Noch ist von Phnom Penh wenig zu sehen, nur Container und Kräne ziehen am Ufer des Mekongs vorüber. Frachtschiffe und kleine, bunte Boote sind auf dem schlammig braunen Mekong unterwegs. Dann taucht unter Schaumwolken, die sich aus dem Dunst des Himmels lösen, eine Skyline aus Glas und Stahl auf. Nichts von dem, was ich sehe, gleicht der Stadt, die ich vor 26 Jahren erkundete.


Phnom Penh – eine Stadt, zwei Ankünfte
Der junge Sin Ron fährt mich in seinem blauen Remork durch Phnom Penh. Er lächelt viel. Unsere wenigen gemeinsamen Worte reichen nicht weit, also lächle ich zurück und schaue hinaus: Mopeds, Marktstände, alte Fassaden und dazwischen immer wieder neue Hochhäuser. Der Verkehr schiebt sich um uns herum, während ich nach einem Anhaltspunkt für meine Erinnerung suche.
Dann sehe ich die Kuppel des Zentralmarkts. Phsar Thmey wurde 1937 in der französischen Kolonialzeit eröffnet. Von der Halle gehen vier Flügel ab, in denen Händler ihre Waren anbieten. Ich kenne dieses markante Gebäude noch von meinem ersten Besuch. Heute sehe ich es nur durch die Häuserschlucht. Unser Remork hält erst am belebten Russenmarkt Tuol Tom Poung, wo wir zwischen Obst und Gemüse, Souvenirs, Kunsthandwerk, Stoffe und Street Food spazieren. In den 1980er-Jahren kauften hier viele sowjetische bzw. russische Expats, Diplomaten und Berater ein, so kam der Markt zu seinem Namen. Heute ist es die lokale Bevölkerung, die das Marktgeschehen gestaltet.


Von Frau Penh zum Königspalast
Wie die Stadt zu ihrem Namen kam, erfahren wir kurz darauf. Auf dem Hügel Wat Phnom beginnt die Geschichte Phnom Penhs mit einer Frau. Der Legende nach fand Penh 1372 in einem angeschwemmten Baumstamm vier Buddhafiguren. Sie ließ einen Hügel aufschütten und darauf eine Pagode errichten. Die Gründungsgeschichte dieser großen Stadt passt in einen Baumstamm.
Am Straßenrand stehen drei Porträts der königlichen Familie. Der Vater des heutigen Königs sei ein großer Baum gewesen, der viel Schatten spendete, berichtet Phal, die uns auf dieser Reise begleitet. Der heutige König dagegen ein kleinerer Baum. So spricht jemand, der sich an einen volksnahen Monarchen erinnert. Vor dem Palast leuchten die orange Kutten laotischer Mönche, die wie wir zu Besuch sind.

Der Königspalast wurde 1866 angelegt und ist bis heute Wohnsitz des Königs, auch wenn er oft im Ausland verweilt. In den privaten Teil dürfen wir nicht. Dafür lassen sich im zugänglichen Bereich die geschwungenen Dächer und die Schlangen aus Stein an den Eingängen betrachten. Nagas heißen sie; ihre Körper winden sich nach oben. Sie verbinden in der Symbolik Erde und Himmel. Jasminduft liegt in der Luft. Zwischen den Dächern und Figuren begegnen uns hinduistische Geschichten und buddhistisches Leben – beides gehört zu Kambodscha.
An der Silberpagode erzählen Wandbilder den Reamker, die Khmer-Fassung des Ramayana. Im Inneren liegen mit einem Teppich bedeckt silberne Bodenplatten, denen die Pagode ihren Namen verdankt. Auf dem weitläufigen Gelände stehen Stupas für verstorbene Angehörige der Königsfamilie. Bei meinem ersten Besuch war ich nicht hier. Mich zog es damals nach Tuol Sleng und zu den Killing Fields. An deren Bilder kann ich mich bis heute erinnern. Vielleicht, weil Schrecken sich tiefer einprägen als das Gold, das glänzt.


S-21 – drei Jahre, acht Monate und zwanzig Tage Schreckensherrschaft der Roten Khmer
Im Hof des ehemaligen Tuol-Sleng-Gefängnisses kommt meine Erinnerung zurück. Phal war neun Jahre alt, als die Roten Khmer am 17. April 1975 Phnom Penh einnahmen. Sie erzählt, dass manche Menschen an diesem Morgen noch auf Frieden und ein Ende des Krieges hofften. Wenig später mussten sie die Stadt verlassen. Familien wurden auseinandergerissen und aufs Land geschickt; auch Kinder und Mönche blieben nicht verschont. Für viele wurde dieser Tag zur schärfsten Zäsur ihres Lebens. Drei Jahre, acht Monate und zwanzig Tage dauerte die Herrschaft der Roten Khmer.
Aus der Schule machten die Roten Khmer das Gefängnis und Verhörzentrum S-21. In einem Klassenraum hängt noch eine Schultafel an der Wand, darunter steht ein eisernes Bettgestell. Nach Angaben der Gedenkstätte wurden hier zwischen 15.000 und 20.000 Menschen inhaftiert. Viele zwang man unter Folter zu falschen Geständnissen. Gefangene wurden nach Choeung Ek zu den Killing Fields gebracht. Landesweit starben in dieser Zeit schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Menschen durch Hinrichtungen, Zwangsarbeit, Hunger und Krankheit.

Phal führt uns durch die Räume dieser Schule. In ihren Augen stehen Tränen. Immer wieder gerät sie ins Stocken und bricht schließlich ab. Ich frage mich, wie sie es schafft, immer wieder hierherzukommen und diese Geschichte Besuchern zu erzählen. Als sie uns anhält, die Räume weiter allein zu erkunden, überzieht unsere Gruppe ein Schweigen. Wir gehen in die Stille hinein, die sich tief in die Erinnerung drückt.
Im Hof liegen die Gräber der letzten vierzehn Opfer, die hier gefunden wurden. Nur zwölf Menschen überlebten. S-21 gehört zu den Orten mit der weltweit geringsten Überlebensrate. Ein paar Schritte weiter sitzen Überlebende und bieten Bücher über ihre Erlebnisse an. Ich denke daran, dass dieser Ort einmal ein Schulhof war. Eine Schule, die grausamste Geschichte schrieb.

Junge Stimmen in Phnom Penh
Später stehen wir in The Gallerist, einer Galerie, die 2021 eröffnet wurde. Wir lernen Werke von lokalen Künstlern wie Thun Dina kennen und sehen Familienporträts von Im Pesey. Nach den Räumen von Tuol Sleng bin ich froh, hier Menschen zu begegnen, die Bilder für die Gegenwart finden. Während des Regimes der Roten Khmer wurde die Kulturszene des Landes fast vollständig ausgelöscht. Künstler, Intellektuelle und Lehrer wurden gezielt ermordet, Infrastrukturen zerstört. Der Wiederaufbau institutioneller Strukturen dauert bis heute an. Die Lücken werden zunehmend durch private Initiativen, NGOs und ausländische Kulturzentren gefüllt. Die Galerie schafft einen Ort zum Zeigen und zum Fragen.
Im Viertel um den Russenmarkt besuchen wir später die Boutique von La Plantation. Sie ist ein wichtiges Kompetenzzentrum für kambodschanische Gewürze. Hier kann man den weltberühmten Kampot-Pfeffer mit geschützter geografischer Angabe verkosten und erwerben. Die Farm liegt in Kampot, weit südlich von Phnom Penh. In der Boutique stehen Gläser mit rotem, weißem und schwarzem Pfeffer nebeneinander. Plötzlich wird mir bewusst, wir sind da, wo der Pfeffer wächst – und zwar der richtig gute.

Auf all die Pfeffermühlen und Porträts in der Galerie folgt nun noch Gin. Unser abendliches Ziel ist das MAWSIM. Von außen würde ich in dem etwas heruntergekommenen fünfzig Jahre alten, verschachtelten Wohn- und Geschäftshaus keine preisgekrönte Gin-Brennerei and Concept Bar vermuten. Tagsüber wird hier Gin hergestellt, abends öffnet eine kleine Bar für Gäste mit Reservierung. Hinter der unscheinbaren Tür wartet ein Raum, der mit dem Treppenhaus wenig gemeinsam hat. Phnom Penh überrascht mich immer dann, wenn ich glaube, schon zu wissen, was mich hinter der nächsten Tür erwartet.
Am Ende des Tages stehe ich auf einem modernen Hotelbalkon und blicke auf Hochhäuser. Nach 26 Jahren entdecke ich einen Ort komplett neu. Damals war ich mit dem Rucksack unterwegs. Nachts verscheuchte ich in einer billigen Unterkunft auf Stelzen Ratten von meinem Proviant. Ich hätte nicht gedacht, dass ich all die Jahre später wieder vor derselben Stadt stehen und sie kaum noch erkennen würde. Doch dieser Gedanke bereitet mir inzwischen mehr Freude als Wehmut.


Sambor Prei Kuk – im Schatten der alten Tempel
Auf unserer Überlandfahrt nach Siem Reap halten wir in Sambor Prei Kuk. Ein kaum besuchter Ort, der atmosphärisch Angkor Wat in nichts nachsteht. Die Backsteintempel stammen aus dem 7. Jahrhundert, aus einer Zeit lange vor Angkor. Hier lag einst Ishanapura, die Hauptstadt des Chenla-Reichs. An diesem Ort wurden hinduistische Götter verehrt, besonders Shiva. Ich versuche, mir eine Hauptstadt vorzustellen, während wir zwischen Bäumen und Tempelresten stehen. Vogelrufe, Grillenzirpen und das Summen der Mücken sind zunächst lauter als unsere kleine Gruppe.
Als Erstes erreichen wir den Löwentempel. Von der Tempelgruppe steht nur noch ein Bau, und gerade deshalb schaue ich genauer hin. Backstein auf Backstein, dazwischen Lücken, in die mein Kopf das Fehlende setzen will.


Wir gehen weiter zur nächsten Gruppe mit acht Backsteintempeln. Der Weg zwischen ihnen gehört für mich genauso zum Besuch wie die Bauten selbst. Ein Stück weiter wird noch restauriert. Auch das gehört zum Bild dieses Ortes: Menschen versuchen zu bewahren, was Regen, Pflanzen und Zeit langsam verändern.
Am Ende des Rundgangs führt uns Phal zu ihrem persönlichen Highlight – zum Baumtempel Prasat Chrey. Wurzeln legen sich über die Steine. Es lässt sich nur erahnen, ob der Baum die Mauer noch hält oder sie schon auseinanderdrückt. Noch ahne ich nicht, wie vertraut mir dieser Anblick ein paar Tage später in Ta Prohm vorkommen wird.

Siem Reap – die blinkende Stadt vor Angkor Wat
Siem Reap begrüßt mich laut. Wo einst staubige Straßen, einfache Holzhäuser und wenige Guesthouses das Stadtbild prägten, leuchten heute Hotels, Bars und Restaurants am Abend um die Wette. Auf der populären Pub Street reihen sich Lokale und Lichter aneinander, alles scheint auf Touristen ausgerichtet. „Souvenirs!“, ruft jemand. Vor den Restaurants halten uns Angestellte Speisekarten entgegen. Dieses aufdringliche Nachtleben ist nicht meins. Ich vermisse das staubige Dorf von damals.
Wir passieren die Stände des Riverside Night Market. Weiter entfernt fliegen unter Flutlicht Federbälle hin und her; in den Bäumen hängen Flughunde. Mein Blick bleibt dort länger hängen als an den Leuchtreklamen der Pub Street. Ich laufe weiter durch die hellen Straßen und suche trotzdem nach dem Ort, an dem ich einst ankam.
Vielleicht trifft mich der Wandel hier noch mehr als in Phnom Penh, weil ich Siem Reap so eng mit Angkor verbinde. Für einen Moment vermisse ich die staubige, schlaglöcherige Piste quer durch endlose Reisfelder von damals. Und dann freue ich mich auf den nächsten Morgen: Angkor Wat ist geblieben. Nur die Wege sind geordneter, die Steine werden gesichert, die Besucher gelenkt. Aber hinter all dem stehen noch immer die fünf Türme, wegen derer ich zurückgekommen bin.


Angkor Wat und die Bilder von damals
Um vier Uhr stehe ich auf, damit ich vor Sonnenaufgang am Wasserbecken von Angkor Wat bin. Handys leuchten, Kameras werden ausgerichtet, alle warten auf die fünf Türme und ihr Spiegelbild. Sie stehen für die Gipfel des mythischen Berges Meru. Über das Brummen der Stimmen legen sich Grillenzirpen und Zwitschern. Dann ziehen Vogelschwärme über unsere Köpfe.
Im 12. Jahrhundert entstand Angkor Wat als Tempel für Vishnu, später wurde es auch ein buddhistisches Heiligtum. In den Reliefs des Sandsteins sind Szenen aus der hinduistischen Mythologie zu sehen. Heute gehört Angkor zum UNESCO-Welterbe. Angkor Wat ist zum Symbol Kambodschas geworden. Das Licht wandert mit der aufgehenden Sonne langsam über die Türme. Schon einmal stand ich hier. Damals war ich auf der Ladefläche eines Pick-ups von der thailändisch-kambodschanischen Grenze nach Siem Reap geholpert. Der Staub, die lange Fahrt, der schmerzende Rücken und die freudige Erwartung – all das gehörte zu diesem Sonnenaufgang. Ich hatte einen Film mit 36 Bildern in der Kamera und musste entscheiden, welches Motiv eines davon wert war.

Heute fangen Smartphones die Szenerie ein. Während sich die Türme im Wasser abzeichnen, suche ich nach einem Gefühl, das sich nicht wiederholen lässt. Ich setze mich abseits, lege Handy und Kamera beiseite und genieße nur den Augenblick. Und dann ist da der Gedanke an eine Filmszene aus „In the Mood for Love“, die hier gedreht wurde. Hier flüstert Mr. Chow ein Geheimnis in eine Öffnung der Mauern. Der Film erschien im selben Jahr wie meine erste Reise. Ich denke an diese Szene, während um mich herum die Kameras klicken. „The past is something he could see, but not touch.“ Was würde ich den Steinen erzählen?


Ta Prohm – umarmt vom Dschungel
Die Sonne steht schon hoch, als wir Ta Prohm erreichen. Der buddhistische Tempel wurde im späten 12. Jahrhundert geweiht. Er ist berühmt dafür, dass er weitgehend so belassen wurde, wie man ihn vorfand: gefangen in der Umarmung des Dschungels. Fast 80.000 Menschen bewohnten diesen Ort und waren mit der Pflege, Instandhaltung und täglichen Diensten betraut. Verglichen zu meinem Besuch 2000 führt heute ein Weg aus Stegen und Schildern durch die Anlage. Dahinter schieben sich dicke Stämme und Wurzeln über Türrahmen und Mauern. Kapokbäume und Würgefeigen halten die Steine an manchen Stellen fest, an anderen drücken sie sie auseinander. Türen in halb eingestürzten Wänden öffnen den Blick auf die nächste Nische. Ich gehe langsamer. Jede Wendung zeigt mir eine neue Art, wie dicht hier Bauwerk und Wald zusammengewachsen sind.
Menschen ziehen in kleinen Gruppen vorbei, sprechen in verschiedenen Sprachen und verschwinden hinter der nächsten Mauer. Einige suchen hier nach den Orten der Originalszenen von Tomb Raider. Ein Guide in einem apricotfarbenen T-Shirt sagt im Vorübergehen zu mir: „So silent right now. Enjoy.“ Ich bleibe, setze mich nieder. Für einen Moment sind die Stimmen fort, nur die Grillen und Vögel nicht.


Zwischen den Gesichtern von Bayon
Angkor Thom – eine weitere Anlage – war eine Hauptstadt des Khmer-Reiches. Jede Seite der von einem Wassergraben geschützten Stadtmauer ist ungefähr drei Kilometer lang. Im Wasser lassen sich Büffel nieder, bis kaum mehr als ihre Köpfe zu sehen sind.
Bayon ragt als das steinerne Herz von Angkor Thom empor. Es ist ein Tempel, der nicht in den Himmel greift, sondern in die Tiefe der Seele blickt. Ein Wald aus Türmen, aus denen über zweihundert monumentale Antlitze meißeln. Ihr Lächeln ist rätselhaft und zeitlos. Ein ewiger Blick aus halb geschlossenen Augen, der die Vergänglichkeit der Welt überdauert. Dunkle Galerien und verschlungene Gänge erzählen auf ihren Reliefs vom wilden Leben, von Schlachten und dem Alltag längst vergangener Reiche.



Tonlé Sap – wo der Fluss seine Richtung ändert
Bei meiner Reise zur Jahrtausendwende verließ ich Angkor Wat mit einem Boot über den Tonlé Sap Richtung Phnom Penh. Heute werde ich am Abend mit dem Flieger das Land verlassen. Ein internationaler Flughafen wurde 2023 eröffnet. Ich kann aber nicht gehen, ohne am Tonlé Sap gewesen zu sein. Und so mache ich mich mit drei weiteren Besuchern aus meiner Gruppe auf den Weg. Beim Kloster Mechrey, kurz vor dem Dorf, wechseln wir auf einen Mud-Guard. In der Regenzeit kommen die Menschen auf den Hügel beim Kloster, um sich kurz die Beine auf festem Boden zu vertreten. Sonst spielt sich ihr Alltag dann vor allem auf dem Wasser ab. Jetzt, im Mai, ist der Wasserstand niedrig. Wir rumpeln an Booten vorbei, die auf trockenem Grund liegen und auf das nächste Hochwasser warten.


Andere kleine Mud-Guards überholen uns. Auf ihren Ladeflächen sitzen Menschen zwischen Taschen und Hausrat. Am kleinen Hafen rutschen Eisblöcke von der Ladefläche eines Lastwagens in ein Boot. Bei mehr als 35 Grad schaue ich den funkelnden Blöcken hinterher, bis sie in den Säcken und dann im Boot verschwinden. Wir verlassen den Hafen mit einem Motorboot. Herr Buntha begleitet uns. Das mitgebrachte Kajak soll weiter draußen ins Wasser. Weit kommen wir zunächst nicht. Immer wieder verfängt sich Müll im Motor, das Knattern bricht ab und wir warten, bis es weitergeht. Familien und Händler ziehen auf dem Wasser an uns vorbei. Schwimmende Häuser säumen den Weg. Vom Boot aus sehen wir, wie nah hier Wohnen, Handel und Verkehr beieinanderliegen. Der Motor springt wieder an, knattert ein Stück und stockt erneut.



An einem Steg wechseln wir ins Kajak. Jetzt gleiten wir an Anglern vorbei, die im Wasser stehen und fischen. Es ist trüb, und der Abfall, der eben noch unseren Motor stoppte, ist nicht zu übersehen. Gleichzeitig zählt der Tonlé Sap zu den ertragreichsten Fischgewässern der Welt. Etwa 300 Familien leben hier in schwimmenden Häusern, erfahren wir. Andernorts am See stehen ganze Dörfer auf Stelzen. Das Knattern der Boote bleibt auch vom Kajak aus zu hören.
Der Tonlé Sap ist der größte Süßwassersee Südostasiens. In der Monsunzeit wächst seine Fläche auf etwa das Vierfache. Dann schwillt der Mekong an und drückt Wasser den Tonlé-Sap-Fluss hinauf in den See. In der Trockenzeit fließt es wieder zurück. Zweimal im Jahr ändert sich damit die Fließrichtung. Der Hügel beim Kloster, die gestrandeten Boote und die schwimmenden Häuser sehen je nach Jahreszeit anders aus. Hier auf dem Wasser begreife ich, wie wenig ein Ort auf die Form festgelegt ist, in der ich ihn einmal kennengelernt habe.



Kambodscha auf einen Blick
Land und Leute: Das Königreich Kambodscha liegt zwischen Thailand, Laos und Vietnam und grenzt im Südwesten an den Golf von Thailand. Es ist 181.035 Quadratkilometer groß; Hauptstadt ist Phnom Penh. Für 2026 werden rund 17,8 Millionen Einwohner prognostiziert. Amtssprache ist Khmer, Landeswährung der Riel (KHR). Auch US-Dollar werden vielerorts angenommen. Der Theravada-Buddhismus prägt das religiöse Leben. Der Tonlé Sap ist der größte Süßwassersee Südostasiens.
Die Route: Die elftägige Reise mit Gebeco vom 20. bis 30. Mai 2026 verband Südvietnam und Kambodscha. Von Ho-Chi-Minh-Stadt ging es durch das Mekong-Delta nach Chau Doc, von dort per Schnellboot nach Phnom Penh. Über Kampong Thom führte die Reise weiter nach Siem Reap.
Geschichte und Natur: Sambor Prei Kuk war einst Ishanapura, Hauptstadt des Chenla-Reiches im späten 6. und frühen 7. Jahrhundert und ist seit 2017 UNESCO-Welterbe. Später entstanden in Angkor mehrere Hauptstädte des Khmer-Reiches. Angkor ist seit 1992 UNESCO-Welterbe. Zur jüngeren Geschichte gehört die Herrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979. Schätzungsweise 1,5 bis 2 Millionen Menschen starben in dieser Zeit.
Phnom Penh: Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Phnom Penh gehören der prachtvolle Königspalast samt Silberpagode, der historische Tempel Wat Phnom auf dem Gründungshügel, das Tuol-Sleng-Genozid-Museum (S-21), die Gedenkstätte Choeung Ek (Killing Fields), der „Russenmarkt“ Phsar Tuol Tom Poung und der Art-déco-Zentralmarkt Phsar Thmey. Daneben sollte man aber auch das moderne Phnom Penh erkunden – wie z.B. Galerien mit Werken zeitgenössischer Khmer-Künstler, eine Kampot-Pfeffer-Boutique oder eine Gin-Brennerei mit Bar.
Reisezeit: Von Mai bis Oktober ist Regenzeit, von November bis April Trockenzeit. Kambodscha liegt in der Zeitzone UTC+7.
Mein Highlight: Die Kajaktour von Merchey auf dem Tonlé Sap. Weg von den Sehenswürdigkeiten und Geschichte des Landes erlebt man hier sehr nah das Leben der Menschen in schwimmenden Dörfern oder Orten auf Stelzen.
Ich wurde von Gebeco zu dieser Pressereise durch Südvietnam und Kambodscha eingeladen. Alle Eindrücke und Ansichten sind meine eigenen.

