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San Agustinillo – Menschen, die auf’s Meer starren

San Agustillenio

Rote Flaggen wehen im Wind, als ich an diesem Morgen durch den kühlen Sand an das Meer trete. Surfbretter lehnen an den Holzstämmen, die die Sonnenüberdachung stützen. Doch sie wollen erst später am Tag eingesetzt werden. Links und rechts begrenzen Felsen die Bucht von San Agustinillo. Sanft werden sie vom grau-blauen Wasser umspielt. Wellen tösen in der Brandung. In diesem kurzen Moment des Morgens gibt es nur mich, den Strand und das Meer. Als nur wenige Augenblicke später im Osten die Sonne den Himmel orange färbt, finden sich weitere Touristen am Strand ein, um zu meditieren, Yoga zu machen, zu laufen oder zu spazieren.

San Agustillenio

 

Nur eine Nacht trennt das quirlige Stadtleben Oaxacas vom Meeresrauschen des Pazifiks. Mein Bus windete sich rasant durch die Dunkelheit in der Sierra, die hin und wieder von der zaghaften Beleuchtung einiger Behausungen und Siedlungen am Wegesrand durchbrochen wurde. Wie eine leuchtende halbierte Orangenschale lag der Mond im Himmel und wich nicht von meiner Seite. Dann schüttete der Bus eine Handvoll Passagiere in der Kleinstadt Pochutlo aus. Der Busbahnhof war nicht einmal beleuchtet. Silhouetten von Menschen machten meine müden Augen auf den Sitzbänken und dem Boden aus. Taxifahrer stürmten trotz der frühen Stunde um 5.30 Uhr eifrig auf uns zu, um uns aus diesem Setting zu reißen. „Mazunte? Zipolite?“ tönt es durch die Nacht.  Mein Ziel war nur noch eine Meeresbrise von hier entfernt und hieß San Agustinillo. Eine Fahrt dahin mit geschlossenem Fenster wäre ein Frevel gewesen. Der Wind nimmt der Nacht den Dreck und den Schweiß – überzieht die Haut mit neuer Frische, die das beste Make Up der Welt nicht besser auf mein Gesicht hätte zaubern können.

San Agustillenio

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Es ist der Moment, in dem einen nur noch wenige Schritte durch den Sand vom Meer trennen. Körner rieseln durch die Zehen. Flip Flops wären hier zu viel. Wir könnten in den Hängematten auf dem Rezeptionisten warten. Wo ließe es sich auch schöner Zeit totschlagen? Wie sehr wird einem in diesem Augenblick bewusst, was „Ausfüllen von Zeit“ bedeutet. Wenn Zeit nicht die Suche nach Reizen bedeutet, die gestillt werden wollen, sondern die Reize dich finden. Den Meeresduft in der Nase, Sand auf der Haut, Salz auf den Lippen und das melodische Rauschen der Wellen im Ohr.

San Agustillenio

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In San Agustinillo sehen so ganze Tage aus, die das begrenzte Stück Zeit bündeln und sie unwichtig erscheinen lässt. Ab 9 Uhr frühstücken die ersten Gäste, ab 11 Uhr füllt sich das Restaurant. Alles geschieht in Zeitlupe. Entschleunigt wird am Drink geschlürft, während die Blicke nur eine Richtung kennen – zum Meer. Dann wechselt man in die Hängematte oder macht einen Strandspaziergang. Nur wenige wagen das Bad in den Wellen. Und geht doch einer ins Wasser, schleppt sich ein Life Guard mit roter Bay-Watch-Boje im langsamen Schritt den Strand entlang, um die Person über die Gefahren des Pazifiks aufzuklären, denn schließlich weht hier wohl jeden Tag die rote Fahne.

San Agustillenio

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In San Agustinillo sitzt oder liegt man am Strand. Das Leben passiert. Strandverkäufer preisen ihre Waren wie Ketten, Tücher oder Taschen demotiviert an. Ab 16 Uhr mischen sich dann noch hippe, junge Mexikaner mit Speiseangeboten wie Kuchen oder Falafel unter die Verkäufer. Hunde spielen im Sand, jagen mal Spaziergänger, dann sich untereinander. „Mira“ tönt es von der Seite. Drei Kinder versuchen sich im Hula Hoop, wobei der Junge gnadenlos untergeht. Ich schnappe mir einen Reifen, und lasse ihn wie vor 30 Jahren über die Hüften schwingen. Stundenlang beschäftigte ich mich damals im Garten mit meinen Reifen. Ein bisschen Kind kommt an solchen Tagen gern mal wieder hoch. Wenn Zeit wie einst in Kindestagen noch anderes Empfinden auslöste und nicht vorüberflog.

Beachlife, Mindfulness, Downshifting, Detox, Yoga, Meditation – das schönste Nichtstun vereint sich hier in einem einzigen Meeresrauschen. Man könnte eigentlich so viel tun, doch hier lerne ich, mich mit dem zufrieden zu geben, was mich umgibt. Ich muss nicht selbst gestalten und tue es den anderen gleich, die morgens bis abends da sitzen, liegen oder stehen und auf’s Meer starren. Es sind zwei Tage der kompletten Entschleunigung, die mich auf den 21 Millionen-Moloch Großraum Mexiko Stadt vorbereiten.

Was man sonst noch wissen sollte?

Lage:

San Agustinillo geht fließend mit dem größeren und bekannteren Mazunte ineinander über. Liegt Mazunte auf einer Anhöhe, hat San Agustinillo den Vorteil der Strandlage.

Anreise:

Ich kam mit dem Nachtbus von Oaxaca und stieg in Pochutla aus. Von dort kann man zwischen dem kostengünstigen Sammeltaxi (offener LKW) und Taxi wählen. Dauer: ca. 45 min

Der nächste Flughafen liegt in Huatulco und ist in ca. 1 h mit Taxi erreichbar. Man kann auch den 60 km entfernten Flughafen Puerto Escondido wählen.

Unterkunft:

Un Sueño, Cabañas del Pacifico, Santa Maria Tonameca – Oaxaca, 70940 San Agustinillo

Restaurants

  • Luz del Sol (vegetarisch)
  • Mora (italienische Küche und gutes Frühstück)
  • Il Focolare (italienische Küche)
  • Lobo del Mar (Paninis)
  • Heladeria (gegenüber vom Un Sueño)

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