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Fata Morgana

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Wir waren die letzten, die das Camp verließen. Aber mit 9 Uhr als Startzeit waren wir eigentlich bestens in unserer Zeit. Das letzte von diesem Camp waren vier winkende Angestellte am Ausfahrttor, die hinter uns immer kleiner wurden bis sie verschwanden. Die Hügelgegend, in der das Camp liegt, verschwand ebenso schnell und wurde durch eine weite Ebene abgelöst. Sand mit Kiesel und kleine grüne Halme – das war weit und breit alles, was unsere Augen erfassten. Und dann plötzlich eine Seenlandschaft links von der Straße – weit hinten, wir würden sie noch passieren. Was wir sahen oder glaubten zu sehen, passierten wir nie. Eine Fata Morgana oder besser zahlreiche Fata Morganas täuschten uns am Horizont. Immer wieder verschwamm ganz hinten eine Kante – verflüssigte sich. Feste Materie zerfließt, um sich wieder zusammenzusetzen. Ich war fasziniert, mehr noch als von den weiten Ebenen, die zunehmend sandiger wurden, denn unter jedem Kiesel ist auch nur Sand. Nach zwei Stunden Fahrt sahen wir eine Bergkette am Horizont – keine Fata Morgana. Hier begann es sandig zu werden und im Sand wuchsen Sauxalpflanzen. Eine weitere Stunde, die etwas holpriger wurde, bis wir die glühenden Felsen (flaming cliffs) erreichten. Sie leuchteten schon von weitem in den schönsten roten Farbschattierungen. Auch den Sauxalwald passierten wir, um auf der Anhöhe hinter den glühenden Felsen unser Camp Gobi aufzusuchen. Nach dem Mittagessen ließen wir uns mit dem Jeep zum Sauxalwald fahren und spazierten dort über den Glühenden Felsen zurück. Vom Sauxalwald werden im Winter Jurten beheizt, da Sauxal einen hohen Brennwert hat, und auch Tiere gefüttert. Seltsamerweise war kein anderer Tourist hier unterwegs. Auch als wir uns abends noch einmal zu den Glühenden Felsen fahren ließen, waren keine anderen Menschen weit und breit zu sehen. Der Sonnenuntergang war zwar schön, aber die erhofften feuerrot angeleuchteten Felsen tauchten nicht auf. Vielleicht ahnten dies die anderen, die sich deshalb nicht noch einmal auf den Weg hierher gemacht haben. Am Horizont tauchte stattdessen eine bedrohliche Front auf – Regen oder ein Sandsturm – die Wolken verschmolzen mit dem Boden. Wir hofften nicht auf Regen, da die Strecke dann morgen noch anspruchsvoller werden würde. Plötzlich windete es auch stark. Dies hatte eine ganz erdrückende Atmosphäre. Mit dieser aufziehenden Wolkenfront zogen eine ebenso riesige Gruppe von Mongolen in unser Camp ein. Wir hatten bereits mit großem Aufwand die Jurte von der Top Location direkt vorm Restaurant auf Randlage gewechselt, und wie froh ich war, als ich sah, was um 23 Uhr im und vorm Restaurant passierte. Nach dem Abendessen hatten wir uns zu einem holländischen Pärchen gesellt, mit denen wir den Abend verbrachten. Immer mehr Tische wurden zu einem Viereck zusammengestellt – Wodkaflaschen wurden ausgepackt, Kanister mit gegorener Stutenmilch und viele Süßigkeiten. Dann ging es los mit einer Ansprache. Beisammen saßen 30-40 überwiegend Lehrerinnen, die nach der Ansprache eines Mongolen zum Wodkatrinken genötigt wurden. Mit dem Alkoholpegel stieg auch der Lautstärkepegel und wir verabschiedeten uns in unsere Jurte in Randlage und gaben endlich den letzten Einzeltisch frei, um das Viereck zu schließen.

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