Alle Artikel in: Schweden

Silja Serenade, Minikreuzfahrt, Ostsee, puriy reiseblog

Midsommar Cruise auf der Ostsee – von Stockholm nach Helsinki

Durch die Scheibe der New York Bar zerklüftet die Insellandschaft immer mehr, bis sie sich in der Weite der Ostsee verliert. Über den östlichen Horizont legt sich ein zarter rosaroter Streifen, während die Sonne auf der westlichen Seite noch immer im sanften Orangeton das Meer anstrahlt. Dies ist nicht ganz gewöhnlich um diese Uhrzeit. Es ist 22 Uhr, es ist Sommersonnenwende. Heute ist der längste Tag auf der Nordhalbkugel und diesen zelebrieren wir nun auf der Tallink Silja Serena. Seit knapp fünf Stunden sind wir nun bereits auf dem Gewässer unterwegs – im Schärengarten vor Stockholm. Die Überfahrt von Stockholm nach Helsinki ist nicht einfach eine Fährfahrt – sie gleicht einer Minikreuzfahrt, die den Gast rundum versorgt und nicht nur einfach und sicher von A nach B befördert. So befinde ich mich zum ersten Mal in meinem Leben in einer Karaoke-Bar und lausche seit einer Stunde skurrilen finnischen Songinterpretationen. Dabei schweift mein Blick immer wieder durch die vordere Glasfront über das Meer. Ich wusste gar nicht, dass so eine Minikreuzfahrt so schön sein kann. Nach …

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Stockholm – ein Spaziergang in 11 Stationen

Ich hatte da eine Idee von Midsommar in Schweden. Wenn die Tage lang und die Nächte kurz sind, muss es wunderbar am und auf dem Wasser der schwedischen Hauptstadt sein. Als wir am Arlanda Flughafen ankommen, scheint noch die Sonne, doch als wir das Zentrum von Stockholm erreichen, regnet es in Strömen. Ich hatte Wasser eingeplant in meinen Mittsommerträumen, nur nicht von oben. Ich dachte da eher an eine Kajakfahrt. Immer wieder balanciere ich Kamera und Handy unter dem Schirm – Bilder, die ich vor vier Jahren unter ähnlichen Wetterbedingungen Anfang April schoss, wollten nun nicht besser werden. Frustriert will ich nur noch in ein Café oder Shoppen gehen – aber nicht in Gambla Stan, sondern in Södermalm, meinem Lieblingsstadtbezirk. Doch als wir die Touristenmassen hinter uns gelassen haben, ist alles wie ausgestorben. Die kleinen Boutiquen und Läden des hippen Stadtteils sind geschlossen und auch die hübschen Cafés. Überall hängen Schilder in den Läden, die auf Midsommar verweisen und somit auf ihre Schließzeit. Ja, es ist Midsommar in Stockholm und da fährt jeder, der kann, …

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Der städtische Tourist

T-Centralen heißt die Endstation unserer trostlosen Reise nach Stockholm. Weshalb ein 100 Kilometer entfernter Flughafen überhaupt die Berechtigung hat, Flughafen Stockholm zu heißen, ist mir ein Rätsel. Nach 90 Minuten sind wir im Stadtzentrum. Wohin nun? So sehen wir uns in alle Richtungen um, um ein Zeichen für die Metro zu suchen. Doch die Tunnelbahn ist weit und breit nicht zu sehen. Und in diesem Moment unserer Ahnungslosigkeit passt uns gleich ein überaus freundlicher, älterer Schwede ab. Ob er uns helfen könne, fragt er. Wir sagen ja. Wir suchen nämlich ein Nahverkehrsmittel. Oh ja, ohne weiterzufragen erklärt er im freundlichsten Stakkato, wo sich die schwedische Tunnelbahn befindet, nämlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite unter dem Bahnhof. Also wir müssten runtergehen, denn unter dem Bahnhof ist noch ein Bahnhof, der Tunnelbahnbahnhof. Das sei vielleicht etwas ungewöhnlich, wir müssten nur Ausschau nach einem T halten, eben für Tunnelbahn. Hier in Stockholm gibt es eben einen normalen Bahnhof und einen für Tunnelbahnen. Naja, by the way interessiert nach langen ungläubigen Blicken unsererseits den netten Schweden, woher wir denn kämen. …

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Schönheit ist anders

Wir verlassen Berlin im morgendlichen Sonnenschein. Ist es Zufall, dass auch die Sonne an Landesgrenzen Halt macht? Oder warum sonst ist der Strand von Juliusruh (Rügen) das letzte, was ich zu sehen bekomme, bevor sich eine dicke Wolkendecke vor mein Flugzeugfenster schiebt und für die nächsten 3 Tage nicht mehr aus meinem Blickfeld weichen wird. Wenigstens schnell ist man im kühlen Norden. Aber nicht so schnell, um die Wolkendecke zu überwinden. Die Landung ist eine reine Schlitterpartie, bei der so manch eine Wimpertusche schon einmal ins Rutschen kommt. Als ich nach der Landung die Damentoilette aufsuche, bildet sich zu meiner Verwunderung keine Schlange vor den Toilettentüren, sondern vor der Waschmeile. Nicht dass die Schwedinnen äußerst reinlich sind und alle ihre Hände säubern wollen. Vielmehr soll das bei der Landung verrutschte oder morgendlich noch nicht vollbrachte Werk eines super durchgestylten Egos vollendet werden. Kann man in Berlin ohne Zögern sein Understatement auch in fehlender Schminke zeigen, so gehört zum schwedischen Understatement schon vielmehr an Wenig, was aufgetragen wird. Man will nichts vertuschen und muss doch zur …