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Der letzte Tag

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Heute wartete noch einmal ein ganzer Tag Ulaanbaatar auf uns. Unweit des Bahnhofs zu schlafen, hieß auch, viel Verkehrslärm und mitternächtliche Bahnhofsansagen. Ein bißchen dem Traum näher – ganz nah an der Transsib, aber das Highlight hebe ich mir für das nächste Mal auf. Denn aktuell geht die Reise zu Ende. Mongolei kompakt. Für heute haben wir einen Ausflug zum Zaisanhügel geplant. Erst einmal zum Bayangol Hotel laufen, von wo aus wir Bus Nr. 7 zum Unigebäude nehmen. Die Busse sind knallvoll, denn anders als bei unserer Ankunft lebt die Stadt inzwischen wieder von den Studenten. Der Unibetrieb wurde wieder aufgenommen. Der Zaisanhügel auf der südlichen Seite des Tuul-Flusses ist nahezu vollständig zugebaut bzw. besser gesagt, wird gerade total zugebaut. Überall Bauzäune und Baustellen. Wir steigen westlich aus und begehen den Fehler, gen Süden zu laufen. So müssen wir fast eine Runde um den Hügel drehen, bis wir eine Lücke in einem Holzzaun finden. Nach Süden hin hätte es etwas versteckt auch eine Treppe gegeben. Aber wir hatten ja bereits gelernt, überall wo ich fahre oder gehe, ist ein Weg. Und so schmückten den Hügel auch zig Trampelpfade. Leider wird dieser Hügel in den nächsten Jahren immer mehr untergehen im nahenden Fortschritt der Stadt. Denn um diesen Hügel herum und förmlich auf dem Hügel nagen sich immer mehr Wohnsiedlungen für den gehobenen Mittelstand den Weg. Platz hat das Land und die Stadt wahrlich genug, daher ist für mich dieser Bauplan sehr unverständlich. Die Monumentenanlage auf dem Zaisanhügel ist ein Geschenk der Sowjetunion zur Erinnerung an die unbekannten Soldaten und die Helden der vergangenen Kriege. Am Fuß Des Hügels findet man ein Monument mit einem Panzer (T34), der einst sogar vor Berlin stand. Auf dem Hügel bläst ein guter Zug, also steigen wir recht rasch wieder herab, um noch einen Abstecher in den Buddhapark zu machen. 16 m hoch ist die Statue von Shakyamuni. Mehr gibt es nicht zu sehen – ein verwaister Kindervergnügungspark und ein kleiner Zoo. Nichts für das europäische Auge. So laufen wir den Weg zurück über die Tuul-Brücke und suchen das Bogd-Khan-Museum auf. Hier war die Residenz des achten und letzten Bogd Khan. 1893 entstand dieser Winterpalast im tibetischen Baustil. Die Tempel sehen wieder sehr hübsch aus. Nervig sind die viermal höheren Zusatzgebühren für das Fotografieren als die eigentliche Eintrittsgebühr. Und so werde ich gleich ermahnt, als ich anfange, ein bisschen die Tempel von außen zu fotografieren. Andere fotografieren sogar innen jede Buddhastatue ohne ein separates Ticket, aber hier herrscht wohl eine Zweiklassenwelt. Der Militäranzug, in dem mir der Wächter gegenübertritt, reicht als Anerkennung seiner Autorität. Das waren die letzten Sehenswürdigkeiten auf unserem Programm. Museen wie das der Naturgeschichte und das Nationalmuseum lassen wir aus. Keine Lust, Zeit in Räumen zu verbringen. Zum Kaffeetrinken gehen wir in Wendys Bakery und danach noch ein paar Souvenirs shoppen. Ein bisschen Geld ist noch übrig. Ein letztes Mal gehen wir über den Sukhbaatar-Platz. Dann war es das mit Ulaanbaatar. Den Abend lassen wir im Blanca Luna ausklingen – ein veganes Restaurant, wie es so einige in Ulaanbaatar gibt – zu unserer Überraschung. Unser Guest House wurde inzwischen von einer Gruppe deutscher Schüler erobert. Die Dorms und öffentlichen Bereiche sind fest in ihrer Hand. Schüleraustausch mal anders. Man fühlt sich plötzlich alt. Die Bahnhofsansagen wiegen uns in den Schlaf. Die letzte Nacht im Fernen Osten.

 

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