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See-Hopping in der Uckermark – Die Früchte des Sommers

Lychen

Die knorrigen Äste hängen tief über unserem holprigen Feldweg und ächzen unter der Last der Früchte. Pflaumen, Mirabellen, Kirschen, Äpfel – aufgeregt halten wir am Wegesrand, als ein Fahrzeug mit einem Uckermark-Kennzeichen uns ungeduldig überholt. Sicherlich wird sich der Fahrer denken: Diese Berliner wieder. Was mich heute so entzückt, ließ mich noch in meinen Kindheitsjahren auf dem Land kalt. Doch so ändert sich Wahrnehmung und Bedürfnis. Hastig strecke ich mich zu den Ästen aus, um ein bisschen von dem frischen Obst zu ergattern und abwechselnd in meinem Mund und Beutel verschwinden zu lassen.

 Auf dem Weg zur Krüseliner Mühle

Die Allee der Früchte, wie ich sie nun nenne, liegt zwischen Beenz und Mechow. Sie führt mitten durch Felder und Wälder und endet für uns an der Krüseliner Mühle am idyllischen Krüselinsee. Es frischt auf, als wir auf der Terrasse der Krüseliner Seeschänke speisen und dem emsigen Treiben der Kanuten aus der Ferne zusehen. Der 1.700 Meter lange Krüselinsee ist der klarste See der Feldberger Seen mit einer Sichttiefe von etwa 12 Metern und bewegt sich auf der Grenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Wir genießen die Ruhe inmitten des Waldes und lauschen dem Rauschen des Windes, der die Wipfel der Bäume wiegt.

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Krüselinsee

Speisen und relaxen in Beenz

In den kleinen Ortschaften, die wir nördlich von Lychen passieren, wird das, was die Einheimischen im Garten (oder an den Straßenrändern) auflesen und pflücken, für die Touristen angeboten.
Shoppen in der Uckermark nenne ich es liebevoll, als wir auf unserem Rückweg zum dritten Mal anhalten. Frische Mohrrüben, Heidelbeeren und Rote Beete wandern für wenige Euro, die wir in das leere Marmeladenglas einwerfen, in unsere Taschen. Aus dem Nachbargarten schaut eine ältere Frau in Kittelschürze zu uns hinüber, bevor sie sich wieder ihrem Mann zuwendet, der sich im Blaumann mit einem Bier vor dem Hauseingang platziert hat. Ansonsten sind die Straßen gähnend leer. Im Garten des liebevollen Cafés Rosalienhof ist hingegen kaum noch ein Platz frei. Bei leckeren selbstgemachten Torten und Kuchen der Schwestern und Mutter, die das Café betreiben, kann man den Andrang verstehen. Neben dem leiblichen Wohl steht hier das rundum Gefühl der ländlichen Idylle im Vordergrund. Die Frau am Nachbartisch tut immer wieder ihre Begeisterung für den schönen Garten kund.

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Clansee

Am Ortsausgang bei der Agrargenossenschaft von Beenz führt ein aufgewellter Waldweg zu unserem nächsten Ziel. Zwei Minuten, zeigt unser Navigationsgerät an, sollen es durch das Gelände sein, bis wir das Schimmern der Wasseroberfläche zwischen den Baumstämmen entdecken. Wir haben unser Ziel „Clansee“ erreicht, und dass nur wir uns an diesem Ort befinden, macht uns doppelt glücklich. Ein See nur für uns, aber bei der Auswahl von 590 Seen, die die Uckermark zu bieten hat, stehen die Chancen auch nicht schlecht. Ein kleines Schmunzeln kommt schon über meine Lippen, als ich am Rande der feuchten Liegewiese ein Dixi-Klo entdecke. Wild, unberührt und doch lebendig. Unter der Wasseroberfläche zeichnen sich Fußabtritte von Vögeln ab. Spuren der Natur.

Großer Kronsee

Großer Kronsee

Nur ein Steinwurf entfernt in Rutenberg befindet sich mit dem Großen Kronsee ein weiterer glasklarer See, an dem ich nun zum dritten Mal verweile. Wieder bereiten sich am Heck der geparkten Autos Taucher auf ihren Kurztrip in die Unterwasserwelt vor. Wo Taucher sind, ist die Unterwasserwelt noch intakt, und das sieht man. Im glasklaren Wasser, das schnell steil abfällt, kann man wunderbar Fische beobachten und weit hinausschwimmen. Stege ragen an den Rändern aus dem Schilf in das Gewässer. Die Liegefläche bietet Schatten und Sonne gleichermaßen – und viel Ruhe. Die Straße, die am See vorbeiführt, ist nahezu unbefahren. Wer hierher kommt, tut dies gezielt, ist Radfahrer oder hat sich in die kleine Ferienanlage gegenüber eingemietet.

Lychen, Zenssee

Zenssee

Auf dem Rückweg nach Berlin legen wir noch einen Stopp in Lychen ein. Auch hier habe ich inzwischen meine Lieblingsbadestelle, die unterhalb des Heilstätten Hohenlychen liegt. Hier ziehen immer wieder Wasserwanderer vorbei, aber dennoch suchen nur wenige die kleine Liegewiese auf, die an heißen Tagen doch wenig Schatten bietet. Wir laufen nach einem erfrischenden Bad kurz hinauf zum abgesperrten Gelände des Lost Places Hohenlychen, das man bedauerlicherweise nur noch an wenigen Terminen mit geführten Touren erkunden kann. Doch der Blick über den Zaun eröffnet schon die Ausmaße des sonnigen Sanatoriums mit seiner romantischen Architektur.

Einige ehemalige Ärztevillen sind bereits saniert und dienen als Wohnhäuser. Der Großteil der Anlagen steht aber weitestgehend leer. Doch Schilder weisen auf einen teilweisen Umbau in eine luxuriöse Ferienanlage hin. Gegenüber liegt die Platte. Ein Kontrast der nicht größer sein könnte, als ich ins Auto steige, um zurück nach Berlin zu fahren.

Im Rückspiegel zeichnen sich die Konturen der gold-braunen Felder ab, durch die eine Allee führt. Ich lasse nur ungern diese  unberührte Landidylle zurück, doch in meinem Beutel trage ich die Früchte dieses Stücks Erde – die Früchte eines Sommers, der langsam zu Ende geht.

Was man sonst noch wissen sollte?

Anreise

Lychen liegt ca. 1 Stunden und 45 Minuten von Berlin entfernt.

  • Mit Auto erreicht man es am besten über die B96 (via Gransee und Fürstenberg) bzw. L 15 oder über die L21 bzw. L23 (via Zehdenick und Templin).
  • Aber auch mit der Bahn kommt man von Berlin sehr schnell und unkompliziert nach Lychen. Mit dem Regional-Express Richtung Richtung Stralsund Hbf fährt man eine Stunde nach Fürstenberg und steigt dort dann in den Bus 517 um. Dieser fährt weniger als eine halbe Stunde und macht in Lychen mehrere Stopps.

Cafés & Restaurants:

Unterkunft:

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