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Afrika Patt Problemm

afrika_patt

An einem windigen, lauen Abend in Sidi R’bat (Marokko) fiel mir im La Dune Guest House dieses Buch aus dem Jahr 1998 von dem Besitzer unserer Unterkunft in die Hände. Als leidenschaftlicher Afrikainteressierter begann ich flüchtig reinzulesen und wollte das Buch gar nicht weglegen. Doch dass Vorwort und Zwischenzeilen etwas täuschten, merkte ich erst, als ich das Buch bereits in Deutschland gekauft und in der Buchmitte angekommen war. Ich erwartete ein Buch von einem Afrikakenner, ja vielleicht -liebhaber und bekam zunehmend die Ignoranz des Autors zu spüren, die nicht immer nur am (Nicht-)Erlebten sondern auch häufig an der Wortwahl, die mich zunächst begeisterte, festzumachen war. Wer politisch korrekt mit dem schwarzen Kontinent umgehen möchte, für den ist dieses Buch nicht zu empfehlen. Begriffe wie Neger, Bimbo, Franzokken müssen verdaut werden. Selbst über diese Begriffe las ich zunächst mit Spannung hinweg, bis, ja bis mich der zweite Teil der Wohnmobild-Reise vollends enttäuschte. Eine ausführliche Lobhymne auf Südafrika, Namibia, Gambia, Simbabwe und die Seychellen wurde nunmehr in epischer Breite gesungen, welche den übrigen Ländern keine Chance mehr gab. Zugegeben – Länder die auch ein nicht allzu verwöhnter Europäer durchaus verdauen könnte. Aber der Autor hat hier an dieser Stelle längst keine Lust mehr auf die Reise und sehnt sich, wie man seinen Favoriten entnehmen kann, längst in die geordnete Heimat zurück. Es ist eine Reise, die ohnehin weniger des Reisens wegen stattfand sondern einer übergeordneten Idee entsprang – der des Briefmarkenkaufs, mit der Autor Peter Kohle gern mehr Kohle machen wollte. Mit allem Respekt für den logistischen und finanziellen Aufwand und den Strapazen, so langweilt das Buch zunehmend, als die Reise durch Afrika mehr zu „einem schnellen Reinfahren oder zunehmend -fliegen, Postamtaufsuchen, einer Unterkunftsuche mit Qualitätsansprüchen“ verkommt, ohne einmal das Fenster zu öffnen und sich auf die einzelnen Länder neben den oben genannten einzulassen. Dennoch bleibe ich dran, weil mir der sarkastische Schreibstil sehr gut gefällt. Und auch ich immer wieder Situationen wiedererkenne, bei denen ich schmunzeln muss. Durchaus weiss ich aus eigenen Erfahrungen, dass Afrika die Meinung ändert, gar schärft, hat man diesen Kontinent erst bereist. So nehme ich manch einen Seitenhieb nicht übel, stimme Kohle in vielen auf dem Punkt gebrachten Details zu, doch seine Unlust auf Afrika, die ist für mich tatsächlich „une problemm“. [MB]

Peter Kohle, 1998/ 3. Auflage. (10. März 2011),  452 Seiten, ISBN 978-3831102716

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