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Regen in der Wüste Gobi

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Es stürmte mächtig, als wir aufwachten. Und ein Blick aus der Jurte sagte uns, das wird kein guter Tag. Seit dem Regentag am Khuvsgul See  war uns die Sonne stets wohlgesonnen. Jeden Tag blauer Himmel! Heute jedoch war dieser Ton von der Farbpalette gestrichen. Es dominierte düsteres Grau. Die Düne verschwamm am Horizont mit Himmel und Sand. Kein Tag für schöne Fotos. Der letzte Tag mit wundervollem Programm sollte uns erwarten. Doch das dieses auf eine lange Fahrt mit kurzem Spaziergang verkürzt werden sollte, war uns bis dato nicht klar. Die erste Strecke führte immer der Düne Khongoryn Els entlang und war somit landschaftlich sehr schön. Wir fuhren durch die vom regenreichen Sommer gut begrünte Wüstensteppe während neben uns eine endlos lange Düne in den düsteren Himmel hinauf ragte. Erst nach 1,5 bis 2 Stunden entfernten wir uns zunehmend von der Düne, um in die Richtung der Berge zu fahren. Leider setzte hier wieder das schon verschwunden geglaubte kollektive Vergessen bei Fahrer und Guide ein. Was wieder von unserem Wagen Besitz ergriff, hieß Orientierungslosigkeit. Ab Bayandalay hatten wir ein Problem, und das äußerte sich zunächst in mehrfachen Stopps mit Fensterscheibe Herunterdrehen, um nach der Richtung zu fragen. Abgewechselt wurde dies durch Handykartenkäufe und mehrfachen „Pipipausen“. Die versprochenen drei Stunden zu unserem Ziel Yolyn Am waren längst überschritten. Das Programm sagte Mittag, die Nervosität stieg. Nun versuchte man nicht mehr zu vertuschen, was längst nicht mehr zu vertuschen ging. Man fuhr gen Osten, um 10 Minuten später wieder zurück zu fahren, dann probierte man Norden, dann wieder zurück. Wir hatten keine Ahnung, wo genau nun die Geierschlucht lag. Irgendwo dahinten, zeigt der Fahrer. Aber wo nur in dieser mächtigen Bergkette genau? Nach vier Stunden war ich schon etwas angefressen, aber dennoch hielten wir still. Wir wollen uns unseren letzten Tag ja nicht noch versauen. Als wir endlich einen gnädigen Mopedfahrer fanden, der uns vorausfuhr, war die Rettung nah. Und plötzlich tat sich tatsächlich ein Parkplatz mit kleinem Museum vor uns auf, und nur 10 km weiter wartetete die Geierschlucht auf uns. Hier wurde hurtig der verschobene Programmpunkt nachgeholt: Picknick im Grünen. Leider vergisst unser Guide gern, dass wir zum Essen doch lieber nett auf der Wiese sitzen, anstatt zu stehen oder in einer runtergekommenen Überdachung das Essen in uns hineinzuschlingen. Die Decke wurde stets im Auto gelassen. Ist ja nur unnötiger Ballast. Nach dem Picknick ging es mit Battuul dann bei einem kleinen Spaziergang – eine Wanderung würde ich als etwas längeres bezeichnen – direkt zu der imposanten Schlucht. Zwischen den Felswänden kreisten Geier, nur die Steinböcke vermissten wir. Dafür vergnügten sich unzählige Pfeifhasen auf dem Boden, die ähnlich wie die kleinen Murmeltiere immer in Erdlöcher verschwanden, wenn man sie fotografieren wollte. Aber ihr Pfeifen war permanent präsent. Bis dieses von einem dröhnenden Gewitter übertönt wurde, das aufzog und rasant unsere Schlucht erreichte. Regen setzte ein, der Donner hallte doppelt so intensiv wie normal zwischen den engen Felswänden. Zynisch könnte ich sagen, wir kamen eine Stunde zu spät hierher. Während die wenigen Touristen flüchteten, liefen wir zur Schlucht. Im normalen Sommer ist hier alles vereist. Aber im September hat auch der letzte Sonnenstrahl das Eis zum Tauen gebracht, so dass dieses Highlight uns vorenthalten blieb. Zurück im Auto fuhren wir nun das kleine Museum am Eingang an. Hier trafen wir ein letztes Mal auf die Brasilianer – zum Glück. Denn ohne diese und ihren vorzüglichen Guide, wäre der Museumsbesuch ein Trauerspiel geworden. Ausgestopfte Tiere, denen man förmlich Knöpfe als Augen dranmontiert hatte. Schlechte Präparierkunst, über die die netten Anekdoten und die interessante Führung des Guides der Brasilianer hinwegtrösteten. Er hatte etwas zu erzählen zur Region, zur Natur, zu den Tieren, etc. Battuul hingegen kommentierte den beeindruckenden Auftritt ihres „Berufskollegen“ mit den Worten „er spricht sehr gutes Englisch“. Naja, anstatt das vorzügliche Englisch fand ich die Guidefähigkeiten noch beeindruckender. Ich merke mir Juulchin als die Reiseagentur mit Qualität. Hilft mir jetzt auch nichts mehr. Aber das frustriert schon, wenn man durch die Landschaft fährt mit so vielen Fragen, und jedes Mal ein Schweigen oder eine verlegene falsche Antwort erhält. Längst hörte ich auf, Fragen zu stellen. Ich erwähnte schon, hier war mehr ein Dolmetscher als ein Guide an Bord. Manchmal hätte ich auch gern mehr Fahrer als Frager an Bord. Oder Kommunikator anstatt Denker. Wir fuhren los zu unserem 12 km entfernten Camp. Buch lesen, Beine hoch, entspannen – stand in Aussicht, es war inzwischen 16 Uhr. Das Camp sei eine andere Richtung als Dalanzadgad – die Hauptstadt dieses Aimags. Diese Stadt würden wir morgen auf unserem Rückweg erst passieren. Seltsam nur, dass die Stadt plötzlich vor uns am Horizont auftauchte und immer näher kam. Wir fuhren frontal auf die Skyline von Dalanzadgad zu, kein Camp weit und breit in Sicht. Als die Häuser deutlich zu erkennen waren, fragte ich noch einmal nach, weshalb wir nun doch Richtung Dalanzadgad fahren, wenn das Camp ganz woanders läge. Battuul entgegnete uns „zum Tanken“. Ich erlebte ein Déjà-vu. Bolivien, Salar-Tour ohne Salar! Wir fuhren nun 40 km bis nach Dalanzadgad, um zu tanken und dann wieder den 40 Kilometer langen Rückweg anzutreten? 80 km Umweg auf unbefestigter Straße nach einem wirklich etwas verplemperten Tag? Weshalb hatten sie uns erst nicht ins Camp gefahren, wenn es nur 12 km von dem Museum entfernt war, um allein Tanken zu fahren?Außerdem tanken sie doch sowieso grundsätzlich immer erst, wenn wir morgens losfahren. Ich wurde leicht verstimmt und wusste doch die Antworten auf all meine Fragen. Ich hatte es längst bemerkt. Unser Fahrer hatte wieder einmal gar keinen Plan, wie er zum Camp gelangen sollte, wo das Camp lag. Wir hielten, diskutierten, noch immer Stand im Raum, er wolle tanken. Wir fuhren weiter in Richtung Stadt. Inzwischen regnete es unaufhörlich – es war 17 Uhr. Unser Fahrer verschwand im Tankhäuschen und ich sah durch die Scheibe, wie die Tankdame ihm etwas erklärte und Richtungen zeigte. Aha, dringendes Tanken ohne die Zapfsäule anzupeilen, sondern um sich flux Richtungen erklären zu lassen? Wieder sprach ich Battuul an, die nun bestätigte. Sie sei auch verarscht wurden, hätte nichts gewusst. Der Fahrer hätte auf eigene Faust gehandelt. Nun begann jeder seinen Arsch im Wagen zu retten. Alles, was ich wollte, waren keine 40 km zurückzufahren. Keine weitere sinnlose Stunde im Auto, nur um 19 Uhr Abendessen im geplanten Camp einzunehmen. Morgen müssten wir eh Dalanzadgad passieren. Es ist keine schöne Stadt und bei Regen verschwindet der letzte Rest an nicht vorhandenem Glanz. Was bleibt ist öde, staubig, uninteressant. Dennoch will ich nur noch eins – hier bleiben oder in ein Camp direkt vor der Stadt. Doch das ist schwierig, noch weiss der Boss in Ulaanbaatar nicht, was hier aus dem Ruder läuft. Er soll es auch nicht erfahren, so scheint es. Ein Telefonat mit einer Frauenstimme folgt, wohl das Office. Dieses erhellt nicht den Fall. Wir bitten um eine Entscheidung. Es ist unser Geld, unsere Zeit – doch sind wir nun Bittsteller. Denn die Verwaltung unseres Geldes liegt in Battuuls Hand. Seltsame Situation. Wir bitten Battuul Boum, ihren Chef, anzurufen, um Erlaubnis für eine Übernachtungsänderung einzuholen. Nun fahren wir die beste Adresse dieses schlechtesten Ortes an und sehen von außen ein heruntergekommenes Hotel. Sie checkt uns ein und erklärt uns, wann es Abendessen und Frühstück gäbe, und wann sie uns abholen würden. Doch was ist mit ihnen? Sie müssen wohl im Auto schlafen, Lars dämmert es und bemerkt, dass sie noch immer vertuschen, daher das Verweigern des Anrufes bei Boum. Sie haben wohl wahrscheinlich auch die Übernachtung aus eigener Tasche bezahlt. Ich verstehe die Welt nicht. Glauben sie, das wir nicht mit Boum kommunizieren werden, so oder so? Erst jetzt greift sie zögerlich zum Hörer. Boum willigt ein und wir dürfen hier bleiben, müssen nicht zum Camp fahren. Wo Fahrer und Guide schlafen, bleibt jedoch weiter ungewiss. Sie antworten nicht auf unsere Fragen. Ihr Wagen steht später nicht mehr vor der Tür. Die letzte Nacht im Ger wird unverhofft eine Nacht im einst besten Hotel von Dalanzadgad. Inzwischen gibt es bessere Häuser. Aber wir wollen uns nicht beschweren. Der Zimmerpreis ist nicht teurer als die ausgeschriebenen Preise der Gercamps. Unser Budget überschreiten wir schon mit unserem Abendessen für 2 EUR pro Person, das Battuul als Abschied noch für uns bestellt hat. Keine Vorspeise, kein Dessert – eine Tasse Tee. Sie haben bereits woanders gegessen. Langsam frage ich mich, wo mein Geld hingeht. Fast 2000 EUR und MEIN Budget ist überschritten bei 2 EUR Abendessen?  Das muss ich verdauen.

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