Alle Artikel in: maddyswelt

Yazd, Iran

Yazd – Wüstengroßstadt anstatt Großstadtwüste

Persische Melodien schallen aus dem Recorder an der Wand. Es mischen sich französische und deutsche Stimmen unter die Musik auf der kleinen Dachterrasse des Art House. Hinter mir stehen kleine Sukkulenten aufgereiht. Liebevolle Details verschönern die Lehmwände. Ob dekorative Keramikfliesen und -geschirr, prächtige Teppiche und Kissen oder schöner Schmuck – alles wird zum Kauf angeboten. Vor 6 Jahren hat Mehdi Mirzaee das Haus seiner Eltern ausgebaut. Nun befindet sich hier neben einer Ausstellung seiner eigenen Kalligrafien und der Zeichnungen seiner Frau Goli auch ein Café in dem Gemäuer. Von der Dachterrasse lasse ich meinen Blick schweifen – über die braun-beigen Altstadtgassen von Yazd. Windtürme sprießen aus dem Gewirr gen Himmel. Von der Kunst in Yazd „No Wifi – Talk to each other, pretend it is 1985“ steht auf einer Tafel geschrieben, darunter wird als „Todays Special“ Camel Stew angeboten. Ich bin mir sicher, das ist nicht nur heute die Empfehlung des Hauses. Denn wo man auch zum Speisen hinkommt, Kamel ist hier die Spezialität. Ich begnüge mich mit einem Yazdi Kaffee, einem Yazdi Kuchen und einer selbstgemachten …

Cachoeira

Cachoeira – dort wo der Tabak wächst

Verschwommen zeichnen sich Bambusfelder hinter der Autoscheibe ab. Sie fügen sich wunderbar in die sattgrüne Landschaft ein, die sich links und rechts der Landstraße aufwellt. Es ist nicht einmal zwölf Stunden her, als ich in der feuchtwarmen Luft von Salvador Bahia landete. Ein Bambusdach schmückte den Weg vom Flughafen in die Stadt, die mich mit ihren bröckelnden Fassaden recht verschlafen begrüßte. Jetlag und Schlafmangel lassen mich nun tief in den Autositz sinken und dösend tagträumen. Bald wird es regnen, denke ich mir, als wir die kleine Stadt Santa Amaro erreichen. Tief liegen die Wolken inzwischen über der Landschaft. Wo einst Zuckerrohr angebaut wurde, steht heute eine große Papierfabrik, die den Bambus gleich weiterverarbeitet. Die Gegend war auch reich an Gold, Silber, Tabak, Zucker. Die portugiesischen Eroberer holzten die Wälder ab und versklavten die Ureinwohner als billige Arbeitskräfte. Aus Afrika wurden bald kräftigere Arbeitskräfte herangeschafft, im Gegenzug machten sich Rohstoffe und Waren auf die Reise nach Europa. Cachoeira und der Glanz von einst Erste Tropfen prasseln auf die Scheibe, als wir unser Ziel am Rio Paraguacu erreichen. Cachoeira galt im 19. …

Brasilien, Ilha do Marajó

Ilha do Marajó und die Entdeckung der Langsamkeit

Ein Pfeifen schrillt durch die Gänge, als die ersten Passagiere zu den Schwimmwesten greifen. Es ist eine Stunde vergangen, als wir mit unserer Fähre auf dem Rio Guamá in die Baía do Guajará gestochen sind, um zur Ila do Marajó überzusetzen. Längst bin ich von der Übelkeit so geschwächt, die mir der Seegang bereitet, als dass ich mich auf ein Kentern vorbereiten könnte. Nach 2,5 Stunden erreichen wir die größte Flussinsel der Welt und passen uns an die Langsamkeit in den Straßen an. Die ausgestorbene Hauptstadt der Insel, Soure, ist zur Mittagszeit fast menschenleer. Ein paar Mopeds wirbeln ein wenig Staub auf. Gemütlich radeln ein paar Einheimische durch die breiten Straßen. Büffel stehen an den Ecken. Das ist schon alles, was das Leben hier hergibt. Fazenda-Leben und die gestrandeten Wasserbüffel Doch genau diese sind hier neben den Stränden und dem Müßiggang wohl die Attraktion. Denn auf Marajó leben Hunderttausende Wasserbüffel vier verschiedener Arten. Sie sollen 1920 auf die Insel gekommen sein, als ein Schiff aus Asien vor der Küste Brasiliens Schiffbruch erlitt und sank. Eine …

Iran, Kharanaq

Lost City Kharanaq – die verlassene Wüstenstadt

Ich stehe auf dem Dach eines verlassenen Hauses in einem verlassenen Ort. Die Sonne wirft ihre letzten Schatten in die engen Gassen und offenen Räume der 1000 Jahre alten Gebäude, bevor sich die dunkle Decke der Nacht über die verfallenen Lehmbauten legt. Der Mond drückt sich im kräftigen Gelbton aus den Bergen auf der gegenüberliegenden Flussseite gen Himmel. Aus den umliegenden noch bewirtschafteten Gärten und Feldern tönen Stimmen zu mir herüber. Mein Blick erhascht zwei Menschen auf Pferden. Dann wird es wieder still. Die Ruhe verstärkt noch einmal das Gefühl der völligen Verlassenheit. Immer wieder muss ich aufpassen, dass ich nicht in ein Loch trete oder etwas zum Einstürzen bringe. In Deutschland wäre längst alles gesichert. Doch obwohl der Besuch von Kharanaq als Halbtagestour von Yazd aus angeboten wird, fühlt sich alles wie eine Lost City an, die sich in die umliegende Wüstenlandschaft wunderbar einfügt. Meybod und eine Festung Ich war gemeinsam mit einem Holländer und zwei Berlinerinnen mittags zu einem Halbtagestrip in die Wüste aufgebrochen. Als wir Meybod erreichen, macht sich in unserem Auto …

Tbilissi

Tbilissi – ein Tanz zwischen Vergangenheit und Zukunft

„Vielleicht bleibst du hier. Musst guten Mann heiraten und dann bleibst du hier in Georgien.“ Ich weiß nicht, ob Ilja sah, dass meine Lider versuchten, den Glanz zu verstecken, der sich in meine Augen legte, als wir diese Nacht durch die dunklen Straßen der Altstadt von Tbilissi fuhren. Es gibt Abschiede, die mit viel Schwermut einhergehen, immer noch, trotz der vielen Reisen. Dieser hier zählt definitiv dazu. Aus den Boxen tönt Hamlet Gonashvili, melancholische georgische Musik. Ich versuche zu lachen, als ich erwidere, für georgische Männer bin ich nicht „sanft“ genug. Die Bedeutung von Architektur in Tbilissi Die dreckigen, düsteren, einstürzenden Fassaden mancher Straßenzüge, die an uns vorbeiziehen, erinnern mich an das „alte, graue Ost-Berlin“ der 90er, in dem alles möglich war. Da gab es auch noch Einschusslöcher im Gemäuer und auch die Aufbruchstimmung. Es ist die tiefe dunkle Seele, der innovative, freiheitliche Geist hinter den zerbröckelnden Hauswänden, der nach einer Woche Georgien hängenbleibt. Nicht die gläsernen Fassaden und futuristischen Strukturen, die oftmals aus den Händen westeuropäischer Architekten stammen, und mit denen Micheil Saakaschwili, der …

São Luís

São Luís – Ein tiefer Mittagsschlaf

Behäbig wechselt eine getigerte Katze die Straßenseite. Mehr passiert nicht, als ich durch die Rua do Giz laufe. Es ist nachmittags und die Provinzhauptstadt des Bundesstaats Maranhão liegt in einem langen Mittagsschlaf. Die Frage ist nur, wann sie daraus erwacht. 1 Million Einwohner sollen hier leben, doch außer Katzen zeigt sich kaum ein Wesen in den wunderschönen, kolonialen Straßenzügen, die durch schmucke portugiesische Azulejos-Fassaden geprägt sind. Dabei waren die Stadtgründer anders als im übrigen Land nicht einmal Portugiesen, sondern Franzosen. Die Blütezeit des 18. und 19. Jahrhunderts ist längst vergangen, den Verfall sieht man an den vielen lückenhaften Kachelwänden, die oftmals der Natur einen guten Nährboden bieten. So grünt es aus manchen Dächern und Wänden während daneben schmiedeeiserne Gelände, Balkone und farbenfrohe geschnitzte Haustüren blinken. Barschilder scheinen in den Nachmittagsstunden mehr eine Zier, als eine ernsthafte Einladung. Abendstimmung auf dem Largo do Comércio Mit der eintretenden Dunkelheit erwachen die Kopfsteingassen zu Leben. Der Largo do Comércio füllt sich mit jungen Leuten. Offene Kurzhaar-Afrofrisuren werden auf den Straßen mit Stolz getragen. Straßenstände säumen die Ränder des Platzes …

Iran Zug

Männerabteil – Meine Zugfahrt nach Yazd

Punkt 14.50 Uhr rollt der Zug langsam an. Der rosarote und hellblaue Lack kann sein Alter nur oberflächlich übertünchen. Ich teile mit zwei Männern das Abteil. Genug Platz, denke ich mir. Doch eigentlich hatte ich mir die Fahrt unterhaltsamer vorgestellt, die Männer grüßen eher muffelig und beschäftigen sich dann mit sich selbst. Der Schaffner schaut kurz in das Abteil und überreicht uns Bettwäsche und eine Wasserflasche, später kommt er noch einmal, um den beiden Männern Knabbereien und Saft zu überreichen, mich ignoriert er hingegen völlig. Einrichten im Abteil Unsere Kabine besteht aus hochklappbaren Betten und bietet Platz für sechs Personen. Ein kleiner Teppich ziert den Boden, ein Mülleimerchen steht darauf. Dieser wird während der achtstündigen Zugfahrt häufig geleert. Da der Nachtzug bereits ausgebucht war, bin ich mit dem Joopar-Zug unterwegs. 50 Jahre ist dieser hier alt, soll ich später noch erfahren.  Doch ich sehe ihm natürlich auch ohne diese Information sein Alter an. Sicherlich hätte es komfortablere Lösungen gegeben. Den Pardis-Express beispielsweise. Stattdessen sitze ich nun im abgerockten Bummelzug Richtung Bandar Abbas. Die Touristenquote liegt bei …

TAP PORTUGAL

Frühstück in Lissabon – Mit TAP Portugal in den brasilianischen Amazonas-Urwald

Es ist ein sonniger Morgen, als ich auf einem Liegestuhl auf dem Miradouro de São Pedro de Alcântara mit einem Pastéis de Nata und Galão sitze und über Lissabon schaue. Das könnte der Anfang einer Portugal-Reise sein, doch stattdessen ist es nur ein Zwischenstopp, ein kurzes Vorspiel für meine Reise nach Brasilien. Heute ist sozusagen der Weg das Ziel. Ich verbringe fünf Stunden in der Altstadt am Tejo. In 30-40 Minuten ist man vom Flughafen im Zentrum von Lissabon. Shuttlebusse, Aerobus genannt, machen das möglich. Für 4 EUR kann ich hin und am selben Tag zurück zum Flughafen fahren. Ich bin morgens um 6 Uhr mit dem Flieger von TAP Air Portugal 3 Stunden 40 Minuten von Berlin nach Lissabon geflogen. Acht Stunden nach meiner Landung wird mein Flieger erneut abheben, dann aber über den Atlantik. Mit TAP Air Portugal auf direktem Weg nach Brasilien Wer von Europa nach Brasilien fliegt, dem bietet sich TAP Air Portugal wohl die breiteste Auswahl an Flügen an. Das Schöne ist, dass man nur einen Umstieg in Lissabon hat. …

Lençóis Maranhenses

Die weißen Bettlaken Lençóis Maranhenses – Im Rausch des Sandes

Die Meeresbrise liegt noch in der Luft, als sich vor uns hell schimmernde Sandberge auftürmen. Wir fahren hinein in das, was man „weiße Bettlaken“ – Lençóis Maranhenses – nennt. Und kurz darauf sind wir Teil dessen, was sich vor uns kunstvoll präsentiert – eine Landschaft die bewegt, und zwar im doppelten Sinne. Wüstenlandschaften wirken immer unwirtlich und irgendwie fremd. Ihr Minimalismus beeindruckt. Was man eben noch zu sehen geglaubt hat, verändert im nächsten Moment sein Erscheinungsbild. Dünen sind Getriebene des Windes. Sandkörner legen sich auf meiner Haut ab, suchen sich jede freie Pore. Die Natur vereinnahmt alles, was fremd ist, was nicht hierhin gehört. Der Wind peitscht über die Dünenkronen, schiebt Kanten und Rundungen immer wieder zu neuen Formen zusammen. Wie Fontänen spritzen die harten Körner aus den Hügeln heraus. Das Spiel von Sonne und Wolken tut sein Übriges. Minutenlang verharre ich an einer Stelle und lasse die Natur sich um mich herum bewegen. Licht und Schatten überziehen die Dünen und setzen sie immer wieder neu in Szene. Spuren, die mich hierher führten, sind längst nur …

Crestasee

Meine Wanderung in der smaragdgrünen Bergsee-Welt von Flims

Wanderer sind die glücklicheren Menschen und dem gibt auch die Medizin recht. Bewegung, Konzentration … Gehirnzellen und Motorik werden geölt. Meine Zeit in Graubünden dient also als Rezept für das Glück und für meine Gesundheit. Nach meiner Wanderung auf einem Teil des Sardona-Welterbe-Wegs führt mich mein letzter Tag in Graubünden noch einmal in die Wälder von Flims. Mit dem Postbus fahre ich früh am Morgen von Chur in die nahe Ortschaft, deren Name auf Flüsse verweist. Tatsächlich steht das Wasser im Mittelpunkt meiner Wanderung. Denn südlich von Flims findet man im Großwald vier wunderschöne Seen: Caumasee, Lag Prau Pulté, Lag Prau Tuleritg und Crestasee. Vom Flimser Waldhaus starte ich auf dem „Kulinarik-Trail Wald & Wasser“, der Bewegung mit Genuss verbinden soll. Den kulinarischen Teil lasse ich aus, denn in meinem Rucksack befindet sich ein Lunchpaket für unterwegs. Picknicken und Natur sind eine wunderschöne Kombination, der ich mich hier hingebe. Mein heutiger Weg führt mich durch die Wälder auf dem Schuttkegel des Flimser Bergsturzes – über den Caumasee der Rheinschlucht entlang nach Conn, zum Crestasee und dann via Felsbachschlucht zurück zum Flimser Waldhaus.  …