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Die Gärten der Königin

Die Zivilisation hat uns wieder. Nach zwei Wochen fast völliger Einsamkeit und Ruhe sind wir im quirligen Trinidad gelandet.

Von Santiago aus segeln wir die Nacht durch bis Cabo Cruz, wo wir direkt am Kap ankern, geschützt durch ein wunderschönes Riff. Doch kaum ist der Anker gefallen, Smutje mit Brille und Flossen ins glasklare Wasser gesprungen, um den Sitz des Ankers zu überprüfen, kommt schon ein kleines Holzboot angerudert mit drei Offiziellen an Bord. Sie kommen an Bord und schauen sich unsere Papiere an, es sind sehr freundliche, nette Herren. Wieder wird ein Drogenhund, mit Namen Lazlo, in unser Boot geworfen, der aber nur am hecheln und schwitzen ist, so dass er sogleich wieder hinausbefördert wird. Auch die Beamten schwitzen, lassen sich aber mit einem deutschen Bier runterkühlen, wir dürfen dafür kubanische Zigaretten probieren. Ein Stempel auf unser Despacho (eine Genehmigung, 20 Häfen anzusteuern) und ein nettes Gespräch und schon sind sie davon gerudert. Am nächsten Morgen machen wir unser Dingi klar, um im Riff zu schnorcheln. Es ist wunderschön, unglaubliche Farben und bunte Fische. Smutjes erster Geburtstag in fast völliger Einsamkeit naht, der obligatorische Kuchen wird gebacken und vom einzigen Boot neben uns, Holländern, gibt es ein kleines Geschenk, die typischen Holzbotten aus Porzellan. Ein kleiner Landgang noch, denn Cabo Cruz hat ausser einem gigantischen Leuchtturm wenig zu bieten, und weiter geht es im Morgengrauen zur Isla Grenada, unserem ersten Stop in den „Jardines de la Reina“, einem gewaltigen Archipel vor der Südküste Kubas, voller Korallengärten und unbewohnter Inseln.

Auf dem Weg versuchen wir unser Glück mit der Schleppangel und kaum ist der Köder im Wasser beisst es auch schon! Doch gehen uns leider immer wieder nur Barrakudas an den Haken. Die riechen eigenartig und essen wollen wir sie schon garnicht, ist es doch der Fisch, der am ciguateragefährdetsten ist. Ciguatera ist ein Gift, das sich in Riffischen anreichert und üble Lähmungserscheinungen hervorrufen kann. Der Barrakuda ist am Ende dieser Nahrungskette und um so mehr vergiftetete Fische er gefressen hat um so giftiger wird er. Nach dem wir den vierten Barrakuda wieder reingeworfen haben, holen wir die Angel rein und geben es auf. Doch wir haben Glück, denn kaum haben wir unseren Anker geworfen, nähert sich uns ein Fischerboot, sie geben uns gegen zwei Bier zwei Fische. Doch ist der Abend zwar nun gerettet, wären da nicht die Millionen von Mücken, die von der kleinen Mangroveninsel aus Witterung aufgenommen haben und uns bis auf den letzten Tropfen aussaugen wollen. Dazu gewittert es mächtig und völlig übermüdet ziehen wir am nächsten Morgen den Anker und machen uns auf zum nächsten Stop, dem Cayo Chocolate. Eine offene Bucht mit braunem Wasser, das der Insel den Namen gibt. Alles recht unspektakulär, also wird es wieder nur ein Zwischenstop. Nachts zu segeln ist in diesem Revier aufgrund etlicher Untiefen und Riffe recht gefährlich, zudem hat der Wind einen ganz eigenen Rhythmus hier. Meist bläst er morgens, bis er um die Mittagszeit abflaut, um nachmittags wieder aufzufrischen und dann nachts komplett einzuschlafen. So geht es tagein, tagaus. Also schlängeln wir uns am nächsten Morgen mit einer frischen Brise im Rücken durch die schmalen Riffdurchfahrten und hinaus ans Außenriff, hier müssen wir besonders aufpassen, denn eine Untiefe folgt der nächsten. Gen Mittag erreichen wir ein schwimmendes Hotel, welches mitten in den Mangroven liegt. Hier ist aber nichts los, ausser, dass wir Mokitoschwärme befürchten, so ankern wir vor einem kleinen Strand um die Ecke. Gen Abend ist es mit der Einsamkeit vorbei und es sausen auf einmal Schnellboote mit Männern in merkwürdigen Anzügen um uns herum. Astronauten? AKW Arbeiter? Was ist das? Wir erwarten, dass gleich eine monströse Unterwasserstation irgendeines James Bond Bösewichts neben uns auftaucht. Bei genauem Hinsehen erkennen wir, dass es Touristen sind, die wahrscheinlich in dem merkwürdigem schwimmendem Hotel übernachten, in den weissen Overalls vor der Sonne geschützt und vermutlich zum Fischen und Fotografieren durch die Mangroven geschossen werden. Dann ist der Spuk auch schon vorbei und wir tauchen ab und sammeln unser Abendessen vom Meeresgrund. Hier ist alles übersät mit Lambis, einer Muschelart mit einem gewaltigem Gehäuse und äusserst leckerem Fleisch. Auf den kleinen Antillen musste man so einiges dafür hinblättern und eigentlich sollte man sie dort auch nicht essen, da sie ziemlich überfischt sind. Doch hier kriechen sie zu Hunderten über den Meeresgrund. Wir sammeln ein paar ein und Smutje ackert hart, um diese Biester aus ihrem schützenden Panzer zu befreien. Aber es lohnt sich, Lambis sind eine Delikatesse!

Am nächsten Morgen tasten wir uns zweimal umsonst durch das schützenden Außenriff, um dahinter vor einem der weissen Strände der einsamen Cayos den Anker zu schmeissen. Es heisst gut aufpassen, doch mit der Sonne im Rücken können wir alle Untiefen und Korallenköpfe im glasklaren Wasser gut ausmachen. Auch die Beschreibungen im Handbuch und die Karten sind erstaunlich genau. Leider ist der Grund auch hinterm Riff noch hart wie Beton und der Anker hält trotz mehrerer Versuche überhaupt nicht, also müssen wir weiter. Beim nächsten Mal haben wir Glück und nachdem wir uns durch unser drittes Riff getastet haben fällt der Anker im weichen Sand mit Turtlegrass und gräbt sich tief und fest ein. Wir liegen vor dem Cayo Alcatracito, welches sich als ein echtes Paradies und unsere Lieblingsinsel der „Jardines de la Reina“ herausstellt. Ein langes Riff direkt vor der Haustür, Lobster ohne Ende, bunte Fische, kleine Fische, grosse Fische, Rochen und über allem wacht Barack O´Cuba. Barrakudas sind hier bei den Riffen natürlich allgegenwärtig. Langsam schleichen sie neben einem her, warten darauf, dass man ihnen was jagt, wohnen unter dem Boot und futtern die Essensreste, die wir im Meer entsorgen. Argwöhnisch betrachten wir uns gegenseitig, Barrakudas bleiben gerne mal so einfach im Wasser stehen und glotzen einen an. Wir begutachten vor allem das große Maul mit den spitzen Zähnen, dieser Fisch hat doch ziemliche Ähnlichkeit mit den nervigen Kampfhunden aus Berlin. Doch er scheint genauso wenig Interesse an unserem wie wir an seinem Fleisch zu haben und so versuchen wir einfach, uns zu ignorieren. Robinsonleben ist angesagt! Wir verbringen ruhige Tage mit schnorcheln, harpunieren, lesen und schlafen, an diesem vergessenen und doch so unglaublich schönen Fleckchen Erde. Außer uns dümpelt nur noch ein weiteres Boot hinter dem Riff, ein kanadisches Pärchen, welches wir schon aus Santiago kennen. Das Riff vor unserer Nase ist einfach unglaublich. Ziemlich intakt, bunt und voller Leben. So etwas haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Der Kanadier vom Nachbarboot zieht eines Tages einen dermassen grossen Lobster aus dem Wasser, dass wir es nicht einmal zu viert schaffen, ihn zu verspeisen.

Doch nach ein paar Tagen müssen wir weiter, denn unser Visum muss verlängert werden. Nach einer letzten Schnorchelrunde segeln wir mit der Nachmittagsbrise los, machen einen Übernachtungsstop an der Mangroveninsel Cayo Breton, um am nächsten Tag zu unserem vorerst letzten Cayo, dem Cayo Macho de la Fuera aufzubrechen. Vor einer Insel mit einem Sandstrand und ein paar künstlich angelegten Palmen ankern wir und betreten nach fast zwei Wochen wieder Land. Aber was erwartet uns auf dieser kleinen Insel, die lediglich eine Art kleines Restaurant beherbergt? Erst einmal werden wir von unzähligen, ziemlich grossen Leguanen begrüsst, die hier bräsig in der Sonne liegen. Wir sind im Radius der Ausflugsboote von Trinidad angekommen und ab und zu kommen Katamarane mit Touristen vorbei, die voller klickernder Kameras diese Biester füttern. Nach einem Rundgang über die Insel beschliessen wir, das öde Eiland zu verlassen und uns lieber das Riff genauer anzusehen. Wir parken das Dingi vor dem äußerstem Zipfel des Riffs und los gehts. Die äußere Seite des Riffs übertrifft noch einmal alles, was wir bisher gesehen haben. Ein gigantischer Unterwasserkorallengarten erwartet uns. Eine unglaubliche Fülle an Farben, unterschiedlicher Korallenformationen, bunter Fische, einfach nur schön!

Doch wir müssen weiter und so schlängeln wir uns wieder durch die Riffe, bis wir in einen gut betonnten Kanal einlaufen, der uns nach Casilda, den Hafen von Trinidad, führt. Doch was ist das? Nachdem wir etliche Riffe und kniffelige Untiefen gemeistert haben halten wir auf die Tonne der Marinaeinfahrt zu und stecken auf einmal fest! Doch kein Problem, ein Ausflugsboot zieht uns aus dem weichen Schlamm und in die gut geschützte Bucht. Der Anker fällt vor der Marina neben dem einzigem anderen Fahrtensegler und wir erwarten die üblichen Offiziellen. Doch hier scheint sich keiner so richtig für uns zu interessieren, alles ist extrem entspannt. Am nächsten Morgen drückt uns dann doch ein junger Grenzer seinen Stempel ins Despacho und das war´s. Also ab an Land und auf nach Trinidad. Uns erwartet eine echte Perle kolonialer Architektur und es gibt viel zu entdecken. Wir sind gespannt!

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Die Gärten der Königin

Die Zivilisation hat uns wieder. Nach zwei Wochen fast völliger Einsamkeit und Ruhe sind wir im quirligen Trinidad gelandet.

Von Santiago aus segeln wir die Nacht durch bis Cabo Cruz, wo wir direkt am Kap ankern, geschützt durch ein wunderschönes Riff. Doch kaum ist der Anker gefallen, Smutje mit Brille und Flossen ins glasklare Wasser gesprungen, um den Sitz des Ankers zu überprüfen, kommt schon ein kleines Holzboot angerudert mit drei Offiziellen an Bord. Sie kommen an Bord und schauen sich unsere Papiere an, es sind sehr freundliche, nette Herren. Wieder wird ein Drogenhund, mit Namen Lazlo, in unser Boot geworfen, der aber nur am hecheln und schwitzen ist, so dass er sogleich wieder hinausbefördert wird. Auch die Beamten schwitzen, lassen sich aber mit einem deutschen Bier runterkühlen, wir dürfen dafür kubanische Zigaretten probieren. Ein Stempel auf unser Despacho (eine Genehmigung, 20 Häfen anzusteuern) und ein nettes Gespräch und schon sind sie davon gerudert. Am nächsten Morgen machen wir unser Dingi klar, um im Riff zu schnorcheln. Es ist wunderschön, unglaubliche Farben und bunte Fische. Smutjes erster Geburtstag in fast völliger Einsamkeit naht, der obligatorische Kuchen wird gebacken und vom einzigen Boot neben uns, Holländern, gibt es ein kleines Geschenk, die typischen Holzbotten aus Porzellan. Ein kleiner Landgang noch, denn Cabo Cruz hat ausser einem gigantischen Leuchtturm wenig zu bieten, und weiter geht es im Morgengrauen zur Isla Grenada, unserem ersten Stop in den „Jardines de la Reina“, einem gewaltigen Archipel vor der Südküste Kubas, voller Korallengärten und unbewohnter Inseln.

Auf dem Weg versuchen wir unser Glück mit der Schleppangel und kaum ist der Köder im Wasser beisst es auch schon! Doch gehen uns leider immer wieder nur Barrakudas an den Haken. Die riechen eigenartig und essen wollen wir sie schon garnicht, ist es doch der Fisch, der am ciguateragefährdetsten ist. Ciguatera ist ein Gift, das sich in Riffischen anreichert und üble Lähmungserscheinungen hervorrufen kann. Der Barrakuda ist am Ende dieser Nahrungskette und um so mehr vergiftetete Fische er gefressen hat um so giftiger wird er. Nach dem wir den vierten Barrakuda wieder reingeworfen haben, holen wir die Angel rein und geben es auf. Doch wir haben Glück, denn kaum haben wir unseren Anker geworfen, nähert sich uns ein Fischerboot, sie geben uns gegen zwei Bier zwei Fische. Doch ist der Abend zwar nun gerettet, wären da nicht die Millionen von Mücken, die von der kleinen Mangroveninsel aus Witterung aufgenommen haben und uns bis auf den letzten Tropfen aussaugen wollen. Dazu gewittert es mächtig und völlig übermüdet ziehen wir am nächsten Morgen den Anker und machen uns auf zum nächsten Stop, dem Cayo Chocolate. Eine offene Bucht mit braunem Wasser, das der Insel den Namen gibt. Alles recht unspektakulär, also wird es wieder nur ein Zwischenstop. Nachts zu segeln ist in diesem Revier aufgrund etlicher Untiefen und Riffe recht gefährlich, zudem hat der Wind einen ganz eigenen Rhythmus hier. Meist bläst er morgens, bis er um die Mittagszeit abflaut, um nachmittags wieder aufzufrischen und dann nachts komplett einzuschlafen. So geht es tagein, tagaus. Also schlängeln wir uns am nächsten Morgen mit einer frischen Brise im Rücken durch die schmalen Riffdurchfahrten und hinaus ans Außenriff, hier müssen wir besonders aufpassen, denn eine Untiefe folgt der nächsten. Gen Mittag erreichen wir ein schwimmendes Hotel, welches mitten in den Mangroven liegt. Hier ist aber nichts los, ausser, dass wir Mokitoschwärme befürchten, so ankern wir vor einem kleinen Strand um die Ecke. Gen Abend ist es mit der Einsamkeit vorbei und es sausen auf einmal Schnellboote mit Männern in merkwürdigen Anzügen um uns herum. Astronauten? AKW Arbeiter? Was ist das? Wir erwarten, dass gleich eine monströse Unterwasserstation irgendeines James Bond Bösewichts neben uns auftaucht. Bei genauem Hinsehen erkennen wir, dass es Touristen sind, die wahrscheinlich in dem merkwürdigem schwimmendem Hotel übernachten, in den weissen Overalls vor der Sonne geschützt und vermutlich zum Fischen und Fotografieren durch die Mangroven geschossen werden. Dann ist der Spuk auch schon vorbei und wir tauchen ab und sammeln unser Abendessen vom Meeresgrund. Hier ist alles übersät mit Lambis, einer Muschelart mit einem gewaltigem Gehäuse und äusserst leckerem Fleisch. Auf den kleinen Antillen musste man so einiges dafür hinblättern und eigentlich sollte man sie dort auch nicht essen, da sie ziemlich überfischt sind. Doch hier kriechen sie zu Hunderten über den Meeresgrund. Wir sammeln ein paar ein und Smutje ackert hart, um diese Biester aus ihrem schützenden Panzer zu befreien. Aber es lohnt sich, Lambis sind eine Delikatesse!

Am nächsten Morgen tasten wir uns zweimal umsonst durch das schützenden Außenriff, um dahinter vor einem der weissen Strände der einsamen Cayos den Anker zu schmeissen. Es heisst gut aufpassen, doch mit der Sonne im Rücken können wir alle Untiefen und Korallenköpfe im glasklaren Wasser gut ausmachen. Auch die Beschreibungen im Handbuch und die Karten sind erstaunlich genau. Leider ist der Grund auch hinterm Riff noch hart wie Beton und der Anker hält trotz mehrerer Versuche überhaupt nicht, also müssen wir weiter. Beim nächsten Mal haben wir Glück und nachdem wir uns durch unser drittes Riff getastet haben fällt der Anker im weichen Sand mit Turtlegrass und gräbt sich tief und fest ein. Wir liegen vor dem Cayo Alcatracito, welches sich als ein echtes Paradies und unsere Lieblingsinsel der „Jardines de la Reina“ herausstellt. Ein langes Riff direkt vor der Haustür, Lobster ohne Ende, bunte Fische, kleine Fische, grosse Fische, Rochen und über allem wacht Barack O´Cuba. Barrakudas sind hier bei den Riffen natürlich allgegenwärtig. Langsam schleichen sie neben einem her, warten darauf, dass man ihnen was jagt, wohnen unter dem Boot und futtern die Essensreste, die wir im Meer entsorgen. Argwöhnisch betrachten wir uns gegenseitig, Barrakudas bleiben gerne mal so einfach im Wasser stehen und glotzen einen an. Wir begutachten vor allem das große Maul mit den spitzen Zähnen, dieser Fisch hat doch ziemliche Ähnlichkeit mit den nervigen Kampfhunden aus Berlin. Doch er scheint genauso wenig Interesse an unserem wie wir an seinem Fleisch zu haben und so versuchen wir einfach, uns zu ignorieren. Robinsonleben ist angesagt! Wir verbringen ruhige Tage mit schnorcheln, harpunieren, lesen und schlafen, an diesem vergessenen und doch so unglaublich schönen Fleckchen Erde. Außer uns dümpelt nur noch ein weiteres Boot hinter dem Riff, ein kanadisches Pärchen, welches wir schon aus Santiago kennen. Das Riff vor unserer Nase ist einfach unglaublich. Ziemlich intakt, bunt und voller Leben. So etwas haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Der Kanadier vom Nachbarboot zieht eines Tages einen dermassen grossen Lobster aus dem Wasser, dass wir es nicht einmal zu viert schaffen, ihn zu verspeisen.

Doch nach ein paar Tagen müssen wir weiter, denn unser Visum muss verlängert werden. Nach einer letzten Schnorchelrunde segeln wir mit der Nachmittagsbrise los, machen einen Übernachtungsstop an der Mangroveninsel Cayo Breton, um am nächsten Tag zu unserem vorerst letzten Cayo, dem Cayo Macho de la Fuera aufzubrechen. Vor einer Insel mit einem Sandstrand und ein paar künstlich angelegten Palmen ankern wir und betreten nach fast zwei Wochen wieder Land. Aber was erwartet uns auf dieser kleinen Insel, die lediglich eine Art kleines Restaurant beherbergt? Erst einmal werden wir von unzähligen, ziemlich grossen Leguanen begrüsst, die hier bräsig in der Sonne liegen. Wir sind im Radius der Ausflugsboote von Trinidad angekommen und ab und zu kommen Katamarane mit Touristen vorbei, die voller klickernder Kameras diese Biester füttern. Nach einem Rundgang über die Insel beschliessen wir, das öde Eiland zu verlassen und uns lieber das Riff genauer anzusehen. Wir parken das Dingi vor dem äußerstem Zipfel des Riffs und los gehts. Die äußere Seite des Riffs übertrifft noch einmal alles, was wir bisher gesehen haben. Ein gigantischer Unterwasserkorallengarten erwartet uns. Eine unglaubliche Fülle an Farben, unterschiedlicher Korallenformationen, bunter Fische, einfach nur schön!

Doch wir müssen weiter und so schlängeln wir uns wieder durch die Riffe, bis wir in einen gut betonnten Kanal einlaufen, der uns nach Casilda, den Hafen von Trinidad, führt. Doch was ist das? Nachdem wir etliche Riffe und kniffelige Untiefen gemeistert haben halten wir auf die Tonne der Marinaeinfahrt zu und stecken auf einmal fest! Doch kein Problem, ein Ausflugsboot zieht uns aus dem weichen Schlamm und in die gut geschützte Bucht. Der Anker fällt vor der Marina neben dem einzigem anderen Fahrtensegler und wir erwarten die üblichen Offiziellen. Doch hier scheint sich keiner so richtig für uns zu interessieren, alles ist extrem entspannt. Am nächsten Morgen drückt uns dann doch ein junger Grenzer seinen Stempel ins Despacho und das war´s. Also ab an Land und auf nach Trinidad. Uns erwartet eine echte Perle kolonialer Architektur und es gibt viel zu entdecken. Wir sind gespannt!

The post Die Gärten der Königin appeared first on Radio Pelicano Segelyacht INTI.

Die Gärten der Königin

Die Zivilisation hat uns wieder. Nach zwei Wochen fast völliger Einsamkeit und Ruhe sind wir im quirligen Trinidad gelandet.

Von Santiago aus segeln wir die Nacht durch bis Cabo Cruz, wo wir direkt am Kap ankern, geschützt durch ein wunderschönes Riff. Doch kaum ist der Anker gefallen, Smutje mit Brille und Flossen ins glasklare Wasser gesprungen, um den Sitz des Ankers zu überprüfen, kommt schon ein kleines Holzboot angerudert mit drei Offiziellen an Bord. Sie kommen an Bord und schauen sich unsere Papiere an, es sind sehr freundliche, nette Herren. Wieder wird ein Drogenhund, mit Namen Lazlo, in unser Boot geworfen, der aber nur am hecheln und schwitzen ist, so dass er sogleich wieder hinausbefördert wird. Auch die Beamten schwitzen, lassen sich aber mit einem deutschen Bier runterkühlen, wir dürfen dafür kubanische Zigaretten probieren. Ein Stempel auf unser Despacho (eine Genehmigung, 20 Häfen anzusteuern) und ein nettes Gespräch und schon sind sie davon gerudert. Am nächsten Morgen machen wir unser Dingi klar, um im Riff zu schnorcheln. Es ist wunderschön, unglaubliche Farben und bunte Fische. Smutjes erster Geburtstag in fast völliger Einsamkeit naht, der obligatorische Kuchen wird gebacken und vom einzigen Boot neben uns, Holländern, gibt es ein kleines Geschenk, die typischen Holzbotten aus Porzellan. Ein kleiner Landgang noch, denn Cabo Cruz hat ausser einem gigantischen Leuchtturm wenig zu bieten, und weiter geht es im Morgengrauen zur Isla Grenada, unserem ersten Stop in den „Jardines de la Reina“, einem gewaltigen Archipel vor der Südküste Kubas, voller Korallengärten und unbewohnter Inseln.

Auf dem Weg versuchen wir unser Glück mit der Schleppangel und kaum ist der Köder im Wasser beisst es auch schon! Doch gehen uns leider immer wieder nur Barrakudas an den Haken. Die riechen eigenartig und essen wollen wir sie schon garnicht, ist es doch der Fisch, der am ciguateragefährdetsten ist. Ciguatera ist ein Gift, das sich in Riffischen anreichert und üble Lähmungserscheinungen hervorrufen kann. Der Barrakuda ist am Ende dieser Nahrungskette und um so mehr vergiftetete Fische er gefressen hat um so giftiger wird er. Nach dem wir den vierten Barrakuda wieder reingeworfen haben, holen wir die Angel rein und geben es auf. Doch wir haben Glück, denn kaum haben wir unseren Anker geworfen, nähert sich uns ein Fischerboot, sie geben uns gegen zwei Bier zwei Fische. Doch ist der Abend zwar nun gerettet, wären da nicht die Millionen von Mücken, die von der kleinen Mangroveninsel aus Witterung aufgenommen haben und uns bis auf den letzten Tropfen aussaugen wollen. Dazu gewittert es mächtig und völlig übermüdet ziehen wir am nächsten Morgen den Anker und machen uns auf zum nächsten Stop, dem Cayo Chocolate. Eine offene Bucht mit braunem Wasser, das der Insel den Namen gibt. Alles recht unspektakulär, also wird es wieder nur ein Zwischenstop. Nachts zu segeln ist in diesem Revier aufgrund etlicher Untiefen und Riffe recht gefährlich, zudem hat der Wind einen ganz eigenen Rhythmus hier. Meist bläst er morgens, bis er um die Mittagszeit abflaut, um nachmittags wieder aufzufrischen und dann nachts komplett einzuschlafen. So geht es tagein, tagaus. Also schlängeln wir uns am nächsten Morgen mit einer frischen Brise im Rücken durch die schmalen Riffdurchfahrten und hinaus ans Außenriff, hier müssen wir besonders aufpassen, denn eine Untiefe folgt der nächsten. Gen Mittag erreichen wir ein schwimmendes Hotel, welches mitten in den Mangroven liegt. Hier ist aber nichts los, ausser, dass wir Mokitoschwärme befürchten, so ankern wir vor einem kleinen Strand um die Ecke. Gen Abend ist es mit der Einsamkeit vorbei und es sausen auf einmal Schnellboote mit Männern in merkwürdigen Anzügen um uns herum. Astronauten? AKW Arbeiter? Was ist das? Wir erwarten, dass gleich eine monströse Unterwasserstation irgendeines James Bond Bösewichts neben uns auftaucht. Bei genauem Hinsehen erkennen wir, dass es Touristen sind, die wahrscheinlich in dem merkwürdigem schwimmendem Hotel übernachten, in den weissen Overalls vor der Sonne geschützt und vermutlich zum Fischen und Fotografieren durch die Mangroven geschossen werden. Dann ist der Spuk auch schon vorbei und wir tauchen ab und sammeln unser Abendessen vom Meeresgrund. Hier ist alles übersät mit Lambis, einer Muschelart mit einem gewaltigem Gehäuse und äusserst leckerem Fleisch. Auf den kleinen Antillen musste man so einiges dafür hinblättern und eigentlich sollte man sie dort auch nicht essen, da sie ziemlich überfischt sind. Doch hier kriechen sie zu Hunderten über den Meeresgrund. Wir sammeln ein paar ein und Smutje ackert hart, um diese Biester aus ihrem schützenden Panzer zu befreien. Aber es lohnt sich, Lambis sind eine Delikatesse!

Am nächsten Morgen tasten wir uns zweimal umsonst durch das schützenden Außenriff, um dahinter vor einem der weissen Strände der einsamen Cayos den Anker zu schmeissen. Es heisst gut aufpassen, doch mit der Sonne im Rücken können wir alle Untiefen und Korallenköpfe im glasklaren Wasser gut ausmachen. Auch die Beschreibungen im Handbuch und die Karten sind erstaunlich genau. Leider ist der Grund auch hinterm Riff noch hart wie Beton und der Anker hält trotz mehrerer Versuche überhaupt nicht, also müssen wir weiter. Beim nächsten Mal haben wir Glück und nachdem wir uns durch unser drittes Riff getastet haben fällt der Anker im weichen Sand mit Turtlegrass und gräbt sich tief und fest ein. Wir liegen vor dem Cayo Alcatracito, welches sich als ein echtes Paradies und unsere Lieblingsinsel der „Jardines de la Reina“ herausstellt. Ein langes Riff direkt vor der Haustür, Lobster ohne Ende, bunte Fische, kleine Fische, grosse Fische, Rochen und über allem wacht Barack O´Cuba. Barrakudas sind hier bei den Riffen natürlich allgegenwärtig. Langsam schleichen sie neben einem her, warten darauf, dass man ihnen was jagt, wohnen unter dem Boot und futtern die Essensreste, die wir im Meer entsorgen. Argwöhnisch betrachten wir uns gegenseitig, Barrakudas bleiben gerne mal so einfach im Wasser stehen und glotzen einen an. Wir begutachten vor allem das große Maul mit den spitzen Zähnen, dieser Fisch hat doch ziemliche Ähnlichkeit mit den nervigen Kampfhunden aus Berlin. Doch er scheint genauso wenig Interesse an unserem wie wir an seinem Fleisch zu haben und so versuchen wir einfach, uns zu ignorieren. Robinsonleben ist angesagt! Wir verbringen ruhige Tage mit schnorcheln, harpunieren, lesen und schlafen, an diesem vergessenen und doch so unglaublich schönen Fleckchen Erde. Außer uns dümpelt nur noch ein weiteres Boot hinter dem Riff, ein kanadisches Pärchen, welches wir schon aus Santiago kennen. Das Riff vor unserer Nase ist einfach unglaublich. Ziemlich intakt, bunt und voller Leben. So etwas haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Der Kanadier vom Nachbarboot zieht eines Tages einen dermassen grossen Lobster aus dem Wasser, dass wir es nicht einmal zu viert schaffen, ihn zu verspeisen.

Doch nach ein paar Tagen müssen wir weiter, denn unser Visum muss verlängert werden. Nach einer letzten Schnorchelrunde segeln wir mit der Nachmittagsbrise los, machen einen Übernachtungsstop an der Mangroveninsel Cayo Breton, um am nächsten Tag zu unserem vorerst letzten Cayo, dem Cayo Macho de la Fuera aufzubrechen. Vor einer Insel mit einem Sandstrand und ein paar künstlich angelegten Palmen ankern wir und betreten nach fast zwei Wochen wieder Land. Aber was erwartet uns auf dieser kleinen Insel, die lediglich eine Art kleines Restaurant beherbergt? Erst einmal werden wir von unzähligen, ziemlich grossen Leguanen begrüsst, die hier bräsig in der Sonne liegen. Wir sind im Radius der Ausflugsboote von Trinidad angekommen und ab und zu kommen Katamarane mit Touristen vorbei, die voller klickernder Kameras diese Biester füttern. Nach einem Rundgang über die Insel beschliessen wir, das öde Eiland zu verlassen und uns lieber das Riff genauer anzusehen. Wir parken das Dingi vor dem äußerstem Zipfel des Riffs und los gehts. Die äußere Seite des Riffs übertrifft noch einmal alles, was wir bisher gesehen haben. Ein gigantischer Unterwasserkorallengarten erwartet uns. Eine unglaubliche Fülle an Farben, unterschiedlicher Korallenformationen, bunter Fische, einfach nur schön!

Doch wir müssen weiter und so schlängeln wir uns wieder durch die Riffe, bis wir in einen gut betonnten Kanal einlaufen, der uns nach Casilda, den Hafen von Trinidad, führt. Doch was ist das? Nachdem wir etliche Riffe und kniffelige Untiefen gemeistert haben halten wir auf die Tonne der Marinaeinfahrt zu und stecken auf einmal fest! Doch kein Problem, ein Ausflugsboot zieht uns aus dem weichen Schlamm und in die gut geschützte Bucht. Der Anker fällt vor der Marina neben dem einzigem anderen Fahrtensegler und wir erwarten die üblichen Offiziellen. Doch hier scheint sich keiner so richtig für uns zu interessieren, alles ist extrem entspannt. Am nächsten Morgen drückt uns dann doch ein junger Grenzer seinen Stempel ins Despacho und das war´s. Also ab an Land und auf nach Trinidad. Uns erwartet eine echte Perle kolonialer Architektur und es gibt viel zu entdecken. Wir sind gespannt!

The post Die Gärten der Königin appeared first on Radio Pelicano Segelyacht INTI.

Die Gärten der Königin

Die Zivilisation hat uns wieder. Nach zwei Wochen fast völliger Einsamkeit und Ruhe sind wir im quirligen Trinidad gelandet.

Von Santiago aus segeln wir die Nacht durch bis Cabo Cruz, wo wir direkt am Kap ankern, geschützt durch ein wunderschönes Riff. Doch kaum ist der Anker gefallen, Smutje mit Brille und Flossen ins glasklare Wasser gesprungen, um den Sitz des Ankers zu überprüfen, kommt schon ein kleines Holzboot angerudert mit drei Offiziellen an Bord. Sie kommen an Bord und schauen sich unsere Papiere an, es sind sehr freundliche, nette Herren. Wieder wird ein Drogenhund, mit Namen Lazlo, in unser Boot geworfen, der aber nur am hecheln und schwitzen ist, so dass er sogleich wieder hinausbefördert wird. Auch die Beamten schwitzen, lassen sich aber mit einem deutschen Bier runterkühlen, wir dürfen dafür kubanische Zigaretten probieren. Ein Stempel auf unser Despacho (eine Genehmigung, 20 Häfen anzusteuern) und ein nettes Gespräch und schon sind sie davon gerudert. Am nächsten Morgen machen wir unser Dingi klar, um im Riff zu schnorcheln. Es ist wunderschön, unglaubliche Farben und bunte Fische. Smutjes erster Geburtstag in fast völliger Einsamkeit naht, der obligatorische Kuchen wird gebacken und vom einzigen Boot neben uns, Holländern, gibt es ein kleines Geschenk, die typischen Holzbotten aus Porzellan. Ein kleiner Landgang noch, denn Cabo Cruz hat ausser einem gigantischen Leuchtturm wenig zu bieten, und weiter geht es im Morgengrauen zur Isla Grenada, unserem ersten Stop in den „Jardines de la Reina“, einem gewaltigen Archipel vor der Südküste Kubas, voller Korallengärten und unbewohnter Inseln.

Auf dem Weg versuchen wir unser Glück mit der Schleppangel und kaum ist der Köder im Wasser beisst es auch schon! Doch gehen uns leider immer wieder nur Barrakudas an den Haken. Die riechen eigenartig und essen wollen wir sie schon garnicht, ist es doch der Fisch, der am ciguateragefährdetsten ist. Ciguatera ist ein Gift, das sich in Riffischen anreichert und üble Lähmungserscheinungen hervorrufen kann. Der Barrakuda ist am Ende dieser Nahrungskette und um so mehr vergiftetete Fische er gefressen hat um so giftiger wird er. Nach dem wir den vierten Barrakuda wieder reingeworfen haben, holen wir die Angel rein und geben es auf. Doch wir haben Glück, denn kaum haben wir unseren Anker geworfen, nähert sich uns ein Fischerboot, sie geben uns gegen zwei Bier zwei Fische. Doch ist der Abend zwar nun gerettet, wären da nicht die Millionen von Mücken, die von der kleinen Mangroveninsel aus Witterung aufgenommen haben und uns bis auf den letzten Tropfen aussaugen wollen. Dazu gewittert es mächtig und völlig übermüdet ziehen wir am nächsten Morgen den Anker und machen uns auf zum nächsten Stop, dem Cayo Chocolate. Eine offene Bucht mit braunem Wasser, das der Insel den Namen gibt. Alles recht unspektakulär, also wird es wieder nur ein Zwischenstop. Nachts zu segeln ist in diesem Revier aufgrund etlicher Untiefen und Riffe recht gefährlich, zudem hat der Wind einen ganz eigenen Rhythmus hier. Meist bläst er morgens, bis er um die Mittagszeit abflaut, um nachmittags wieder aufzufrischen und dann nachts komplett einzuschlafen. So geht es tagein, tagaus. Also schlängeln wir uns am nächsten Morgen mit einer frischen Brise im Rücken durch die schmalen Riffdurchfahrten und hinaus ans Außenriff, hier müssen wir besonders aufpassen, denn eine Untiefe folgt der nächsten. Gen Mittag erreichen wir ein schwimmendes Hotel, welches mitten in den Mangroven liegt. Hier ist aber nichts los, ausser, dass wir Mokitoschwärme befürchten, so ankern wir vor einem kleinen Strand um die Ecke. Gen Abend ist es mit der Einsamkeit vorbei und es sausen auf einmal Schnellboote mit Männern in merkwürdigen Anzügen um uns herum. Astronauten? AKW Arbeiter? Was ist das? Wir erwarten, dass gleich eine monströse Unterwasserstation irgendeines James Bond Bösewichts neben uns auftaucht. Bei genauem Hinsehen erkennen wir, dass es Touristen sind, die wahrscheinlich in dem merkwürdigem schwimmendem Hotel übernachten, in den weissen Overalls vor der Sonne geschützt und vermutlich zum Fischen und Fotografieren durch die Mangroven geschossen werden. Dann ist der Spuk auch schon vorbei und wir tauchen ab und sammeln unser Abendessen vom Meeresgrund. Hier ist alles übersät mit Lambis, einer Muschelart mit einem gewaltigem Gehäuse und äusserst leckerem Fleisch. Auf den kleinen Antillen musste man so einiges dafür hinblättern und eigentlich sollte man sie dort auch nicht essen, da sie ziemlich überfischt sind. Doch hier kriechen sie zu Hunderten über den Meeresgrund. Wir sammeln ein paar ein und Smutje ackert hart, um diese Biester aus ihrem schützenden Panzer zu befreien. Aber es lohnt sich, Lambis sind eine Delikatesse!

Am nächsten Morgen tasten wir uns zweimal umsonst durch das schützenden Außenriff, um dahinter vor einem der weissen Strände der einsamen Cayos den Anker zu schmeissen. Es heisst gut aufpassen, doch mit der Sonne im Rücken können wir alle Untiefen und Korallenköpfe im glasklaren Wasser gut ausmachen. Auch die Beschreibungen im Handbuch und die Karten sind erstaunlich genau. Leider ist der Grund auch hinterm Riff noch hart wie Beton und der Anker hält trotz mehrerer Versuche überhaupt nicht, also müssen wir weiter. Beim nächsten Mal haben wir Glück und nachdem wir uns durch unser drittes Riff getastet haben fällt der Anker im weichen Sand mit Turtlegrass und gräbt sich tief und fest ein. Wir liegen vor dem Cayo Alcatracito, welches sich als ein echtes Paradies und unsere Lieblingsinsel der „Jardines de la Reina“ herausstellt. Ein langes Riff direkt vor der Haustür, Lobster ohne Ende, bunte Fische, kleine Fische, grosse Fische, Rochen und über allem wacht Barack O´Cuba. Barrakudas sind hier bei den Riffen natürlich allgegenwärtig. Langsam schleichen sie neben einem her, warten darauf, dass man ihnen was jagt, wohnen unter dem Boot und futtern die Essensreste, die wir im Meer entsorgen. Argwöhnisch betrachten wir uns gegenseitig, Barrakudas bleiben gerne mal so einfach im Wasser stehen und glotzen einen an. Wir begutachten vor allem das große Maul mit den spitzen Zähnen, dieser Fisch hat doch ziemliche Ähnlichkeit mit den nervigen Kampfhunden aus Berlin. Doch er scheint genauso wenig Interesse an unserem wie wir an seinem Fleisch zu haben und so versuchen wir einfach, uns zu ignorieren. Robinsonleben ist angesagt! Wir verbringen ruhige Tage mit schnorcheln, harpunieren, lesen und schlafen, an diesem vergessenen und doch so unglaublich schönen Fleckchen Erde. Außer uns dümpelt nur noch ein weiteres Boot hinter dem Riff, ein kanadisches Pärchen, welches wir schon aus Santiago kennen. Das Riff vor unserer Nase ist einfach unglaublich. Ziemlich intakt, bunt und voller Leben. So etwas haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Der Kanadier vom Nachbarboot zieht eines Tages einen dermassen grossen Lobster aus dem Wasser, dass wir es nicht einmal zu viert schaffen, ihn zu verspeisen.

Doch nach ein paar Tagen müssen wir weiter, denn unser Visum muss verlängert werden. Nach einer letzten Schnorchelrunde segeln wir mit der Nachmittagsbrise los, machen einen Übernachtungsstop an der Mangroveninsel Cayo Breton, um am nächsten Tag zu unserem vorerst letzten Cayo, dem Cayo Macho de la Fuera aufzubrechen. Vor einer Insel mit einem Sandstrand und ein paar künstlich angelegten Palmen ankern wir und betreten nach fast zwei Wochen wieder Land. Aber was erwartet uns auf dieser kleinen Insel, die lediglich eine Art kleines Restaurant beherbergt? Erst einmal werden wir von unzähligen, ziemlich grossen Leguanen begrüsst, die hier bräsig in der Sonne liegen. Wir sind im Radius der Ausflugsboote von Trinidad angekommen und ab und zu kommen Katamarane mit Touristen vorbei, die voller klickernder Kameras diese Biester füttern. Nach einem Rundgang über die Insel beschliessen wir, das öde Eiland zu verlassen und uns lieber das Riff genauer anzusehen. Wir parken das Dingi vor dem äußerstem Zipfel des Riffs und los gehts. Die äußere Seite des Riffs übertrifft noch einmal alles, was wir bisher gesehen haben. Ein gigantischer Unterwasserkorallengarten erwartet uns. Eine unglaubliche Fülle an Farben, unterschiedlicher Korallenformationen, bunter Fische, einfach nur schön!

Doch wir müssen weiter und so schlängeln wir uns wieder durch die Riffe, bis wir in einen gut betonnten Kanal einlaufen, der uns nach Casilda, den Hafen von Trinidad, führt. Doch was ist das? Nachdem wir etliche Riffe und kniffelige Untiefen gemeistert haben halten wir auf die Tonne der Marinaeinfahrt zu und stecken auf einmal fest! Doch kein Problem, ein Ausflugsboot zieht uns aus dem weichen Schlamm und in die gut geschützte Bucht. Der Anker fällt vor der Marina neben dem einzigem anderen Fahrtensegler und wir erwarten die üblichen Offiziellen. Doch hier scheint sich keiner so richtig für uns zu interessieren, alles ist extrem entspannt. Am nächsten Morgen drückt uns dann doch ein junger Grenzer seinen Stempel ins Despacho und das war´s. Also ab an Land und auf nach Trinidad. Uns erwartet eine echte Perle kolonialer Architektur und es gibt viel zu entdecken. Wir sind gespannt!

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Our House – der puriy Relaunch

Alles neu macht der Mai und auch wir haben Frühjahrsputz gemacht. In den letzten Tagen haben wir die puriystische Hand angelegt und in unserer „Bloghütte“ puriy aufgeräumt und gesäubert. Was dabei herausgekommen ist, seht Ihr nun hier.

Kommt mit auf einen kleinen Rundgang durch unser Haus, seid unsere Gäste!
Macht es Euch im Wohnzimmer auf der Couch gemütlich und lauscht unseren Geschichten von unterwegs. {Reisegeschichten} Sie erzählen von verschiedenen Ecken der Erde. {Länder im Blog}
Jeder hat einen anderen Blick auf die Welt – wenn Du die Perspektive wechseln möchtest, dann schau im Gästezimmer vorbei, in dem Gastautoren über ihren Weltblick schreiben. {Weltblick} Unseren Blick auf die Welt findet Ihr übrigens auch. {Länder}
Im Schlafzimmer findest Du Anregungen für inspirierende Übernachtungsmöglichkeiten in aller Welt. {Hoteltest}
Und wenn Du Ausstattung und Equipment suchst, Die findest Du im Arbeitszimmer. {Produkttest}
Übrigens, in der Bücherkiste findest Du Bildbände, Bücher und Ratgeber, die wir Dir ans Herz legen. {Buchtipps} Auch Reiseführer {Reiseführertest} und unsere eigenen Werke {Unsere Bücher} sind dabei.

Jeder Gastgeber freut sich über ein Feedback und so auch wir. Wenn Dir puriy gefällt oder Du Anregungen hast, dann hinterlasse doch eine Notiz. Wir würden uns freuen, wenn Du bald wieder vorbeischaust und uns auf unseren Reisen begleitest!

Und es wird interessant. Die nächste Reise führt uns nächste Woche in ein Land mit I. Lasst Euch überraschen!

In den Himmel tauchen – 25 Reisestories aus aller Welt

Ende Februar 2015 ist das Gemeinschaftswerk von Nicole Biarnes, Simone Gorosics, Claudia Ottilie, Elke Weiler und der Puriystin Madlen Brückner „In den Himmel tauchen“ als ebook erschienen. Es ist ein Werk von Bloggerinnen, die Geschichten lieben.

In unserem ersten gemeinsamen Buch möchten wir den Anfängen huldigen. Getreu dem Motto „try something new“ – versuche etwas Neues, erzählen wir von 25 ersten Malen. Vermutlich, weil man auf Reisen eher vom Gewohnten abweicht, manchmal auch zwangsläufig. Die erste Hochzeit in Sibirien, der erste Törn mit einem Dreimaster, ein gälisches Tänzchen, eine Fahrt im VW-Bulli. Verzweifelte Versuche auf einem Surfbrett. Es wird lustig bis – im wahrsten Sinne des Wortes – atemberaubend bei der Gipfelbesteigung eines 5000ers. Es gibt skurrile Begegnungen, etwa mit einem Insel-Guru auf den Seychellen. Eine seltsame Nacht in der Wildnis. Angst? Wird irgendwie beiseite geschoben. Egal, ob hoch in der Luft beim Skydiving oder unter Wasser – zwischen komischen Fischen.

Unser Buch ist bestellbar unter

Und wer unsere Lesung auf der Reisemesse ITB in Berlin verpasst hat, der bekommt hier noch mal einen kleinen Eindruck.

Auszug aus der Lesung:

Heimatgefühl oder da, wo ich herkomme

Zugegeben, erst das viele Reisen bringt mich häufig in die Verlegenheit, die Frage nach meiner Heimat zu beantworten. Viel zu lange zögerte ich, meinen Wohnort als Heimat zu bezeichnen. Heimat ist das, wo man herkommt. Doch wo komme ich eigentlich her?
Wo fängt Heimat an, wo hört Heimat auf. Wann wird aus Wahlheimat Heimat?
Ich lebe nunmehr länger in meiner Wahlheimat als in der Heimat, in der ich geboren wurde und aufwuchs. Irgendwann wurde dennoch aus einer Thüringerin eine Berlinerin – und doch schlägt mein Herz für beides.

18 Jahre wuchs ich am südlichen Ausläufer des Thüringer Waldes auf, in den sanft welligen Hügeln, in denen die Sonne immer ein bisschen weniger schien als im Rest des Landes. Nichts Spektakuläres, sondern normale ländliche Idylle – doch mir fehlten schon immer Wasser und Großstadt. Was ich in meiner Kindheit schätzte, das Herumtollen auf Wiesen und in Wäldern, lockte ab dem Teenager-Alter nicht mehr. Wenn man mich fragte, was ich mal studieren wollte, wusste ich dies nicht mit Sicherheit zu sagen, doch eins war sicher, ich wollte nach Berlin. Wollte das ruhige Landleben eintauschen in ein hektischeres Großstadtleben – mit mehr Optionen. In Berlin begriff ich, dass das Stückchen Deutschland, in dem ich aufwuchs, für viele im gedanklichen Nirvana lag. Erfurt, Weimar, Jena – mehr fiel den meisten nicht zu meinem Heimat-Bundesland ein. Irgendwo zwischen Erfurt und Coburg – irgendwo im Mittelgebirge. Wenn man Wintersport liebt, kennt man die Region, wenn man gern wandert, auch. Irgendwo aus „meiner“ Region stammen Andrea Henkel, Herbert Roth, der Film Sushi aus Suhl, die Werra-Quelle…. Man ist nicht übermäßig freundlich. Das liegt aber vielleicht auch an dem derben Dialekt, der hier gesprochen wird, der mir die weiche Aussprache der harten Konsonanten bis heute mit auf meinen Weg gab. Ich komme aus einer Region, die per se Identitätsprobleme mit sich bringt. Im südlichen Thüringen fühlt man sich den Franken geschichtlich, kulturell und vor allem sprachlich näher als den Thüringern.

Und dann ist man in Berlin. Eine Stadt, in der mich diese Frage weiter begleitet, eine Stadt, in der gefühlt weniger gebürtige Berliner als Zuzügler leben. Wer ist Berliner, wann ist man Berliner? Jeder fühlt sich als Berliner – egal, wie lange man auch hier lebt. Identität ist Nebensache. Und dann kommt die nächste Kategorisierung – während meiner Studentenzeit war ich Prenzlbergerin, danach Friedrichshainerin. Ich lebe seit knapp 20 Jahren in der Hauptstadt – länger als in meiner eigentlichen Heimat – und bin gerade von meinem Herzen dabei, sie wieder zu verlassen.

Wenn ich jetzt umzöge, was würde ich dann als Heimat bezeichnen – Thüringen, Berlin oder meinen neuen Wohnort? Ist Heimat Herkunft oder doch nur ein Gefühl?
Heimat ist, wo man sich heimisch fühlt. Und da komme ich vollends ins Schwanken. Inzwischen fühle ich mich in meiner Zweit-Wahlheimat Mecklenburg fast heimischer als in meiner alten Liebe Berlin. Heimat ist der Ort, an den man immer wieder mit voller Leidenschaft zurückkehrt. Ich bin Berlinerin mit thüringischen Wurzeln und mecklenburgischen Liebe – die sich auf einer Durchreise befindet und ihr Ziel noch sucht, aber ihre Wurzeln kennt.

Tipps für Südthüringen

  • Wanderung durch das Vessertal: Ein schöne Wanderung gleich in der Nähe meines Heimatdorfes führt durch das UNESCO Biosphärenreservates Vessertal-Thüringer Wald. Der Weg führt vorbei an buntblumigen Bergwiesen, klaren Bergbächen und urwaldartigen Bergmischwäldern und bietet reizvolle Ausblicke.
    Stationen: Schmiedefeld – Schwarzer Crux – Zehn Teiche – Vesserquelle – Wegscheide – Adlersberg – Stutenhaus – Breitenbach – Vesser – Schmiedefeld
  • Klosteranlage von Veßra mit Freilichtmuseum: Im südlichen Vorland des Thüringer Waldes im Henneberger Land befindet sich die Anlage des ehemaligen Prämonstratenser-Chorherrenstifts Veßra. Nicht nur für Kinder ist ein lohnenswerter Ausflug die Besichtigung der ehemaligen Klosteranlage das Hennebergische Museum Kloster Veßra, in der sich die Gebäude der Kloster- und Domänenzeit mit den dorthin umgesetzten ländlichen Wohn-, Wirtschafts- und Kommunalbauten zu einem Freilichtmuseum verbinden.
  • Schleusingen und seine Bertholdsburg: Natürlich darf der Ort meiner Schulzeit nicht fehlen. In Schleusingen besuchte ich mit dem 1577 gegründeten Hennebergischen Gymnasium eines der ältesten durchgängig betriebenen Gymnasien in Deutschland. Hier befindet sich aber auch das Schloss Bertholdsburg – eine frühneuzeitliche Festungsanlage. Das Die von 1226 bis 1232 von den Grafen von Henneberg (Poppo VII.) errichtete Burganlage beheimatet ein naturhistorisches Museum sowie ein heimatgeschichtliches Museum. Vom 38 Meter hohen Hauptturm hat man eine schöne Aussicht.
  • Wintersport: Am Südhang des Thüringer Waldes wuchs ich so ziemlich auf Langlaufskiern auf. Und so freue ich mich jeden Winter auf’s Neue auf kleine Skiausflüge im Thüringer Wald – ob in Oberhof, Frauenwald oder Masserberg.
  • Gedenkstätte innerdeutsche Grenze: Die ehemalige Grenzübergangsstelle Eisfeld-Rothenbach war 1989 mein Tor zum Westen. Heute befindet sich hier eine kleine Gedenkstätte (8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 2,00 €).
  • Bunkermuseum: Das Bunkermuseum gibt einen Einblick in die jüngste Geschichte Ostdeutschlands. Bei der Anlage am Hotel „Rennsteighöhe“ handelt es sich um einen Führungsbunker, ähnlich denen, die schon im 2. Weltkrieg zum Einsatz kamen. Im Ernst- bzw. Kriegsfall sollte er der Bezirkseinsatzleitung des Ministeriums für Staatssicherheit zur Gewährleistung ihrer Führungsaufgaben dienen.

Noch mehr Thüringen:

Mehr „Heimatberichte“ gibt es bei Teilzeitreisende unter #Heimatliebekarte.

Der Glanz von San Remo

Es ist die Frage nach Autos, die mir Lars immer als erstes stellt, wenn er mich nicht auf meinen Reisen begleitet. Er macht sich normalerweise nicht viel aus Autos, ich noch viel weniger. Als würde ein Auto etwas über die Seele eines Landes verraten. Fiat oder Porsche? Oder liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen? Ich ertappe mich selbst dabei, als ich auf meiner Fahrt von Genua nach San Remo aus dem Fenster schaue – Porsche, Ferrari, Mercedes SLK, Volvo huschen an uns vorbei. Kleine geschwinde Flecken, die dem pastellenen Bild der apricotfarbenen Häuserfassaden in der sanften Berglandschaft Liguriens ein wenig die Aufmerksamkeit stehlen. Sind diese Vorboten auf einen Jetset-Ort, den wir besuchen wollen – San Remo?

Als wir die Stadt an der Riviera di Ponente erreichen, suche ich nach Klischees. Es ist die Vespa, die hier durch die Straßen knattert und italienisches Gefühl vermittelt, es ist die mächtige Spielbank, die unweit des Strandes über der Stadt thront und es sind die imposanten Villen der einstigen Adligen und Reichen, die sich an die Uferpromenade reihen. Und dann ist es der Radsport, den man unweigerlich ebenso mit Italien verbindet. Auch wir wollen weniger das Highlife erleben, als die Blumenriviera sportlich zu erschließen.

Verlassen liegt am Meer gleich schräg gegenüber von unserem Hotel der einstige Bahnhof der Stadt. Ein paar Tische stehen an diesem Morgen in der zaghaften Frühlingssonne. Ein alter Mann schlürft einen Espresso und schaut hinaus auf das Meer. Man sieht nicht viel vom Wasser, eine kleine Mauer trennt den Sehnsuchtsort vieler deutscher Urlauber zwischen Stadt und Strand. Dazwischen liegen ein Parkplatz und jener Bahnhof, in dem noch ein Café betrieben wird. Wo einst die Gleise entlangführten, liegt heute ein gut geteertes Stück Radweg. Seit Sommer 2008 verbindet dieser San Remo mit Arma di Taggia und San Lorenzo al Mare an der Küste. Auf den knapp 24 km durchquert man acht Gemeinden.

Bei Nole Bici leihen wir uns Räder, um ein Teilstück der Küstenstraße entlang zu radeln. Die Strecke ist landschaftlich schön und durch ihr ebenes Profil ziemlich einfach. Ideal für jedermann, denke ich mir. Und dennoch sind an diesem Morgen vor allem nur ambitionierte Rennradler unterwegs. Von San Lorenzo al Mare nach San Remo wird im Mai die erste Etappe des Giro d’Italia führen. Fünf Etappen finden dieses Jahr insgesamt in Ligurien statt. Man meint, die Italiener würden für den Erfolg eigenhändig in die Pedale treten wollen. Bis nach Santa Stefano al Mare haben wir uns aufgemacht, um im Il Sandolino mit Meerblick unser Mittag zu genieße. Das Ziel, der stetige Blick auf die Küste und das Meer lassen einen beschwingt in die Pedale treten. Wir passieren die Ortschaften La Cueva, Arma di Taggia, Riva Ligure und unzählige Tunnel, die an die Blütezeiten der Bahn erinnern.

Am späten Nachmittag will ich San Remo noch etwas erkunden. Als Badeort ist er mir wohl bekannt. Schon seit dem 15. Jahrhundert ist die Stadt ein beliebtes touristisches Ziel für viele, die Erholung und Entspannung suchen. Es waren vornehmlich Schriftsteller und der Adel, die schon damals vom üppigen Grün, der Blumen-, Farben- und Duftvielfalt schwärmten. Der Name Città di Fiori – Blumenstadt – ist darauf zurückzuführen. Viele berühmte Persönlichkeiten, der Jetset, folgten auch im 19. und 20. Jahrhundert.

Ich erwarte einen versnobbten italienischen Riviera-Ort und werde doch schnell überrascht. In der Bucht zwischen dem Capo Nero und dem Capo Verde verliere ich mich stattdessen im Gewirr der engen Gassen wie ich sie aus Marrakesch kenne. Das ist die andere Seite San Remos, denke ich mir. An den Ausläufern der Seealpen schmiegt sich ein Irrgarten an hohen, alten Häusern empor, in deren Gassen nur wenig Licht fällt. Wie Tannenzapfen stecken die Häuser Lego like an einem Hügel und geben der Altstadt den Namen La Pigna.

Fasziniert biege ich mal links, mal rechts in eine Gasse ein. Frische Wäsche hängt gerade von den abblätternden Häuserfassaden herab. Keine frische Brise mag sich in die Enge verirren. Ich lasse mich durch die überdachten Gassen und Plätze treiben – wandle zwischen den Häusern, die von Stützpfeilern gehalten werden, durch die Altstadt von San Remo. Wohin ich will, ist nebensächlich. Längst finde ich die Namen auf den Straßenschildern nicht mehr auf meinem Stadtplan. Schließlich finde ich an den Hauswänden auch keine Straßennamen mehr.

Als ich den Giardino Regina Elena erreiche, öffnet sich unter mir das Gassengewirr der La Pigna wieder und setzt sich neu zu einer Stadt zusammen. Nur ein Auto der Carabinieri steht einsam in dieser kleinen Parkanlage unterhalb des Santuario della Madonna della Costa. Doch welchen Weg soll ich für den Rückweg wählen? Ich laufe einfach geradeaus. Doch wieder werden Gassen enger und dunkler, so dass ich manchmal zweimal ansetze, um dann doch wieder umzukehren. Nie weiß man, wo eine Häuserwand den Weg beendet. Als ich den Piazza Oratorio del Dolori erreiche, bin ich wieder auf sicherem Kurs. Spätestens als ich die Piazza Cassini betrete, lasse ich die Kasbah von San Remo hinter mir. Touristen und Einheimische mischen sich vor der Barockkirche Santo Stefano. Wo mich eben noch völlige Ruhe in den Häuserschluchten umgab, weitet sich nun der Blick. In der geschäftigen Corso Matteotti verliere ich mich im Getümmel zwischen den Schaufensterauslagen. Ich überquere die Via Feraldi und erreiche die Piazza San Siro mit ihrer gleichnamigen Kalksteinkathedrale im romanisch-gotischen Stil aus dem 12. Jahrhundert. Ich setze mich mit einem Eis auf die Treppenstufen der Kathedrale nieder. Kein Auto, das sich in die Enge der Stadt hervorwagt. San Remo ist nicht Porsche oder Ferrari, sondern an diesem Frühlingstag völlige Ruhe und allenfalls ein Fiat.

Nur eine Stunde von San Remo entfernt liegt Finale Ligure, ein Städtchen, das wir am nächsten Tag besuchen. Ich durchquere das Tor zur mittelalterlichen Stadt. Nahe dem archäologischen Museum steht ein alter Fiat Cinquecento im Regen, der ein Strahlen hervorzaubert. Dann klingelt das Telefon, Lars freut sich, mich endlich zu erreichen. Würde er jetzt fragen, welche Autos hier herumfahren? Doch er erkundigt sich nur nach dem Wetter. Von Italien haben wir alle eine Vorstellung, und in dieser sind 365 Tage Sonnenschein. Doch Bild und Abbild stimmen nicht immer überein – zum Glück. Denn nur dadurch gibt es immer noch etwas zu entdecken.

Was man noch wissen sollte?
Die Altstadt selbst sollte man per Fuß erkunden. Doch eine kleine Radtour auf der Pista Ciclabile entlang der Riviera im milden Klima ist empfehlenswert. Das Ausleihen eines City oder Mountain Bikes für einen halben Tag kostet bei Nole Bici beispielsweise 12 EUR, ein ganzer Tag 16 EUR.

Ich wurde von Turismo Liguria eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen. 

La Guajira – am nördlichsten Punkt Südamerikas Teil 2

Noch einmal überqueren wir die Bahnschienen. Dann begleitet uns ein langes Pfeifen. Am Horizont taucht ein Zug mit über 150 Waggons auf. Es ist der ewige Zug, der scheinbar kein Ende hat, der den endlichen Bodenschatz von La Guajira abtransportiert. Wir haben uns um 8 Uhr von Cabo de la Vela auf den Weg in den Norden der Halbinsel La Guajira gemacht. Es ist eine Fahrt ohne Wege. Hier bedarf es einen Allrad-Antrieb. Hier wissen wir, dass wir uns nun endgültig in ein sehr abgeschiedenes Gebiet hervorwagen. In ein Gebiet, das den nördlichsten Punkt des Festlands Südamerikas darstellt. Immer wieder passieren wir sandige Strecken zwischen den Kakteen, dann wieder steiniges, kurviges Terrain. Unsere Körper kämpfen gegen das Geruckel der imaginären Straße an. Ein wenig erinnert die Fahrt an die Mongolei. Stille macht sich im Auto breit. Längst haben Boygroups der 90er Jahre die landestypischen Vallenato-Gesänge abgelöst. Bei jedem Stopp ziehen wir uns zum Schutz gegen die gnadenlose Sonne Tücher über den Kopf. Es ist heiß, sehr heiß.

 

Gegen 11.30 Uhr halten wir an einem riesigen Sandfeld, das sich vor uns auftürmt. Zwei andere Autos stehen bereits hier. Das sind die Dünen von Taroa, meint unser Guide Joaquin. Und schon stapfen wir schweren Schrittes durch die Mittaghitze und sehen wie er hinter uns am Horizont verschwindet. Wir bewegen uns immer der Kante entgegen, hinter der wir das Meer vermuten. Die Spuren unserer wenigen Vorgänger verwehen noch in dem Moment, in dem der Fuß den Sand berührt. Es ist nicht nur eine Düne, in der wir uns befinden. Das hier ist eine Wüste, die plötzlich steil in das Meer abfällt. Als wir an der 60 m hohen Oberkante dieses Sandfeldes stehen und den Hang hinabsehen, hält uns nichts mehr. Junge Franzosen, die zeitgleich mit uns ankamen, rollen sich hinab, die anderen watscheln durch den Sand, wieder andere rutschen herunter. Egal wie, am Ende rennt man nur noch in die Wellen der Karibik und genießt die Erfrischung.

Als wir den Strand, an dem sich Wüste und Meer küssen, verlassen, drehen wir uns noch einmal um, und sehen ein Glitzern in der unteren Luftschicht. Wie eine Fata Morgana liegt dieser Ort in einer Blase zwischen Traum und Realität, der im Rückspiegel ebenso schnell verschwindet wie er vor uns aufgetaucht war. Dann stoppen wir an einem kleinen Mirador und haben einen herrlichen Ausblick auf die türkisfarbene Bahia Hondita, bevor wir das letzte ruckelige Stück zur Ranchería von Chander fahren. Durch ihre Lage auf einer Anhöhe ist man hier nicht nur dem Wind besonders stark ausgesetzt, sondern hat auch einen schönen Blick über die Bucht und das Meer. Schweigend sitzen wir auf der Terrasse des offenen Restaurants. Die Zeit zählt runter und bleibt doch zugleich stehen. Alles um uns herum ist Natur. Eine Natur, die nur mit dem zweiten Blick, dem mikroskopischen, Leben hervorzaubert. Hier eine Echse, da eine Spinne. Karge Büschel streben nur widerwillig gen Sonne. Wir fragen uns, wo die Wayuu-Familie das Essen herzaubert – fernab von jeglicher Zivilisation.

Am Nachmittag fahren wir noch einmal zur Bahia Hondita – sehen verlassene Schiffswracks vor den Mangroven liegen. Kleine Kaimane soll es hier auch geben, doch diese halten sich vor uns versteckt. Wir setzen die Fahrt fort zum Leuchtturm von Punta Gallinas – an dieses Stück Küste treffen die Wellen besonders gewaltig auf das Land. Was Kap Hoorn im Süden des Kontinents ist, ist Punta Gallinas im Norden – eine Begrenzung des Kontinentalfestlands Südamerikas. Nur den harschen Wellenschlag vernehmen wir, als wir uns auf die Steine niedersetzen. Niemand, der hier lange verweilt. Nichts, außer ein Leuchtturm mit Landkarte, der auf diesen besonderen Ort hinweist. Neben dem harten Wellenschlag und dem rauen Wind bleibt mir nur die endlose Weite in Erinnerung. Ein Ort, an dem die Naturkräfte an einem zehren. Wir müssen weiter, ermahnt uns Joaquin, denn es gibt da ein Ort, an dem die Sonne besonders szenisch ins Wasser plumst. So sehen wir die Sonne am Strand Punta Aguja untergehen – nur ein Fußmarsch von unserer Ranchería entfernt.
Und dann kuscheln wir uns in unsere prächtigen Chinchorros (große, schön verzierte Hängematte), versuchen uns vor dem Wind zu schützen, der heftig und kühl in unseren Unterschlupf bläst. Die Franzosen besorgen sich noch einen Verstärker der ohnehin schon starken Gefühle – auch am abgelegensten Örtchen scheint dies zu funktionieren. Doch wo die Routen der Drogenkuriere entlanggehen, scheint auch für den kleinen Touristen etwas abzufallen.

Am nächsten Morgen nehmen wir nach dem Frühstück das Boot, das uns in 10 Minuten zum kleinen Strand in der Bahia Hondita übersetzt. Unser Fahrer ist schon eine Stunde vorher mit dem Geländewagen losgefahren, um uns von dort abzuholen – so weit ist die Anreise mit Auto verglichen zum Boot.

Als wir uns wiedertreffen, fahren wir den direktesten Weg nach Uribia, wo wir Mittagessen. Immer wieder fallen an diesem Morgen meine Augen zu, die Fahrt ist anstrengend. Gerade als ich wieder nah am Schlummern bin, sehe ich aus einem Augenwinkel einen Mopedfahrer, der geradezu in unser Auto reinläuft. Ein Aufschrei begleitet das Geräusch des Aufpralls. Und dann ist Stille. Ich habe ein kurzes Déjà-vu. Einen Moment zögert unser Fahrer und bleibt mit seinem Fuß auf dem Gas. Als er zum Halten kommt, sehen wir hinter uns den reglosen Mopedfahrer liegen. Es ist wie ein Traum im Traum. Wenn Träume sich negieren werden sie zum Albtraum. Wir fahren zurück, erst als wir aussteigen im Gewirr der entsetzten Wayuus, die zum Unfallort geeilt kommen, regt sich der Mann leicht. Er ist alkoholisiert, doch wichtiger ist, er lebt. Schnell steht er wieder auf seinen wackligen Beinen und beginnt zu diskutieren. Dinge werden geregelt, es dauert eine Weile, bis wir die Fahrt fortsetzen. Doch nichts ist mehr wie zuvor.

Auch das Mittagessen in der Stadt hilft nicht über den Schock hinweg. Das Ende dieser Tour ist still, sehr still. Nur eine halbe Stunde, nachdem wir unsere Fahrt fortgesetzt haben, hören wir einen lauten Knall am hinteren Heck. Ein Junge hat unseren Wagen mit einem Stein beschmissen. Nicht klein ist dieser gewesen. Es ist, als wollte uns der negative Lauf, den wir nun aufgenommen haben, noch eine Weile begleiten. Unser Fahrer bemerkt, dass irgendetwas nicht mit unserem Auto stimmt, 10 km vor Riohacha kommen wir zum Stehen. Ein Freund von Joaquin holt uns ab. Wir können nur vermuten, was das Problem war. So hatte Joaquin anders als auf der Hinfahrt eine Straßensperre mit Gummiband der Wayuu-Kinder ungeduldig durchfahren, anstatt zu halten und mit Süßigkeiten zu zahlen. Dabei war das Band unter der Motorhaube hängengeblieben und hat darin wohl einiges durcheinander gebracht. Hektisch verabschieden wir uns von Joaquin an dieser Straße – irgendwo zwischen Riohacha und venezolanischer Grenze. Es ist ein schwarzer Tag für Joaquin und auch wir können den Ausklang dieser Tour nicht wirklich genießen. Still ist der Abschied auf dieser Straße ins Nirgendwo – Richtung Ende Südamerikas.

Was man noch wissen sollte?
La Guajira war vor ein paar Jahren noch als Geheimtipp nur abenteuerlich zu erreichen. Inzwischen hat sich dies geändert und man kommt sogar individuell hierhin.
Von Santa Marta nimmt man einen Bus, der in ca. 3 Stunden Riohacha erreicht. (21.000 Pesos) von Riohacha nach Uribia sind es mit Bus 1,5 Stunden (12.000 Pesos). Von Uribia geht es mit Collectivos mit zwei Sitzbänken hinten weiter nach Cabo de Vela. Die Fahrt dauert zwei Stunden und kostet 15.000 Pesos. Ab Cabo benötigt man ein 4Wheel. Wir wurden angesprochen. Die Fahrt dauert ca. 2-3 Stunden und kostet ca. 140.000 Pesos.

Cabo de Vela: weiß-orange Sandstrände wie Ojo de Agua (1,5 Stunden Walk), Playa el Faro (1,5 Stunden Walk), Playa el Pilar (1 Stunde Walk) oder Playa Pilón de Azucar (1h Walk).

Punta Gallinas: 30 Minuten von Punta Gallinas entfernt liegen die fantastischen Dünen von Taroa. Zum Leuchtturm kann man in 45 Minuten laufen. Strände wie Playa Cristalina, Playa Rocosa und Punta Aguja.

Zum Teil 1 unserer Tour nach La Guajira

Santiago de Cuba

Seit ein paar Tagen ist es türkis, einfach unglaublich türkis. Hier und da mal der grüne Tupfer einer Miniinsel mit Mangroven, ein Fetzen weisser Strand aber dann wieder türkis, endloses Türkis. Wir schlängeln uns durch die Jardines de la Reina, ein 3800 Quadratkilometer grosser Meerespark voller Riffe und unbewohnter kleiner Inseln. Das Ganze steht unter Naturschutz und verspricht intakte Korallenriffe, viel Fisch und anderes Meeresgetier. Bisher haben wir im Park noch nicht viel davon gesehen, denn wir haben uns in Tagesetappen auf der Rückseite der Hauptkette hochgearbeitet. Da gibt es kaum Wellen, was das Segeln traumhaft macht, aber durch die Landeffekte legt sich hier auch der Wind nachts schlafen. Morgens brist es dann wieder auf und es kann weitergehen. Auf dieser Seite war das Wasser um die Mangroveninseln eher trüb, aber seit gestern sind wir durchs Hauptriff auf die Aussenseite und es wird immer klarer und bunter. Einen ersten Eindruck davon hatten wir schon am Cabo Cruz, wo wir geschützt durch ein buntes Korallenriff direkt vor dem alten, grossen Leuchtturm des Kaps ankerten. Uns gefiel es so gut, dass wir gleich drei Nächte dort blieben, schnorchelten und Smutjes Geburtstag feierten. Omas traditioneller Apfelkuchen vorm Korallenriff im türkisblauen Meer! Naja, mangels Äpfeln war er diesmal mit Mangos und Ananas gefüllt, mit Limettensaft und Rum beträufelt, passend zum Ambiente, und auch so unglaublich lecker! Doch zurück in die Zivilisation, über zwei Wochen waren wir in Santiago de Cuba. Zeit, um sich an das völlig andere Leben hier zu gewöhnen, Zeit um sich mit anderen Seglern auszutauschen, Zeit um das Nötigste zu reparieren und natürlich Zeit, um diese verrückte Stadt zu entdecken. Santiago ist voller Gegensätze. Auf der einen Seite der Smog von jahrzehntealten Dieselmotoren der zu Bussen umgebauten Laster, glühende Hitze und durch Hurrikane und fehlende Materialien schwer angeschlagene Gebäude. Auf der anderen Seite Perlen kolonialer Architektur, die Romantik der durch die Strassen cruisenden 50er-Jahre-Schlitten und Pferdekutschen sowie die schrägen sozialistischen Bauten, die man eher in Ostdeutschland vermuten würde. Dem oft harten und entbehrungsreichen Leben der Menschen, den zahlreichen aufdringlichen und ziemlich nervenden jineteros (Schlepper, die einen von Taxi und Restaurant über Rum und Zigarren bis zur Hure alles mögliche andrehen wollen) stehen eine unglaubliche Offenheit und Freundlichkeit, ein extrem hoher Bildungsstand und kaum Kriminalität gegenüber. In Kuba braucht man sich wenig Sorgen machen, überfallen zu werden, von einem der raffinierten Tricks der Jinateros beschissen wird man aber auf jeden Fall. Nicht einfacher machen es die zwei Währungen, von der eine fünfundzwanzigmal soviel wert ist wie die andere. Wenn man nicht penibel aufpasst, wird aus dem ausgehandelten Preis im vermeindlich billigen Peso am Ende der Teure. Auch wir gehen dem immer mal wieder auf den Leim, obwohl wir schon so viele Länder bereist haben in denen die Schlepper auch nicht ohne waren. All das verwirrt, strengt manchmal an und wir brauchen ein wenig, um uns zu akklimatisieren, doch wir sind trotzdem fasziniert von dieser vielseitigen Insel, die so ganz anders ist als ihre karibischen Nachbarn. Hatten wir doch auf den kleinen Antillen oft nach kleinen Snacks am Strassenrand gesucht und diese aber selten gefunden, so können wir uns in Santiago für richtig kleines Geld durch die Strassen futtern. Meistens ist es nur ein kleines Fenster, durch welches unglaubliche Leckereien verkauft werden. So futtern wir uns zunächst durch die Strassen und Gassen, essen hier eine kleine Pizza für umgerechnet vielleicht 15 Cent, essen dort ein mit Spanferkel belegtes Brötchen oder geniessen ein süsses Churro, eine Art Schmalzteig, gefüllt mit einer Vanillemasse. Eiscafés gibt es hier auch in Hülle und Fülle. Und anders als in Ostdeutschland gibt es hier kein Softeis sondern echte Eiskugeln. Nach einem heissen Tag durch Santiagos dampfende Gassen geniessen wir jeder einen Eisbecher in einem der luftigen Cafés. Die Kubaner scheinen Eis zu lieben, der Andrang ist enorm und wer nicht im Café sitzt kauft das Eis am Stand davor. Nicht eine kleine Waffel auf die Hand, sondern kübelweise! Wir bestellen uns aus der grossen Karte jeder einen Becher, doch na nu, was ist denn das? Als das Eis serviert wird, stellt sich heraus, dass der einzige Unterschied darin besteht, dass in Capitanas Eis ein riesiges Kuchenstück steckt, ansonsten kein Unterschied. Macht aber nichts, das Eis schmeckt einfach gut. Nebenan entdecken wir ein anderes Eiscafé, es ist herrlich sozialistisch gestaltet, fast fühlen wir uns an einige Bauwerke im ehemaligen Ostberlin erinnert. A propos Kuchen und Torte, auffällig ist auch, dass hier viele Menschen knallbunte Torten vor sich hertragen, jeden Nachmittag sehen wir etliche davon. Aber wir beschäftigen uns nicht nur mit Essen. Am Busbahnhof von Santiago versuchen wir, ein Ticket nach Baracoa zu bekommen. Wir werden an den Nachbarschalter verwiesen, hier fahren nur Busse für Touristen, wir dürfen nicht mit den lokalen Transportmitteln fahren. Und das hat dann auch seinen Preis, der ist zwar nicht überdimensioniert, aber doch das zehnfache vom lokalen Bus. Raus aus dem Getümmel vom Busbahnhof landen wir direkt auf der Plaza de la Revolucion. Hier kommen wir uns klein und verloren vor, angesichts des großen Reiterdenkmals von Antonio Maceo, dem gigantischen Vorplatz, den gewaltigen Stelen, die sich bombastisch vor der Bergkulisse abheben. Direkt daneben stehen wir vor dem Teatro Heredia, welches das Abbild von Camillo Cienfuegos, einem der Revolutionshelden ziert. Nun wollen wir weiter zum Cuartel Moncada, einem bedeutendem Schauplatz auf dem Weg zur Revolution. Schon der Blick auf die nun als Schule dienende alte Kaserne ist geschichtsträchtig. Versehen mit etlichen Einschusslöchern, die wohl auch pfleglich restauriert werden, empfängt uns die gewaltige Kaserne mit ihrem Museum. Das reisst uns nicht so sehr vom Hocker, findet man hier neben etlichen unscharfen Fotos noch einige Waffen und Kleidungsstücke der Revolutionäre, der zunächst missglückten Revolution von 1953. Wir machen uns auf zum Cemeterio Santa Ifigenia, denn auch hier liegen so einige der grossen Helden vergraben. Doch ersteinmal müssen wir dorthin kommen. Wir laufen runter zum grossen Hafen von Santiago und setzen uns in eine Pferdekutsche, die uns aber nicht ganz zum Friedhof bringt. Ein Stück müssen wir laufen, denn auch hier hat der Hurrikan ?Sandy? üblen Schaden angerichtet, Strassenzüge werden gerade wieder aufgebaut, wir laufen staubige, unbefestigte Wege entlang, überall ragen ruinöse Gebäude hervor. Der Friedhof überrascht durch seine Monumentalität. Geblendet vom vielen Weiß der Grabsteine in der Mittagssonne kämpfen wir uns die Gräberreihen entlang. Für den Freiheitskämpfer Martí ist ein gewaltiges Mausoleum errichtet worden. Wir setzen uns davor, um uns kurz auszuruhen, doch pronto werden wir von einem Wächter verscheucht. Hier darf man nicht sitzen, Martí ist den Kubaner heilig. Also weiter. Wir finden noch das Grab vom legendären Compay Segundo vom ?Buena Vista Social Club?, dann wird es Zeit zu gehen. Vergeblich suchen wir nach einer Bushaltestelle, einem Taxi oder einer Kutsche. Doch da-da steht ein Bus und Leute, die von einem Begräbnis kommen, aber keiner trägt schwarz, schlurfen mit Trauermiene hinein. Der Bus bringt uns in die Stadtmitte und kostet-nichts! Er war wohl für die Trauergäste, aber wir wurden trotzdem freundlich reingewunken, ohne uns was dabei zu denken. So ist es im Übrigen auch morgens mit unserem Bus nach Santiago. Zweimal hatten wir Glück und wurden für einen Preis, den man nicht einmal in Eurocents umrechnen kann, mit nach Santiago genommen. Die anderen Tage standen wir oft lange und warteten, wie die vielen anderen Menschen auch. Wir kommen hier und da in kleine Gespräche, erfahren, dass die Marinamitarbeiter im Monat 25 Euro verdienen und vieles über das Leben hier. Es kommt irgendwann ein Bus, der auch nach Santiago fährt, es ist nicht der reguläre, es ist einer für Arbeiter und Militärs und der kostet auch nichts. Als wir beim ersten Mal nachfragen, werden wir fast ausgelacht, die nächsten Male schallt uns dann der lachende Ruf:? Diez Pesos!? entgegen, die wir natürlich nicht bezahlen müssen. Irgendwann sitzen wir dann im Bus nach Baracoa. Es ist ein neuer Bus, auch in China hergestellt, wie die Stadtbusse. Klimatisiert ist er auch. Er bringt uns über die hübsche Bergkulisse an Guantanamo vorbei, durch die trockenen Ausläufer der Sierra Maestra, dann in wilden Serpentinen über die Gipfel der Cuchillas del Toa in den unglaublich grünen und fruchtbaren Nordwesten der Insel. Die Busfahrer haben an jedem Stop ihre connections, sie laden mal hier, mal da ein paar Eier, ein Glas Honig, Brot und andere Dinge ein. Der Bus quetscht sich durch die Gassen von Baracoa. Muss er doch direkt durch den quirligen Karneval hindurch zum Endbahnhof. Wir staunen nicht schlecht, alles ist voller Buden und Fressstände. Da wollen wir gleich hin! Doch erstmal zu unserer casa particular, einer neueren Errungenschaft im Privatbusiness. Familien oder andere Privatleute können Zimmer an Touristen vermieten. Zwar erfahren wir, dass die Steuern darauf immens sind, aber doch hält es die Leute nicht davon ab, privat zu vermieten. Wir beziehen unser Zimmer, welches sehr gut ausgestattet ist, Kühlschrank, ein Bad mit Klo und Dusche, Aircondition, ein festes Bett, das Ganze für umgerechnet 18 Euro. Wir ruhen uns kurz aus, bevor es uns auf den Karneval zieht. Er findet direkt am Malecón, der Strandpromenade statt. Wir staunen über die vorsintflutlichen klapperigen Kinderkarusselle, doch die Kinder haben Spass, kreischen vor Freude und wir freuen uns mit. Überall gibt es grosse Bierbecher aus Plastik zu kaufen, für das aus riesigen Fässern gezapfte Bier. So kaufen auch wir einen Plastikhumpen, um das Bier mal zu testen, es ist kühl und hat einen leicht blechigen Beigeschmack. Wieder futtern wir uns durch die Stände, ein Spanferkelbrötchen nach dem anderen verschwindet in unseren hungrigen Mägen. Und natürlich ist überall Musik. Hier hört man Raggatón, es wird ausdrucksstark getanzt. Zurück in die hübsche kleine Altstadt. Wir schlendern durch die kleinen Gassen, entdecken viele sozialistische Motivationssprüche an den Mauern der alten Kolonialhäuser. Überall wird freundlich gegrüsst, langsam, langsam scheint der Alltag hier abzulaufen, Fahrradfahrer schleichen an uns vorbei und die aus Santiago bekannten wilden Mopedfahrer fehlen hier völlig. So verpassen wir auch völlig das Osterfest, welches hier absolut keine Bedeutung hat, nur durch Zufall erfahren wir davon. Nach einer schlaflosen Nacht (die Bühne mit der semi-guten Musik scheint unter unserem Kopfkissen zu sein) beschliessen wir, wieder zurück zu unserer INTI zu fahren, um unseren Trip durch die unbewohnten Jardines de la Reina vorzubereiten. Leider können wir über Kurzwelle keine Fotos mitschicken. Wer trotzdem Bilder schon sehen möchte, kann das auf der Seite: www.facebook.com/radiopelicano Wenn wir wieder Internet haben, werden wir Fotos nachreichen! 17.04.2015 – 22:48 utc 21°02.52’N 079°19.17’W ===== This message was sent using Winlink, a free radio email system provided by the Amateur Radio Safety Foundation and volunteers worldwide. Replies to this message should be brief using plain text format and any attachments kept small. Commercial use or use of this email system for monetary gain is strictly forbidden. See www.winlink.org/help for additional information.

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