Alle Artikel in: maddyswelt

Griechenland

Blaue Pause: Segeln im Saronischen Golf und zu den Kykladen

„Ich kann sehen, wie sich die ganze Menschheit hier durch den Flaschenhals streckt und nach einem Ausstieg in die Welt des Lichts und der Schönheit sucht. Mögen sie kommen, mögen sie bleiben und eine Weile in Frieden ruhen.“ – mit diesen wundervollen Worten beschrieb einst Henry Miller Poros – einen der Orte, die ich auf meinem Segeltörn besuchte. Im vergangenen September tauchte ich einen Moment in das Licht am Horizont über dem Mittelmeer ein und entdeckte die Schönheit des Saronischen Golfs und der Kykladen. Wir segelten 6 Tage mit einem Katamaran auf dem Mittelmeer. Eingeladen war ich auf diese Segel-Reise von Argos Yachtcharter. Unterwegs waren wir mit einem Katamaran von Dream Yacht Charter. Neulich auf dem Meer. Azurblau das Wasser, Himmelbläue über dem Horizont. Darauf weiße Segel. Klare Linie, wo das Sichtbare endet und Vorstellung beginnt. Klare Linie, wo sich Sichtweisen unterscheiden. Es gibt kein oben, kein unten. Nur mittendrin. Es gibt Wind, es gibt Wellen, von hinten, von vorn, von den Seiten. Es gibt Kräfte, die sich entgegenstellen und die treiben. Und es gibt uns. Neulich, als sich …

Sep-Strausi

2020. Fragmente der Pandemie. Bebilderte Gedanken.

Der Lichtschein des Monds schiebt sich durch die Lücke des Vorhangs, und wirft Schatten auf das hellbraune Laminat. Durch die geöffnete Balkontür tönt der Balzruf der Nachtigall. Es ist Mitternacht, als der Vollmond die Großstadt erleuchtet. Obwohl ich an einer der Hauptverkehrsadern wohne, erinnert nur die Silhouette der gegenüberliegenden Plattenbauten, die hinter den feinen Ästen der… durchscheint, an Berlin. Lärm und Trubel werden aufgefressen von der Natur. Dieser Moment reiht sich in unzählige Bilder ein, die meine Fotostrecke „Stillstand“ im Kopf nähren. 7 Wochen, in denen mein Kopf nicht still stand und durch mangelnden Input auch keinen Output erzeugte. Geistig gelähmt, obwohl Extremzustände Gedanken zum Fliegen bringen. Doch landen wollen sie nicht sicher auf Papier. Ich wehre mich gegen alles, was erzwungen ist. Abschalten kann ich nur durch Bewegung, das ist mein Elixier. Einschalten will ich nicht. Dieser Film, der viele Facetten der Interpretation zulässt – ob Endzeitstimmung oder Hoffnungsschimmer auf eine bessere Welt – will zu nichts in mir passen. Berlin, 6. Mai 2020 Da ist dieser Blick aus dem Fenster am 30. März, als …

Papua2

Die letzte Reise – in Zeiten von Corona

Meine Beine verlieren an Leichtigkeit, je mehr wir uns dem Ziel unserer mehrtägigen Wanderung durch das Baliem-Tal nähern. Noch einen Fluss gilt es zu überqueren. Stromschnellen wirbeln unter dem Baumstamm, der als provisorische Brücke dient, das Wasser auf. Schwere Regenwolken liegen in der Luft und werden sich bald über uns ergießen. Aus dem Gebüsch tönen Zikaden, ich lausche ihrem Surren und meinen Schritten, als in meinem Kopf das Orchester meiner Gefühle eine Melodie komponiert – aus dem Pochen meines Herzens und dem sich überschlagenden Puls. In einer Stunde werde ich die papuanische Provinzstadt Wamena erreichen, mich dort nach Tagen digitaler Abstinenz in ein sehr behäbiges WLAN einloggen und die Welt, wie ich sie kannte, wird in diesem Moment nicht mehr dieselbe sein. Diese Vorahnung beschleicht mich. Doch als mich dann die neusten Informationen schleppend erreichen, überrollen mich diese mit einer unerwarteten Wucht. Wäre ich doch einfach weitergewandert, immer tiefer in die Berge hinein, in denen das Volk der Danis auf das der Yalis trifft. Manchmal zahlt es sich aus, uninformiert zu sein – zumindest für …

Myohyang-Gebirge

Nordkorea Diary – Im Myohyang-Gebirge

Eine zu Eis erstarrte Mittelgebirgslandschaft umgibt uns, als das Auto plötzlich hält. Song Guk, einer meiner beiden Guides, winkt mich nach draußen. Seine Kollegin Lim bleibt überraschend beim Fahrer im Auto zurück. Hier gilt kein Vier-Augen-Prinzip mehr. Vor uns liegen große Kasernenanlagen. Schreie tönen über das Gemäuer. Bilder fügen sich allein aus den Geräuschen in meinem Kopf zusammen. Eine ungewöhnliche Wanderung im Myohyang-Gebirge Irritiert frage ich Song Guk, ob wir hier jetzt wandern wollen. Er nickt und marschiert schon schnellen Schrittes davon. Ich stolpere auf den gefrorenen Wegen, die nicht gestreut sind, hinter ihm her. Frostiger und grauer könnte eine Landschaft nicht wirken, ihr Antlitz von Eis überzogen, meine Wahrnehmung von der Starre in meinen Adern geprägt. Das Blut schießt mir in den Kopf, verliere immer wieder den Halt auf den spiegelglatten Wegen, klare Gedanken habe ich längst verloren. Als wir uns der Kaserne nähern, schießt mir nur noch ein „das war’s Madlen“ durch den Kopf. Hier kannst Du von der Bildfläche dieser Welt verschwinden und niemand bekommt es mit. Vielleicht war ich doch zu naiv, als ich dachte, meinen …

Nordkorea, Silvester in Pjöngjang

Nordkorea Diary – Pjöngjang zum Jahreswechsel, Juche 109

Ein Fluss, ein Boot, eine Band, ein prächtiges Feuerwerk am Ufer – Silvester wie es überall stattfinden kann. Dass ich in Pyongyang bin, kann ich an jenem Abend schnell vergessen. Mal erfüllt die „DPRK“ alle Vorurteile, mal überrascht sie auch. Vier Tage bin ich bereits in einem Land, das ich nicht zu fassen bekomme. Mimik, Gestik, Zwischentöne sind nur kleine Anhaltspunkte, um hinter die Fassaden zu schauen. Der Interpretationsspielraum ist groß. Wir sehen immer das, was wir sehen wollen. Tatsächlich denke ich oft, das hier ist wie die DDR – nur krasser. An jenem Silvesterabend auf dem Boot finde ich mich in einer Parallelwelt wieder, die wenig mit Pjöngjang und noch viel weniger mit der Land Nordkorea zu tun hat. An den Tischen vor der Bühne, auf der zwei Stunden vor Mitternacht eine Frauenband im Krankenschwester-Look auftritt, das wohl sexy wirken soll, sitzen ausländische Touristen und Nordkoreaner, die es sich leisten können. Über Preise spricht man hier nicht. Eigentlich war vorgesehen, den Abend auf dem nahen Kim Il-sung-Platz zu verbringen, doch die angekündigten -16 Grad ließen …

Pjöngjang, Nordkorea

Nordkorea Diary – Pjöngjang, eine Insel

Ich sitze im Transit in Peking. Körper und Geist befinden sich in einem undefinierbaren Raum. Der Jetlag tut sein Übriges. Die Fülle, die mich in Peking schlicht überrollt, wird bald einer Leere weichen. Diesen Hohlraum will ich mit Gedanken füllen. Keine Reize die mich ablenken könnten. Das klingt kontemplativ – ein bisschen nach Kloster. Davon bin ich jedoch weit entfernt. Dennoch führt mich die vor mir liegende Reise hinter Mauern. Mit 2000 EUR in der Hosentasche durch Peking Mit knapp 2000 EUR bar in der Tasche laufe ich an jenem zweiten Weihnachtsfeiertag völlig übermüdet durch die Straßen Pekings. Ich bin seit mehr als 24 h auf den Beinen. Für jeden Kriminellen wäre ich in diesem Zustand ein einfaches Opfer. In einer kleinen Seitenstraße in der Nähe des Ritan Parks liegt eine Einkaufspassage, in die sich wohl nur wenige Touristen verirren. Hier liegt im Untergeschoss das Yi Beiping Beijing Story Restaurant, in dem ich mit Ri Jong verabredet bin. Er wird mir bei einem Essen mein Visum gegen eine Gebühr von 50 EUR aushändigen und außerdem …

Samarkand, Registan

Samarkand und der Mythos Seidenstraße

„Hast Du Kinder?“ „Nein.“ „Das ist krank.“ „Das ist Deutschlands Krankheit. Du musst Eva Herman lesen.“ Meine Brust bebt, meine Hände verkrampfen sich im dunklen Stoff der Decke, als ich bestimmend rauspruste, so etwas niemals zu lesen. Zugegeben, besser hätte meine Reise nach Usbekistan nicht beginnen können. Mein russlanddeutscher Sitznachbar, der in Usbekistan aufwuchs, hat mich bereits eine Stunde auf dem Flug von Moskau nach Taschkent über Chemtrails, Überwachung, Vergiftung deutscher Städte genervt. Müde nickte ich alles ab, obwohl jeder einzelne Punkt Anlass zur Diskussion geboten hätte. Doch beim Thema Kinderlosigkeit ging er mir mit seinem übergriffigen Urteil zu weit. Ich bekam eine ungefähre Ahnung, dass ich in Usbekistan wieder einmal an meine Toleranzgrenze gelangen könnte – längst fällt es mir schwer, Ungleichheiten und Intoleranz mit lächelnder Gleichgültigkeit zu begegnen und auf lapidare Kulturunterschiede zurückzuführen. Müde drehte ich mich weg und öffnete die Lider erst wieder, als ich um 3 Uhr nachts die Lichter von Taschkent unter mir ausmache und die Ansage zum Landeanflug durch die Aeroflot Maschine schallt. Nachts in Taschkent und wenn alle Züge ausgebucht …

Albanische Alpen, Valbona

Zauberhaftes Valbona Tal – Wandern in den Albanischen Alpen

Verschlafen steigen wir in das Taxi, dass uns zum Treffpunkt für den Transport nach Komani bringen soll. Der Zeiger hat noch nicht die 5 Uhr erreicht. Doch das idyllische Valbona Tal in den Albanischen Alpen lockt. Tirana liegt ruhend am Fuße der Berghänge. An einer Tankstelle soll es losgehen. Und tatsächlich hat sich vor den Zapfsäulen der Gazheli schon eine Handvoll Reisender eingefunden, die später, als der Van vorfährt, nicht alle ins Auto passen. Schnell wird ein zweiter Wagen organisiert. Gequetscht wird trotzdem und auf unserer Fahrt in den Norden immer wieder Platz geschaffen, um weitere Passagiere aufzunehmen. Als das Land unter den Nebelschwaden, die sich über die Felder am Wegesrand legen, aufwacht, lauschen wir den orientalisch angehauchten Klängen, die aus den Boxen schallen. Meine Müdigkeit verfliegt erst, als nach etwas mehr als 2 Stunden und einer kurzen Kaffeepause linkerhand der Stausee auftaucht. Die Straße wird enger und holpriger, aber dafür szenischer. Löchriger Asphalt bremst uns aus. Der von einem Bergprofil gerahmte türkise Stausee leuchtet kräftig durch die Scheiben. Um 8.30 Uhr kommen wir plötzlich im Tunnel …

Ruppiner Seenland

Immer nah am Wasser im Ruppiner Seenland

Mit kräftigem Zug gleitet das Paddel meiner Begleiterin durch das Wasser, um dann schwungvoll die Tropfen durch die Luft zu wirbeln. Ein paar Spritzer bahnen sich ihren Weg ins Kajak. Jeder Tropfen erfrischt. Die spätsommerlichen Wälder, die den Tornowsee umschließen, spiegeln sich im tiefgrünen Wasser. Schräg vor unserem Kajak taucht ein Graureiher auf, der seinen Hals elegant der Sonne entgegenstreckt. Als wir uns nähern, fliegt er davon. Nur der Flügelschlag des Vogels und unsere Paddel durchdringen die Stille dieses Septembertages.  Zufrieden seufze ich. „Immer die kleinen Freuden aufpicken, bis das große Glück kommt. Und wenn es nicht kommt, dann hat man wenigstens die kleinen Glücke gehabt.“ Genau in diesem Moment fällt mir wieder dieses Zitat von Theodor Fontane ein, das ich am Morgen irgendwo im Hotel Resort Mark Brandenburg las. Ich verbringe ein Wochenende auf den Seen nördlich von Neuruppin. Es ist nicht das erste Mal. Im Sommer vor der Wende machte ich mit meinen Eltern im benachbarten Alt Ruppin Urlaub. Jeden Abend schwamm ich mit meinem Vater über den See. Über uns die russischen Flieger – die einzigen Fetzen jener …

Neustrelitz Domjuech

Lost Place am See: Mecklenburg-Strelitz’sche Landesirrenanstalt Domjüch 

Es ist ein trüber Sonntag im Mai, als wir mit dem Auto die enge Straße von Neustrelitz in Richtung Fürstensee nehmen. Wir wollen an den See – irgendwo baden und die „andere“ Hälfte des Müritz Nationalparks erkunden. Jahrelang verbrachte ich jedes Wochenende im Westteil des Müritznationalparks, doch nun sollte einmal der Osten dran sein – rundum Serrahn. Doch als ich am Ortsausgang von Neustrelitz ein Schild entdecke, auf dem ich etwas mit Tour erspähe, werde ich neugierig und vergesse unser Vorhaben. Ein ruckeliger Weg führt rechts ab. Vor uns tut sich ein Solarpark auf. Ein wenig Skepsis macht sich breit, doch will sie nicht lange währen. Bald erblicken wir Ruinen der Anstaltsgebäude direkt an einem Seeufer inmitten einer großzügigen Parkanlage. Idyllischer könnte das Areal nicht liegen, wäre da nicht der Solarpark, aber das ist eine andere Geschichte. Ein Spaziergang durch die Landesirrenanstalt Domjüch Was wir einmal imim Neustrelitzer Stadtteil Strelitz-Alt so nebenbei entdeckt haben, ist die ehemalige Mecklenburg-Strelitz’sche Landesirrenanstalt Domjüch, die ab 1934 als Heil- und Pflegeanstalt Domjüch fungierte. Anstatt hohe Mauern, Gitter oder Eisentore begrüßen uns einladende …