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2016

Aus den Boxen tönt „Voyage, Voyage“ von Desireless während die blondierte Mittvierzigerin neben mir nicht müde wird, im Stakkato zu erklären, dass wir von einer links versifften Regierung regiert werden, die längst nicht mehr des Volkes Stimme ist. Lügenpresse, Massenabschiebung, Pegida, Multikultischeiss dringen an mein Ohr. Am liebsten würde ich den Song im Radio noch lauter drehen – aber ja, nach Ägypten könne man ja nicht mehr reisen, in die Türkei auch nicht und überhaupt, am besten ist es schon Zuhause, doch diese Sicherheit ist nun auch gegangen. War sie, wenn wir ehrlich sind, schon zuvor. Aber alles manifestiert sich jetzt in dem Ereignis vom Montagabend – alle Ängste, aber auch die Wut und der Hass. Denn die Gefahr stand vor der eigenen Haustür, hat schon einmal geklingelt. Wann sie wieder zu Besuch kommt, ist ungewiss. „Alle denken so“, gibt die Kundin auf dem Stuhl neben mir lautstark zum Besten, um noch einmal die Quantität ihrer Aussage zu unterstreichen. Meine Friseurin flüstert mir ins Ohr, dass das schon seit gestern Morgen so ginge. Kunden und …

Neues von der INTI auf See

Und so taten sich Rasmus, Neptun und der Klabautermann zusammen und diskutierten lange. „Die von der Inti haben uns sonst doch auch einen Tropfen auf dem Äquator zukommen lassen, was war denn da dieses Mal los?““Was können wir tun?““Das geht doch nicht, die sind doch noch nicht richtig reif für die Inseln!“ Also liessen sie…

Eisberg im Antarctic-Sund

Wintermärchen Antarktis: Brown Bluff und mein erster Fuß auf Antarktischem Festland

Als wir am Morgen mit unserer MS Midnatsol durch die wirbelnden Schneeflocken in den Antarctic-Sund einfahren, hält es wohl niemanden mehr in der Kabine. Kräftig hellblau schimmernde Eisberge zwingen uns zu einem kleinen Schlängellauf, der schöner nicht sein könnte. Es knarzt aus der Ferne und wieder fällt ein Stück in den tiefblauen Ozean. Der Nebel legt sich über das Wasser und lässt weder Himmel noch Wasser deutlich erkennen. Winter im Antarktischen Sommer in Brown Bluff An diesem Ort werden wir das antarktische Festland erstmals betreten. Vom Deck sehen wir Pinguine munter wie Delfine durch das Wasser springen. Und als wäre dies nicht genug, wirbeln Flocken durch die Luft. Eis, Schnee, Kälte – das sind die besten Voraussetzungen für den Landgang in Brown Bluff auf der Tabarin Halbinsel. Es ist Liebe auf dem ersten Blick – die traumhafte Klarheit der Farben und der Luft mischt sich unter die Stille. Hier ist alles reduziert. Unsere Anlandung erfolgt gleich morgens und ist bereits spektakulär. Unser Zodiac sucht sich den Weg zwischen Eisschollen. Kleine Eisberge umrunden wir gekonnt. Vor uns …

Neues von der INTI auf See

Sommer, juhhuuuuuu! Weg mit den Wollmützen und Handschuhen, wir sind in der Südsee, oder – na ja – sagen wir fast, immerhin schon auf der Südhalbkugel. Zum dritten Mal auf unserer Reise hat INTI uns über den Äquator gebracht. Diesmal recht unspektakulär ohne die üblichen Regen- und Gewittersqualls. Die tummeln sich wohl immer noch weiter…

Half Moon Island, Pinguine

Antarctic Touch: Meine Ankunft in der Antarktis auf Half Moon Island

„Wer noch nie in der Antarktis war, kann sich nicht vorstellen, wie es dort aussieht und wer schon einmal dort war, vermag es nicht mit Worten zu beschreiben.“ Diesen Satz las ich vor meiner Reise. So schwammig die Vorstellung von der Antarktis ist, so ungewiss ist auch das, was sich vor uns am Horizont abspielt. Weder Ozean noch Himmel lassen sich durch klare Konturen erkennen. Die graue Farbwelt, die unser Schiff umschließt, scheint uns aufzusaugen. Wohin führt der Weg, wenn sich der Horizont auflöst, wenn man das vermeintliche Ende der Welt, das Fin del Mundo, schon in Südamerika hinter sich gelassen hat? 1,5 Tage Drake-Passage – die gefährlichste Seestraße der Welt Unsere MS Midnatsol fährt nun seit Stunden geradewohl durch dichten Nebel, der Himmel und Meer nahtlos miteinander verbindet. Buckelwale tauchen vor unserem Schiff auf, Albatrosse segeln über uns in den Lüften. Nachdem wir Kap Hoorn passierten, heißt unser Ziel nun ANTARKTIS. Allein das Wort wirkt berauschend. Dass uns von diesem Traumort noch 1,5 turbulente Tage in der schlimmsten Seestraße der Welt, der Drake-Passage, trennen, will ich dennoch ignorieren. …

Neues von der INTI auf See

Der vierte Tag auf See neigt sich langsam dem Ende zu. Langsam schaukeln wir durch die scheinbar endlose Weite gen Süden. Schiffe haben wir kaum gesehen und die Doldrums machen sich bis auf viele Regenfälle auch kaum bemerkbar. Entgegen unserer Befürchtungen segeln wir fast ausschliesslich, die alte Dame, unser Motor, kann sich ausruhen. Allerdings müssen…

Neues von der INTI auf See

Wir sind loooos!! Vor uns liegt der lange Weg auf die Osterinsel. Lang habe wir uns vorbereitet und abgewartet und dann ging auf einmal alles ganz schnell. Heute morgen lichteten wir den Anker vom südlichsten Punkt der Isla del Rey auf den Las Perlas und seitdem geht es Süd Richtung Passatwind. Noch dümpelt die schwer…

Wir lagen vor Kap Hoorn

Es ist Sonntagmorgen, der erste Advent, als ich den Vorhang noch ein Stück weiter beiseite schiebe, um nicht den Moment zu verpassen, in dem eine Landmasse hinter der doppelten Scheibe auftaucht. Noch blicke ich auf das offene Meer. Seit knapp 3 Tagen sind wir nun am Bord der MS Midnatsol von Hurtigruten. Ein gutes Stück mit chilenischen Fjorden, Gletschern und Bergen liegt hinter uns. Immer war irgendwo eine Bergkette oder Insel in Sichtweite, als wir die Magellanstraße und später den Beagle Kanal passierten.   Doch seit wir gestern Abend von Puerto Williams ablegten, um den südlichsten Punkt Südamerikas (naja, genau genommen sind das die 100 km entfernten Diego-Ramirez-Inseln, aber die sind schließlich nicht bewohnt) anzusteuern, gibt es nichts, was den Horizont von seiner Monotonie ablöst. Mein Magen kämpft langsam gegen den Rhythmus der Wellen an. Ich schwanke ein wenig durch die Kabine und fische mein Notfallkit gegen Seegang aus dem Schrank. Nicht, dass ich es schon bräuchte. Aber sicher ist sicher. Punkt 7 Uhr wird der Anker gesetzt. Wir haben Kap Hoorn erreicht. Rund 10.000 Menschen wurde dieses Stück …

Beelitz Heilstätten

Schritte

Und plötzlich ist man allein. Der Duft eines Krankenhauses zieht durch das Gemäuer, Türen fallen unregelmäßig ins Schloss, Schritte schlurfen durch die Gänge. Anspannung macht sich breit – bei mir und den anderen Patienten. Ich kehre in mein inneres Gefängnis. So ungefähr muss es sich anfühlen, wenn man nach einem Urteil seine Zelle bezieht. Wenn einen wenige Worte ersticken, einen aus dem reißen, was das Leben ausmacht. Düfte, Geräusche, Geschmäcker intensivieren sich dort, wo das Äußere nicht existiert. Der Zeiger der Uhr tickt langsam. Die Welt zieht in Zeitlupe vorbei.  Der Mann neben mir greift immer wieder die Hand seiner Frau, die ängstlich auf den Boden schaut. Ruhige Worte der Hoffnung flüstert er ihr ins Ohr – gerade so laut, dass sie mich noch erreichen. Sie leiden zu zweit für einen. Ich versuche mich etwas abzuwenden, lausche dem Rascheln des Magazins, das die Patientin links neben mir wahllos durchblättert. Ihre meditative Art mit dem, was auf uns zukommt, umzugehen. Wir warten auf unsere Diagnosen – gemeinsam und doch auch jeder für sich allein. Nur das Paar rechts neben …

Antarctica / Tholl Jean Pierre

Ins ewige Eis oder ans Ende der Welt – meine Reise in die Antarktis mit der MS Midnatsol

Seit Tagen sitze ich zwischen aufgestapelten Umzugskartons, pendle zwischen Wohnungen. Man könnte sagen, ich stecke in einer recht chaotischen Woche, wäre mein Jahr nicht ohnehin schon ein pures Durcheinander gewesen. Wann, wenn nicht jetzt, ist mal Zeit für eine Luftveränderung, für ein bisschen frischen Wind um die Nase? Aus den chaotischen Haufen versuche ich die Dinge zu fischen und in den Rucksack zu stopfen, die man für „so eine Reise“, die ich vor mir habe, eben braucht. Ich muss zugeben, so ganz weiß ich ohnehin nicht, was wirklich ins Gepäck muss. Denn diese Reise ist mit nichts Bisherigem zu vergleichen. Es geht in die… Antarktis Hätte ich eine Bucket Liste, die da hieße „Orte, die ich vor meinem 40. Geburtstag gesehen haben möchte“, dann wäre sie schon ziemlich abgearbeitet, denn viele Reiseträume habe ich mir bereits erfüllt. Aber da gibt es ein Ziel, das mich schon lange reizt, aber von dem ich nicht dachte, es je einmal zu erreichen. So weit weg ist dieser Ort, von dem ich spreche und für den ich genau jetzt all das Chaos …