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Maremma – ein Stück unbekannte Toskana

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In den Gassen von Orbetello kann man an diesem Herbsttag selbst dem Zirpen der Grillen noch lauschen, wenn nicht gerade aus irgendeinem Haus Musik ertönt. Während auf den Straßen und in den Restaurants fünf Tage lang die kulinarischen Köstlichkeiten der Maremma im Mittelpunkt stehen, musizieren besonders begabte Einheimischen unter dem Applaus der Gäste auf ihren Balkonen. Es ist Gustatus – ein gastronomisches Festival, das sich auf die Erzeugnisse der Maremma konzentriert und eine Vielzahl an italienischen Besuchern aus der Umgebung und dem 1,5 Stunden entfernten Rom in das 8000 Einwohner zählende Städtchen lockt. Der Trubel in den engen Straßen kann dem Charme von Orbetello nichts anhaben. Wer Ruhe sucht, der tritt einfach an das Ufer und überblickt das glitzernde Wasser. Denn noch faszinierender als das alte Gemäuer der einstigen etruskischen und römischen Stadt, die später von Spaniern und Franzosen besetzt und von Österreichern eingenommen wurde, ist ihre faszinierende Lage.

Die Lagunenstadt Orbetello und Tombolo Feniglia

Die heutige Lagunenstadt, die in der Antike gar eine Insel war, liegt szenisch auf einem Damm, der das Festland mit der vorgelagerten Insel Argentario verbindet. Südlich davon rahmt der naturbelassene Dünenstreifen Feniglia und nördlich davon der Dünenstreifen Gianella mit einer Straße, an der sich Campingplätzen uns Appartementanlagen aneinanderreihen, Orbetello und die Lagunenlandschaft ein. Die Tomboli, wie man die Sandstreifen nennt, schufen eine Verbindung zwischen der Insel und dem Festland. Besonders der lange Sandstreifen Tombolo Feniglia hat einen hohen Erholungswert, da er ein Schutzgebiet ist und größtenteils nur per Fuß oder Rad erkundet werden kann. Goldene und saisonal bedingt völlig einsame Sandstrände lassen mich hier für einen Moment verweilen. Im Schutz von Pinienwäldern, die hinter dem Strand liegen, kreuzt völlig unbeeindruckt Dammwild unseren Weg.

Auf den Spuren der Römer in Cosa

Nicht weit von hier finde ich mich zwischen Olivenbäumen wieder. Nah des beliebten Ferienortes Ansedonia stehe ich zwischen den Ruinen der antiken römischen Stadt von Cosa und höre aus der Ferne die Autogeräusche der Straße. Reste der einstigen 1500 m langen Stadtmauer säumen das Gelände der Ausgrabungsstätte, das zu seiner Blüte von 18 imposanten Türmen geziert wurde. Von hier kontrollierten die Römer ab 273 v. Chr. die neu eroberten Gebiete und das auf etruskischem Boden. Man sieht heute noch Umrisse von Privatwohnungen und auch das Forum sowie die Akropolis sind noch erkennbar. Vor der Stadtmauer befindet sich das Nationale Archäologiemuseum von Cosa, das über den Ruinen einer privaten Villa erbaut wurde. Dieses Archäologiegebiet war im Besitz der Marquise Sanfelice di Monforte.

Talamone und die Aussicht von der Rocca Senese

Nicht nur von den Bergen der Uccellina aus genießt man einen unvergesslichen Blick auf das Tyrrhenische Meer, die Costa d’ Argento (Silberküste) und die Lagunenlandschaft, sondern auch von der Rocca Senese in Talamone. Bevor wir den Ausblick vom Hügel genießen, trinken wir noch einen Kaffee am kleinen Hafen und schauen dem gemächlichen Treiben auf den Booten und Schiffen zu. Segelmäste füllen das Hafenbecken – im Sommer sind es wohl noch viel mehr.

Ein Weg führt nach oben zur Rocca Senese. Hier öffnet sich uns nicht nur der Blick über das unverschämt türkisfarbene Meer, sondern sogar die Inseln Giglio und Montecristo, Elba, deren zarte Konturen sich am Horizont abzeichnen, kann man erahnen. Steinige Buchten, die zuvor durch die felsige Steilküste verdeckt blieben, kommen nun zum Vorschein. Die grüngewellte Landschaft weist braune Schattierungen auf. Lachsfarbene Häuserwände fügen sich in dieses Terrakotta-Farbspiel ein und werden von der gnadenlosen Sonne wunderbar angestrahlt.

Auf der Halbinsel Argentario

Und dann liegt uns noch die Halbinsel Argentario mit gleichnamigem Vorgebirge zu Füßen, die mancherorts gar als achte Insel der Toskana bezeichnet wird. Unzählige Privatvillen versperren hier zwar den Zugang zu den ohnehin schon schwer erreichbaren Badebuchten, doch deuten diese auch bereits auf die Gäste hin, die sich hier erholen. Die zwei einzigen Ortschaften Porto Santo Stefano und Porto Ercole ziehen den Jetset an und sind besonders beliebt unter Touristen aus Rom und Florenz. Und so verwundert es nicht, dass in dem Hafenbecken manch große Jacht geparkt ist.

Doch um Argentario zu genießen, muss man nicht baden gehen, sondern kann – soweit man mit Auto oder Rad unterwegs ist – den szenischen Blick von der Panoramastraße (Strada Panoramica) sowohl nach Südwesten über Porto Santo Stefano hinaus als auch nach Südosten über Porto Ercole hinaus genießen. Pinien, Korkeichen und Erdbeerbäume säumen die Straße, die beide Ortschaften miteinander verbindet. Porto Santo Stefano und Porto Ercole schmiegen sich harmonisch in die Berglandschaft, über die massive Befestigungsanlagen Filippo, Santa Caterina, Stella und La Rocca aus spanischer Zeit, dem 16. Jahrhundert, wachen.

Nachdem wir uns in der Bar del Porto an der Promenade am Yachthafen gestärkt haben, starten wir von der Altstadt über die kleinen Treppenaufgänge hinauf zur Rocca Spagnola. Diese befindet sich im Privatbesitz, 50 Familien leben hier. Für uns öffnet der Wärter etwas widerwillig die Tür und wird nicht müde, ums auf das strikte Fotografierverbot hinzuweisen. Zwischen den Torbögen umhüllt uns Vogelgezwitscher. Wie gern würde ich hier noch länger verweilen. Über den alten Ortskern führt ein Weg wieder hinunter zum Hafen. Drei alte Männer sitzen schweigend vor einer kleinen Kneipe. In einer Seitengasse hat sich eine Katze auf einer mintfarbenen Vespa zur Ruhe gelegt. Mehr Leben ist hier nicht drin, nicht jetzt im Herbst. Und doch weht da Wäsche unter den Fenstern. Es ist ein Ort der Stille, der so viel Kraft ausdrückt.

Und dann fahren wir im Licht der untergehenden Sonne mit der Fähre über die Laguna di Ponente. Das Funkeln der Lichter von Orbetello spiegelt sich vor uns auf der glatten Wasseroberfläche. Nichts mag sich hier bewegen. Und auch ich möchte hier bleiben.

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 Ich wurde vom Tourismuskonsortium Maremma und ENIT eingeladen. Alle Ansichten sind meine eigenen. 

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