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Berlin – Bonn – Bang

Auf die Idee wäre ich wohl nicht von selbst gekommen. Bonn! Das Rheinland zählte bisher wahrlich nicht zu meiner deutschen Top-Destination. Und dann sind es noch nicht einmal die Großstädte Köln oder Düsseldorf – nein Bonn. Was sollte mir dazu einfallen? Berlin – Bonn – da gibt es doch ein paar Gemeinsamkeiten? Hauptstadt, Museen, Uni, Wasser, U-Bahn …. mein Brainstorming wirkte. So weit war Bonn plötzlich nicht mehr von meiner Heimatstadt weg. Und dann kamen mir wieder so Schlagwörter wie Dialekt, Humor, Provinz in den Kopf. Das Tourismusamt Bonn würde also alle Hände voll zu tun haben, wollte es mich überzeugen…

From where i stand accident Autobahn Richtung Bonn

Und dann machte es Bang! Mitten in unsere musikalische 80er-Jahre-Nostalgiereise, die uns auf der Autobahn überkam, drängte sich ein lauter Knall. „Und es hat bumm gemacht.“ Hals und Kopf vibrierten entgegen dem Rhythmus von Talk Talk. Als ich mich gefangen hatte und in den Rückspiegel schaute, erblickte ich einen Motorradfahrer, der meines Erachtens seinen Sicherheitsabstand sträflichst vernachlässigt hatte. Nicht das noch! Das Wochenende ging ja schon super los. 26 Blogger würden sich in 3 Stunden in Bonn treffen, während wir auf dem Autohof Porta Westfalica festhingen. Paralysiert bleibe ich mit pulsierenden Schmerzen im Nacken auf dem Beifahrersitz sitzen und starre auf die Autobahn. Vor mir spielt sich ein Film ab, der im Schnelldurchlauf Polizei, Abschleppdienst, Krankenhaus, Halskrause … zeigt. Halskrause? Wer bitte will denn sich jetzt ne Halskrause anlegen lassen und so nach Bonn weiterfahren. Ich sehe mich schon bei schweißtreibenden sommerlichen Temperaturen mit diesem blöden Ding auf dem Rhein schippern. Nein, ich wehre mich! Das geht gar nicht. Ich bäume mich auf und steige aus dem Auto. Nachdem ich das Warndreieck mit zitternder Hand endlich im Seitenfach des Kofferraums gefunden habe, tue ich etwas, was ich noch nie in meinem Leben gemacht habe. Ich greife zum Handy und fotografiere diesen Unfall. Willkommen in der Welt eines Reisebloggers. Willkommen bei instagram. Dokumente meiner Reise.

KAH Bonn

Viereinhalb Stunden später Ankunft in Bonn. Kein Blick für die glanzvollen Villen, kein Blick für die beschaulichen Straßen – Bonn, das wird schwer! Und dann stießen wir auf dem Dach der Kunst- und Ausstellungshalle zu der Reisebloggertruppe, die längst die Arbeit und Ausstellung hinter sich gelassen hatte und bereits mitten im Networken war. Plötzlich blieb die Welt wieder stehen. Wir waren da, in Kleopatras orientalischen Garten. Und der äußerst sympathische Pressesprecher Sven und seine beiden Führer entführten uns mit ihren Berichten und Erzählungen direkt in die Welt der Königin des ägyptischen Ptolemäerreiches. Schön war sie wohl nicht gewesen, diese Kleopatra. Schön hat man sie später erst gemacht. Da ist sie wieder, die hypothetische Halskrause. Ästhetik hin oder her. Die unterschiedliche Auseinandersetzung mit der einst mächtigsten Frau in verschiedenen Epochen ist Gegenstand dieser Ausstellung. Wir schlenderten durch den liebevoll hergerichteten Dachgarten, der u.a. mit Gräsern und Blumen aus Kleopatras Heimat hergerichtet wurde und altägyptische und orientalische Gartenkunst zeigt. Und dann gab es da auch noch die Bienen, die für leckeren Kleopatra-Honig sorgen.

KAH Bonn Bienen KAH Bonn Dach

Es bedarf immer eines zweiten Blickes, und am nächsten Morgen sah die Welt bei uns und in Bonn schon ganz anders aus. Heute war ein arbeitsintensiver Tag angesagt. Wir arbeiteten dort, wo einst die Parlamentarier fleißig abstimmten – im alten Bundestagsgebäude, dem heutigen World Conference Center Bonn. Eine übereifrige Pförtnerfrau nahm uns 15 Minuten vor Programmstart in Empfang. Wir seien die ersten und sollen doch warten. Nun ja, sind Blogger so spät oder wir einfach zu früh? Wir zweifelten etwas. Vielleicht hatten wir uns ja im ehemaligen Parlament- und Regierungsviertel verlaufen. Doch als 10 Minuten später auch die anderen Reisblogger eintrudelten und uns verrieten, dass im Hintergrund längst die Vorbereitungen liefen, die uns die Dame in Uniform verschwiegen hatten war alles klar. Ein dichtes Programm mit Vorträgen und Workshops – wie Zusammenarbeit von Touristikern und Bloggern, Rechtsfragen, Technisches Equipment eines Reisbloggers, Storytelling, Gewinnspiele, Sicherheit von Blogs – erwartete uns. Dabei lernten wir uns und die Arbeit des Gründungsteams der Plattform deutschsprachiger Reiseblogger näher kennen.

Bundestag Bonn

Im Anschluss warteten Gaby und das Vergnügen auf uns. Gaby ist ein echtes bönnsches Mädche und das merkte man gleich. Mit viel Leidenschaft und Freude brachte sie uns die Highlights der einstigen Hauptstadt in etwas mehr als einer Stunde nah. Ich lernte beispielsweise, dass Bonn ein Brückenproblem hat und man mit den zahlreichen Fähren in Stoßzeiten schneller die Rheinseite wechselt. Auch das Bröckemännche wurde uns vorgestellt. Während ich den interessanten Geschichten Gabys lauschte, wurden meine Beine zunehmend müder. Ein bisschen neidisch schielte ich schon auf die Studentengruppen, die es sich auf dem Rasen im Hofgarten bequem gemacht hatten und den lauen Sommerabend genossen. So trugen mich meine Beine weiter, um den Alten Zoll, das Kurfürstliche Schloss, das heute die Universität beherbergt, das historische Rathaus, das nur zu Repräsentationszwecken genutzt wird, das 11. Jahrhundert erbaute Bonner Münster sowie die größte evangelische Kirche im Rheinland und die größte Kirche in Bonn, die Kreuzkirche, zu sehen. Über den Walk of Fame ging es abschließend zu dem Geburtshaus des wohl bekanntesten Sohns Bonns – Ludwig van Beethoven. Und dann war es Zeit für den gemütlichen Teil des Abends – im Brauhaus Bönnsch. Inzwischen war ich überzeugt, Bonn hat viel zu bieten. Bonn ist einfach schön. Aber wir puriysten lieben ja nicht nur Menschen wie Gaby und Kultur wie Beethoven sondern vor allem Natur. Und diesem Thema war dann der dritte Tag zumindest zum Teil gewidmet. Denn irgendwie drängten sich auch Kultur und Menschen wieder mit ins Geschehen…

Muenster Bonn Unsere Stadtführerin Gaby mit einem Bönnsch-Glas

Zunächst sollte es auf’s Wasser gehen. Mit der MS Beethoven hätten wir sogar bis nach Linz fahren können, was mich sehr überraschte. Doch schnell war Aufklärung für mich Nicht-Rheinlandkennerin geboten. Es handelte sich hierbei um die „Die Bunte Stadt am Rhein“ nicht um die in Österreich. Nach Linz sollte es aber ohnehin nicht gehen, sondern nach Königswinter. Als Kind des guten deutschen Mittelgebirges hatte dieser Ausflug ins Siebengebirge für mich natürlich auch seinen besonderen Reiz. OK, mit Höhe kann das Gebirge hier nicht punkten, aber wohl mit Geschichte, Legenden und Sagen.

Reiseblogger beim Fotografieren Blick von der Drachenburg auf den Rhein Richtung Bonn

Und diese versuchte ein sehr bemühter Führer, wir nennen ihn Franz, uns Bloggern nahe zu bringen. Einst hatte ich gelernt, schaue Deinem Gesprächspartner immer in die Augen. Dieses Gesetz ist längst außer Kraft gesetzt, seit Fotoapparat und Smartphone beim Reisen dabei sind. Nun multiplizieren wir diese Unhöflichkeit mal 28 und schon haben wir einen Haufen respektloser junger und mitteljunger Blogger, denen das perfekte Bild am wichtigsten ist. Ne lahme Gruppe seien wir, ein Fotoclub – hier trafen Welten aufeinander. Des einen Leidenschaft ist des anderen Leid. 90 Minuten, die sich wie Kaugummi dahinzogen und dennoch immer wieder durch pointierte Sprüche belebt wurden. „Jetzt bleiben wir alle auf dem Teppich.“ „Jetzt gehen wir durch die Wand, dann sind wir weg.“ „Der Fotoclub bitte hier entlang.“ Ich nehme es Franz nicht übel, dass er kultivierte Journalisten mit Schreibblock dem am Handy rumspielenden Blogger vorzieht. Zu viel Technikvernarrtheit verunsicherte mich auch noch vor einem Jahr.

Drachenburg

Später in Angelas Kräutergärtchen wiederholte sich die Skepsis. „Dürfen wir ein Foto machen?“ „Nein!“ (Ein nein, das später wiederum negiert wurde.) Immer noch überraschen die Momente der Ablehnung. Und dennoch kann ich verstehen, nicht alles muss ins Netz gestellt werden, auch nicht die Kräuter und Öle von Angela oder ihre kleinen niedersächsischen Drachen.

Angelas Kraeutergarten

Obwohl Drachen auf dem Drachenfels – das gehört doch irgendwie dazu? Trotz der Nibelungen Sage, die sich hier immer wieder aufdrängt, machen die Drachen am Drachenfels doch gar keinen Sinn. Vielmehr schuldet der Drachenfels dem Quarztrachyt seinen Namen, der sogar im Kölner Dom verbaut wurde. Da ich bereits im vergangenen Herbst den Drachenfels hinauf gewandert war, kannte ich schon die herrliche Aussicht. Doch Überraschungen und Neues gab es dieses Mal dennoch – die besagte Schlossführung durch die Drachenburg, die Fahrt mit der ältesten der vier noch betriebenen Zahnradbahnen in Deutschland und der Spinat. Nicht, dass mich Spinat überrascht – aber dass das Schloss in den 70er Jahren so einen coolen Retter wie Paul Spinat hatte, finde ich wirklich sympathisch. Ich habe nun mal einen Hang zu Exoten und Exzentrikern – und dieser Kategorie lässt sich Herr Spinat durchaus zuordnen.

Drachenburg Hirsch Drachenfels

Als ich Bonn und das Rheinland längst verlassen hatte und wir in Ludwigshafen/ Mannheim einfuhren, machte es BANG. Ganz plötzlich und unverhofft schoss es mir durch den Kopf. Es hat bumm gemacht! Bonn und ich, da ist was. Bonn ist voller Leben. Bonn ist voller Geschichte. Bonn ist grün. Bonn ist schön. Bonn hat Marken. Und Mannheim? Wir stehen im Stau weil sich ein Mann von der Brücke stürzen will. Großes Polizeiaufgebot. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

 


Ein ganz großes Dankeschön für die Einladung und die ausgezeichnete Organisation gilt Bettina Schmidt und ihrem Team vom Tourismus & Congress GmbH Region Bonn / Rhein-Sieg / Ahrweiler. Mein persönlicher Dank geht auch an Soledad Sichert und Gaby Brennig, die uns Bonn und die Umgebung auf wunderbare informative und gleichzeitig unterhaltsame Art nahe gebracht haben. Und was wäre ein Aufenthalt ohne ein Dach überm Kopf, also auch ganz lieben Dank für die Übernachtung im Günnewig Hotel Residence, das mir neben einem komfortablen Bett vor allem kurze Wege bot. Und nicht zuletzt noch einen ganz lieben und herzlichen Dank an das PDRB-Orga-Team Peter, Anja, Ingo, Martina, Monika, Petar, Gerhard, Doris, Meike, Claudia, Ulrike, Götz, Elke… uff, habe ich noch jemanden vergessen? Ja, die grandiosen Teilnehmer, die alle nett und sympathisch waren und mir die Büchse der Blogs noch weiter geöffnet haben. Und an die aufmerksame FernwehundsoJessie, für den leckeren Spekulatius-Aufstrich aus Aachen.

Autorin: Madlen Brückner
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Und wer einen genauen Einblick in die Ereignisse vor Ort bekommen möchte und wissen will, was so passiert, wenn man 28 Reisblogger in einen Raum oder auf ein Boot sperrt, der bitte hier entlang:

 

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