambik

Strandtage in Tofo

Mühevoll hievt der Fischer in der gleißenden Hitze einen knapp 1 m großen Fisch aus seinem Boot und lässt ihn erschöpft in den Sand fallen. Mit ein paar geübten Handgriffen zückt er das Messer, um den Fisch an Ort und Stelle auszunehmen. Die Fischer von Tofo schieben unter Schweiß Boot für Boot durch den heißen Sand zwischen die Sonnenliegen des Casa Barry. Wir sind die einzigen Gäste neben den Fischern, die in der Mittagszeit den Schatten der Strohdächer über den Liegen nutzen. Und so wechseln wir von Liege zu Liege, bis wir die Äußerste erreicht haben, als am Horizont immer mehr Fischerboote auftauchen, die auch noch unter den Sonnenschirmen Platz finden wollen. Wenn die Männer die Fische prepariert haben, legen sie diese in eine Box, die sie dann zum Markt tragen. Nur 500 m entfernt sitzen dort lässig die Marktfrauen in ihren bunten Gewändern und rufen mir „Sister, come, look“ zu. Nicht den Fisch wollen sie an die Frau bringen, sondern vielmehr ihre bunten Stoffe. In Tofo herrscht eine entspannte Atmosphäre. Obwohl dieser Ort das touristische Zentrum Mosambiks ist, merkt man ihm dies nicht …

Emahlathini Guest Farm

Gastfreundschaft mitten in der Natur – Eine Nacht auf der Emahlathini Guest Farm

Regen tropft nieder während das abendliche Konzert der Zikaden in die Dunkelheit hineinschallt. Wir stehen nach einer fünfstündigen Autofahrt von Johannesburg im weitläufigen Garten der Emahlathini Guest Farm. Um uns herum zeichnen sich im Licht der Dämmerung Gebirgszüge ab. Nach einer Fahrt durch das platte Land von Mpumalanga, das sich erst hinter Ermelo abwechslungsreich gestaltet, ist selbst das, was sich im gedimmten Licht vor dem Auge abzeichnet, schon paradiesisch. Die letzten 18 km von Piet Retief zur zur Guest Farm waren zudem anstrengend. Tiefe Schlaglöcher ließen die einstige Teerstraße in Grenzrichtung zu einer huckeligen Piste werden, der man nur im Schneckentempo und Schlängellauf Herr werden konnte. Eukalyptuswälder schlossen den Weg ein und schickten ihren Duft durch die Öffnung der Scheibe. Eng bewachsen und zugleich in Reih und Glied boten die Wälder genügend Sicht, aber strahlten zugleich Monotonie aus. Hin und wieder tauchten Menschen am Straßenrand auf. Einfache Behausungen aus Wellblech, Lehm und Stroh bildeten kleine Siedlungen im Gebüsch  und durchbrachen den Anblick der immergleichen Wälder. Willkommen auf der kleinen Farm Nun begrüßt uns die Hausherrin Elise freudig. Mit einem …

Smaland, Schweden

Ankommen, Abschalten, Auspowern – Ein Wochenende in Småland

Es sind die ersten zaghaften Boten des Frühlings, die an diesem warmen Aprilwochenende die Überreste des Winters beiseiteschieben. Die Sonne schickt ihre wärmenden Strahlen auf die noch zugefrorene Fläche der rund 5000 Seen, die Småland schmücken. Neben den auffällig vielen Gewässern sind es noch die Kiefernwälder und roten Holzhäuser, die diese Region prägen. Småland ist ein Paradies für Outdoor-Fans, die gern ihre Freizeit inmitten der Natur verbringen. In diese legt sich die unaufgeregte Ruhe des Landlebens und ein Freiheitsgefühl, die die hier aufgewachsene Astrid Lindgren in ihren Geschichten auf wunderbare Weise eingefangen hat. Kiefern umringen die Anlage auf der Anhöhe, die in der ersten Nacht unsere Herberge ist. Die Holzbauten fügen sich unauffällig in die Natur ein. Hier ist nichts, was den Ausblick oder die Ästhetik stören kann. Die grenzenlose Weite legt sich unter das schützende Dach der Baumwipfel. In der Dämmerung und Nacht spürt man die Ausmaße der Einsamkeit, sie tastet sich sanft durch die Gehörgänge und streichelt die reizüberfluteten Sinne. Von der Aussichtsplattform, die auch als Startpunkt für Zipline genutzt wird, überschauen wir die dunklen Silhouetten …

Ilha de Mocambique

Ilha de Moçambique – Die vergessene Insel im Indischen Ozean

Gesang, der immer wieder durch jugendliches Gekicher abgelöst wird, dringt von dem kleinen Platz hinauf auf die Dachterrasse der Casa Gabriel. Von der Brüstung beobachte ich das Treiben auf den Straßen. Junge Insulanerinnen in kurzen Kleidern bewegen ihre Körper grazil und sexy zu den Melodien ihrer Lieder. Zwischen den Mädchen springen immer wieder Jungen hindurch, die einem aus Stofffetzen zusammengeschusterten Ball hinterher eilen. Eine andere Jungengruppe sitzt auf der kleinen Mauer, die die Straße vom Strand trennt. Auf dem Sand stehen Strohhütten und ein einfaches Waschhaus aus Beton, das der Staat den Bewohnern „geschenkt“ hat sowie  auch den nahen Markt und Fischmarkt, die nahezu ungenutzt bleiben. Schönheit und Leid auf kleinstem Raum Mein Blick schweift über die Dächer der niedrig gelegeneren Makuti Town und die strahlend blaue Mossuril Bucht. Blitze leuchten am Himmel, ohne das übliche Grollen des Donners hinterherzuschicken. Zu fern sind noch die Gewitter, die sich über dem Festland entladen. Der Ruf des Muezzins schallt in die nahende Nacht. Stolz ragt die erst vor 30 Jahren erbaute grün-weiße Minarette auf der gegenüberliegenden Straßenseite in den Himmel. Zwischen …

Isfahan, Iran

Die Brücken von Isfahan

„Bist du dem bewaffneten Mann begegnet?“ fragt mich mein Taxifahrer. Ich schaue ihn etwas verdutzt an. Noch etwas schlaftrunken zur frühen Stunde will ich ihn nicht so richtig verstehen.„Bang, bang“ tönt es schon vom Fahrersitz. Ich schrecke kurz zusammen und muss dann laut lachen. Nein, dem bewaffneten Mann bin ich nicht begegnet, das ist natürlich auch ihm klar. „Aber die ganze Welt hat doch Angst vor uns“, meint der Iraner mit indischen Wurzeln. Ich erwidere:„Schaue doch wieviele Touristen hier sind, sie wären sicherlich nicht gekommen, hätten sie Angst.“ Meine Busfahrt nach Isfahan An diesem frischen Samstagmorgen bin ich auf dem Weg zum Busbahnhof von Yazd. Die Stadt ruht noch größtenteils und auch auf dem Busbahnhof vermisse ich geschäftiges Treiben. Es sieht eine halbe Stunde lang so aus, dass ich die einzige Passagierin nach Isfahan sein werde, doch das ändert sich kurz nach der angekündigten Abfahrtzeit. Wir werden mit fünf Passagieren gen Norden starten. Die anvisierte vierstünde Fahrzeit sehe ich schon in weiter Ferne, als der Busfahrer alle paar Kilometer hält, um mal Passagiere einzuladen, sich dann heißes …

Costa Rica, Monteverde

Monteverde – Schweben über dem Nebelwald

Nebelschwaden legen sich über die gewellte Landschaft und verhüllen die sattgrünen Wälder. Morgenfrüh könnt Ihr bis zum Pazifik schauen, meinte Vinny, unser Guide. So ganz will ich ihm das noch nicht glauben, als ich auf die vom Dunst gezeichnete Landschaft in die Ferne blicke. Es regnet viel in diesen Tagen. Doch Vinny soll recht behalten. Als ich am nächsten Morgen meinen Vorhang öffne, sehe ich die Halbinsel Nicoya samt Ozean hinter den Nebelwäldern von Monteverde. Kleine Säulen steigen wie Rauch von den Hügeln in den Himmel. Monotone Rufe des Sprossers setzen ein.  Über den Bäumen – Zipline in Monteverde Nur wenige Stunden später stehe ich auf einer kleinen Plattform, an mir hängt ein Seil. Drei, zwei, eins zählt Bernie runter. Dann schwebe ich auch schon 80 m über den grünen Baumwipfeln. Ich war schon in diversen Hochseilgärten, doch zugegeben, sie sind immer wieder auf’s Neue eine Herausforderung. An schlechten Tagen meiner partiell auftretenden Höhenangst komme ich noch nicht einmal über eine kleine Hängebrücke. Und jetzt hänge ich an einem vibrierenden Seil, das eine Windböe erfasst hat. 30 …