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2018 – von Reisen und Zielen

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Was ist Dein Ziel? Überrascht schaute ich Mo, den Tätowierer, an, als er sich noch bevor wir über Motive sprachen über meinen Lebenssinn austauschen wollte. Es fiel mir schwer, auf diese Frage eine Antwort zu finden. Denn sie traf mich so komplett unvorbereitet, erwartete ich diese Fragen doch eher auf einer Psychologen-Couch. Jeden Tag so zu leben, dass ich mit mir im Reinen, weitestgehend glücklich und zufrieden bin. Dass es da nichts Großes gab, auf das ich hinsteuere, schien den Mittdreißiger doch zu verunsichern. Yoga, Meditation… alles Mögliche probiert er aus, um diesen Sinn hinterher zu jagen. Was, wenn’s den aber gar nicht gibt?

Meine Antworten scheinen zu einfach in einer kompliziert werdenden Welt, in der man seinem Sein eine Bedeutung zuweisen möchte. Schamanische Reisen, energetische Raumausräucherung, Tantrische Körper- und Ritualarbeit… die Spielwiesen derer, auf die ich immer wieder treffe, sind groß. Was probiert man nicht alles, um zu suchen, zu finden. Dass ich einen Tag nach meinem Radunfall ihm nur sagen konnte, hier zu sein, uneingeschränkt und gesund die Welt zu erleben und jeden Tag so zu behandeln, als sei er ein Geschenk, machte vielleicht nur in dem Kontext Sinn, in dem ich mich eben an jenem Tag befand, und wirkte zugegebenermaßen sehr abgedroschen. Zudem befand er meine Gedanken und den eingeschlagenen Lebensweg sehr männlich geprägt.

Shikoku, Japan

Planbarkeit von Reisen

Was ist Dein nächstes Reiseziel, ist die Frage, die ich noch häufiger zu hören bekomme. Wenn ich mich als ziellos oute, scheint das mein Gegenüber nur selten zu befriedigen. Als Reisebloggerin muss man doch immer ein nächstes Ziel in der Tasche haben, und ein Ziel in der Mitte des Lebens sowieso. Nein, habe ich alles nicht. Mein Ziel ist jeder einzelne Tag. Mein Ziel ist aber auch, gesund durch das Leben zu schreiten, das hat mir dieses Jahr am meisten gelehrt. Denn Zukunft lässt sich nicht planen. Und Reisen auch nicht immer.

Mit 77 bereisten Ländern wird die Auswahl der möglichen Ziele tatsächlich magerer. Fast alle Träume habe ich mir bereits erfüllt. Unerfüllte Flecken liegen da, wo mich Kriege und Katastrophen von einer Reise abhalten. Natürlich tun sich immer wieder neue Orte auf, die ich besuchen will. Denn Reisen ist für mich längst nicht mehr ein Aufsaugen und Erkunden anderer Orte, Abtauchen in andere Kulturen, sondern hat für mich viel mit Bewegung zu tun. Himalaja, Kilimandscharo … das hatte ich mir für 2019 vorgenommen. Doch die Planbarkeit dieser Reisen hängt umso mehr vom Gesundheitszustand ab. Also dann doch erst mal pausieren und einen Strandurlaub machen? Längst befriedigt mich das nur nicht mehr. Denn eines habe ich gelernt – ich muss aktiv bleiben mit Kopf und Körper.

2018 war ein bunter Potpourri an Zielen, an die ich 2017 nicht einmal dachte, hätte mich da jemand nach meinen nächsten Reisedestinationen gefragt. Geplant war eigentlich nur Mosambik und die Schweiz. Im langanhaltenden Sommer trieb es mich dann auch gar nicht mehr fort. Die Ostsee, das Berliner Umland, die Uckermark und die Feldberger Seenlandschaft waren zu verlockend. Von Mai bis September war bei mir Camping Saison und ich jedes Wochenende in der Natur. Und die muss nicht immer fern sein. Und ansonsten?

Tofo, Mosambik

Mosambik // März

‚„Nacala!“ „Where?“ schaut mich die Lady am Check In verwundert an, um mich dann über die korrekte Aussprache des Ortes im Norden von Mosambik aufzuklären. Es ist 8.15 Uhr morgens, als sie dann eher beiläufig erwähnt, dass unser Flieger um 13 Uhr starten wird. 13 Uhr wiederhole ich auf Portugiesisch und lache los. Unser gestriger Abflug von Inhambane hatte sich auch bereits um 2,5 Stunden verspätet. Dieser hier wird sich um 5 Stunden verspäten. Tage, die wir zum Warten verdammt sind, geben mir eine neues Gefühl zum Thema Zeit. Die Lady schaut mich erneut verwundert an und meint „I said Delay, not Cancelled. So why are you laughing?“ Ja, in Mosambik ist eine Verspätung so etwas wie Gewohnheit und für uns macht das jeden Reisetag zum Lotteriespiel. Mein Körper ist bereits entschleunigt, doch der Kopf will nicht ganz nachziehen. Was auch immer kommen mag, tue ich es den Mosambikanern gleich und erwidere eine „Ok, mhhhh.“‘

Schon bei meiner Ankunft überraschte mich eine ruhige, bedächtige Atmosphäre in den Straßen von Maputo, anstatt der sonst wuseligen und lauten Hauptstädte. Seit ich 2000 für mehrere Monate in Südafrika verweilte, geistert Mosambik in meinem Kopf. Ein Tauchparadies, ellenlange und menschenleere Strände und auch noch ein bisschen Kultur. Schade nur, dass ich aufgrund meiner noch nicht auskurierten Grippe und einer offenen Wunde am Kopf die grandiose Unterwasserwelt nicht erkunden konnte.

Swasiland

Swasiland // März

„Der Grenzposten von Swasiland verschwindet im Rückspiegel. Die gut geteerte Straße, die uns in das kleine Königreich führt, das von Südafrika und Mosambik eingeschlossen ist, hat die löchrige und holprige Straße der südafrikanischen Seite abgelöst. Vor uns tut sich eine satte grüne Berglandschaft auf. Tiefliegende Wolken legen sich sanft auf die Kuppen. Hütten mit rundem und rechteckigem Grundriss finden sich am Wegesrand. Fleischereien und Autoreparatur Services ebenso. Worldvision unterhält hier laut ihrer zig Schilder Projekte. Fast immer hat es etwas mit Wasser oder Infrastruktur zu tun. Swasiland kommt ziemlich geordnet daher und doch sind es kleine Bretterbuden, die als Verkaufsstände dienen und die Menschen, die an der Straße stehen, die uns verraten, noch in Afrika zu sein.“

Ich tue dem kleinen Königreich sicherlich unrecht, wenn ich sage, es war nett. Aber so richtig überrascht und begeistert hat mich leider nichts. Reisen in Swasiland mit eigenem Mietwagen ist sehr easygoing und die Bergwelt auch zauberhaft. Aber der Puls von Mosambik war einfacher spürbarer und dominierte noch zu sehr meine Gefühlswelt.

Südafrika

Südafrika // März

„Bässe füllen die Straße und ergänzen die üblichen städtischen Straßengeräusche, die zu uns in die 5. Etage des Hallmark Houses hinaufschallen. Es ist Freitagabend und es gerade einmal 20 Uhr, als uns das lebhafte Maboneng unmissverständlich zu verstehen gibt, das wir hier unsere Bleibe in einem ausgesprochenen Partyviertel gefunden haben. Die gespeicherten Ruhereserven der letzten Tage auf der komplett entschleunigten Ilha de Mocambique werden hier binnen weniger Stunden aufgebraucht. Über Lärmschutz kann man nur schmunzeln. Nach Feiern ist es mir gerade nicht zumute, aber dennoch genieße ich das erfrischende Warehouse-Ambiente des einstigen Industrieviertels, das heute ein Tummelplatz für Architekten, Künstler und Kreative ist.
Auf dem Weg nach Soweto am nächsten Tag wechseln wir einmal das Fahrzeug am Gold Reef City Casino Hotel. Der Kleinbus lässt dort 45 Minuten auf sich warten, aus Mangel an Alternativen will ich mir die Zeit ein wenig in dem Hotelgebäude vertreiben und finde dort eine gigantische Spielhölle vor. Rentner, die mit Gehstock den Sitz vor dem Spielautomat erklimmen sitzen neben Jungen, Reichen und Ärmeren. In einem zweiten Raum wird bereits der Nachwuchs auf das Spielleben vorbereitet. Ich bin entsetzt und fasziniert zugleich. Eine Frau hinter einem Automaten will wissen, wie es mir geht. Ich entgegne ihr, wie weird ich diese Welt hier finde. Sie meint: „Don’t come this side, it is evil.“

Ich war schon einige Male in Südafrika, aber nie im Krueger NP und Johannesburg. Daher suchte ich auf dieser Reise beide Orte auf, und beide enttäuschten mich etwas. Das Bush Feeling, das mich sonst in Botswana, Tansania, Namibia ergriffen hatte, blieb im Krueger NP komplett aus. Das lag sicherlich auch an der falsch ausgewählten Unterkunft, die direkt an einer Bahntrasse lag und mit Gruppen überlaufen war und mir somit das Gefühl von Abgeschiedenheit komplett nahm. Aber auch die Game Drives erinnerten mich an einen reinsten Massentourismus-Zirkus.

Smaland, Schweden

Schweden: Småland  // April

„Es sind die ersten zaghaften Boten des Frühlings, die an diesem warmen Aprilwochenende die Überreste des Winters beiseiteschieben. Die Sonne schickt ihre wärmenden Strahlen auf die noch zugefrorene Fläche der rund 5000 Seen, die Småland schmücken. Neben den auffällig vielen Gewässern sind es noch die Kiefernwälder und roten Holzhäuser, die diese Region prägen. Småland ist ein Paradies für Outdoor-Fans, die gern ihre Freizeit inmitten der Natur verbringen. In diese legt sich die unaufgeregte Ruhe des Landlebens und ein Freiheitsgefühl, die die hier aufgewachsene Astrid Lindgren in ihren Geschichten auf wunderbare Weise eingefangen hat. “

Das, was ich in Südafrika nicht finden wollte, bekam ich nur wenige Tage später in Småland geboten: Abgeschiedenheit und Natur pur.

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Uckermark // Mai und das ganze Jahr über

„’Ich bin noch nie besorgter aus dem Wald gekommen, als ich hineinging.‘ Roland Schulz, unser heutiger Naturführer, grinst uns zufrieden an und ergänzt: „Oder kommt ihr schlecht gelaunt aus dem Wald?“ Er untermauert seine Aussage mit kürzlich gelesenen Studien, die besagen, verbringt man mindestens zwei Tage im Monat im Wald, stärkt dies das Immunsystem. Waldspaziergänge sind somit die beste Medizin und Waldbaden im Trend. Und so wollen wir alle unser Immunsystem an diesem Nachmittag stärken, als wir in der gleißenden Mittagshitze unter das kühlende Blätterdach des Grumsiner Buchenwaldes verschwinden. “

2017 habe ich die Uckermark wieder für mich entdeckt. 2018 führte ich meine Erkundungen im seen, wald- und wiesenreichen Gebiet fort. Will ich mal keine Menschen sehen, keine nervigen Geräusche hören, ist die Uckermark immer eine gute Idee. Wenn ich auf dem Wasser durch das Untere Odertal paddel, mit dem Rad die Landschaft erkunde oder zu Fuß durch die Wälder  durchstreife – in der Uckermark finde ich den perfekten Ausgleich zum Großstadtleben. Und auf meiner kleinen Pressereise im Mai entdeckte ich sogar noch neue Orte.

Dänemark

Dänemark / Schweden // Juni

„Ich fahre nach Dänemark und Schweden, was heute so einfach klingt, war mir noch vor knapp 30 Jahren nicht möglich. Kindheitserinnerungen begleiten mich auf der morgendlichen Fahrt. Eine diffuse Skandinavien-Sehnsucht machte sich damals breit – wenn die Fähre ihre aufgeschäumten Spuren im Meerwasser hinterließ und mir Bilder von den fernen Ländern auf der gegenüberliegenden Seite der Ostsee in den Kopf zauberte.“

Das Gute liegt doch manchmal so nah. Und trotzdem denkt man oft, das kann ich auch noch später machen. So ähnlich erging s mir immer mit Dänemark. Wie oft war ich schon an der Ostsee und nicht weit von dem Nachbarland entfernt. Dieses Jahr habe ich mein Auto geschnappt und bin mit Scandlines von Rostock nach Gedser übergesetzt, um einen kleinen Road Trip durch Lolland, Falster und Seeland zu machen.

Karpathos, Griechenland

Griechenland: Karpathos // Juli

„Am Abend ertönen melancholische Lykra-Klänge aus der benachbarten Taverne. Das Rauschen des Meeres mischt sich unter diese Klänge, die durch die geöffnete Balkontür in mein Zimmer schallen. Klappern und Stimmen verlieren sich in der Nacht. Katzen miauen in den Gassen. Ein lauter Ton legt sich in die Bucht und durchbricht für einen Moment die harmonische Dorfmelodie. Wie ein ungestümes Monster aus einer anderen Welt fährt die riesige Fähre in den Hafen ein. Dann kehrt Ruhe ein und Diafáni fällt in seinen Dornröschenschlaf.“

Ich schaute mich eine Woche für Travellers Insight auf Karpathos um, um dort auf eigene Faust bekannte und weniger bekannte Strände zu entdecken, verlassene Außensiedlungen zu erkunden und allein durch die imposante Bergwelt zu wandern. Die felsige Insel zwischen Rhodos und Kreta war meine kleine Überraschung in diesem Jahr.

Kesch-Trek, Graubünden

Schweiz: Graubünden // August

„Vor mir stapft in Sichtweite aber doch mit merklichem Abstand ein junger Züricher nach oben. Sichtlich erleichtert ruft er uns zu, er hat seine Probleme und Sorgen dem Berg übergeben. Das ist das, was das Wandern in den Bergen ausmacht, das Gefühl, etwas bezwungen zu haben und die Sorgen klein aussehen zu lassen. 4,5 Stunden nachdem wir an der Hütte gestartet sind, erreicht unsere Gruppe den Pass. Wolken umhüllen mich, eine frische Brise zehrt an den nackten Armen, eine angenehme Erschöpfung überflutet mich. ‚Von hier sieht alles ganz anders aus, von hier möcht‘ ich nicht fort.‘ – kommt mir ein Songtext in den Sinn. Ich lege mich auf einen kleinen Grasbüschel nieder und schaue den vorüberziehenden Wolken zu, wie sie Form und Gestalt verändern. Das Geröll drückt sich in meine Haut, hinterlässt temporäre Muster. Kälte überzieht Arme und Beine mit einer Gänsehaut – und dennoch umhüllt mich eine wohlige Wärme. Meer stimmt mich oft melancholisch, Berge stimmen mich hoffnungsvoll. Dem Steinbock in mir tut’s gut.“

Der Mensch sollte einmal im Jahr in Berge und dort mit sich und seinen Gedanken allein sein! Weg vom Handyempfang, weg von Terminen und äußeren Einflüssen war meine mehrtägige Hüttenwanderung auf dem Höhenwanderweg Kesch-Trek keine normale Reise, sondern eine Reise zu mir selbst.

Thassos

Griechenland: Thassos // September

„Der frische Duft des nächtlichen Regens legt sich in die engen Gassen von Panagia. Ich schlendere durch den Ort, schaue hinein in die Läden und hinauf zu den Fenstern, hinter denen langsam das dörfliche Leben erwacht. Türen füllen sich mit Bewegung und Klängen, geben Einblick in die Intimsphäre, ohne exhibitionistisch zu erscheinen. Eine ältere Frau im Nachthemd schließt hurtig ihre Fensterläden, sie entzieht sich dem neugierigen Blick. Eine Gruppe russischer Touristen kommt um die Ecke. Auch ich entfliehe der Szenerie, die eher ein Weniger verträgt. Eine ältere Dame spaziert zügigen Schrittes an mir vorbei. Im schwarzen Kostüm mit Lederhandtasche zeigt sie sich adrett an diesem Samstagmorgen. Das Bellen der Hunde legt sich über das Dorf, Stimmen hallen durch die Gassen. Katzen begrüßen den Tag dezenter in Tür- und Fensterrahmen. Der Bäcker löst mit müdem, abgestütztem Kopf Kreuzworträtsel. Das Wenige, was passiert, geschieht mit Anmut und faszinierender Langsamkeit, ohne der Zeit hinterherzueilen und der Angst, etwas zu verpassen. Die Liebe zum Leben und zur Einfachheit verzaubern mich ein letztes Mal. Es ist das Schnörkellose, Dezente, was mich in der Bergwelt von Thassos ergreift. Im Kafenion am Dorfplatz sitzen immer Männer – ältere, jüngere – nur selten eine Frau. Sie unterhalten sich bei einem Frappé und schauen, was der Film der Straße so zu bieten hat.“

Im September begleitete ich eine Wandergruppe von Weltweitwandern nach Thassos. Erneut stand das Wandererlebnis im Mittelpunkt, das vom griechischen Lebensgefühl begleitet wurde. Wieder entdeckte ich eine kleine Perle im Südosten Europas, die sich für eine Reise lohnt.

Saint Lucia

Saint Lucia // November

„Zwischen den zwei eindrucksvollen Zacken, die die bewaldeten Pitons in den Himmel zeichnen, füllt sich die Lücke mit einem roten Farbton. Wie Blutstreifen ziehen sich die angestrahlten Wolken vor der untergehenden Sonne über das Meer, als ich mit meiner Schnorchelmaske unter die Wasseroberfläche abtauche. Das grelle Konzert der Antillen-Pfeiffrösche geht in ein ruhiges Zirpen und Zischen über, das den Körper durch die Dunkelheit des Meeres begleitet. Im Lichtkegel meiner Taschenlampe erscheinen Fische und andere Meerestiere. Seegurke, Seepferdchen, Moräne, Oktopusse, Feuerfische, Skorpionfische und ein Kugelfisch – der Blick durch die Maske gleicht einem beruhigenden Naturfilm. Schmale Seenadeln leuchten wie kleine Neonröhren an der Wasseroberfläche und springen mir auf die Wangen. Keine 24 Stunden ist es her, als mich Marc, der Manager des Sugar Beach Resorts fragte: „So, you do like adventure?“ Auch, aber viel lieber ist mir die Natur. Die beiden Berge namens Gros und Petit Piton und die über 19.000 Hektar tiefgrüner Regenwald bieten zusammen mit der Unterwasserwelt ein unverfälschtes Naturparadies. Nachts in das Wasser zwischen den Vulkankegeln einzutauchen, sei etwas Besonderes, meinte Marc. Damit hatte er recht.“

Saint Lucia hatte ich bisher als Luxusinsel abgespeichert und tat der Insel damit unrecht. Denn Saint Lucia bietet Luxus – auch – aber daneben eine großartige, üppig grüne Natur, in der sich viel unternehmen lässt. Dabei vermittelt sie auf großartige Weise ein relaxtes Jamaika-Feeling.

Martinique

Martinique // November

„Die Mondsichel liegt noch nordöstlich im Morgenhimmel. Sterne verzieren das Schwarz, das sich über die eindringliche Geräuschkulisse gelegt hat. Dies läutet die Nacht ein und beendet sie auf ebenso wunderschöne Art und Weise. Rhythmische Frosch-, Grillen-, Vogelstimmen legen sich in das Rauschen des Meeres. Ich sitze seit einer Stunde auf dem Balkon, alles was ich tue ist, diesen Klängen zu lauschen. Dem Sound von Martinique.“

Martinique war ein kurzer Rausch, den ich 2019 noch zu Papier bringe.

Lampions

Japan // Dezember

„Sanft wellt sich die Küstenlinie über das Silber schimmernde Meer. Die Hügel tragen noch ihr Herbstkleid. Ich lausche dem Wellenschlag des klaren Wassers. Reusen liegen vor der Küste, in der Ferne zeichnen sich Inselpunkte ab. Auf dem groben Kieselstrand hat sich Müll gesammelt. Die Sonne überzieht den Ozean mit einem Funkeln. Und dann ist da wieder die Mystik. Auf einer engen, holprigen Straße fahren wir einen Hügel hinauf. Wir haben eine Verabredung mit einem buddhistischen Mönch. Jikuu Obayashi wird uns im Goishizan Tempel das Gomadaki, Feuer, entfachen um unsere Wünsche auf kleinen Papierhölzern an Fudo-myo zu schicken. Wir stehen in einer Reihe mit dem Rücken vor dem Feuer, das von Lampions gerahmt ist, und schauen auf den kleinen Altar. In ergreifendem Ton setzt der Mönch ein, aus dem Sanskrit zu zitieren. Monoton, mit eindringlicher Stimme weiß er zu berühren. Das Feuer im Rücken knistert und wärmt. Die Worte wirken in ihrer Monotonie berauschend. Aus all den gesprochenen Silben wird sich irgendwann mein Name formen. Dann soll ich besonders intensiv meinen Wunsch in Gedanken tragen. Wir treten aus dem Tempel, unter uns liegt Shodo-chima und das Meer. Ausgefranst und zerpflückt die Landmasse, die von oben noch schöner auf mich wirkt. So viel Ruhe von außen und innen habe ich lange nicht gespürt. Die Menschen wissen hier auf wunderbare Weise die ihnen gegebene Stille wie ein Schwamm aufzusaugen und in sich zu tragen.“

Reisen hält einem auch immer wieder den Spiegel vor. Japan hat mir einmal mehr gelehrt, wie deutsch ich doch bin, was Geduld, Ruhe und Gelassenheit betrifft.

Madlen

Dankeschön

Neun Jahre blogge ich nun schon. Nachdem ich in den vergangenen zwei Jahren häufig mein zweitliebstes Hobby neben meiner Arbeit hinterfragt habe, habe ich in diesem Jahr meinen Weg gefunden. Ich möchte die Leidenschaft fürs Schreiben nicht verlieren, nur weil ich das Gefühl habe, etwas zu Papier (bzw. auf den Blog) bringen zu müssen. Weniger ist Mehr! Also gebe ich dem Drang nur noch nach, wenn ich auch wirklich die Ruhe und den Willen finde, meine Erlebnisse ausdrücken zu müssen. Das heisst weniger Beiträge, aber auf jeden Fall wieder mehr mit Herzblut.

Auch in diesem Jahr gilt mein großes Dankeschön Euch, die mich bisher vom Großstadtdschungel Berlin und vom wunderschönen Umland Bandenburg in die Urwälder, Wüsten, Steppen und auf die Meere oder Flüsse der Welt begleitet habt.

Auf ein reisefreudiges 2019! Bleibt neugierig, mutig und seht in jedem Tag eine Reise!

„Der Sinn des Reisens besteht darin, die Vorstellungen mit der Wirklichkeit auszugleichen, und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten, sie so zu sehen, wie sie sind.“ (Samuel Johnson)

2 Kommentare

  1. Ahnma sagt

    Wie witzig, dass ein Besuch beim Tätowierer in einem philosophischen Jahresrückblick mündet. :) Im letzten Absatz ist mir beinahe das Herz stehe77n geblieben, weil es für eine Sekunde so klang, als würdest du aufhören zu bloggen. Oder kürzer treten. Dabei freuen wir uns doch alle auf Jahr 10 – gut, dass es kommt! :)

  2. Liebe Mad, ich habe gerade beim Lesen sehr an mein letztes Jahr denken müssen. Ich hatte 1000 Ziele für 2019 und dann wurde im November 2018 meine Tochter geboren und es war am Anfang nicht so einfach mit ihr und wir mussten länger im Krankenhaus bleiben. Also, habe ich mein Leben nochmal überdacht und die Segel neu gesetzt und mir viel weniger Ziel vorgenommen, weil ich erkannt habe, was wirklich wichtig ist im Leben. Danke für Deinen inspirierenden Artikel- auch wenn es schon Februar ist- für neue Segel ist es nie zu spät!

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